Gastro-Kritik

Cuno B: In Stimmung für Wong Kar-Wai

Restaurant Cuno B

Das Cuno B in der Klenzestraße ist ein moderner Nachfolger des legendären Restaurants Mai, eines der ersten vietnamesischen Lokale in der Stadt.

Ein kurzer Ausflug in die Vergangenheit, Ende der Achtziger Jahre: Autor plus Freundin zogen gerade gegenüber in der Aventinstraße ein, und wenn sie nicht im Zwingereck (heute Xaver’s)oder im Klenze 17 (gibt’s immer noch) ihr Bier tranken und kein Schnitzel mehr in der Königsquelle essen wollten oder aus finanziellen Gründen konnten, besuchten wir gerne das Mai.

Hier lernten wir die vietnamesische Küche kennen und lieben, hier entdeckten wir den Unterschied zu den vor Glutamat strotzenden Lacksoßen vieler chinesischer Lokale, die damals die fernost-asiatische Küche der Stadt dominierten. Viele Betreiber der ersten vietnamesischen Lokalitäten kamen über die ehemalige DDR nach München und Bayern, haben im Osten studiert oder gearbeitet. Nicht der Betreiber des Mai, Herr Tu, der ist mit der legendären Cap Anamur Anfang der Achtziger Jahre nach Deutschland gekommen.

Cap Anamur

Damals beschloss die Bundesregierung rund 40 000 vietnamesische Flüchtlinge aufzunehmen, ein halbe Million Menschen verließen nach dem Sieg des Vietkongs Ende der Siebziger Jahre aus humanitären und politischen Gründen ihre südvietnamesische Heimat und gerieten zum Großteil vor den Küsten Indonesiens auf kleinen Booten in Seenot, rund 250 000 ertranken oder verstarben in Internierungslagern. Die Cap Anamur war ein ehemaliges Frachtschiff, das zum Flüchtlingsrettungsschiff mit der finanziellen Unterstützung von Prominenten wie u.a. Heinrich Böll umgebaut wurde und rettete von 1979 bis 1986 über 10 000 Menschen.

Oft saßen wir an der Bar und lauschten den Erlebnissen Herrn Tus, der eigentlich Lehrer war und das Land verlies, nachdem sein Vater aus einem Umerziehungslager des Vietkongs wieder nach Hause kam und dem Sohn zur Flucht riet. Schon bald holte er seine Angehörigen nach und das Mai wurde zu einem klassischen Familienbetrieb: seine Frau machte den Service, er stand in der Küche, manchmal halfen nach den Schularbeiten, die an einem Ecktisch stattfanden, auch die Kinder mit. Nach fast 30 Jahren übergab Herr Tu das Restaurant an den befreundeten Gastronomen und Küchenchef Tuan Tran Van, dieser betrieb zehn Jahre lang ein Lokal in Berlin, bis es Zeit wurde für einen Ortswechsel.

Asian Fusion Food

Ganz augenscheinlich ist der neue Wirt ein großer Fan des asiatischen Kinomagiers Wong Kar-Wai, Filmszenen aus seinen Meisterwerken wie „In The Mood For Love“, „2046“ oder „Chunking Express“ schmücken hier großflächig Wände und Bar. Und auch die Küche hat sich verändert: Asian Fusion Food nennt Tuan Tran Van seine Interpretation der traditionellen vietnamesischen Speisen mit Elementen aus der chinesischen, japanischen und thailändischen Küche. Wie auf seiner Website angekündigt, hat der Einsatz von frischen Kräutern und Salaten dabei oberste Priorität.

Das beginnt schon beim Mittagstisch: Vit Tau Xi (8,90) entpuppte sich als schmackhafte, gebratene Entenbrust mit groß geschnittenen Stücken Aubergine, Bambussprossen, Brokkoli, Champignons, Karotten, Lauch, Paprika, Zwiebeln, schwarzen Bohnen, Sojasoße und Sesamöl – dazu natürlich Kräuter wie Thai-Basilikum und Minze und ein kleiner Salat, den es aufgrund des tollen, knackigen Gemüses und der üppigen Portion eigentlich gar nicht gebraucht hätte.

Abends dann ein Ausflug eher Richtung China: die Hoanh Thanh Suppe (7,90) ist eine eher milde Hühnerbrühe mit kleinen Wan Tans (mit Hähnchen-Farce gefüllt), Bambussprossen, Champignons, Karotten, Lauch, Pak Choi, Zwiebeln, Kräutern und Sesamöl. Danach gab es Bo Xao Rau (16,90) eine große Portion (reicht für zwei mit je einer Vorspeise) gebratene Rinderhüfte (geschnitten) mit Bambussprossen, Brokkoli, Champignons, Karotten, Lauch, Paprika, Sellerie, Sojasprossen, Zwiebeln, Kräutern und Salat. Auch hier wieder ehrlicher Genuss, schön, dass keine Soße künstlich angedickt war und das Gemüse knackig zubereitet wurde.

Fazit: solide asiatische Küche in einer urbanen Lokalität, die durch die Filmszenen mehr wie eine Bar wirkt, leider auch von der Lüftung her. Wenn man die sehr umfangreiche Karte etwas reduzieren und mehr Wert auf Raffinesse statt Quantität legen würde, könnte das Cuno B auf ganzer Linie wie einst der Vorgänger überzeugen.

Autor: Rainer Germann

Cuno B, Klenzestr. 8
Tägl. 12 bis 15 Uhr und 17.30 bis 23 Uhr, Tel 089 228 33 03, www.cuno-b.de

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