Donnerstag, 23. Februar 2012
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für 14 Tage & Nächte in München

Ausstellungen

Täglich frisch! 100 Jahre Münchner Großmarkthalle Im Stadtmuseum

Die Großmarkthalle ist quasi die Vorstufe des Viktualienmarktes. Was man dort kaufen kann an Obst und Gemüse, kommt frisch aus Sendling. 1912 wurde die Großmarkthalle gegründet, das heißt sie feiert heuer ihr 100-jähriges Bestehen, was wiederum das Stadtmuseum mit einer Ausstellung feiert: Täglich frisch! 100 Jahre Münchner Großmarkthalle (bis 15. Juli, Begleitbuch) erzählt die bewegte Geschichte von Europas drittgrößtem Umschlagplatz für Obst und Gemüse. Von hier aus werden täglich ca. 5 Millionen Menschen mit Gemüse und Obst versorgt, zudem werden Waren in das gesamte europäische Ausland verkauft. 270 Import- und Großhandelsfirmen machen pro Jahr einen Umsatz von ca. 1,5 Milliarden Euro. Hier gibt es nahezu alles: Gelbe Rüben, Bananen, Kartoffeln, Spargel, Maracuja aber auch Blumen, Fleisch, Fisch, Feinkost und Wein werden gehandelt. Anfangs wurden nur die städtischen Märkte versorgt, mit der Zeit kamen Gemüsehändler, Gastronomie und Supermarktketten dazu. Auf  31 Hektar Fläche wird täglich frische Ware aus aller Welt angeboten und wer mitfeilschen möchte, muss früh aufstehen, denn die Großmarkthalle hat ihre eigenen Arbeitszeiten, der Tag beginnt um 5:30 und endet um 13:00, 3.000 Menschen arbeiten hier – fast schon ein kleines Dorf.

Am 14. Februar 1912 eröffnete der Oberbürgermeister Wilhelm Ritter von Borscht die Großmarkthalle an der Thalkirchner Straße und da steht sie auch heute noch und da wird sie auch weiterhin stehen. Wer also wissen möchte, woher der Salatkopf auf seinem Teller kommt, wer mehr über Geschichte, Entwicklung, Organisationsform und Struktur dieses umtriebigen Wirtschaftsbetriebes erfahren möchte, sollte also ins Stadtmuseum gehen und den Fernseher einschalten: Anlässlich des Jubiläums zeigt das Bayerische Fernsehen die vierteilige Doku „Geschichten aus der Großmarkthalle“ (ab dem 26. Februar an drei Sonntagen in Folge jeweils um 15 Uhr)

Jörg Hube - Mein Kopf ist eine Bombe In der Monascensia

Er war einer, dem man gern das Schild „typisch bayerisch“ umhängte. Was nicht nur daran lag, dass er tatsächlich des bayerischen Dialekts mächtig war und in München lebte. Es lag wohl vor allem daran, dass die Bayern gern so wären, wie er war, also brandmarkten sie seine Charaktereigenschaften als „typisch“ und vereinnahmten sie für sich. Ja, und wie war er denn nun wirklich, der Jörg Hube? „Unangepasst“, „warmherzig“, „spitzbübisch“, „ein Charakterkopf mit einer unvergesslichen Stimme“. Das war zumindest in den zahlreichen Nachrufen über den Schauspieler zu lesen. So haben ihn die anderen gesehen.

Wie er sich selbst gesehen hat, kann man jetzt, zwei Jahre nach seinem Tod, in der Monacensia entdecken. Die von der Autorin und Regisseurin Eva Demmelhuber kuratierte Ausstellung zeigt größtenteils Dokumente aus dem Nachlass, den das Literaturarchiv als Schenkung erhalten hat. Handschriftliche Dokumente, Briefe, Schulaufsätze, Kinderzeichnungen, Kritzeleien, Regiebücher, Rundfunkmanuskripte, „Herzkasperl“-Texte, Film- und Theaterfotos, Notizen über die Auseinandersetzung mit der Obrigkeit – all das fügt sich zu einem sehr persönlichen Mosaik des vielseitigen Künstlers.

Egon Schiele - Das Unrettbare Ich Im Lenbachhaus Kunstbau

Seine Bilder erzielen Höchstpreise, und dass er wegen „Verbreitung unsittlicher Zeichnungen“ im Gefängnis saß, weiß so ziemlich jeder. Tja, und wahrscheinlich hängt das eine auch irgendwie mit dem anderen zusammen, denn Egon Schiele ist nicht nur einer der wichtigsten Vertreter des Expressionismus, sondern auch eines dieser seltenen Künstlerexemplare, bei dem man seine bürgerlich-romantische Sehnsucht nach einer Einheit von Leben und Werk (vermeintlich) verwirklicht sieht: Er lebte schnell, starb früh und hinterließ ein spektakuläres Werk, dessen Drastik für Provokation sorgte.

Nun widmet das Lenbachhaus dem österreichischen Maler eine Ausstellung im Kunstbau, in der nicht der voyeuristische Blick auf das expressive Leben des österreichischen Malers im Mittelpunkt steht, sondern sein Werk im zeitgenössischen Kontext neu gedeutet werden soll. Dass Schiele mit seinem Modell Wally Neuzil jahrelang in wilder Ehe lebte und auch sonst nichts anbrennen ließ, ist zwar pikant, vielleicht auch interessant, aber auf keinen Fall werkerklärend. Ein biografisches Detail, nicht mehr – doch die Versuchung dem leicht anstößig-prickelnden Mythos vom wilden Wiener Künstlerleben zu erliegen ist groß. Der Mensch ist halt doch nur ein Mensch, egal ob Künstler oder Konsument.

Gezeigt werden Zeichnungen und Aquarelle aus dem Bestand der Albertina in Wien, der bedeutendsten Sammlung von Schieles Werken auf Papier. Raumexperimente, die Natur als Utopie, Sexualität und das moderne Subjekt – das sind die inhaltlichen Aspekte unter denen Schieles Werk neu entdeckt werden soll. Im Mittelpunkt steht die Suche des Künstlers nach dem eigenen Ich – in seinen Selbstbildnissen und in seinen Gedichten – ja, Schiele hat auch geschrieben. In einem Gedicht aus dem Jahr 1910, es heißt „Selbstbildnis“, spricht er von seiner „…durstigen Trunksucht nach Freisein…“. Wer sind wir also, dass wir ihn in einem Künstlermythos einsperren?                                                                                                                                           Barbara Teichelmann

Sabine Hornig "Durchs Fenster" In der Pinakothek der Moderne

Draußen ist das, was vor dem Fenster passiert, und drinnen das, was dahinter vor sich geht. Dass es nicht so einfach ist, kann man schon allein daran erkennen, dass es bei dieser Definition maßgeblich darauf ankommt, wo man sich gerade befindet, also drinnen oder draußen. Eine Frage des Standpunkts sozusagen. Nächster Versuch: In unserem Kopf ist drinnen, und in den Köpfen der anderen draußen. Hm, und wo wäre dann bitte die Schnittstelle? Drinnen, in unserem Kopf. Das behauptet zumindest die Künstlerin Sabine Hornig. Vor zehn Jahren fing sie an Schaufenster von leerstehenden Ladengeschäften in Berlin Mitte zu fotografieren, „Fenster“ nannte sie diese Serie, von denen einige Arbeiten bereits 2003 im New Yorker Museum of Modern Art zu sehen waren. Jetzt zeigt die Pinakothek der Moderne in dieser Ausstellung die komplette Serie, bestehend aus rund 50 großformatigen Fotografien.

Eine Glasscheibe, in der sich Bäume spiegeln, dahinter ein Gitterrollo, dahinter ein im Umbau befindlicher Raum mit Ausblick in den Hinterhof auf weitere Fenster. Oder: Eine schmutzige Glasscheibe mit Resten von Tesafilm in der sich eine Hausfassade spiegelt, dahinter ein leerer Raum mit Durchgang, dahinter noch ein Raum, begrenzt von einer Mauer, in der ein Loch den Blick auf ein unscharfes Draußen freigibt. Das Spiel mit Durchblicken, Spiegelungen und Überlagerungen von Raum- und Bildebenen ist verwirrend raffiniert, kaum ein Foto kann man auf den ersten Blick entschlüsseln. Also schaut man genauer hin und versucht zu verstehen, wo vorne, wo dahinter und wo eine Mitte ist, und merkt ziemlich schnell, dass es darauf nicht ankommt.

Es ist paradox: Ausgerechnet fotografische Abbildungen irritieren so stark, dass unsere gewohnten Seh- und Wahrnehmungsmechanismen nicht mehr greifen, und wir gezwungen sind neue Räume zu denken. Die abfotografierte Wirklichkeit mutiert, wird zur Projektionsfläche für Hornigs Raumkunst, die sich an der Schnittstelle zwischen drinnen und draußen, zwischen Realität und Abstraktion – und letzten Endes also in unserem Kopf – befindet. Wo hört der tatsächliche Raum auf, und wo fängt das Abbild desselben an? Wenn man mag, kann einen diese Frage bis ans eigene Eingemachte bringen: Wo hört mein Abbild auf, und wo fängt Ich an? Gibt es mich tatsächlich, und wenn ja wie? Oder besteht der Mensch aus Spiegelungen und Überlagerungen, also aus Bildern, die man, und die, die anderen von einem sehen? Kann man mal drüber nachdenken, gerade jetzt, wo es so früh dunkel wird und man des Öfteren sein Spiegelbild in einem der erleuchteten Schaufenster an sich vorbeilaufen sieht.

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Do 23. Februar -
Mi 7. März 2012
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