Kirsten Dunst in "Civil War"

Neue Kinofilme: Die Starts der Woche vom 17. April

Natur vs. Kultur am Beispiel Japan, ein mitreißendes Filmwunderwerk aus Italien und eine groß angelegte US-Dystopie… in den Filmstarts der Woche.

Evil Does Not Exist

Natur // Kultur. Takumi und seine kleine Tochter Hana leben einfach und im Einklang mit der Natur auf dem Land, bis ein Unternehmer aus Tokio ein Luxus-Camping-Resort errichten will, und dafür zwei Firmenvertreter ins Dorf schickt. Bald eskalieren die Spannungen … Evil Does Not Exist ist das neue Werk des japanischen Oscar-Preisträgers Ryusuke Hamaguchi („Drive My Car“)! Eine große (auch musikalische) Elegie. Lange Standing Ovations beim Filmfest in Venedig.

La Chimera

Im Labyrinth. Der Engländer Arthur (Josh O‘Connor) trauert um seine verstorbene Geliebte Benjamina. In Italien schließt er sich den „Tombaroli“ an, die antike etruskische Gräber plündern, um schnelles Geld zu machen. Er aber hofft, hier das Tor zur Unterwelt zu finden. Alice Rohrwacher („Land der Wunder“, „Glücklich wie Lazarro“) gelingt mit La Chimera ein zauberhaftes, mitreißendes, heiteres Filmwunderwerk über die Sehnsucht, die Träume und die Zerbrechlichkeit des irdischen Glücks.

Amsel im Brombeerstrauch

48 Jahre Jungfrau. Unbeirrbar frei. Dann aber verliebt sie sich doch leidenschaftlich in einen Mann. Etero, bodenständig, alleinstehend, mit einem kleinen Laden in einem abgelegenen georgischen Dorf. Die plötzlich den Zauber der Liebe und ihre Sinnlichkeit entdeckt. Elene Naverianis zärtlich skurrile Dramödie Amsel im Brombeerstrauch feierte Premiere bei der Quinzaine in Cannes. Und Hauptdarstellerin Eka Chavleishvili wurde für den Europäischen Filmpreis nominiert.

Civil War

In naher Zukunft löst der verfassungswidrig amtierende US-Präsident einen Bürgerkrieg aus. Texaner und Kalifornier sind auf dem Weg nach Washington D.C., um ihn und sein Regime abzusetzen. Ein paar Journalisten schlagen sich durch, um ihn noch einmal zu interviewen. Civil War (Regie: Alex Garland, „ExMachina“, „Annihilation“) ist düsterste Dystopie – kurz vor der Wahl im November.

Die Kinostarts von letzter Woche (11.4.)

Back to Black

Back to Black. So hieß 2006 Amy Winehouses‘ legendäres zweites Album. Back to Black heißt, 14 Jahre nach ihrem viel zu frühen Tod, auch das von Sam Taylor-Johnson („Fifty Shades of Grey“) inszenierte Biopic über das allzu kurze Leben der großen Künstlerin, dargestellt von der perfekt besetzten Marisa Abela.

Ein Glücksfall

Im Goldenen Käfig. Fanny (Lou de Laâge) und Jean (Melvil Poupaud) führen eine perfekte Pariser High-Society-Ehe. Bis zu Fannys zufälliger Wiederbegegnung mit ihrem alten Schulfreund Alain (Niels Schneider). Erst eine romantische Affäre, dann vielleicht doch die Scheidung? Allerdings, Jean hat wohl eine dunkle Seite. Fannys Mutter Camille (Valérie Lemercier) versucht sich als Hobby-Detektivin. Ein Glücksfall ist ein sehr vergnügliches, originelles und ironisches Vexierspiel, ein neuer Film vom mittlerweile 88 Jahre alten Woody Allen, gelungen wie in seinen besten Zeiten.

Irdische Verse

Grotesker Irrsinn ist das Markenzeichen der staatstragenden iranischen Bürokratie, wann und wo auch immer einfache Bürger mit ihr konfrontiert sind. Mit Sarkasmus, schwarzem Humor und bitterer Ironie erzählt Ali Asgaris und Alireza Khatamis tragikomischer Irdische Verse von Begegnungen in Amtsstuben, religiösem Eifer und Behörden-Willkür.

Zwischen uns der Fluss

Ganz allmählich nähern sie sich einander an. Alice (Lena Urzendowsky), die nach einer Verurteilung Sozialdienst leisten muss, und Cam (Kotti Yun), die nach einem rassistischen Überfall traumatisiert ist. Alice lädt Cam ein, bei ihr zu wohnen. In einem geschützten Raum, einer Villa, in Dresden, hoch über der Elbe. Zwischen uns der Fluss ist ein sehenswerter Film von Michael Klier, dem Meister des aufmerksamen, stillen Beobachtens.

Ein Traum von Revolution

Sandinista, Brigadista. Wer erinnert sich noch an das Engagement tausender westdeutscher UnterstützerInnen, die in den 1980ern nach Nicaragua reisten, um beim Wiederaufbau zu helfen. Träume, Wünsche, Hoffnungen auf allen Seiten. Petra Hoffmanns Doku Ein Traum von Revolution zieht, 45 Jahre nach der Revolution, Bilanz.

Sieger sein

Willkommen im Wedding. Mona, 11, kommt aus Syrien, kann kein Wort Deutsch, aber Fußball spielen. Einzelkämpfer*innen, Teambuilding, ein engagierter Lehrer (Andreas Döhler). Soleen Yusefs Sieger sein ist der ehrenwerte Versuch, außer den Film-Förder-Gremien auch die Jugend selbst fürs deutsche Schulfilm-Kino zu begeistern.

Die Kinostarts von vorletzter Woche (4.4.)

Morgen ist auch noch ein Tag

Must See! Ein Schwarz-Weiß-Film über häusliche Gewalt, von dem Kritik und Publikum begeistert sind und der alle Rekorde bricht?! 1946, Nachkriegs-Rom. Delia, Ehefrau und dreifache Mutter, ist die Prügel-Attacken ihres Ehemanns Ivano gewohnt. Tochter Marcella versteht’s nicht, Freundin Marisa hält zu ihr, und ein mysteriöser Brief könnte alles ändern … Morgen ist auch noch ein Tag von Regisseurin und Hauptdarstellerin Paola Cortellesi ist eine kurzweilige Komödie (!) über die vielen kleinen Schritte auf dem Weg zur Emanzipation – mit einem unvermeidlichen, höchst erfrischenden Schluss. Sechs Millionen Zuschauer in Italien!

Ich Capitano

Die Route. Ich Capitano, der neue Film von Matteo Garrone („Pinocchio“), erzählt von zwei jungen Senegalesen, Seydou und Moussa, die davon träumen, in Europa als Musiker Karriere zu machen. Ihr Weg führt durch die Wüste (mit Pick-Up, zu Fuß), Foltergefängnisse, aufs Boot – Überleben ein Wunder, das Sterben normal.

Andrea lässt sich scheiden

Eine umfangreiche Besprechung zu Josef Haders Film „Andrea lässt sich scheiden“ lesen Sie in unserem Filmtipp des Monats.

Monkey Man

Hanumans Rache. Nach einem Massaker in seinem Heimatdorf lebt Kid (Dev Patel) als Waise in der fiktiven Stadt Yatana. Verdingt sich in einem illegalen Kampfclub. Unter einer Gorilla-Maske verborgen, erträgt er manches blutige Duell – und wird sich an den Mördern seiner Mutter, an Ausbeutern und Unterdrückern furchtbar rächen. Der knallharte Action-Thriller Monkey Man ist das Regiedebüt von Dev Patel („Lion – Der lange Weg nach Hause“, „Slumdog Millionär“).

Omen

Innovativ. Star-Rapper, Filmemacher und Allroundkünstler Bajoli erzählt in seinem kraftvollen, vielfach prämierten Debüt Omen von Koffi, der nach Jahren in den Kongo zurückkehrt, um sich den Segen seiner Familie für die Heirat mit der Belgierin Alice zu holen. Allein, hier gilt er noch immer als vom Teufel besessen. Lief in Cannes! CineRebels Award in München!

Immaculate

Horror-Konvent. Schwester Cecilia wechselt von Detroit in ein Kloster in Italien. Tough. Die alten Nonnen streng, ein Priester zugewandt. Cecilia wird unversehens schwanger, hat wunderbarer Weise unbefleckt empfangen – ihr Orden aber ist ein Hort des Bösen. Immaculate ist ein Horror-Thriller, bei dem Sydney Sweeney als Scream Queen brilliert.

Godzilla x Kong: The New Empire

MonsterVerse. Im mittlerweile fünften „Godzilla“-Film Godzilla x Kong: The New Empire müssen die beiden gegen eine kolossale Bedrohung kämpfen. Mei.

Die Kinostarts vom 28.3.

Chantal im Märchenland

Chanti is bäck! Möchtegern-Influencerin Chantal (Jella Haase) und ihre beste Freundin Zeynep (Gizem Emre) geraten in die Märchenwelt. Per Zauberspiegel. „Dornröschen“ ist grad angesagt. Nur läuft das keineswegs so wie bei den guten Grimms selig. Prinzessin Amalia denkt nicht ans Heiraten. Prinz Bosco hadert mit seiner Identity, Aladin versteht nichts vom Teppich-Surfen, die Hexe (Nora Tschirner) widerspricht allen Vorurteilen und übergriffige Prinzen müssen sich in Acht nehmen! Das lustig-fetzige Kinoabenteuer Chantal im Märchenland ist der neueste Streich des „Fuck Ju Göhte“-Dream-Teams rund um Bora Dağtekin.

One Life

Kindertransport. Als junger Mann rettet Nicholas „Nicky“ Winton (Anthony Hopkins) kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs 669 jüdische Kinder vor den Nazis. Und macht sich später Vorwürfe, dass er nicht mehr getan hat. Jahrzehnte später erfahren die mittlerweile Erwachsenen von seinem Engagement, und er lernt einige der Überlebenden kennen. One Life erzählt seine Geschichte.

Kleine schmutzige Briefe

Skandal, Skandal! Unbescholtene Bürger bekommen überaus anstößige Briefe. Die stammen von der allzu lebenslustigen Rose (Jesse Buckley), der aus Irland ins beschauliche Littlehampton zugezogenen Singlemutter – da sind sich die erzkatholische Edith (Olivia Coleman!) und Scotland Yard so gut wie sicher. Polizistin Gladys (Anjana Vasan) hat da ihre Zweifel. Rose aber kommt in Haft … Die toll gespielte Provinzkomödie Kleine schmutzige Briefe ist „based on a true story“. Vorurteile, Hass und Heuchelei – das gab’s schon in den 1920ern – ganz ohne SozMed.

Dschungelhelden auf Weltreise

Fasten fürs Klima! Ms Novak (Mia Wasikowska) unterrichtet in einem britischen Elite-Internat, auf Wunsch von Elternbeirat und Direktorat, bewusste Ernährung. Ihre Schüler*Innen sind begeistert, üben Verzicht, essen bald gar nichts mehr und entziehen sich, als Mitglieder im kultigen Club Zero, ihren desaströs entfremdeten Geldadel-Eltern. Der neue Film von Jessica Hausner („Lourdes“). Was tun, wenn ein Superschurke den Dschungel mit einer rosa Substanz überzieht, die bei Wasserkontakt explodiert? Ein Monat bleibt bis zur Regenzeit, und die Dschungelhelden auf Weltreise eilen auf der Jagd nach einem Gegenmittel quer über den Erdball, um die Anima-TV-Serie mal wieder durch eine Kinoauswertung zu ergänzen