"Der Kolibri"

Neue Kinofilme: Die Starts der Woche vom 16. Mai

Birgit Minichmayr mimt genial den die Malerin Maria Lassnig, eine unkonventionelle Familiengeschichte aus Italien und mal wieder eine Rom-Com mit Meg Ryan… in den Kinostarts der Woche.

Mit einem Tiger schlafen

„Männer sind Flügelbeschwerer!“ Den Werdegang Maria Lassnigs, der groß(artig)en österreichischen Malerin, schildert Anja Salomonowitz‘ poetisches Porträt Mit einem Tiger schlafen (der Titel bezieht sich auf eines ihrer berühmtesten Bilder)– von den Anfängen an der Wiener Kunstakademie über die emanzipatorische Zeit in New York bis ins 21. Jahrhundert. Malen als Körpererfahrung. Birgit Minichmayr fasziniert in dieser maskenlosen Rolle.

Der Kolibri

Ach Luisa! Marco (Pierfrancesco Favino) lebt in Rom, ist Augenarzt, verheiratet, eine Tochter – und träumt noch immer von einer (unerwiderten) Sommerliebe in den 1970ern. Als Kind hieß Marco Der Kolibri – und Regisseurin Francesca Archibugi erzählt eine unkonventionelle Familiengeschichte, die Chronik einer Liebe in vielerlei Wendungen, über die Zeiten, bis in die Gegenwart – nach dem Bestsellerroman von Sandro Veronesi.

Auf trockenen Gräsern

Mit dem Schicksal hadert der junge Kunstlehrer aus Istanbul, den es in ein abgelegenes Dorf in Anatolien verschlägt. Trotz einer Affäre mit seiner Kollegin wünscht er sich nichts sehnlicher, als so bald wie möglich die provinzielle Tristesse verlassen zu können. Mit einer Reihe von Ereignissen schwindet die Hoffnung immer mehr, so ringt er mit sich und den Menschen. Auf trockenen Gräsern ist das neue, fesselnde poetisch-philosophische Meisterwerk des türkischen Autorenfilmers Nuri Bilge Ceylan. Weltpremiere in Cannes 2023.

Das Zimmer der Wunder

Warten auf ein Zeichen. Als ihr Sohn Louis beim Skaten verunglückt und ins Koma fällt, entdeckt Thelma (Alexandra Lamy) zufällig eine Wunschliste des 12-Jährigen. Die beginnt sie abzuarbeiten, stellvertretend für ihren Sohn, und in der Hoffnung, ihn auf diese Weise irgendwie wieder ins Leben zurückzuholen. Liza Azuelos‘ Das Zimmer der Wunder ist die erfolgreiche Verfilmung des Bestseller-Romans von Julien Sandrel.

What Happens Later

„Wie ist es Dir ergangen?“ Zufällig begegnen sich Bill (David Duchovny) und Willa (Meg Ryan) wieder. Am Airport. Nach geschätzt 25 Jahren. Ihre Flüge fallen aus. Zeit genug, um in einer langen Nacht gegenseitig das Leben zu reflektieren, und, vielleicht, Bezug nehmend auf die alte College-Liebe, einen Neuanfang zu wagen. What happens later ist ein Best-Agers‑Rom-Com-Rührstück, von Meg Ryan selbst inszeniert.

The King’s Land

Blut und Boden. Der dänische König wünscht, das wild-wüste Jütland urbar zu machen. Ludvig von Kahlen (Mads Mikkelsen) erhofft sich Ruhm und Reichtum und macht sich ans Werk, im beständigen Kampf gegen Wetter, Wölfe und einen über Leichen gehenden Konkurrenten. The King’s Land heißt Nikolaj Arcels arg hölzern konstruierter Dänemark-Rache-Western.

IF – Imaginäre Freunde

Alle Kinder haben imaginäre Freunde. So auch die kleine Bea, die zusammen mit ihrem erwachsenen Nachbarn (Ryan Reynolds) jede Menge dieser Wesen kennenlernt. Vom flauschigen Giganten Blue (deutsche Stimme: Rick Kavanian) über ein tanzfreudiges Einhorn bis zu einem coolen Hund. Die „IFs“ reagieren allerdings gekränkt bis ziemlich böse, wenn sie von den heranwachsenden Menschenkindern schlicht vergessen werden. IF – Imaginäre Freunde, eine RealFilm/CGI-Mixtur, entspringt der Fantasie von John Krasinski.

Die Kinostarts von letzter Woche (9. Mai)

Beautiful Wedding

Frühmorgens in Las Vegas fällt der Groschen: Abby (Virginia Gardner) und Travis (Dylan Sprouse) haben sich während einer heißen Partynacht das Jawort gegeben. Tja. Nun stehen die Flitterwochen an, in Begleitung ihrer besten Freunde America (Libe Barer) und Shepley (Austin North). In Mexico. Roger Kumbles Beautiful Wedding ist die höchst konsequente Fortsetzung der durchgeknallt-metaironischen Young-Adults-Farce „Beautiful Disaster“ (2020).

It’s Raining Men 

Lust statt Frust wünscht sich Iris (Laure Calamy), eine Pariserin um die 50. Ehegatte Stéphane ignoriert ihre Bedürfnisse. Doch dank einer DatingApp für unverbindlichen Fun kann sich Iris vor Liebhabern kaum noch retten – und ist mit der Organisation ihrer heimlichen Abenteuer fortan gut beschäftigt. It’s Raining Men ist eine lust- volle französische Komödie.

Bad Director

Desaströs ist es um den abgehalfterten Regisseur Gregor Samsa (Oliver Masucci) bestellt. Der hasst sich selbst und alles, was ihn umgibt, schimpft über die deutsche Filmbranche, kriegt am Set nichts auf die Reihe, überwirft sich laufend mit seinen Hauptdarstellern, dem Regieassistenten, dem Produzenten … sucht Trost beim Sex mit seiner neuen Muse, wenn er nicht zur Flasche greift. Oskar Roehlers tragikomischer bis schwer inkorrekter Bad Director basiert auf seinem Roman „Selbstverfickung“.

Planet der Affen 4: The New Kingdom

Endlich, endlich, 300 Jahre nach der letzten blutigen Schlacht zwischen Af- fen und Menschen, gibt es in Planet der Affen 4: The New Kingdom wieder, entgegen aller Heils- und Friedenslehren, Machtmissbrauch, Kampfgetümmel, Mord und Totschlag, Sklaverei. Schimpansen-Chef Noa versucht, mit Hilfe des wilden Menschenmädchens Mae, seine Familie zu finden und zu befreien.

Robot Dreams 

Guter Kamerad. Hund haust einsam in New York. Bestellt sich einen Roboter, baut ihn zusammen und hat jetzt einen Freund. Die beiden: unzertrennlich. Bis Roboter bei einem Ausflug auf Coney Island am Sandstrand stecken bleibt, und vor sich hin rostet … Während Roboter sich in Träume an die schöne gemeinsame Zeit flüchtet, setzt Hund alles daran, ihn zu befreien. Robot Dreams ist ein liebevoll gestalteter Animationsfilm von Pablo Berger, nach Sara Varons Comic-Vorlage „Robot und Hund: Wahre Freundschaft rostet nicht“.

Garfield – eine extra Portion Abenteuer

Armer oranger Kater. Garfield (Hape Kerleking) stürzt ins Chaos, als sein lange verschollen geglaubter Vater, Straßenkater Vic und dessen alte Freundin Jinx (Anke Engelke) aufkreuzen. Garfield – Eine extra Portion Abenteuer ist, fast 50 Jahre nach seinem ersten Auftritt, klar, noch immer Kult.

Teaches of Peaches

Empowerment. Predigt die feministische Sängerin, Produzentin, Regisseurin und Performance-Künstlerin Merrill Nisker unter ihrem Künstlernamen Peaches schon seit zwei Jahrzehnten. Philipp Fusseneggers Doku Teaches of Peaches begleitet sie bei ihrer 2022er Welttournee.

Der grüne Prinz

Sohn der Hamas. Mosab Hassan Yousef ist der Sohn von Scheich Hassan Yusef, einem der Mitbegründer der militanten palästinensisch-islamischen Hamas. Mit 17 wurde Yousef für die Zusammenarbeit mit Israels Geheimdienst Schin Bet rekrutiert. Nadav Schirmans Dokumentarfilm Der Grüne Prinz bietet faszinierende Einblicke in den Nahostkonflikt. Aus den konspirativen Treffen entwickelte sich eine tiefe Männerfreundschaft zwischen Yousef und seinem israelischen Führungsoffizier. Yousef lebt heute in den USA und ist eine der wichtigsten Stimmen gegen den Terror der Hamas. Bayerischer Filmpreis für den besten Dokumentarfilm 2014! (Sondervorstellung: Mi 15.5., City-Kinos).

Die Kinostarts vom 1./2. Mai

The Fall Guy

Ein Colt für alle Fälle. Stunt-Man Colt Seavers (Ryan Gosling) kann nicht mehr. Dann kommt die große Chance für die Rückkehr ins Geschäft. Seine Ex Jody Moreno (Emily Blunt) führt Regie bei einem Film, in dem auch sein ehemaliger Kollege und Konkurrent Tim Ryder (Aaron Taylor-Johnson) eine Rolle hat. Colt gerät in eine üble Verschwörung, als Tim spurlos verschwindet. The Fall Guy ist ein Kino-Remake der legendären TV-Serie gleichen Titels.

Das Geheimnis von La Mancha

Ritterlich den Stürmen trotzen. Der phantasiebegabte Alfonso, 11, ist ein Ururur…-Enkel von Don Quichote. Gemeinsam mit seinen Freunden Pancho und Victoria schreitet er zur Verteidigung seiner Heimatstadt La Mancha, die von einem fatalen Sturm bedroht wird, den der zwielichtige Immobilien-Spekulant Carrasco in Szene setzt, um günstig an Häuser und Grundstücke zu kommen. Das Geheimnis von La Mancha ist ein spanisches Family-Entertainment-Anima-Abenteuer, bei dem wahre Freundschaft, Fantasie und erste Liebe die wichtigsten Rollen spielen.

Was von der Liebe bleibt

Was bleibt? Ilyas und Yasemin sind ein glückliches Paar. Bis Yasemin bei einem Anschlag erschossen wird. Ilyas und das Leben der gemeinsamen Tochter gerät aus den Fugen, zumal Ilyas selbst in Verdacht gerät, seine Frau getötet zu haben. Gerüchte wollen, sie habe, als Unterstützerin der PKK, ein Doppelleben geführt … Kanwal Sethis humanistisches Drama Was von der Liebe bleibt erzählt glaubwürdig von echten Menschen in Berlin.

Max und die Wilde 7: Die Geister-Oma

Jetzt geht’s auf Geisterjagd. Im Seniorenheim Burg Geroldseck, wo der 10-jährige Max in den alten Herrschaften richtige Freunde findet. SchülerInnen gegen alte Knacker. Rentner Horst fordert Sportlehrer Ströhle zum Duell, als der Max aus der Schul-Fußballmannschaft ausschließt. Max und die Wilde 7: Die Geister-Oma ist die Fortsetzung des Kinoabenteuers nach der beliebten Kinderbuchreihe.

Im Land der Wölfe

Isegrim. Die Doku Im Land der Wölfe hält sich nicht mit den Märchen auf, sondern informiert sachlich und unterhaltsam über die faszinierenden Raubtiere.

Die Kinostarts von 25.4.

Challengers – Rivalen

Es könnte so schön sein. Ex-Tennis-Crack Tashi (Zendaya) trainiert Art (Mike Faist), ihren Mann. Mit Erfolg. Der zählt bald zur Grand Slam Champion-Riege. Nach ein paar Niederlagen schickt sie ihn zu einem „Challenger“-Turnier, wo er unverhofft Patrick (Josh O’Connor), seinem ehemals besten Freund und Tashis Ex-Lover gegenüber steht. Ehedem war’s polyamourös, jetzt wird’s archaisch. Challengers – Rivalen ist ein Stephen-King-Stoff, inszeniert von Luca Guadagnino („Call Me by Your Name“).

Sterben

Von wegen Familie. Lissy (Corinna Harfouch), Mitte 70, nutzt ihre knapp gewordene Lebenszeit für sich. Sohn Thomas, Dirigent (Lars Eidinger) ist mit seinem depressiven Freund, dem neuen Werk „Sterben“ und seiner Ex, die ihm ein Kind andient, das nicht seines ist, gut beschäftigt. Tochter Ellen (Lilith Stangenberg) widmet sich Sebastian, ihrem verheirateten Chef – beide eint der Sex und Alkohol. Krasse Kombi – in Matthias Glasners Sterben, der zugeneigt bis sarkastisch die Verhältnisse in all‘ ihren Dysfunktionen zelebriert. Nicht rundum gelungen, aber mit einer umwerfenden, einprägsamen Szene, die es so im deutschen Kino viel zu selten gibt.

Es sind die kleinen Dinge

Solidarité. Alice ist Bürgermeisterin, Lehrerin, „Mädchen für alles“ in ihrer kleinen bretonischen Gemeinde. Der 65-jährige Émile (Michel Blanc) will partout Lesen und Schreiben lernen, raubt ihr beinahe den letzten Nerv, wäre da nicht die drohende Schulschließung … Es sind die kleinen Dinge ist ein bitter-süßes Feelgood-Movie, Dardenne-Brüder light, wie die französische Presse unisono lobt.

Eureka

Suche nach den Wurzeln. Sadie reicht der trostlose Alltag in einem Reservat in South Dakota. Ein Trank ihres Großvaters versetzt sie in den (keineswegs unberührt idyllischen) brasilianischen Dschungel. Lisandro Alonso, experimentierfreudiger Meister des argentinischen Kinos, nimmt uns in Eureka mit auf einen facettenreichen, faszinierenden Trip durch Raum und Zeit, Traum und Mythos, Western und postkolonialer Fabel.

Vom Ende eines Zeitalters

Schicht im Schacht. Christoph Hübner und Gabriele Voss haben den Niedergang des deutschen Steinkohle-Bergbaus im Ruhrgebiet über Jahrzehnte begleitet. Ihr beeindruckender Dokumentarfilm Vom Ende eines Zeitalters nimmt uns noch einmal mit unter Tage, erzählt in weiten Bögen, voller Details, von Kameradschaft, Gemeinsinn, Auf- und Umbrüchen, in den Familien, der Gesellschaft, Verlusten und Gewinnen, am Beispiel der Zeche Prosper-Haniel.

Die Kinostarts von 17.4.

Evil Does Not Exist

Natur // Kultur. Takumi und seine kleine Tochter Hana leben einfach und im Einklang mit der Natur auf dem Land, bis ein Unternehmer aus Tokio ein Luxus-Camping-Resort errichten will, und dafür zwei Firmenvertreter ins Dorf schickt. Bald eskalieren die Spannungen … Evil Does Not Exist ist das neue Werk des japanischen Oscar-Preisträgers Ryusuke Hamaguchi („Drive My Car“)! Eine große (auch musikalische) Elegie. Lange Standing Ovations beim Filmfest in Venedig.

La Chimera

Im Labyrinth. Der Engländer Arthur (Josh O‘Connor) trauert um seine verstorbene Geliebte Benjamina. In Italien schließt er sich den „Tombaroli“ an, die antike etruskische Gräber plündern, um schnelles Geld zu machen. Er aber hofft, hier das Tor zur Unterwelt zu finden. Alice Rohrwacher („Land der Wunder“, „Glücklich wie Lazarro“) gelingt mit La Chimera ein zauberhaftes, mitreißendes, heiteres Filmwunderwerk über die Sehnsucht, die Träume und die Zerbrechlichkeit des irdischen Glücks.

Amsel im Brombeerstrauch

48 Jahre Jungfrau. Unbeirrbar frei. Dann aber verliebt sie sich doch leidenschaftlich in einen Mann. Etero, bodenständig, alleinstehend, mit einem kleinen Laden in einem abgelegenen georgischen Dorf. Die plötzlich den Zauber der Liebe und ihre Sinnlichkeit entdeckt. Elene Naverianis zärtlich skurrile Dramödie Amsel im Brombeerstrauch feierte Premiere bei der Quinzaine in Cannes. Und Hauptdarstellerin Eka Chavleishvili wurde für den Europäischen Filmpreis nominiert.

Civil War

In naher Zukunft löst der verfassungswidrig amtierende US-Präsident einen Bürgerkrieg aus. Texaner und Kalifornier sind auf dem Weg nach Washington D.C., um ihn und sein Regime abzusetzen. Ein paar Journalisten schlagen sich durch, um ihn noch einmal zu interviewen. Civil War (Regie: Alex Garland, „ExMachina“, „Annihilation“) ist düsterste Dystopie – kurz vor der Wahl im November.