Neue Kinofilme: Die Starts der Woche vom 13. Juni

Neues aus dem Hause Pixar, Düsteres aus Frankreich und politische Dokus zu Gegenwart und Vergangenheit… in den Kinostarts der Woche.

Alles steht Kopf 2

Inside/out. Die Welt der Gefühle. Als ihre Familie 2015 umziehen musste, ging es drunter und drüber im Seelenleben der damals elf-jährigen Riley. Im neuen großen Anima-Blockbuster Alles steht Kopf 2 leidet Riley Teenager-Qualen. Freude, Trauer, Wut, Angst, Ekel ringen miteinander und mit neuen, noch ungewohnten Emotionen wie Zweifel oder Peinlichkeit. Wie gehabt. Feinste Pixar-Animation.

Problemista

American Dream. Der junge Alejandro ist erfindungsreicher Spielzeugdesigner aus El Salvador, schafft’s nach New York, um hier seine Ideen umzusetzen. Als sein Arbeitsvisum abläuft, bleibt ihm nur der Job als Assistent der exzentrischen Elizabeth (Tilda Swinton!). Die Ex-Kunstkritikerin will die bizarren Eier-Porträts ihres verstorbenen Gatten vermarkten. Problemista ist eine schräg-surrealistische Komödie von Regisseur und Hauptdarsteller Julio Torres, die sich den Absurditäten von New Yorker Kunstwelt und US-Einwanderungsbehörden widmet.

Ein Schweigen

Der gute Ruf. Bizarr genug, hat Ehefrau Astrid (Emmanuelle Devos) über Jahrzehnte geschwiegen. Ihr Ehemann François (Daniel Auteuil) ist ein renommierter Anwalt. Nun aber beginnen die Kinder nachzufragen, allen voran Raphaël, ihr Sohn – während Tochter Caroline längst geflohen ist. Joachim Lafosses‘ Drama Ein Schweigen erforscht die Mechanismen rund um sexuelle Gewalt hinter den Fassaden des Bürgertums.

Sleep With Your Eyes Open

Diaspora. Taiwanesin Kai, voller Herz-Schmerz, landet in der Metropole Recife an der Küste Brasiliens. Trifft auf Fu Ang, der einen Regenschirmladen betreibt. Zarte Freundschaft. Nur – kein Regen. Fu Ang schließt den Laden. Kai spürt ihn auf, in einer Gruppe chinesischer Gastarbeiter, in einem Upperclass-Hochhaus, wo überwiegend reiche Weiße wohnen. Eine Entdeckung: Die Postkarten Xiao Xins – in deren Geschichten Kai sich gespiegelt findet. Sleep With Your Eyes Open der deutschen Regisseurin Nele Wohlatz ist eine wunderbar verspielte, leise, beiläufige Komödie über Fremdheit, Zufälle und allerlei Missverständnisse.

Der Sohn des Mullahs

Regime-Kritik wagte der iranische Journalist Ruhollah Zam. Als die Bedrohungslage zu groß wurde, verließ er den Iran und fand Asyl in Frankreich. Hier beginnt der Dokumentarfilm Der Sohn des Mullahs der schwedisch-iranischen Regisseurin Nahid Persson Sarvestani – dienicht ahnen konnte, welches Schicksal ihren Protagonisten ereilen sollte. Der nämlich wurde, für ein Interview mit einem iranischen Geistlichen, in den Irak gelockt, von dort in den Iran verschleppt, vor Gericht gestellt und hingerichtet.

Der Schatten des Kommandanten

„The Zone of Interest“ – true story. In der für den englischsprachigen Markt produzierten Doku Der Schatten des Kommandanten begleitet Regisseurin Daniela Volker den mittlerweile 87-jährigen Hans Jürgen Höss, der versucht, sich mit den Verbrechen seines Vaters, des Kommandanten von Auschwitz, auseinanderzusetzen und dabei, zusammen mit seinem Sohn Kai, der Holocaust-Überlebenden Anita Lasker-Wallfisch und deren Tochter Maya begegnet.

Die Filmstarts vom 6.6.

Bad Boys. Ride or Die

Miami Police Department. „Wascht meinen Namen rein“ wünscht sich der verstorbene Captain Howard von seinen Jungs per hinterlassener Videobotschaft. Also legen sich Detective Lowrey (Will Smith) und Marcus Burnett (Martin Lawrence) mit der Drogen-Mafia und korrupten Kollegen an. Bad Boys. Ride or Die greift das seit 1995 mehrfach wiederholte Erfolgsrezept wieder auf: Porsche, Slapstick, coole Sprüche.

The King’s Land

Blut und Boden. Der dänische König wünscht, das wild-wüste Jütland urbar zu machen. Ludvig von Kahlen (Mads Mikkelsen) erhofft sich Ruhm und Reichtum und macht sich ans Werk, im beständigen Kampf gegen Wetter, Wölfe und einen über Leichen gehenden Konkurrenten. The King’s Land heißt Nikolaj Arcels arg hölzern konstruierter Dänemark-Rache-Western.

Niemals allein, immer zusammen

Fest entschlossen, den Kapitalismus abzuschaffen und die Welt zu retten, sind fünf junge Berliner Aktivist*innen. Joana Georgis Doku Niemals allein, immer zusammen begleitet sie bei Aktionen, Demos und Debatten von „Fridays for Future“, „Deutsche Wohnen & Co enteignen“, der Berliner Krankenhausbewegung und ihrem unermüdlichen Einsatz gegen Rassismus und Gewalt. (Monopol, 12.6. mit Publikumsgespräch)

Watching You – Die Welt von Palantir und Alex Karp

Welt verbessern. Dank Palantir Technologies laufen Geheimdienstoperationen, Rasterfahndung, Drohnenzielbestimmung weitgehend optimal. CEO Alex Karp, der sich zu den Guten zählt, mag dennoch keine Auskunft geben. Klaus Sterns Doku Watching You – Die Welt von Palantir und Alex Karp machtaus den Fragmenten seiner scheiternden Recherche ein bizarr-unterhaltsames Potpourri aus fragwürdigen Klischees, angerissenen Themen und allerlei Geraune.

Die Filmstarts vom 30.5.

The End We Start From

London versinkt. Ein Paar (Jodie Comer und Joel Fry) rettet sich, zusammen mit ihrem Neugeborenen, aufs Land, wird aber getrennt. Fortan muss sich die junge Mutter allein durchschlagen, begegnet solidarischen und weit weniger solidarischen Menschen (u.a. Benedict Cumberwatch und Gina McKee) … Mahalia Belos The End We Start From ist ein feines, differenziertes Indie-Drama, basiert auf einem Roman von Megan Hunter und hatte seine Weltpremiere in Toronto.

Golda – Israels Eiserne Lady

6. Oktober 1973. An Jom Kippur starten die Nachbarländer Ägypten, Syrien und Jordanien einen gemeinsamen Angriff auf Israel. Premierministerin Golda Meir muss, oft gegen den Willen ihres (rein männlichen) Kabinetts, (über-)lebenswichtige Entscheidungen treffen. Golda – Israels Eiserne Lady erzählt, in der Form eines Kammerspiels, von den wenigen Wochen zwischen Sieg und Niederlage, politischer Verantwortung, diplomatischem Geschick und eiserner Selbstdisziplin in schwierigster Lage. Notwendig hagiographisch. Eine Paraderolle für die in der Maske nicht wieder zu erkennende Helen Mirren.

May December

Der Film ist unser Filmtipp des Monats. Die gesamte Besprechung von Gastautor und Filmkritiker Fritz Göttler finden Sie hier.

Late Night With The Devil

Unglücksrabe. Moderator Jack Delroys allerletzte Chance für seine im Quotentief versinkende Late-Night-Show ist das Halloween-Special 1977. Also: Nicht kleckern, klotzen. Ein Hellseher kontaktiert Tote, eine Parapsychologin begleitet ein Mädchen, das als einzige den Massensuizid einer Sekte überlebt hat usw. Vor der Kamera, hinter der Kamera, unweigerlich nimmt das Desaster seinen Lauf … Late Night With the Devil des australischen Brüderpaars Colin und Cameron Cairnes spielt sehr unterhaltsam mit den Zutaten des Genres, und versetzt überzeugend „authentisch“ in die 1970er Jahre.

Alle die du bist

Verlieben, Entlieben. Nadine (Aenne Schwarz), 24, alleinerziehend, wechselt für einen neuen Job von Brandenburg ins Ruhrgebiet. Lernt dort Paul (Carlo Ljubek) kennen. In ihren Augen ist er hinreißend, interessant … Die beiden werden ein Paar. Jahre später verliert sich die große Liebe. Doch Nadine versucht, den facettenreichen Paul von einst wieder zu finden. Alle die du bist ist ein romantisches Working-Class-Drama, der Debütfilm von Michael Fetter Nathansky nach der FilmUni Babelsberg. (Filmgespräch mit dem Regisseur, am Fr 31.5. im Monopol!)

Die Kinostarts vom 23.5.

Furiosa: A Mad Max Saga

Testosteron. Endlich, endlich kommen Blockbuster-Action-Kino-Fans mit George Millers Dystopie-Orgie Furiosa: A Mad Max Saga wieder voll auf ihre Kosten. Im Prequel zu „Mad Max: Fury Road“ (2015) dreht sich alles um den Rachefeldzug der Wüsten-Amazone Furiosa (Anya Taylor-Joy), die von einer Bikerhorde entführt wird, deren Anführer Warlord Dementus (Chris Hemsworth) sich alsbald mit dem Tyrannen Immortan Joe herumschlägt. Überwältigend.

Von Vätern und Müttern

Problem-Eltern. Muss man die Gut-Menschen-Horde nennen, die ihre Kids am Eltern-Kinder-Hütten-Wochenende zur Fremdscham und Verzweiflung treibt. Ulrik und Piv treten in Konkurrenz zu den anderen Helikopter-Eltern. Die Situation eskaliert schon am ersten Abend zügig – und Tochter Hannah sieht entgeistert zu. Von Vätern und Müttern ist eine leichtsinnige Komödie der dänischen Regisseurin Paprika Steen.