Sonntag, 26. Oktober 2014
ALLE VERANSTALTUNGEN
für 14 Tage & Nächte in München

Anja Lechner & François Couturier: Jazz & Klassik

Heute in der Allerheiligen-Hofkirche... mehr
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»Moderate cantabile«: Mit Violoncello und Klavier tummelt sich dieses, beim Kultlabel ECM beheimatete, Duo, ebenso spektakulär wie hörenswert zwischen Klassik und Jazz.

 

Northmen - A Viking Saga

Jetzt im Kino... mehr
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Eine Gruppe junger Wikinger wird vom norwegischen König verbannt und hofft, in Schottland ihr Glück zu machen. Unter Führung des jungen Asbjörn nehmen sie die Tochter des schottischen Königs als Geisel. Der aber schickt ihnen seine Hardcore-Söldner, das „Wolfsrudel“ hinterher. Mit Hilfe einiger Mönche und der schönen Königstochter versuchen sie, sich zu einer rettenden Wikingersiedlung durchzuschlagen. Northmen – A Viking Saga ist ein hoch konventionelles Jungmänner-Action-Popcorn-Epos,  gedreht an tollen Locations in Südafrika.

 

HG Butzko: Freier Radikaler

Heute in der Lach & Schieß... mehr
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Mit einer einzigartigen Mischung aus Unterhaltung und Tiefgang, brutal witzig und bisweilen besinnlich, entdeckt HG Butzko die Bösartigkeiten aus heiterem Himmel, und das Komische in den Katastrophen des Lebens. Ein Fest der Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten. Herzerfrischend. Bewußtseinserheiternd.

 

Coming In: Wo die Liebe hinfällt

Jetzt im Kino... mehr
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Tom Herzner (Kostja Ullmann) ist ein schwuler Edel-Friseur in Berlin. Weil er mit Frauen so gar nichts anfangen kann, aber seinen Laden auch für die Damenwelt öfnen will, jobbt er zu Marketingforschungszwecken undercover im Neuköllner Kiezsalon der bodenständigen Heidi (Aylin Tezel). Es dauert nicht lange, da feiert er sein spätes Coming out als „Bi“. Sehr zum Ärger seines Lovers Robert (Ken Duken). Hiervariiert Regisseur Marco Kreuzpaintner seine einst erfolgreiche Komödie „Sommersturm“. Ein Gute-Laune-Vergnügen fürs Hetero-Publikum, das nichts zu befürchten hat.

 

Die Opferung von Gorge Mastromas: Güte oder Feigheit?

Heute im Metropoltheater... mehr
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Das Stück von Dennis Kelly erzählt von einem Jungen, der es sich nicht immer leicht machte. In der Schule hielt er stets zu seinem besten Nerd-Freund, obwohl ihn diese Loyalität in der grausamen sozialen Hackordnung weit absinken ließ. Ob er das aus Anstand oder Feigheit getan hat, weiß er heute auch nicht mehr so genau. Eines ist ihm nur klar geworden: Es geht auch anders. Und so entscheidet er sich für eine neue Tour – eine skrupellose, kreative, wagemutige und erfolgreiche. Doch welchen Preis muss er dafür bezahlen? Regisseur und Haus-Intendant Jochen Schölch arbeitet das Dilemma des geraden Weges heraus.

 

Kasabian: Psychedelic BritRock

Heute im Kesselhaus... mehr
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Britische Aufsteiger mit einer aufregenden Mischung aus Elektro-Sounds, Britrock, Psychedelic, Indie und Rave.

 

Die Sache Makropulos: 300 Jahre Einsamkeit

Heute im Nationaltheater... mehr
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Der seit Generationen festgefahrene Erbschaftsprozess Gregor gegen Prus erfährt eine unerwartete Wendung, als die Sängerin Emilia Marty auftaucht, die mit erstaunlichem Detailwissen über die Vergangenheit dienen kann. Die in den Prozess verstrickten Männer verlieren den Kopf angesichts dieser faszinierenden Frau. Liebe jedoch scheint ihr nichts zu bedeuten und Sex ist ein Handel; Marty geht mit demjenigen ins Bett, der im Besitz des von ihr gesuchten alten Schriftstückes ist: die Sache Makropulos. Für seine vorletzte Oper greift der betagte Leoš Janáček zu einem zeitgenössischen Drama mit Fantasy-Plot- die Geschichte der 337-jährigen Elina Makropulos.

 

Kreisky: Wütende Leidenschaft

Heute in der Milla... mehr
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Die Wiener schwelgen in Boshaftigkeit, sind voll wütender Leidenschaft und sträuben sich auch fürderhin gegen Liebeslieder.

 
Tagestipp Sonntag 26.10.2014
The Dø Am 26.10. im Ampere

Kraftvoll, intensiv, stimmig – mit dem dritten Album „Shake, Shook, Shaken“ vollzieht das franco-finnische Duo einen radikalen Wandel, eine futuristische Kehrtwende, getragen von sattem Elektro-Beat. Olivia Merilahti und Dan Levy haben schon immer eher das Risiko gesucht, statt Bequemlichkeit und Kompromisse. Nach „A Mouthful“ (2008) und „Both Ways Open Jaws“ (2011) kommt nun das erwähnte Album mit neuen Anforderungen, die von den Musikern  zum „Dogma“ erhoben wurden: Dan und Olivia haben sich absichtlich gegen akustische Instrumente ausgesprochen, um den Fokus auf synthetische Dancesounds und Percussion legen zu können. 

 

Lindsey Stirling Am 27.10. im Zenith

Hinter dieseer Violinistin und Choreographin verbirgt sich eine ziemlich außergewöhnliche Künstlerin. Mit ihrer atemberaubend individuellen Mischung aus klassischen Kompositionen, modernen DubStep-Rhythmen und progressiven Tanzeinlagen hat die 27jährige nicht nur ein eigenes Genre erschaffen. Sie verbindet zudem auf vollkommen neue Weise die Tiefe von E-Musik und künstlerischer Tanz-Performance mit der Leichtigkeit moderner Pop- und Clubmusik. Ihr 2012 erschienenes Debütalbum erreichte die Nr. 1 der US-Dance- und die Nr. 2 der US-Klassik-Charts – ein Spagat, der noch keinem Künstler zuvor gelungen ist. Auch in ihren Konzerten verbindet Lindsey Stirling Klassik, Tanz und Clubmusik auf einzigartige Weise.

 

 

 

Am Sonntag bist du tot Jetzt im Kino

Passion. Im Beichtstuhl erfährt ein ­irischer Landpfarrer (Brendan Gleeson) von einem Unbekannten, er werde ihn demnächst töten. Da er jahrelang von einem verstorbenen Priester missbraucht worden sei, wolle er nun ein Zeichen setzen. Der Priester versucht nun, in den ihm verbleibenden sieben Tagen, herauszufinden, wer sein Mörder ist, seine Angelegenheiten zu ­regeln und die Gemeinde zu befrieden. Allerdings, Hass und Missgunst schlagen ihm entgegen. Auf einen Seelenhirten scheint niemand mehr angewiesen. Nur der Priester selbst bedürfte des Beistands ... Das wuchtige, perfekt gearbeitete Drama von Regisseur John Michael McDonagh („The Guard – Ein Ire sieht schwarz“) hat eine Paraderolle für Brendan Gleeson, der hier als weiser, lebenserfahrener Priester ­brilliert, dem wahre Prüfungen auferlegt sind.

 

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Dieses schöne Scheißleben Jetzt im Kino

Mariachi. Bedienen in Mexiko mit ihrer Musik die großen Gefühle. Sind meistens Männer. Machos mit Sombrero und Cowboy-Stiefeln. Ganz selten Frauen. Doris Dörrie hat für ihren Dokumentarfilm  ein paar weibliche Mariachi begleitet. Zum Beispiel Maria del Carmen, alleinerziehende Mutter einer Tochter, die auf der Plaza Garibaldi im Herzen Mexico City’s ihren männlichen Kollegen mit beeindruckender Stimme Paroli bietet. Oder die „Estrellas de Jalisco“, die in der Provinz wohnen und für ihre Auftritte weite Fahrten auf sich nehmen müssen. Und die wundersam betagten „Las Pioneras de Mexico“, die in den 1950ern und 1960ern ihre größten Erfolge feierten. Lieder über das Leben, die Liebe, den Tod.

 

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Woyzeck Im Münchner Volkstheater

Immer nur Erbsen essen. Dann auch noch herumgeschubst und erniedrigt werden. Der junge Franz Woyzeck, der eigentlich aufrichtig, geradlinig und ehrlich durchs Leben gehen wollte, hält sich und seine Freundin Marie mit diversen Jobs über Wasser. Am prekären Rand der Gesellschaft ist er dem ständigen Druck und Wohlwollen von Vorgesetzten und Bessergestellten ausgesetzt. Und dann bewahrheitet sich auch noch der schlimmste Albtraum: Das Testosteronmonster Tambourmajor hat doch tatsächlich Marie verführt. Kein Wunder, dass Woyzeck die Hutschnur platzt. Abdullah Kenan Karaca hat Georg Büchners schauerliches Kleiner-Mann-Drama neu aktualisiert. Schlimm bleibt alles. In den Hauptrollen: Sohel Altan G., Magdalena Wiedenhofer, Silas Breiding und Pascal Fligg.

 

Peter Grimes Im Prinzregententheater

Extrem düster und aggressiv ist die Stimmung an der Sturm-umtosten englischen Ostküste. Dort steht Peter Grimes unter einem schrecklichen Verdacht: Der verschlossene Fischer soll seinen Lehrling ermordet haben. Davon ist jedenfalls fast das ganze Dorf überzeugt. Als auch noch ein weiterer Junge Spuren von Misshandlungen aufweist, spitzt sich der Argwohn der Meute zu. Benjamin Britten hat, basierend auf der Gedichtsammlung „The Borough“ von George Crabbe, einen musikdramatischen Psychothriller vorgelegt, der als sein Meisterwerk gilt. Seit seiner Uraufführung 1945 am berühmten Londoner Sadler’s Wells Theatre ist das Stück aus dem internationalen Repertoire nicht mehr wegzudenken. Das derzeit weiter heimatlose Gärtnerplatztheater lässt die Saison finster, aber furios angehen. Regie führt Balázs Kovalik, die musikalische Leitung hat Marco Comin.

Winterkartoffelknödel Jetzt im Kino

Des tuat’s scho. Dorfpolizist Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) hat den richtigen Riecher. Der makabre Unfall mit dem Neuhofer, der von einem Bau-Container einfach dabatzt wird, ist ein Mord. Privatdetektiv Rudi (Simon Schwarz) unterstützt den Franz bei den Recherchen. Freundin Susi (Lisa Maria Potthoff) keineswegs. Denn der Franz hat sich in die halbseidene Mercedes (Jeanette Hein) verschaut ... In dieser bayerischen Krimikomödie, Ed Herzogs zweiter Adaption eines Rita Falk-Krimis nach „Dampfnudelblues“, verschlägt es die beiden bis nach Teneriffa. Zuvor aber wird (bei der Mama) gut gegessen und (in der Wirtschaft) fleißig getrunken, an Sex hätt‘ Mann schon auch gern ... eine wuide Achterbahnfahrt ist das, ein hie und da arg kracherter Gspaß halt, was schad ist, weil sie, bis in die Nebenrollen, alle versammelt sind, die tollen bayerischen Schauspieler, die großes Bayerisches Welttheater können.

 

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20.000 Days On Earth Jetzt im Kino

Theaterfabrik Unterföhring, 1986, 12 Tage vor Weihnachten: Blixa Bargeld schlurft in (West)-Berliner Leichenstarre über den schwarzen Silikonboden, schlecht gelaunt begrüßt er seine Kollegen und pöbelt mit dem Personal. Ein Auftritt der Bad Seeds: die letzte Show war vor gut einem Monat in New York, die nächste wird erst im Februar ‘87 in Ljubljana sein. Das Konzert am Abend ist ausverkauft, der profitorientierte Veranstalter kommt mit der Idee einer Mitternachtsshow um die Ecke. Nick Cave schaut eh nicht aus, als wolle er früh ins Bett gehen oder überhaupt schlafen – am Ende dieser Nacht wird er seine Band durch drei ekstatische Sets gepeitscht haben, die jedes Mal im Feedbackgewitter von Velvet Undergrounds „All Tomorrow‘s Parties“ endeten und die insgesamt 2.500 Zuschauer körperlich und seelisch völlig erschöpft zurück ließen. Schnitt.

 

Es ist sieben Uhr morgens und rund 26 Jahre später, der Wecker klingelt, aber Cave ist schon wach, wie lange schon, verrät die Kamera nicht. Der Tag beginnt, für den Musiker, Schriftsteller, Drehbuchautor und Schauspieler sind es bereits „20.000 Days On Earth“ und die Kamera wird Nick Cave an diesem Tag begleiten, von morgens bis abends, zuhause, beim Therapeuten, im Auto, mit Freunden, im Studio, im Archiv, auf der Bühne, wieder zuhause. So jedenfalls der Plan dieses Langfilmdebüts des Künstlerduos Iain Forsyth und Jane Pollard. Aber schon mit den ersten Sätzen, die Cave aus dem Off rezitiert, begibt sich der Zuschauer auf eine faszinierende Reise in die Seele dieses begnadeten Geschichtenerzählers, bis er nach über 90 Minuten gefangen ist in Mysterien biblischer Ausmaße und die grausamen und wunderschönen Schilderungen menschlicher Abgründe aufgesogen hat wie ein Schwamm.

 

Cave ist mittlerweile clean und trocken. Nachdem er sich zu druckreifen Monologen über die Beziehung zu seiner Frau und zur kannibalischen Tätigkeit des Wörtersammlers im Badezimmerspiegel betrachtet hat, tippt er Sätze in seine Schreibmaschine. Die Kamera lässt den Blick durch seine mit kultigen Artefakten, Antiquitäten, Büchern und Bildern vollgestopfte Schriftstellerklause schweifen. Dann springt er in seinen schwarzen Jaguar (sic!) und fährt zu Bemerkungen über den Wohnort Brighton und das Wetter (Regen) zur Praxis des Psychotherapeuten Darian Leader. Die dortige Sitzung, tatsächlich sprachen Cave und Freudianer Leader rund zehn Stunden miteinander, über erste erotische Erlebnisse, den Vater als stillen Beobachter und die innere Verwandlung des Künstlers während einer Performance, zählt zu den Höhepunkten des Films. Sie wird von einer sehr familiären Szene eines Mittagessens im Haus von Warren Ellis abgelöst, einem langjährigen musikalischen Kollaborateur und Freund, auch er ein großer Erzähler. Wegbegleiter wie der Schauspieler Ray Winstone (spielte die Hauptrolle in John Hillcoats Film „The Proposition“, für den Cave das Drehbuch schrieb), der Musiker Blixa Bargeld (Sänger der Einstürzenden Neubauten und langjähriger Bad Seeds-Gitarrist), Pop-Ikone Kylie Minogue, Duett-Partnerin seines größten Charterfolges, sie alle geben Einblick in ihre Beziehung zu Cave – mit zum Teil überraschenden Erkenntnissen. „20.000 Days On Earth“ changiert zwischen Doku und Fiktion, es handelt sich um ein Genre-sprengendes Werk, das versucht, diesem außergewöhnlichen Künstler, der uns mit seinem markanten Bariton und den schönsten Zeilen an die dunkelsten Orte entführt, gerecht zu werden. Zum Ende des Films wandelt Nick Cave wie ein Geist durchs nächtliche Brighton ans Meer, die Kamera lässt ihn am schwarzen Strand zurück, zuhause.

Rainer Germann

 

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The Cut Jetzt im Kino

Go West. 1915. In der Stadt Mardin, im Südosten der Türkei. Der Schmied Nazaret wird, zusammen mit allen anderen armenischen Männern, nachts aus dem Haus gezerrt. Er erlebt Deportationen, Morde, Vergewaltigungen. Er überlebt eine Exekution – mit durchschnittener Kehle. Seine Flucht führt ihn ins syrische Aleppo. Jahre später erfährt er, dass seine beiden Töchter den Genozid überlebt haben. Nazaret beginnt eine Odyssee auf ihren Spuren: in den Libanon, nach Kuba, in die U.S.A. Fatih Akin versteht seinen neuen Film als Abschluss seiner Trilogie „Liebe, Tod und Teufel“, zu der „Gegen die Wand“ und „Auf der anderen Seite“ zählen. Tahar Rahim („Ein Prophet“) spielt die Hauptrolle. Akin zielt auf großes Kino mit opulenten Bildern und starken Emotionen. Das Ergebnis: eine abenteuerliche Auswanderer-Geschichte, erzählt wie ein Western. Fürs große Publikum, am besten wär’s in der Türkei. Zum Mitleiden, um irgendwann zu merken, dass man um einen Christen bangt und weint. 

 

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Die Neger In den Kammerspielen

So langsam wird jede letzte Inszenierung des scheidenden Kammerspiele-Intendanten Johan Simons gewollt oder nicht zu einer Art Hinterlassenschaft. Mit Jean Genets Stück hat er mal wieder starken Tobak in die Pfeife gestopft. Beklemmend dürfte es in jedem Fall werden. In dem einstigen Skandalstück stellt bekanntlich eine Gruppe Schwarzer einen Lustmord an einer weißen Frau nach – worauf eine groteske Strafexpedition folgt. Geschrieben wurde das unter dem Eindruck der blutigen letzten Kolonialwirren und befeuert von Genets flammende Sympathie für die Befreiungsbewegung der PLO und der Black Panthers. Jeder Außenseiter, der unterdrückt und diskriminiert wird, war und ist hier ein „Neger“. Nur so liest sich auch das Vorwort, in der Genet die provokante Frage aufwarf: „Was ist eigentlich ein Schwarzer? Und vor allem welche Farbe hat er?“.

Luise Kinseher Bis 1.11. in der Lach & Schieß

Die Zeit läuft und Luise Kinseher ist fest davon überzeugt, dass derzeit einfach nur eine Devise wichtig ist: „Ruhe bewahren“. So hat die Nockherberg-Landesmama ihr neues Solo getauft. Ihrer To-Do-Liste liest sich allerdings erst einmal anstrengend: „Publikum unterhalten, saumäßig lustig sein, Klimawandel aufhalten, Mama anrufen, Klopapier kaufen, neuen, passenden Mann finden, fürs Alter vorsorgen! Und das alles: Sofort!“. Wie soll das klappen? Kinsehers neue Bühnenfiguren machen dem Ganzen natürlich einen dicken Strich durch die Rechnung. Sie denken gar nicht daran, sich einfach so abarbeiten zu lassen. Und sie spielen sich damit mitten ins Herz des Publikums, wobei dann tatsächlich die Zeit einmal stehen bleibt. Zumindest für einen Augenblick.

The Salvation Jetzt im Kino

Western, revisited. In Amerika ist das Genre ziemlich auserzählt, aber dem dänischen Ex-Dogma-Regisseur Kristian Levring gelingt zusammen mit seinem Hauptdarsteller Mads Mikkelsen eine spannende Neubelebung. Sieben Jahre hat der dänische Einwanderer John gebraucht, um als Farmer zu reüssieren. Jetzt holt er Frau und Kind nach in die Neue Welt. Kaum angekommen, werden die beiden von zwei Outlaws umgebracht. Jon rächt sich an den Mördern. Und ruft damit den Gangster Deveraux (Jeffrey Dean Morgan) auf den Plan, der den Tod seines Bruders rächen will und willkürlich Bewohner in der Kleinstadt Black Creek tötet, sofern ihm die nicht Jon ans Messer liefern. So bleibt Jon nichts anderes übrig, als ganz allein das Böse auszumerzen ... ein „Django“ und einsamer Rächer auf den Spuren der großen Vorbilder, klassisch, archaisch, der seine Herkunft aus Europa nicht verleugnet.

 

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Ein Geschenk der Götter Jetzt im Kino

Ein mittleres Wunder. Theaterschauspielerin Anna (Katharina Marie Schubert) wird arbeitslos. Die nervige Vermittlerin vom Jobcenter drängt sie, mit einer Gruppe Langzeit-Arbeitsloser Sophokles‘ „Antigone“ einzustudieren. Das Engagement bei dieser scheinbar absurden Weiterbildungsmaßnahme ist beiderseits denkbar gering. Dann aber, über viele Umwege, raufen sich alle zusammen, ja, proben weiter, als die Mittel gestrichen werden – und haben schließlich einen glanzvollen Auftritt ... im Stadttheater. Oliver Haffners inszenierte eine gelungene, realitätsnahe, treffsichere, charmante Tragikomödie über Solidarität, Mut, Phantasie, das Wiedergewinnen eigener Würde nach schweren Niederlagen. Tolles Ensemble. Relevant. Amüsant. Bewegend. Deutsches Arthouse-Kino: Geht doch! Publikumspreis beim Filmfest München.

 

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Hoppla, wir leben! Im Cuvilliéstheater

Die ganz wilden Tage hat München bekanntlich schon hinter sich. Umso mehr lohnt es sich, in die bewegte Räte-Zeit zurückzublenden. Hier ist Ernst Tollers tragikomisches Gesellschaftspanorama der Weimarer Republik angesiedelt, mit dem sich Anne Lenk am Bayerischen Staatsschauspiel zurückmeldet. Erzählt wird vom „Gefühlsrevolutionär, Träumer und Phantasten“ Karl Thomas, der nach einer niedergeschlagenen Revolution verhaftet und in die Psychiatrie geworfen wird. Dort bekommt er den steilen Karriereweg seines einstigen Genossen Wilhelm Kilman nicht mit. Der wird Minister und Realpolitiker. In seinem Vorzimmer gehen die Bonzen ein und aus. Doch dann wird Thomas doch entlassen – und schlägt sich als eisig dauerlächelnder Kellner durch. Eines Tages wird ausgerechnet vor seinen Augen Minister Kilman Opfer eines Mordanschlags. In den Hauptrollen: Franz Pätzold, Oliver Nägele und Valerie Pachner.

Das schweigende Mädchen In den Kammerspielen

Elfriede Jelineks neues Stück setzt den Gerichtssaal als Ort der Handlung. Der laufende NSU-Prozess ist hier zugleich das jüngste Gericht, und die Geschichte der Zwickauer Zelle wird zur Antithese der biblischen Heilsgeschichte: Im gewohnten Gestus eines fließenden, unendlichen Sprechens seziert Jelinek die einzelnen Facetten der Schuldfrage. Zwischen Prozessprotokollen, Medienberichten und literarischen Referenzen wagt sie einen tiefen Blick ins Unbewusste der deutschen Seele. Kammerspiele-Intendant Johan Simons inszenierte das brisante, aktuelle Drama.

Männerhort Jetzt im Kino

Frauenfreie Zone. Software-Entwickler Eroll, Dixi-Klo-Vertreter Lars und Berufspilot Helmut haben sich im Heizungskeller ihrer Wohnsiedlung einen Schutzraum eingerichtet, wo sie heimlich Fußball schauen, Pizza essen, Bier trinken und über ihre (Ehe-)Frauen lästern können. Hausmeister Aykut will sie aus ihrem Paradies vertreiben. Dann stellt sich jedoch heraus, dass auch er unter der Macht der Frauen leidet. Franziska Meyer Price verfilmte mit der Comedy eine erfolgreiche Boulevardkomödie von Kristof Magnusson. Elyas M’Barek, Christoph Maria Herbst, Detlev Buck im Geschlechterkampf mit Cosma Shiva Hagen, Lisa Maria Potthoff und Jasmin Schwiers. Ach Kinder, ne!

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Yaloms Anleitung zum Glücklichsein Jetzt im Kino

Seelenforschung, existenziell! Wenn wir jetzt mal unser Leben als Reise betrachten, wo stehen wir gerade, was haben wir noch vor, und wie wollen wir das hinbekommen? Der inzwischen 83-jährige, sehr charismatische Irvin D. Yalom ist ein weltberühmter US-amerikanischer Psychiater und Psychotherapeut, ein wunderbarer, lebenskluger Erzähler, dessen verständlich und unterhaltend geschriebene Bücher wie „Die Schopenhauer-Kur”, „Und Nietzsche weinte”, „Der Panama-Hut” Fans in aller Welt begeistern. In dem stilsicheren, amüsanten und tiefschürfenden Dokumentarfilm Yaloms Anleitung zum Glücklichsein der Schweizer Regisseurin Sabine Gisiger (unvergessen „Gambit” über das Chemie-Unglück in Seveso) geht es um die von ihm begründete existenzielle Psychotherapie, um seine Biographie, seine Frau, seine Kinder, Enkel und Kollegen, um die hohe Kunst, sich von falschen Erwartungen, von Ängsten und Überforderungen zu lösen, ein stimmiges Miteinander und Zufriedenheit zu finden (immerhin ist er ganze 60 Jahre verheiratet, was aber auch an seiner Frau liegen könnte). Wunderbar klug, sehr entspannt, very funny – und einfach beneidenswert.

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Gone Girl - Das perfekte Opfer Jetzt im Kino

Wer denn sonst?! Nick Dunne (Ben Affleck) meldet seine Frau als vermisst. Die Polizei und zahlreiche Freiwillige machen sich auf die Suche. Sie bleibt verschwunden. Und Nick gerät immer mehr in Verdacht, verwickelt sich in Widersprüche. Aussagen von Freunden und Indizien belasten ihn. David Finchers Thriller beruht auf einem Bestseller von Gillian Flynn.

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Phoenix Jetzt im Kino

Ein Liebesversuch. Aus der Schweiz kehren Nelly (Nina Hoss) und ihre Freundin Lene (Nina Kunzendorf) im Sommer ’45 nach Berlin zurück. Nelly, die Auschwitz überlebt hat, ist entstellt, und wird sich einer Gesichts-OP unterziehen, Lene ist für die Jewish Agency unterwegs. Nelly, die Jüdin, hofft, ihre große Liebe, Johnny (Ronald Zehrfeld) wiederzufinden. Sie waren verheiratet. Er, der Deutsche, hat sie geschützt, versteckt – und vielleicht, 1944, dann doch verraten. Nelly findet ihn. Er aber erkennt sie nicht wieder. Bemerkt nur, im zweiten Anlauf, dass sie seiner Nelly ähnlich sieht. Also könnte sie doch, die Fremde, Nelly spielen – und sie beide, wenn es nur gelingt, sich das Erbe der vernichteten Familie teilen. Nelly, die ihren Johnny einst so sehr geliebt hat, will „wissen”, lässt sich darauf ein. Lene hält sie für verrückt. Christian Petzold (und Harun Farocki, zuletzt „Barbara”) veranstalten hier, angelehnt an einen französischen Kriminalroman, mit Hitchcock-, Film Noir- und Kurt Weill-Referenzen, eine Extravaganza aus dem Setzkasten. Die ist, in manchen Szenen, großartig, spannend, mal Kammerspiel, mal Melo, mal Trümmerfilm, nur, in der Summe, unglaubwürdig ... unterfinanziert auf jeden Fall. Und sehenswert, weil ach so typisch deutsches Kino, und stellt Euch vor, Eichinger hätte Petzold produziert.

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Wer hat Angst vor Virginia Woolf? Im Residenztheater

Auf geht’s wieder. Und das nicht nur auf der Wiesn. Auch die Theater kehren aus der Sommerpause zurück, die für viele kaum Ruhe und schon gar keinen Sommer mit sich gebracht hatte. Besonders gespannt sein darf man auf den Aufschlag, den Martin Kušej wagt. Zuletzt hatte der Resi-Intendant das Bürgertum mit einer sehr eigenwilligen, drastischen „Faust“-Neuinterpretation gefordert, nun legt er eine Schippe nach. Der Klassiker von Edward Albee – berüchtigt geworden durch die Film-Version mit der unglaublich ordinär auftrumpfenden Liz Taylor und ihrem damaligen Gatten Richard Burton – hat auch heute noch das Zeug zum Aufregerstück. Erzählt wird von einer Afterparty, zu der Martha – ohne Wissen ihres Ehemanns George – den Biologieprofessor Nick und seine Frau Honey nach einem offiziellen Fest in ihrer Villa eingeladen hat. Schon bald fliegen die Fetzen. Martha steuert die perfiden Gesellschaftsspiele radikal gegen die Wand. Sie liebt es, mit den Gefühlen der Anderen Schindluder zu treiben. Und Eskalation ist nur eine der ersten Stufen vor dem großen Zerstörungsdrama.

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Do 23. Oktober 2014 -
Mi 5. November 2014
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