Sonntag, 23. November 2014
ALLE VERANSTALTUNGEN
für 14 Tage & Nächte in München

Hundeherz: Köter in der Falle

Heute Kammerspiele Werkraum... mehr
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"Die prekäre Situation eines hungernden Hundes wird zu einem schonungslosen Blick auf die Verhältnisse in einer ökonomisch auseinanderdriftenden Gesellschaft, die sich immer verrohter und skrupelloser formuliert und zwar in alle Richtungen", so Regisseur Matthias Günther über seine Interpretation des Dramas von Michail Bulgakow.

 

Die Opferung von Gorge Mastromas: Güte oder Feigheit?

Heute im Metropoltheater... mehr
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Das Stück von Dennis Kelly erzählt von einem Jungen, der es sich nicht immer leicht machte. In der Schule hielt er stets zu seinem besten Nerd-Freund, obwohl ihn diese Loyalität in der grausamen sozialen Hackordnung weit absinken ließ. Ob er das aus Anstand oder Feigheit getan hat, weiß er heute auch nicht mehr so genau. Eines ist ihm nur klar geworden: Es geht auch anders. Und so entscheidet er sich für eine neue Tour – eine skrupellose, kreative, wagemutige und erfolgreiche. Doch welchen Preis muss er dafür bezahlen? Regisseur und Haus-Intendant Jochen Schölch arbeitet das Dilemma des geraden Weges heraus.

 

Der Bauer und sein Prinz: Der Öko-Windsor

Jetzt im Kino... mehr
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Nachhaltig die Welt verändern. Seine königliche Hoheit, Charles, Prince of Wales versteht was davon. Vor dreißig Jahren hat er, zusammen mit dem Landwirt David Wilson, damit angefangen, seine Duchy Home Farm auf ökologische Landwirtschaft umzustellen. Jaja, der gespinnerte Öko-Windsor, die Welt wird er damit nicht ernähren können, wissen konventionelle Landwirte und die global agierenden Agrar-Konzerne, denen sie gezwungenermaßen hörig sind ... Bertram Verhaags informationsgesättigte Dokumentation ist der aktuelle, überzeugende Schlüsselfilm zur Umstellung auf ökologische Landwirtschaft.

 

 

Back To Base: Bretter des Ungewöhnlichen

Heute im GOP Varieté... mehr
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Hier kommt das Feinste aus der Berliner Talentschmiede BASE. Frech, unkonventionell und artistisch verdammt gut. Nach den großen Publikumserfolgen „Made in Germany“ und „Base – die Show“, betritt nun mit „Back to Base“ die dritte Generation die Bretter des gewöhnlich Ungewöhnlichen! Durch die Show führt der „ernste“ Comedy Zauberer Hieronymus, der mit der Anmut einer Brechstange die sonst so galanten Gepflogenheiten seines Metiers selbstironisch ins Gegenteil kehrt und das Publikum mit erstaunlichen Illusionen verblüfft.

 

Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 1

Jetzt im Kino... mehr
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Das neue Fantasy-Abenteuer begleitet die tief verzweifelte Katniss (Jennifer Lawrencce) in ihren Heimat-Distrikt 12, der von der Regierung komplett zerstört wurde. Zusammen mit Kater Butterblume zieht sie weiter in Distrikt 13. Dort leben die Bewohner im Untergrund, besitzen Kernwaffen und planen den Aufstand... Francis Lawrence verfilmt, den ersten Teil des letzten Romans von Suzanne Collins, angenehm unspektakulär, das große Elend und den monströsen Propaganda-Wettstreit in breiten Farben schildernd, übrigens mit Philipp Seymour Hoffman als Chefpropagandist auf Seiten der Rebellen.

 

Aircrush: »Blue Sunday«

Heute im Bayerischen Hof Night Club... mehr
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Von Klassik bis Jazz mit Sängerin Antonia Dering und ihren Begleitern feat. Tizian Jost (p), Roman Sladek (tb), Sebastian Gieck (b) u.a.

 

Coldair: Charmanter Indiesound

Heute im Milla... mehr
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Charmanter und hörenswerter Indie-Folk mit dem Multi-Instrumentalist Tobiasz Bilin’ski aus Warschau. Special Guest: Hunt

 

Marteria: Elektronischer HipHop

Heute im Zenith... mehr
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Fein austarierter, wortgewaltiger und insgesamt nachhaltig beeindruckender Elektro-HipHop mit dem Berliner Tausendsassa.

 
Tagestipp Sonntag 23.11.2014
Klaxons Am 25.11. im Strom

Mächtig nach vorne! "Acid-Rave-Sci-fi-Punk-Funk" hat dereinst ein Kritiker den Stil dieser Londoner genannt und dabei nicht schlecht getroffen. Die Mischung und das Sound-Konzept ist hier ziemlich einzigartig und vielfältig dazu. Und tatsächlich ist die aktuelle Platte „Love Frequency“ dann auch wieder mal ganz anders geworden als erwartet - poppiger, eingängiger, aber immer noch vertrackt und dicht arrangiert. Die Liveshows sind eine ekstatische Synthie-und Gitarren-Orgie, Punk und Rave gleichzeitig, laut und furios. Selten schafft es eine Band so komplex und gleichzeitig so transparent zu klingen, egal ob im Club oder auf der großen Bühne.

 

HitsKöpf Am 24.11. im Wirthaus am Rosengarten

Gags & Songs & Schnauz'n voll! Das Wichtigste im Leben sind Beziehungen. Ob zu unseren Partnern, den Nachbarn, zu Kindern, dem „Papa Staat“ und nicht zuletzt zu uns selbst. Beziehungen, die uns helfen, voranzukommen. Oder eben nicht. Vor allem, wenn es sich bei vielen dieser Beziehungen um richtiggehende "Drecksverhältnisse" handelt. Davon wissen die HitsKöpf ein Lied zu singen – und nehmen dabei Welthits, Beziehungskisten und nicht zuletzt sich selbst aufs Korn: Comedy jenseits des guten Tons trifft gute Töne. Karina Schiwietz undWiggerl Schönberger erobern unter der Regie von Günter Knoll erstmals als Duo Infernale die Bühne. Sie verbinden dabei fetzige Hits, unvergessliche Evergreens und mitreißende Schlager, sprich gute Töne, mit rotzfrechen Texten wider den guten Ton.

Marteria & Chefket Am 23.11. im Zenith

Das ist moderner deutscher HipHop und diese beiden Rapper bringen ihn putzmunter auf die Bühne. Gold für „Zum Glück in die Zukunft“, Platin für „Lila Wolken“: Marteria gehört ohne jeden Zweifel zu den erfolgreichsten Künstlern der deutschsprachigen Musikwelt, vor allem jedoch zu den entscheidenden Vorreitern und Impulsgebern des aktuellen HipHop-Booms. Dreieinhalb Jahre nach dem hochdekorierten Erstling ist der Rostocker nun mit dem Nachfolger „Zum Glück in die Zukunft II“ zurück: Angriffslustig und nachdenklich, humorvoll und melancholisch, provokant und manchmal beinahe schmerzhaft direkt. Ihm zur Seite steht Chefket und der wird für seine außergewöhnlichen Fähigkeiten gelobt. Mit seinen Doubletime Skills und der soulige Stimme ist der Rapper mit türkischen Wurzeln bei HipHop-Fans aller Altersklassen schwer im Ohr.

 

Einer nach dem anderen Jetzt im Kino

Das große Aufräumen. Der introvertierte Norweger Nils (Stellan Skarsgård) ist ein hochgeschätzter, penibel sorgfältiger  Schneepflugfahrer in einem schwedischem Dorf. Als sein Sohn von der Drogenmafia ermordet wird, beginnt er einen Vergeltungsfeldzug – und räumt die bösen Buben einen nach dem anderen aus dem Weg. Da er dabei sorgfältig darauf achtet, nicht erkannt zu werden, gehen zwei rivalisierende Banden, die sich gegenseitig der mysteriösen Morde verdächtigen, praktischerweise gleich selbst aufeinander los, der vom Balkan stammende Papa (Bruno Ganz) hofft, die Konkurrenz ausschalten zu können. Nils aber mischt weiter kräftig mit. Vor tief verschneiter Landschaft inszenierte Hans Petter Molands eine sarkastische, tiefschwarze, sehr komische Actionkomödie, die im Originla trefflich "Kraftidioten" heißt.  Die Coen-Brüder grüßen mit„Fargo“ und Quentin Tarantino auch. Schauderbar!

 

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Höhere Gewalt Jetzt im Kino

Hohe Berge, tiefer Fall. Eine schwedische Familie, Vater, Mutter, zwei Kinder machen Skiferien in den französischen Alpen. Tolles Wetter, super Pisten ... dann rast eine Lawine auf die Hütte zu, der Vater rettet sich allein, ohne sich um die Seinen zu kümmern. Die Katastrophe bleibt aus. Der Schock sitzt tief: Der Mann hat versagt, sein Rollenbild ist in Frage gestellt. Er kann keine Schwäche zugeben, seine Frau kann nicht vergessen, dass er sie im Stich gelassen hat. Die Familie droht in den verbleibenden Urlaustagen auseinanderzubrechen. Ruben Östlund inszenierte ein meisterhaftes Psychodrama. Eingeteilt in fünf Kapitel, nach den fünf Tagen von der Ankunft bis zur Abreise, erst im strahlend schönen Skigebiet, dann in dunklen Gängen. Nordisch. Intensiv. Von Schweden für den Auslandsoscar eingereicht und nominiert für den Europäischen Filmpreis.

 

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My Old Lady Jetzt im Kino

Verletzte Seelen. Der mittellose Mathias (Kevin Kline) fliegt von New York nach Paris, um dort ein von seinem Vater ererbtes, sagenhaftes Appartement zu verkaufen. Eine alte Dame, die darin wohnt, hat allerdings Wohnrecht auf Lebenszeit, und Anspruch auf eine monatliche Leibrente von 2.400 EUR. Diese Mathilde (Maggie Smith), stellt sich heraus, war die Geliebte seines ungeliebten Vaters. Als Mathias dann Mathildes Tochter Chloé (Kristin Scott Thomas) kennenlernt, die ebenfalls emotionale Bürden zu tragen hat, brechen alte Wunden auf ... Eine Tragikomödie des berühmten Theaterautors Israel Horovitz, nach einem eigenen Stück für die Leinwand adaptiert. Tolle Besetzung, fetzige Dialoge, absehbares Ende.

 

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Pretty Yende Am 24.11. Prinzregententheater

Als Cecila Bartoli vor kurzem einen Auftritt in Wien absagen musste, gab es zunächst viele lange Gesichter. Die sollten sich aber bald schon aufhellen, als Einspringerin Pretty Yende die Bühne betrat. Immerhin hat die Newcomerin aus Südafrika sich nach ihrem Durchbruch beim Belvedere Wettbewerb innerhalb kürzester Zeit an die ersten Häuser der Welt gesungen. Die Mailänder Scala, Berlin, Barcelona und, nicht zu vergessen, in der letzten Saison das umjubelte Debüt an der Metropolitan Opera. Ihre Wohlfühlzone ist dabei in erster Linie das Belcanto-Repertoire. Und so versteht es sich fast von selbst, dass beim Münchner Konzert neben Französischem von Delibes, Gounod und Massenet vor allem Rossini und Bellini dominieren. Es begleiten die Münchner Symphoniker unter Peter Valentovic.

Peer Gynt Im Residenztheater

Auf klassisches Bildungsgut greift Regisseur David Bösch in seiner Inszenierung zurück. Er lässt in dem Henrik-Ibsen-Stück den Sinnsucher seine norwegische Heimat verlassen, nach Amerika (wieder mal) aufbrechen, wo er Großreeder wird. Doch den Rastlosen hält es nicht lange. In Afrika träumt er von Wüstensiedlungen, er versteigt sich in Propheten-Anwandlungen – und endet schließlich in einer Irrenanstalt in Kairo. Wieder einmal war ein Kern-Forscher unterwegs. Peer Gynt will wissen, warum die Zwiebel, die so viele Schalen hat, nur aus Häuten, aber eben aus keinem Inneren besteht. Das erinnert an Goethes „Faust“ und ist nicht minder aufregend. Gespielt wird der Titelheld von Shenja Lacher – an seiner Seite unter anderem Sibylle Canonica und Michele Cuciuffo.

Nightcrawler Jetzt im Kino

Sensationsgeil. Lou Bloom (Jake Gyllenhaal in einer brillanten Performance) führt ein prekäres Leben und hält sich mit kleinen Diebstählen über Wasser. Dann entdeckt er aber zufällig, dass man mit TV-Sensationsreportagen ziemlich gutes Geld verdienen kann – stürzt sich ins Geschäft mit den schmutzigen Bildern, entwickelt großen Ehrgeiz und findet in Nina (René Rosso), einer skrupellosen TV-Redakteurin, sein Pendant. Dan Gilroys packender Thriller  über die „Karriere“ eines schonungslosen Psychopathen, der, angetrieben von einem verzweifelten Drang nach Anerkennung und Erfolg, mit immer zwielichtigeren Methoden weiter in den Abgrund steigt und über Leichen geht.

 

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Die Mannschaft Jetzt im Kino

Sommermärchen 2. „Brasilien hat Neymar. Argentinien hat Messi. Portugal Ronaldo. Deutschland hat eine Mannschaft!“ twitterte Steven Gerrard, Ex-Kapitän der englischen Nationalmannschaft, nach Deutschlands fulminanten Halbfinalsieg gegen Brasilien. Diese offizielle Dokumentation der FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien 2014, zeigt die sportlichen Ereignisse auf dem Platz und blickt hinter die Kulissen, zeigt witzige, dramatische, einzigartige Momente in den Trainingslagern in Südtirol, im Campo Bahia und schließlich natürlich in der Kabine nach dem Sieg.

 

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Mommy Jetzt im Kino

Exorbitant! Diane (Anne Dorval) lebt in prekären Verhältnissen, liebt ihren 15-jährigen Sohn Steve (Antoine-Olivier Pilon) und holt ihn zurück aus dem Heim für schwer erziehbare Jungs, als er bei einem seiner unkontrollierbaren Wutausbrüche mal wieder einen Kameraden verletzt hat. Sie hofft, dass er die Schule schafft. Eine Nachbarin, Kyla (Suzanne Clément), eine Lehrerin, die an einer Sprachstörung leidet und deshalb beurlaubt ist, wird ihnen dabei helfen. Im Durcheinander der Gefühle, der ADHS-bedingten Tobsuchtsanfälle, der existenziellen Nöte, stellen sich Momente inniger Vertrautheit ein, Freundschaft, Liebe ... Ein umwerfender Film des erst 25-­jährigen Xavier Dolan („Sag nicht, wer Du bist”, „Herzensbrecher”, „Lawrence Anyway”, „I killed My Mother”), wie gewohnt mit glasklarem formalen Konzept, dem radikal neugierigen Ausloten heftigster Emotionen, mit größter Empathie für seine verletzlichen ­Figuren – in Cannes mit dem Preis der Jury ausgezeichnet. Ein Must See!

 

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Interstellar Jetzt im Kino

Klimakatastrophe. In nicht allzu ferner Zukunft geht’s rasant bergab. Die Welt ist nicht mehr zu ernähren. Familienvater Cooper, einst ein begnadeter NASA-Astronaut, heute Farmer, der vergeblich gegen Dürre und Sandstürme kämpft, muss noch einmal ran. Zusammen mit den besten Wissenschaftlern wird er auf Weltraum-Mission geschickt, um in letzter Minute einen anderen bewohnbaren Planeten zu suchen. Der waghalsige Flug durch Wurmlöcher verkürzt dabei die enormen Distanzen... Ein groß dimensionierte Science-Fiction-Drama von Christopher Nolan. Matthew McConaughey und Anne Hathaway spielen die Hauptrollen.

 

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Plötzlich Gigolo Jetzt im Kino

Rent-a-Man. Buchhändler Murray (Woody Allen) muss seinen Laden mangels Kundschaft aufgeben. Und hat, inspiriert durch ein Gespräch mit seiner erotisch unterversorgten Hautärztin (Sharon Stone), bald eine neue Geschäftsidee: Er vermittelt seinen Freund, den Blumenhändler Fioravante (John Turturro) als „Mann für gewisse Stunden” an zahlungskräftige Damen. Das geht zur Zufriedenheit aller Beteiligten lange gut. Bis Zuhälter Murray seinem Gigolo eines Tages die verwitwete Frau eines Rabbis, die chassidische Jüdin Avigal (Vanessa Paradis) zuführt, in die sich der charmante Escort unsterblich verliebt. Streifenpolizist Dovi (Liev Schreiber) allerdings hegt schon länger ernste Absichten ... John Turturro höchstpersönlich inszenierte diese bittersüße New-York-Komödie.

 

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Im Labyrinth des Schweigens Jetzt im Kino

Deutschland 1958 - Wiederaufbau, Wirtschaftswunder. Die Zeit von Petticoat und Rock’n Roll, zwischen Nierentisch und Tütenlampen. Vergangenheitsblind schnallen alle ihre Gürtel wieder weiter. Die deutsche Justiz ist mit braunen Seilschaften durchsetzt. Nicht wenige Richter und Staatsanwälte sind selbst verstrickt. Doch in Frankfurt am Main zwingt ein Mann eine Gesellschaft zum Hinsehen, die nicht willens ist, sich ihrer Verantwortung zu stellen. Als Generalstaatsanwalt in Hessen sorgt Fritz Bauer dafür, dass 1963 in der jungen Bundesrepublik die Auschwitz-Prozesse geführt werden. Danach konnte keiner mehr stur behaupten, nichts gewusst zu haben.

 

„Da draußen läuft ein Mörder frei herum, Mitglied der Waffen-SS, interessiert es Sie?“ Vergeblich versucht Journalist Thomas Gnielka (André Szymanski) bei der Frankfurter Justiz Anzeige zu erstatten. Dass ein SS-Mann, der Wärter des Konzentrationslagers in Auschwitz war, seit Kriegsende unbehelligt als Lehrer arbeitet, stört niemanden. Seine Anzeige landet im Papierkorb. Einzig der junge Staatsanwalt Johann Radmann (Alexander Fehling), der normalerweise kleine Verkehrsdelikte bearbeitet, wird hellhörig. Doch auch er stößt schnell an seine Grenzen. Denn in den Augen seines direkten Vorgesetzten Oberstaatsanwalt Walter Friedberg (Robert Hunger-Bühler) gibt es weder Täter noch Opfer. Selbst sein Kollege Otto Haller (Johann von Bülow) wiegelt ab: „Ist alles Propaganda, die Sieger dürfen rumlaufen und Geschichten erzählen“. Nur Generalstaatsanwalt Fritz Bauer (Gert Voss) unterstützt den Neuling. Denn er möchte diese Verbrechen seit langem öffentlich machen. Für eine Anklage fehlen ihm jedoch bislang konkrete Beweise. Voller Eifer stürzt Radmann sich in die Arbeit. Im Archiv des U.S. Army Document Center forscht er weiter. „Zehn Millionen Nazis, unglaublich was, und diese Idioten haben alles aufgeschrieben“, führt ihn Major Parker (Tim Williams) entlang der Gänge mit den bis zur Decke gestapelten Akten. „Wenn du glaubst, du kriegst auch nur einen vor Gericht, dann kannst du auch glauben an den Weihnachtsmann“, sagt er dem etwas naiven Grünschnabel. „Mich interessiert nur, wer in Auschwitz gedient hat“, erwidert Radmann forsch. „Wo ist deine Lastwagen“, fragt ihn Parker sarkastisch.Immer tiefer gerät der junge Jurist in ein Labyrinth aus Verdrängung, Lügen und Verklärung.

Mit seinem reifen Spielfilmdebüt setzt Regisseur Giulio Ricciarelli dem aufrechten Demokraten Fritz Bauer ein würdiges filmisches Denkmal und kämpft erneut gegen das Vergessen an. Gleichzeitig gelingt ihm ein identifikationsstarkes, emotional spannungsgeladenes, absolut authentisches Polit-Drama, das in keiner Sekunde zur moralisch öden Lehrstunde verkommt. Authentisch bis ins Detail fängt er das engstirnige, dumpfe Klima der Adenauer-Ära ein und macht es von der ersten Minute an erlebbar. Dabei setzt seine kluge Verdichtung nicht auf sensationsheischende Effekte. Zudem kann er auf eine starke Besetzung zurückgreifen, die bis in die Nebenrollen hinein einfach brillant spielt. Ex-„Goethe!“ Alexander Fehling überzeugt mehr denn je als idealistischer, anfangs selbstgerechter, junger Staatsanwalt in den muffigen Amtsstuben zwischen Gummibaum und Aktenbergen. Eine großartige Leistung des 33-jährigen Berliners mit dem markant geschnittenen Gesicht, der an der renommierten Schauspielschule Ernst Busch studierte. Last but not least beweist die im Sommer verstorbene Theater-Ikone Gert Voss als Fritz Bauer ein letztes Mal grandios, warum die „Times“ ihn einst zum „besten Schauspieler Europas“ kürte.

 

Luitgard Koch

 

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Woyzeck Im Münchner Volkstheater

Immer nur Erbsen essen. Dann auch noch herumgeschubst und erniedrigt werden. Der junge Franz Woyzeck, der eigentlich aufrichtig, geradlinig und ehrlich durchs Leben gehen wollte, hält sich und seine Freundin Marie mit diversen Jobs über Wasser. Am prekären Rand der Gesellschaft ist er dem ständigen Druck und Wohlwollen von Vorgesetzten und Bessergestellten ausgesetzt. Und dann bewahrheitet sich auch noch der schlimmste Albtraum: Das Testosteronmonster Tambourmajor hat doch tatsächlich Marie verführt. Kein Wunder, dass Woyzeck die Hutschnur platzt. Abdullah Kenan Karaca hat Georg Büchners schauerliches Kleiner-Mann-Drama neu aktualisiert. Schlimm bleibt alles. In den Hauptrollen: Sohel Altan G., Magdalena Wiedenhofer, Silas Breiding und Pascal Fligg.

 

Winterkartoffelknödel Jetzt im Kino

Des tuat’s scho. Dorfpolizist Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) hat den richtigen Riecher. Der makabre Unfall mit dem Neuhofer, der von einem Bau-Container einfach dabatzt wird, ist ein Mord. Privatdetektiv Rudi (Simon Schwarz) unterstützt den Franz bei den Recherchen. Freundin Susi (Lisa Maria Potthoff) keineswegs. Denn der Franz hat sich in die halbseidene Mercedes (Jeanette Hein) verschaut ... In dieser bayerischen Krimikomödie, Ed Herzogs zweiter Adaption eines Rita Falk-Krimis nach „Dampfnudelblues“, verschlägt es die beiden bis nach Teneriffa. Zuvor aber wird (bei der Mama) gut gegessen und (in der Wirtschaft) fleißig getrunken, an Sex hätt‘ Mann schon auch gern ... eine wuide Achterbahnfahrt ist das, ein hie und da arg kracherter Gspaß halt, was schad ist, weil sie, bis in die Nebenrollen, alle versammelt sind, die tollen bayerischen Schauspieler, die großes Bayerisches Welttheater können.

 

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Die Neger In den Kammerspielen

So langsam wird jede letzte Inszenierung des scheidenden Kammerspiele-Intendanten Johan Simons gewollt oder nicht zu einer Art Hinterlassenschaft. Mit Jean Genets Stück hat er mal wieder starken Tobak in die Pfeife gestopft. Beklemmend dürfte es in jedem Fall werden. In dem einstigen Skandalstück stellt bekanntlich eine Gruppe Schwarzer einen Lustmord an einer weißen Frau nach – worauf eine groteske Strafexpedition folgt. Geschrieben wurde das unter dem Eindruck der blutigen letzten Kolonialwirren und befeuert von Genets flammende Sympathie für die Befreiungsbewegung der PLO und der Black Panthers. Jeder Außenseiter, der unterdrückt und diskriminiert wird, war und ist hier ein „Neger“. Nur so liest sich auch das Vorwort, in der Genet die provokante Frage aufwarf: „Was ist eigentlich ein Schwarzer? Und vor allem welche Farbe hat er?“.

Hoppla, wir leben! Im Cuvilliéstheater

Die ganz wilden Tage hat München bekanntlich schon hinter sich. Umso mehr lohnt es sich, in die bewegte Räte-Zeit zurückzublenden. Hier ist Ernst Tollers tragikomisches Gesellschaftspanorama der Weimarer Republik angesiedelt, mit dem sich Anne Lenk am Bayerischen Staatsschauspiel zurückmeldet. Erzählt wird vom „Gefühlsrevolutionär, Träumer und Phantasten“ Karl Thomas, der nach einer niedergeschlagenen Revolution verhaftet und in die Psychiatrie geworfen wird. Dort bekommt er den steilen Karriereweg seines einstigen Genossen Wilhelm Kilman nicht mit. Der wird Minister und Realpolitiker. In seinem Vorzimmer gehen die Bonzen ein und aus. Doch dann wird Thomas doch entlassen – und schlägt sich als eisig dauerlächelnder Kellner durch. Eines Tages wird ausgerechnet vor seinen Augen Minister Kilman Opfer eines Mordanschlags. In den Hauptrollen: Franz Pätzold, Oliver Nägele und Valerie Pachner.

Das schweigende Mädchen In den Kammerspielen

Elfriede Jelineks neues Stück setzt den Gerichtssaal als Ort der Handlung. Der laufende NSU-Prozess ist hier zugleich das jüngste Gericht, und die Geschichte der Zwickauer Zelle wird zur Antithese der biblischen Heilsgeschichte: Im gewohnten Gestus eines fließenden, unendlichen Sprechens seziert Jelinek die einzelnen Facetten der Schuldfrage. Zwischen Prozessprotokollen, Medienberichten und literarischen Referenzen wagt sie einen tiefen Blick ins Unbewusste der deutschen Seele. Kammerspiele-Intendant Johan Simons inszenierte das brisante, aktuelle Drama.

Stephan Zinner: Wilde Zeiten Am 24.11 in der Lach & Schiess

Seitdem Stephan Zinner Vater ist, mutieren an sich harmlose Erlebnisse übrigens auch bei ihm immer öfter zur grausigen Groteske. So berichtet er etwa vom Familienausflug am Flaucher, wo man bald vertrieben wird. „Hier is fei für Nackt“, brüllt es laut. Und dann kratzen sich die Nudisten an wirklich gar nicht schönen Stellen. "Die Menschen streben, wenn man den Umfragen glauben darf, nach Ruhe, Ausgeglichenheit, Entspanntheit, einer perfekten Work-Life-Balance etc. etc. führen sich aber auf wie wildgewordene Vollpfosten", das weiß der Zinner. Er beschreibt das Erlebte, singt über die Unwägbarkeiten des Lebens, lügt nur sehr, sehr wenig und gibt am Ende noch einen kleinen Tipp wie man vielleicht durchkommt, durch diese „Wilde Zeiten“. Und natürlich wird er auch diesmal seinen Körper zu lockeren Beats bewegen. P.S.: Das Programm wird in bayerischem Dialekt ausgeführt.

Wer hat Angst vor Virginia Woolf? Im Residenztheater

Auf geht’s wieder. Und das nicht nur auf der Wiesn. Auch die Theater kehren aus der Sommerpause zurück, die für viele kaum Ruhe und schon gar keinen Sommer mit sich gebracht hatte. Besonders gespannt sein darf man auf den Aufschlag, den Martin Kušej wagt. Zuletzt hatte der Resi-Intendant das Bürgertum mit einer sehr eigenwilligen, drastischen „Faust“-Neuinterpretation gefordert, nun legt er eine Schippe nach. Der Klassiker von Edward Albee – berüchtigt geworden durch die Film-Version mit der unglaublich ordinär auftrumpfenden Liz Taylor und ihrem damaligen Gatten Richard Burton – hat auch heute noch das Zeug zum Aufregerstück. Erzählt wird von einer Afterparty, zu der Martha – ohne Wissen ihres Ehemanns George – den Biologieprofessor Nick und seine Frau Honey nach einem offiziellen Fest in ihrer Villa eingeladen hat. Schon bald fliegen die Fetzen. Martha steuert die perfiden Gesellschaftsspiele radikal gegen die Wand. Sie liebt es, mit den Gefühlen der Anderen Schindluder zu treiben. Und Eskalation ist nur eine der ersten Stufen vor dem großen Zerstörungsdrama.

Philipp Weber Am 26.11. im Lustspielhaus

Durst nach Leben! Der Mensch hat vier essentielle Grundbedürfnisse: Atmen, Trinken, Essen und Sex! Ohne Sauerstoff  ist man nach drei bis fünf Minuten tot! Ohne Flüssigkeit nach drei bis fünf Tagen. Ohne Nahrung nach drei bis fünf Wochen. Und ohne Sex...? Hält man höchstens drei bis fünf Ehen aus. Doch da über Ernährung schon viel gesprochen wird, über Sex viel zu viel, und drei von fünf Gesprächen ohnehin nur aus Luft bestehen, wird es nun Zeit, ein Wort über den Durst zu verlieren. Denn der Mensch soll schließlich am Tag 1,5 Liter trinken. Die Frage ist nur: Was? Die Antwort weiß Philipp Weber. Er ist Deutschlands radikalster Verbraucherschützer und hat sich mit Leib und Leber dem Allgemeinwohl verschrieben. Der studierte Chemiker und Macher des Erfolgs- Programms „Futter – streng verdaulich“ widmet sich nun den flüssigen Gaumenfreuden. In „Durst  – Warten auf Merlot“ gräbt er gnadenlos Fakten aus, die der Öffentlichkeit von der Nahrungsmittelindustrie bisher vorenthalten wurden. Bierernste Fragen, erschütternd komisch.

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Do 20. November -
Mi 3. Dezember 2014
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