Donnerstag, 5. März 2015
ALLE VERANSTALTUNGEN
für 14 Tage & Nächte in München

Mobile Ethnic Minority: Plattentaufe

Heute im Substanz... mehr
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Album Release Show: Der Sänger und Gitarrist Mario Knapp mit unter die Haut gehenden Texten und großen Songs irgendwo zwischen minimalem Americana und radikal reduziertem Folk.

 

Unter dem Milchwald: Gespinst der Träume

Heute im Metropoltheater... mehr
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Von seiner enormen Klang-Qualität lebt dieses Groß-Gedicht von Dylan Thomas. Der hat den polyphonen Singsang und das Geschnatter einer kleinen Stadt in Wales eingefangen – darunter die Stimmen ihrer Bewohner, die unterschiedlichen Berufen und Leidenschaften nachgehen. In Llareggub wird in Stößen geseufzt, geschmachtet, Briefgeheimnisse werden verletzt, es wird phantasiert, selbstgesprochen und lamentiert. Und für den nötigen Unernst sorgt der Poet selbst, der viele Ironiesignale eingebaut hat.

 

Seventh Son: Dämonenhatz

Jetzt im Kino... mehr
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Der alte Geisterjäger John Gregory (Jeff Bridges) hat im jungen Tom Ward (Ben Barnes) einen gelehrigen Schüler. Der ist der siebte Sohn eines siebten Sohns aus der Dynastie der Spooks, einer fürs Geister- und Monster-Jagen prädestinierten Ritterschar. Es geht gegen die mächtige Hexenkönigin Mother Malkin (Julianne Moore), und da die nicht lange fackelt, erlebt der junge Mann einen krassen Crashkurs in Sachen Monstervernichtung. Ein effekt- und actionreiches Fantasy-Spektakel vom mit allen Wassern gewaschenen Sergej W. Bodrov.

 

Greenleaf: Psychedelic-Mix

Heute im Feierwerk... mehr
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Psychdelischer Mix aus Blues und Stonerrock mit der Kapelle aus dem schwedischen Borlänge. Special Guest: The Midnight Ghost Train

 

Troyka: Jazzige Experimente

Heute in der Unterfahrt... mehr
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Experimentelles britische Trio rund um Kit Downs (Hammond B3, synth), Chriss Montague (g, loops) und Josh Blackmore (dr).

 

Gefährliche Liebschaften: Sex und Macht

Heute im Cuvilliés-Theater... mehr
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Für Vicomte de Valmont gibt es eigentlich nur einen Platz, wo er hingehört – ins Bett von Madame de Tourvel. Immerhin hat er mit der fies-verführerischen Marquise de Merteuil eine Wette abgeschlossen, dass es ihm doch gelingen sollte, die sittenstrenge Witwe rumzukriegen. Doch natürlich kommt es ganz anders. Marc Schubring und Wolfgang Adenberg haben aus dem Briefroman von Choderlos de Laclos ein pikantes Musical gemacht. Und das passt bestens ins schönste Rokoko-Ambiente der Stadt. Die Choreografien stammen von Adam Cooper vom Londoner West End.

 

Focus: Lug und Trug

Jetzt im Kino... mehr
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Der große Trickbetrüger Nicky (Will Smith) führt die junge, begabte Nachwuchskraft Jess (Margot Robbie) in die Geschäfte ein, was nebenbei zu einer romantischen Beziehung führt, lässt sie aber, nach einem großen Coup, plötzlich fallen. Drei Jahre später sehen sich die beiden in Buenos Aires wieder. Nick soll da den Ausgang eines Autorennens im Sinn seines skrupellosen Auftraggebers gestalten, Jess gehört zur Gegenseite – kein guter Ansatz für eine mögliche Versöhnung.  Eine abenteuerliche, humorvolle Gauner-Romanze, mit ziemlich schrägem, wackligen Plot, aber flott-witzigen Dialogen.

 

Sigi Zimmerschied: Tendenz steigend

Heute in der Lach & Schieß... mehr
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Wirkungsvolles Kabarett ist wie Hochwasser. Es kommt überraschend, mit aller Kraft, fordert alle Sinne und hinterlässt irritierte Sicherheit. Das unterscheidet es vom lauwarmen fernsehtauglichen Comediefußbad. Da hilft kein App. Depp bleibt Depp. Tendenz steigend. Themen? Der Kopf ist ab, die Hose unten, das Massengrab sucht neue Kunden. Die Zinse fällt, der Blutdruck steigt, es weint die Welt, der André geigt.

 
Tagestipp Donnerstag 05.03.2015
Still Alice Ab 5.3. im Kino

Abschied vom Ich. Alice Howland (Julianne Moore) ist Linguistik-Professorin, glücklich verheiratet, gerade mal 50, und sieht sich, nach ein paar eklatanten Ausfällen (sie verliert bei einem Vortrag den Faden und beim Jogging die Orientierung), mit einer erschütternden Diagnose konfrontiert: Alzheimer – in einer besonders frühen Form. Ihr Ehemann (Alec Baldwin) zeigt sich bald überfordert. Die schwangere Tochter Anna sieht sich, weil die Rede von genetischer Vererbung ist, vor allem bedroht. Große Unterstützung erfährt Alice dagegen unerwartet von der jüngsten Tochter Lydia (Kristen Stewart), mit der sie bisher eher ein schwieriges Verhältnis hatte. Ein sehr realistisches, starkes Drama des Regieduos Richard Glatzer und Wash Westmoreland, eher konven­tionell erzählt, das aber dank des Ensembles (Golden Globe und Oscar für Julianne Moore!) emotional in die Tiefe geht.

 

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Chappie Ab 5.3. im Kino

Südafrika hat ein Problem mit der wachsenden Kriminalität, und setzt neuerdings auf Kampfroboter. Der nerdige Tüftler Deon könnte den praktischen Kisten wahre Intelligenz, Mitgefühl uund dergleichen. mehr verpassen, da ist aber seine Chefin in der Roboter-Firma strikt dagegen. Deon besorgt sich daher ein ausrangiertes Modell, programmiert das entsprechend – dann werden er und der Roboter von einer Bande Kleinkrimineller entführt. Außerdem interessiert sich ein Waffenhändler sehr für Deon und seine Erfindung. Hier tummelet sich die neue, actionreiche Sci-Fi-Komödie von Neill Blomkamp, dem gefeierten Regisseur von „District 9“. Hugh Jackman spielt den Bösen, Dev Platel den Technikfreak.

 

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Verstehen sie die Béliers? Ab 5.3. im Kino

Jenseits der Stille. Die junge Paula kann hören und sprechen. Ihre Eltern und ihr kleiner Bruder können es nicht. Es gibt jede Menge Arbeit auf dem Hof der Familie. Paula hält den Kontakt zu den Normalos, übersetzt, verhandelt mit der Bank, holt den Tierarzt, verkauft Käse auf dem Markt ... Und nun kandidiert Paulas Vater auch noch für das Amt des Bürgermeisters. Paula dagegen sollte, meint ihr Musiklehrer, wegen ihrer tollen Stimme in Paris Gesang studieren, gerät also in einen heftigen Konflikt zwischen familiären Pflichten und den Träumen vom eigenen Glück. Eric Lartigau inszenierte einen zauberhaft berührenden Film voller Witz und Ernst mit einer fulminanten Hauptdarstellerin, die gerade den César gewonnen hat: Louane Emera ist eigentlich Sängerin. In Frankreich eroberte das Feel-Good-Movie in kürzester Zeit die Herzen von fünf Millionen Zuschauern.

 

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Rocky Horror Show Bis 22.3. im Deutschen Theater

Let's Do The Time Warp Again! Hier kommt eines eines der weltweit meistumjubelten Musicals überhaupt: Unter dem rundum zutreffenden Motto „Bad, bizarre and bloody brilliant“ stolpern hier der brave Brad und seine potenziell verführbare Janet mal wieder durch die laszive Nacht. Natürlich schießt ihnen früher oder später der „Time Warp“ in die Hüften. Und Frank’n’Furter führt sie in sein wunderbar schräges Burlesque-Märchenreich. Der Rocky-Schöpfer Richard O’Brien ist höchstpersönlich für die Inszenierung verantwortlich. Ein transylvanisch-galaktischer Spaß ist hier garantiert.

 

Ursus & Nadeschkin Am 4.3. und 5.3. Lustspielhaus

Bei diesen beiden wirkt alles zunächst so, als wäre man fast zu spät gekommen. Hier fällt nach einem fulminanten Beginn ziemlich rasch der Vorhang. „Sechsminuten“ nennt sich der Abend. Und das darf man durchaus wörtlich nehmen. Es startet atemberaubend, spektakulär – und ist schneller zu Ende, als einem lieb ist. Der Vorhang fällt und die Vorstellung beginnt; dann, wenn man alles oder nichts mehr erwartet. Ein Abend voller Wendungen, skurriler Ein- und Reinfälle. Mit reizvoll unverständlich geführten Wortgefechten nehmen Ursus & Nadeschkin die Regeln des heutigen Showbusiness aufs Korn. Es ist ein Gang zwischen absurd genialem oder einfach nur völlig verrücktem Humor. Unterm Strich ein durch und durch aufgepimptes Stück Theater. Die Vorstellungen am 6.3. und 7.3. sind bereits ausverkauft!

Tom Lüneburger Am 6.3. im Strom

Fleißiger Mann. In den letzten zwei Jahren hat er jede Menge Musik zusammengetragen, aber fast alle Stücke des neuen Albums "Head Orchestra" sind im letzten Sommer entstanden, den er mit ein paar Freunden in einem alten Landhaus mitten im Nirgendwo verbracht hat. Stille, heiße und sternklare Nächte, zu viel Rotwein, viel zu viele Zigaretten. Ohne die Möglichkeit der Ablenkung, immer konfrontiert mit dem eigenen Ich. Anstrengend und intensiv, aber auch lehrreich und produktiv. Atmosphärische, klar strukturierte Songs, melancholisch, aber am Ende doch auch immer mit dem Versuch der Versöhnung. Mehr Pop. Mehr Tiefe. Ein Konzert mit ihm ist ein kurzweiliges Erlebnis: zwei Stunden aussteigen und ein gutes Gefühl mit nach Hause nehmen.

 

Als wir träumten Jetzt im Kino

Dani, Rico, Pitbull, Mark und Paul heißen sie, die Kumpels, die sich schon aus der Polytechnischen Oberschule kennen. Rote Pionierhalstücher haben sie da noch getragen, mit „Freundschaft“ gegrüßt, an der Zivilverteidigungsübung teilgenommen und dabei räsoniert, welche Wunde – nachzulesen auf einem um den Hals gehängten Pappkarton – denn die beste sei. Bald ist man sich einig, dass es eine sein muss, die eine Mund-zu-Mund-Beatmung erfordert, am liebsten von Sternchen, das Dani für das schönste Mädchen der Welt hält. Später wird sie sich an einer Striptease-Stange verrenken, „künstlerisch“ versteht sich – aber da sind längst alle Träume geplatzt.

 

  „Als wir träumten“ feierte auf der 65. Berlinale seine Premiere, der passende Platz für einen Film der am Schnittpunkt zweier Welten spielt, der DDR und der BRD. Auf Clemens Meyers 2006 erschienenem Nachwenderoman gleichen Titels basiert das Drama, eine über weite Strecken geglückte Mischung aus Coming-of-Age-Story und Sozialstudie. Andreas Dresen („Halt auf freier Strecke“), zweifelsohne der große Humanist unter Deutschlands Filmemachern, hat es nach einem etwas zu braven Drehbuch des DEFA-Granden Wolfgang Kohlhaase („Sommer vorm Balkon“) in Szene gesetzt.

In Leipzig spielt das Drama, der Heimatstadt Meyers, sicherlich viel Autobiographisches ist in den Bestseller eingeflossen, er selbst absolviert einen Kurzauftritt als Polizist, der die Clique nach kurzer U-Haft wieder entlässt – man hat ein Auto kurzgeschlossen und auf der anschließenden Spritztour gehörig demoliert. Die Jungs sind haltlos und wild, wissen mit ihrer neuen Freiheit kurz nach dem Fall der Mauer nicht umzugehen. Die Leitfiguren fehlen, die Eltern hängen selbst vollkommen in der Luft. „Sich ins Kollektiv einfügen und mitdenken“, hat sie einst der Offizier der Nationalen Volksarmee belehrt. Aber nun gibt es kein Kollektiv mehr, keine Vor- und Mitdenker.

Und einfügen will man sich erst recht nicht mehr. Das war gestern. So werden Drogen konsumiert, Alkohol getrunken, den man gerne mal im Supermarkt klaut, und in einer leerstehenden Fabrik wird illegal der erste Techno-Club Sachsens, das „Eastside“, eröffnet. Was den Burschen natürlich bald reichlich Ärger einbringt, vor allem mit den Neonazis, die Rico frech „Hautköpfe“ nennt und denen er als Boxer – eine Profikarriere schwebt ihm vor – noch lieber eine ordentliche Abreibung verpasst. Leider sind die „Glatzen“ aber meist in der Überzahl – mit schmerzhaften Folgen.

Man mag manchmal gar nicht glauben, in einem Dresen-Film zu sitzen. Hart geht’s zur Sache, Schweiß treibend sind die Beats, das Stroboskoplicht blitzt, kurz, ganz kurz nur, erhellen sich zwischendurch die farbentsättigten Bilder. Vor und zurück geht’s in der Zeit, Kapitelüberschriften, besser vielleicht Zwischentitel, wie „Konkurrenz“ oder „Gewitter im Kopf“ akzentuieren die episodische Struktur, immer wieder schaltet sich Dani als Off-Erzähler ein. Einem Lebensgefühl spürt der Regisseur nach, von einer „lost generation“ erzählt er – bis es am Ende heißt: „Wo soll es hingehen?“.

Höchst überzeugend agiert das ganze Ensemble, ob Julius Nitschkoff als Hitzkopf Rico, Merlin Rose als der eher sanfte, besonnene Dani oder Ruby O. Fee als Sternchen – sie verglüht, ehe sie wirklich gestrahlt hat. Wie immer bleibt Dresen seinen Figuren gegenüber wertfrei, stets ist seine Empathie für sie zu spüren. Wie auch die von Oskar Roehler zu seinen Helden in dem demnächst anlaufenden Achtzigerjahre Berlinporträt „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“. Peepshows, Blixa Bargeld und Fassbinder sind da geboten. Die beiden Filme ergäben ein perfektes Double Feature.

 

Gebhard Hölzl

 

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American Sniper Jetzt im Kino

Kriegshandwerk. Navy Seal Chris Kyle (Bradley Cooper) ist ein exzellenter Scharfschütze. Im Irakkrieg rettet er durch seine Treffsicherheit unzähligen Kameraden das Leben. Die Berichte von seinen Taten sprechen sich herum. Allmählich wird er zur „Legende“. Seine Gegner kennen ihn inzwischen auch und setzen ein Kopfgeld auf ihn aus. Dreimal kehrt er ins Kriegsgebiet zurück, seine schwangere Frau kann ihn nicht davon abhalten. Clint Eastwoods patriotisches Kriegsdrama basiert auf Kyles‘ Autobiographie. Über die Ideologeme des perfekten Heldenepos lässt sich trefflich streiten. 

 

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Unser Dorf soll schöner werden In den Kammerspielen

Wie wird die Welt von morgen aussehen? Eine enge Gemeinschaft, eine sehr bedrohte sogar: Die holländische Compagnie Wunderbaum, angeführt von Intendant Johan Simons, entwirft ein sehr beklemmendes, weil sehr reales Szenario. Es ist der Versuch, fehlerhaften gesellschaftlichen Strukturen und alten Routinen etwas entgegenzusetzen. Der heutige sich alternativlos gebende Kapitalismus erweist sich als fataler denn je. Weil der Klimawandel fast nicht mehr aufzuhalten ist, könnte es der Menschheit doch tatsächlich gelingen, sich selbst auszulöschen bzw. zu ertränken. Wenn die Meerespegel steigen, sind die Niederlande, wo man sich mit Deichen und Kanälen so gut auskennt, als erstes futsch. In den Hauptrollen: Walter Bart, Stefan Hunstein, Maartje Remmers, Steven Scharf, Marleen Scholten.

Jagdszenen aus Niederbayern In den Kammerspielen

Man besucht sich, man pflegt den Austausch. Wie schön. Martin Kušej, seines Zeichens Hausherr am Bayerischen Staatstheater, wechselt die Straßenseite und inszeniert Martin Sperrs wüstes Bauerntheater.  Abram ist wieder zurück ins Dorf gekommen, nachdem er in der großen Stadt im Gefängnis war. Doch willkommen ist er nicht, das findet sogar seine Mutter. Nur Tonka, die alle die Dorfschlam­pe nennen, will, dass der bleibt. Denn sie ist schwanger. „Ich komme aus exakt einem solchen Dorf und kenne das alles zu genau“, so Kušej. „Ich habe diese drückende Atmosphäre mit der Milch mitbekommen: die bedrohliche Enge, die ewig gleichen Vorurteile, die korrupte Verlogenheit, die bigotte Frömmigkeit. Besonders spannend finde ich das Uneindeutige der Figuren“, sagt er über Sperrs einstiges Skandalstück. „Man versteht nie wirklich, wie sie eigentlich sind: schlampig oder brav, schwul oder nicht, anständig oder verräterisch.“ In den Hauptrollen: Katja Bürkle, Christian Löber, Silja Bächli und Michael Tregor.

Torquato Tasso Im im Residenztheater

Manchmal möchte man dem Antike-verliebten Dichter Torquato Tasso gerne über das staubige Haupt streicheln. Er machte sich das Leben am Hof des Fürsten von Ferrara auch gar zu schwer. Eben erst hat er sein Opus Magnum fertiggestellt, schon sticht ihn der Hafer. Er legt sich mit dem Diplomaten Antonio an und wird mit Hausarrest bestraft. Schlimmer noch: Plötzlich merkt der sensible Dichter, den Goethe so treffend traf, dass er doch nur ein Unterhaltungsdienstleister ist. Selbst wenn er zornig den Hof verlässt, erhält er sein Manuskript nicht mehr zurück. Das hat sich der Herrscher unter den Nagel gerissen. Menno! Regie führte Philipp Preuss. In den Hauptrollen: Valery Tscheplanowa, Sibylle Canonica, Nora Buzalka und Norman Hacker.

Selma Jetzt im Kino

„I have a dream“. 1965. In den alten Sklavenstaaten gilt das Wahlrecht auch für Afroamerikaner nur formal. Martin Luther King (David Oyelowo) schließt sich den Aktivisten in Selma/Alabama an. Bei einem geplanten Protestmarsch nach Montgomery, der Hauptstadt des Bundesstaates, kommen sie nur bis zur Stadtgrenze, bevor sie von gewalttätigen Polizisten niedergeknüppelt werden. Die Bilder gehen um die Welt. Ava DuVernay zeichnet in dem mitreißenden Drama ein intimes Porträt des großen amerikanischen Bürgerrechtlers und Friedensnobelpreisträgers. (Oscar-Nominierung für den besten Film).

 

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Von Menschen und Pferden Jetzt im Kino

In einem abgelegenen Tal, irgendwo auf Island, haben Mensch und Pferd ein sehr enges Verhältnis. Da reitet ein reicher Bauer mit seiner Stute zu seiner Angebeteten. Auf dem Heimweg kopuliert deren wilder Hengst ungehemmt mit seiner Stute ... sämtliche Nachbarn sehen mit ihren Ferngläsern zu. Ein Säufer schwimmt, auf dem Rücken seines Gauls, zu einem russischen Trawler, um sich mit Wodka zu versorgen. Eine junge Frau will es den Männern beweisen und vier ausgerissene Gäule heimholen ... Hier spielt sich ein tiefschwarzer, skurriler Episodenfilm des Isländers Benedikt Erlingsson. Skandinavischer Humor mit Hang zur Groteske, in großartiger Landschaft, Zweibeiner und Vierbeiner, die ihren Leidenschaften frönen, die einen voll Gleichmut, die anderen zu Katastrophen neigend.

 

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Into The Woods Jetzt im Kino

Erwachsene brauchen Märchen. Die alte Bruno-Bettelheim-Idee, die eigenen Traumata dank klassisch-kruder Märchenstoffe zu reflektieren, macht sich Stephen Sondheims Musical zu eigen. Ein Bäcker (James Corden) und seine Frau (Emily Blunt, mit toller Stimme!) wünschen sich sehnlichst ein Kind. Um ihren Unfruchtbarkeits-Fluch aufzuheben, fordert eine Hexe (Meryl Streep, für den Oscar nominiert!) eine Kuh weiß wie Milch (von Hans, dem Helden des amerikanischen Bohnenrankenmärchens), Haar gelb wie Mais von Rapunzel, Rotkäppchens blutroten Umhang und Aschenputtels goldenen Schuh. In Rob Marshalls fulminanter Verfilmung begegnet das Paar auf dem Weg in den tiefen Wald außer den Genannten allerlei Prinzen, der Großmutter und dem pädophilen Wolf (Johnny Depp) ... Es gibt hinreißende Songs, sehr ironische und sehr anzügliche Anspielungen, überraschende Wendungen, und, sehr verblüffend für einen Film aus Amerika: kein Happy End!

 

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Inherent Vice - Natürliche Mängel Jetzt im Kino

Total verpeilt. Larry „Doc“ Sportello (Joaquin Phoenix) nennt sich Privatdetektiv, konsumiert gerne Drogen, und sieht die Welt, Anfang der 1970er, in Los Angeles, ziemlich gelassen. Ihn besucht eines Abends völlig unerwartet Ex-Freundin Shasta (Katherine Waterston). Die hat gerade eine intensive Affäre mit dem Milliardär Mickey Wolfman (Eric Roberts). Und hat erfahren, dass dessen Ehefrau und deren Liebhaber planen, Mickey zu entführen und in die Psychiatrie zu bringen. Bevor Doc überhaupt in die Gänge kommt, ist Mickey schon verschwunden. Bei seinen Nachforschungen kommt ihm nicht nur sein verfeindeter Ex-Kollege Christian „Bigfoot“ Bjornson (Josh Brolin) in die Quere, auch andere zwielichtige Gestalten machen Doc das (Über-)Leben schwer. Paul Thomas Anderson ("Magnolia") adaptierte den gleichnamigen Krimi von Thomas Pynchon gewohnt eigenwillig und mit satirischem Hintersinn.

 

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Sehnsucht nach Paris Jetzt im Kino

Sie ist das weibliche Gesicht des französischen Kinos der vergangenen Jahrzehnte: Die Filmdiva Isabelle Huppert. In der einfühlsamen romantischen Komödie bricht die einstige Chabrol-Muse als Frau eines Rinderzüchters aus ihrer Eheroutine in der Provinz aus. Doch Regisseur Marc Fitoussi lässt sie dabei nicht als tragische Heldin à la Madame Bovary enden. In seiner französische Version der „comedy of remarriage” mit Tiefgang und Esprit gönnt er ihr neben einem charmanten Liebhaber auch einen Neuanfang mit ihrem genialen Filmpartner, dem exzellenten Jean-Pierre Darroussin.  „Der Schauspielerberuf ist für eine Frau die schönste Möglichkeit, sich auszudrücken“, sagt Isabelle Huppert über ihre Arbeit. Seit über vier Jahrzehnten beweist die gebürtige Pariserin, die mit ihren Sommersprossen immer noch sehr jugendlich wirkt, das eindrucksvoll auf der Kinoleinwand. Dem Madonnen-Klischee entzieht sie sich mit einer bisweilen trotzigen Haltung in provozierenden Parts. Immer öfter ist die Ausnahmeschauspielerin jedoch auch in Komödien zu sehen.

 

Mit Regisseur Marc Fitoussi ließ sich die Ikone des zeitgenössischen Autorenfilms erneut auf dieses Genre ein. Eine Paraderolle wie geschaffen für die faszinierende Darstellerin vielschichtiger Frauengestalten. Schließlich vermag die 61-jährige wie keine zweite komplexe Innenwelten in physische Präsenz zu verwandeln. Erneut betont sie damit auch ihr komödiantisches Potential. Leidenschaftlich und unterkühlt zugleich, zwischen Anmut und Power, zeigte sie sich bereits in „Eine Frauensache“ als Engelmacherin, und für die Regielegende Claude Chabrol in „Geheime Staatsaffären“ als Staatsanwältin.

 

Der bodenständige Xavier (Jean-Pierre Darroussin) züchtet erfolgreich Rinder in der Normandie. Seine Frau Brigitte (Isabelle Huppert) unterstützt ihn tatkräftig dabei. Doch nachdem ihre Kinder das Haus verlassen haben, belastet Brigitte die eingefahrene Alltagsroutine. Da hilft auch das scheinbar so idyllische Landleben nicht. Sie reagiert mehr und mehr allergisch darauf. Körperliches Signal: Ein Ausschlag am Hals, der sich zunehmend ausbreitet. Xavier bedrängt sie vergeblich, einen Arzt aufzusuchen. Als ihr der junge Stan (Pio Marmaï) aus Paris über den Weg läuft, der zufällig auf einer Party im Nachbarhaus ist, funkt es plötzlich. Seine Komplimente schmeicheln ihr. Die Aussicht auf ein amouröses Abenteuer macht ihr freilich zunächst Angst. Aber ihr Wunsch auszubrechen siegt. Mit der Ausrede, endlich einen der empfohlenen Dermatologen in Paris aufzusuchen, lässt sie ihren Ehealltag hinter sich. In der Seine-Metropole erwartet sie dann nicht nur ein harmloser Flirt, sondern nach einigen Turbulenzen mit dem Dänen Jesper (Michael Nyqvist) ein durchaus versierter Liebhaber. Erst da begreift Xavier, dass er seine Frau tatsächlich verlieren könnte.

 

Perfekt inszeniert Regisseur Marc Fitoussi dieses prickelnde Abenteuer auf Zeit mit berührenden Zwischentönen. Humorvoll spielt seine späte Emanzipationsgeschichte mit einer komödiantischen US-Version der französischen amour fou. Freilich verfügt in der Filmgeschichte wohl kaum mehr ein Film-Ehepaar je über eine so hoch entwickelte Streitkultur wie das Duo Spencer Tracy und Katherine Hepburn. Auch wenn das Zusammenspiel zwischen Huppert und dem exzellenten Jean-Pierre Darroussin nahezu genial funktioniert. Auffällig oft gönnt das französische Kino inzwischen seinen charismatischen Diven eine amouröse Auszeit. Frei nach dem Motto: „Starke Frauen altern nicht, sie genießen“ sind Catherine Deneuve oder die große Truffaut-Aktrice Fanny Ardant auch im Alter unwiderstehlich.

Luitgard Koch

 

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Jupiter Ascending Jetzt im Kino

Irgendwie göttlich. Jupiter Jones (Mila Kunis) wächst hienieden auf. Schlägt sich als Putzfrau durch, ist aber zu viel Höherem geboren. Trägt sie doch ein Gen in sich, das sie zur Herrscherin über unsere gesamte Galaxie befähigt. Das weiß natürlich die aktuelle Amtsinhabern, und setzt alles daran, Jupiter zu töten, die gerade erst dabei ist, sich ihre Möglichkeiten und Verpflichtungen zu erschließen. Dabei unterstützt sie der genetisch optimierte Ex-Soldat Caine (Channing Tatum). Hier tummelt sich wuchtig das neueste Science-Fiction-Epos der mit der „Matrix“-Trilogie berühmt gewordenen Wachowski-Geschwister.

 

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Maria Stuart In den Kammerspielen

Einen Klassiker nimmt sich Regie-Wüterich Andreas Kriegenburg mit Friedrich Schillers Drama vor. Darin lässt Herrscherin Elisabeth I, die sich von ihrer schottischen Gegenspielerin auf so vielen Ebenen – politisch, religiös, aber auch in ihrer Sexualität – herausgefordert fühlt, noch ein wenig zappeln. Aber dann setzt sie doch die Unterschrift unter das berüchtigte Dokument – und lässt Maria zum Schafott führen. "Man findet bei Maria Stuart fast keine wirkliche Nähe zwischen den Figuren. Wann immer scheinbar doch eine Nähe entsteht, geschieht dies im Zuge des Versuchs der Manipulation. Jeder versucht, den anderen in die eigenen Intrigen und in das Bild des eigenen Machtkampfes einzubauen", so Kriegenburg. In den Hauptrollen: Walter Hess, Brigitte Hobmeier, Annette Paulmann, Oliver Mallison und Jochen Noch. 

Birdman Jetzt im Kino

Riesentheater. Riggan Thomson (Michael Keaton) war mal Darsteller des Superhelden „Birdman“. Jetzt will er, mit der Broadway-Inszenierung einer Raymond Carver Story, noch einmal seriöseren Ruhm ernten. Dazu muss er sein Haus verpfänden, sich mit seiner Ex-Frau, seiner Geliebten, seiner Tochter, einer Theaterkritikerin und dem neuen Hauptdarsteller (Edward Norton) herumschlagen, der sehr eigene Vorstellungen seiner Schauspielkunst entwickelt, und dann mischt sich auch noch Riggans altes „Birdman“-Alter-Ego immer wieder ein. Das neue Meisterwerk von Alejandro González Iñárritu („Amores Perros“, „Babel“) oszilliert zwischen Tragödie und schwarzer Komödie, springt munter und höchst elegant zwischen Fiktion und Realität, Krisen auf der Bühne und echten Beziehungs- und Schaffenskrisen hin und her, mal bissig, mal ernst, mal ziemlich schräg und funny. Gerade ausgezeichnet mit dem Oscar als bester Film.

 

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Nathan der Weise Im Münchner Volkstheater

Dieses Stück muss jetzt unbedingt gespielt werden. Weil so oft nur noch Märchen helfen, die hoch erhitzten Gemüter wieder runterzukühlen. Nathan der Weise weiß, wie man’s macht. Er erzählt einfach eine Geschichte – die weltberühmte Ringparabel – und zieht sich bei der immer schon bangen Frage, welche der Weltreligionen nun die vermeintlich „richtige“ ist, geschickt, aber sehr nachvollziehbar aus der Affäre. Intendant Christian Stückl hat den Verständnisklassiker von Gotthold Ephraim Lessing wieder aus dem Regel geholt und muss dabei gar nicht mal so viel Staub vom Reclam-Heftchen blasen. Man kann ihm dafür nur dankbar sein. In den Hauptrollen: Pascal Fligg,  Sohel Altan G.,  August Zirner und Constanze Wächter

Baal Im Residenztheater

Aufgrund einer einstweiligen Verfügung der Brecht-Erben gegen die Inszenierung findet die letzte Vorstellung jetzt am 9.3. statt!

 

Viel mehr als die Überschrift „Frank Castorf inszeniert Bertolt Brechts Baal“ braucht es eigentlich nicht, um Münchens Premierengänger mit den Hufen scharren zu lassen. Auf die Bühne kommt das wüste Stück vom Dichter, Trinker, Verräter, Liebhaber und Mörder, der durch die Kneipen, Betten und  Großstadtschluchten der Metropole zieht. Das „biblische Vieh“ Baal nimmt sich, was es braucht – auch die Frauen seiner vermeintlichen Freunde. Wo Baal hinkommt, hält die Welt den Atem an, heißt es so schön in der Ankündigung. Oder ist dort schon längst von Castorf selbst die Rede? Nach „Kasimir und Karoline“ und zuletzt „Reise ans Ende der Nacht“ nach Louis-Ferdinand Céline ist mal wieder der Volksbühne-Intendant Gastregisseur am Resi. Er hat sich den Randale-Text des 1918 entstandenen Expressionisten-Dramas vorgeknüpft, das Brecht selbst mit gerade mal 20 Jahren schrieb.In den Hauptrollen: Bibiana Beglau, Franz Pätzold, Aurel Manthei und Andrea Wenzl.

 

Und jetzt: Die Welt! Im Münchner Volkstheater

Ist der Furor längst verraucht? Nicht wirklich. Nur die Umstände haben sich geändert, wie Sibylle Berg klug bemerkt hat. Ihr aktuelles Stück erzählt von Akademikern, die in prekären Verhältnissen aufwachsen, weil schon wieder mal ein Praktikum nichts gebracht hat. Nun müssen die jungen Dinger selbstgekochte Drogen im Internet verkaufen, Mode-Blogs vollschreiben und ihren Marktwert im Fitnessstudio hochtreiben, obwohl ihnen doch der Hochleistungskapitalismus zuwider ist. Eine junge Frau bilanziert ihren Frust-Lebensweg – von der Jugend-Gang zum friedlichen Yoga, vom unbeholfenen Knutschen im Zeltlager hin zu den weiterhin unentschlossenen Sexperimenten mit Männern und Frauen, von den hochflie­genden Idealen zum furztrockenen ­Pragmatismus. Die Generation 20+ schwankt – zwischen Aggression und Apathie, zwischen Aufbrauch und Abgeklärtheit.

Exiles In den Kammerspielen

James Joyce ist mit wuchtigen Wälzern wie „Ulysses“ und – noch furchterregender – „Finnegans ­Wake“ bekanntlich der Schrecken aller Englisch-Hauptseminare. Was nur wenige wissen: Der irische Schriftsteller, wichtigster Miterfinder der Moderne, schrieb aber auch dieses vergleichsweise klassische Theaterstück. Darin lernt man den Schriftsteller Richard kennen, der nach fünf Jahren in Rom wieder in seine Heimat nach Dublin zurückkehrt. Dort muss er feststellen, dass sein Jugendfreund Robert nicht nur zu Besuch kommt, sondern seiner Frau Bertha schon lange ziemlich nahe steht. Richard findet heraus, dass Robert über Jahre hinweg ziemlich intime Brief an Bertha geschrieben hat. Nun steht eine Entscheidung an. „Joyce thematisiert, was auf den ersten Blick banal erscheint“, sagt der Regisseur Luk Perceval zur letzten Kammerspiele-Premiere dieses Jahres. „Der Alltag verführt zum Machtspiel. Wie weit kann man gehen, ohne den Anderen allzu sehr zu verletzen? Wie groß ist die Angst, in der Suche nach Freiheit die erkämpfte Geborgenheit und Nähe zu verlieren? Das Stück regt an, darüber nachzudenken, wie man liebevoll zusammenleben kann.“ Was könnte schöner zu Weihnachten passen?

Kasimir und Karoline Im Münchner Volkstheater

Verhängnisvoll durcheinander geht es bekanntlich in diesem legendären Volksstück, das Ödön von Horváth vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise spielen ließ. Das junge Titel-Paar steht kurz davor, sich unglücklich zu machen. Ein gemeinsamer Wiesn-Besuch ist dabei wirklich nicht die beste Idee. Kasimir ist zudem selten schlecht drauf, hat er doch eben erst seine Arbeit verloren. Prompt kommt es, wie es kommen muss: Auf der Festwiese erkennt der Zuschneider Schürzinger seine Chance, sich an Karoline ranzuwanzen. Und Kasimir gerät an seinen Spezl Merkl Franz, der ihn zu einer Alternativ-Karriere auf der schiefen Bahn verführen. Regie führte Hakan Savaş Mican und in den Hauptrollen sind Jean-Luc Bubert, Xenia Tiling und Pascal Riedel zu sehen

Warum läuft Herr R. Amok? In den Kammerspielen

Alltag in der Hölle. Vom Ausbruch aus der geordneten Bürger-Spießigkeit, von der jähen Generalabrechnung mit dem immer brav Funktionieren, erzählte  Rainer Werner Fassbinder in seinem beklemmenden Filmklassiker. Darin lernt man einen Durchschnittsmann kennen, der immer nur versucht, den Ansprüchen an ihn gerecht zu werden und dadurch jäh in einen Abgrund von Leere stolpert. Am Schluss wird aus dem kleinen Menschen ein Monstrum, das zuerst seine Familie, dann sich selbst auslöscht. Die Regisseurin Susanne Kennedy hat den weiterhin stark irritierenden Stoff auf die Bühnenbretter gehievt.In den Hauptrollen:  Walter Hess, Christian Löber, Anna Maria Sturm und Çiğdem Teke.

Peer Gynt Im Residenztheater

Auf klassisches Bildungsgut greift Regisseur David Bösch in seiner Inszenierung zurück. Er lässt in dem Henrik-Ibsen-Stück den Sinnsucher seine norwegische Heimat verlassen, nach Amerika (wieder mal) aufbrechen, wo er Großreeder wird. Doch den Rastlosen hält es nicht lange. In Afrika träumt er von Wüstensiedlungen, er versteigt sich in Propheten-Anwandlungen – und endet schließlich in einer Irrenanstalt in Kairo. Wieder einmal war ein Kern-Forscher unterwegs. Peer Gynt will wissen, warum die Zwiebel, die so viele Schalen hat, nur aus Häuten, aber eben aus keinem Inneren besteht. Das erinnert an Goethes „Faust“ und ist nicht minder aufregend. Gespielt wird der Titelheld von Shenja Lacher – an seiner Seite unter anderem Sibylle Canonica und Michele Cuciuffo.

Woyzeck Im Münchner Volkstheater

Immer nur Erbsen essen. Dann auch noch herumgeschubst und erniedrigt werden. Der junge Franz Woyzeck, der eigentlich aufrichtig, geradlinig und ehrlich durchs Leben gehen wollte, hält sich und seine Freundin Marie mit diversen Jobs über Wasser. Am prekären Rand der Gesellschaft ist er dem ständigen Druck und Wohlwollen von Vorgesetzten und Bessergestellten ausgesetzt. Und dann bewahrheitet sich auch noch der schlimmste Albtraum: Das Testosteronmonster Tambourmajor hat doch tatsächlich Marie verführt. Kein Wunder, dass Woyzeck die Hutschnur platzt. Abdullah Kenan Karaca hat Georg Büchners schauerliches Kleiner-Mann-Drama neu aktualisiert. Schlimm bleibt alles. In den Hauptrollen: Sohel Altan G., Magdalena Wiedenhofer, Silas Breiding und Pascal Fligg.

 

AKTUELLES HEFT
Do 5. März -
Mi 18. März 2015
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VERLOSUNGEN
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Die zwei konzentrieren sich. Klavier und Gesang. Wortgewalt ... MEHR
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Rockavaria • 29.05.2015 • bis 31.5. Olympiapark
Das große Open-Air-Festival mit Muse, Metallica, Kiss, Faith No More, Judas Priest u.v.a