

Uncle Ho: Progressiver Pop
Drei Wuppertaler, die sich irgendwo zwischen den Beastie Boys und der Popmusik der 90er eingeordnet haben.

The Return Of Krautsalat: Ziguri u.a.
»Gaudiblatt Praudli Prisenz«: Das Festival der geheimen Helden des Krautrock mit: Bernd Witthüser, Peter Frohmader (Nekropolis), Ziguri, Lothar Meid & die freien Radikalen, Saprifankal 2

Fast & Furious VI: Krieg auf Rädern
Dominic Toretto, Brian O’Conner und ihre Crew hätten sich nach dem jüngsten Rio-Abenteuer eine Auszeit verdient. Aber nein. Ausgerechnet FBI-Agent Luke Hobbs bittet Toretto um Hilfe. Denn der durchgeknallte Owen Shaw droht mit einer zum Töten ausgebildeten Rennfahrer-Söldnertruppe die Welt aus den Angeln zu heben... Ein weiteres actionreiches Himmelfahrtskommando mit Vin Diesel, Paul Walker und Dwayne Johnson.

Tin Men & The Telephone: Dynamisch
Eine dynamische Angelegenheit, gestützt auf die harmonische Tiefe von zeitgenössischer Klassik, modernem Jazz, HipHop-Rhythmen und Balkan-Folklore.
Michi Marchner: Live Hard
Marchners Lebensdevise "Live Hard, Die Young" könnte ja etwas herzlos wirken. Ab Recht hat er ja. In seinem akzuellen Programm "Die Besten sterben jung" gibt er wieder einmal sein Bestes und hofft darauf, dass es jemand braucht. Überleben lohnt sich!

The Kabeedies: Schnuckeliger Indie-Vierer
Recht schnuckeliger Indiepop-Vierer aus Norwich, der mit Sängerin Katie an der Spitze für gute Laune sorgt.

11 Freundinnen: Ein Team, ein Traum
2011 hätte es, für die deutschen Frauenfußballerinnen ein Sommermärchen geben können. Regisseurin Sung-Hyung Cho begleitet die selbstbewussten jungen Spielerinnen beim harten Training und bei der WM, vom ersten Spiel im Berliner Olympiastadion mit über 70.000 Zuschauern bis zum Aus beim Spiel gegen Japan im Viertelfinale.

Bauern Sterben: Auf Beton wächst nichts
Jegliches Leben erstickt im Schutt. Eigentlich wollten sie aufbrechen und ganz weit weg kommen. Mit dem Traktor. Doch schon bald sind die Schollen-Flüchtlinge, Landwirts-Tochter und Landwirts-Sohn, gestrandet. In einer Rohbauruine am Rande der großen gefährlichen Stadt können sie sich ein wenig verstecken und von einer Fortsetzung der Flucht träumen. 1985 schon brachte Franz Xaver Kroetz sein n den Kammerspielen selbst auf die Bühne. Fast drei Jahrzehnte später wirkt es im Rückblick seherisch. Immer noch spucken die Städte Gestrandete aus.
Jeder hat einen Plan
Ab 23.5. im Kino
Das ist ein Ding! In der argentinischen Provinz hat Pedro, neben seiner Arbeit als Imker, durch Entführungen gut verdient. Nach einem Mord taucht er zunächst unter und kommt, unheilbar krank, zu seinem Zwillingsbruder Agustìn nach Buenos Aires. Der ist mit seinem bieder-bürgerlichen Leben schon lange unzufrieden, tötet Pedro und nimmt dessen Identität an. Die scheinbar glückliche Idee erweist sich schnell als trügerisch, denn Pedros Mitarbeiterin Rosa schöpft Verdacht. In Ana Piterbargs ungewöhnlichem, subtil spannenden Neo-Noir-Drama brilliert Viggo Mortensen in einer Doppelrolle. Die Polizei sucht, findet und foltert Pedro. Ein Mann will sich an ihm rächen. Augustìn ist diesem Leben nicht gewachsen. Bräuchte dringend einen Gegenentwurf, einen Plan, eine Lösung.
Bruce Springsteen
Am 26.5. Olympiastadion
Seine Auftritte gelten als das Maß aller Dinge in der Rockmusik: Bei den Mammutkonzerten verbinden sich die Genialität, Leidenschaft und Glaubwürdigkeit von Bruce Springsteen mit dem Charisma seiner E Street Band und einer einzigartigen Publikumseuphorie. Der in der Kleinstadt Freehold im US-Bundesstaat New Jersey aufgewachsene Musiker verkörpert die Glaubwürdigkeit und das Gewissen seiner Generation, die er immer wieder aufgerüttelt, überrascht und in seinen Bann gezogen hat. Bezeichnungen wie „The Boss“ bleiben schablonenhafte Versuche, einen Künstler zu beschreiben, der 24 Alben in einer Auflage von über 100 Millionen veröffentlichte, darunter Mainstream-Klassiker wie „Born In The USA“ oder „Born To Run“. Aber auch intime Werke über die Verlierer des amerikanischen Traums wie „Nebraska“ oder „The Ghost Of Tom Joad“ gehören zum Kanon dieses amerikanischen Musikers, den man ohne weiteres in eine Reihe mit Ikonen wie Frank Sinatra, Elvis Presley oder Bob Dylan stellen kann.
Der Dieb der Worte
Ab 23.5. im Kino
Fantasie & Mash Up. Rory Jansen (Bradley Cooper) hat einen Volltreffer gelandet: Sein Roman über ein junges Paar in den 1940ern, das sein Kind verliert, rührt ein Millionen-Publikum. Allerdings meldet sich bei Rory ein alter Mann (Jeremy Irons), der ihm Ideenklau vorwirft. Hat er doch die Geschichte selbst erlebt, und später voller Verzweiflung aufgeschrieben ... Diese beiden Geschichten sind wiederum der Stoff eines Romans des etablierten Autors Clay Hammond (Dennis Quaid). Und dann gibt es natürlich noch Brian Klugman und Lee Sternthal, die hier Regie geführt – und möglicherweise auch geklaut haben (vielleicht bei einem recht berühmten Schweizer Autor). Ein hübsches und unterhaltsames Verwirr- und Vexierspiel um Wahrheit, Erzählebenen, die Kraft der Illusion – und ein höchst ansehnliches Ensemble.
Irma
Am 24.5. im Ampere
Mit jungen 15 Jahren zog die in einer Musikerfamilie aufgewachsene Sängerin von Kamerun nach Paris, um die Schule abzuschließen und vor allem nutzte sie das Internet, um ihre Interpretationen von Klassikern wie „I Want You Back“ der Jackson Five, „New Soul“ von Yael Naïm und „After You’ve Gone“ von Django Reinhardt zu verbreiten. Zu ihren vielen Bewunderern gesellte sich dann auch der Will.i.am von den Black Eyed Peas und dieser klopfte schon bald an die Tür, um gemeinsam mit Irma Songs aufzunehmen. Das Ergebnis dieses kreativen Outputs ist ihr Debütalbum „Letter To The Lord“ und in ihrer Wahlheimat Frankreich ist es bereits mit Platin ausgezeichnet worden
3. Radl Aktionstage
Am 24.5. und 25.5. Odeonsplatz
Radeln mit Rückenwind! Wieder einmal dreht sich auf dem Odeonsplatz alles rund ums Fahrrad. Zum Auftakt der Radl-Aktionstage am Freitag berät die Radlhauptstadt München die Besucher gemeinsam mit verschiedenen Ausstellern, wie Radhändlern und ADFC, zum Thema Transport- und Lastenrädern, ein Trend der umweltpolitisch gerade in der Stadt nicht ohne Belang ist. Am Samstag stehen dann die Pedelecs und Falträder im Mittelpunkt: Um den Münchnern das „Fahren mit Rückenwind“ zu vermitteln, warten Test-Pedelecs verschiedener Hersteller auf Interessierte, darüber hinaus gibt es zu jeder vollen Stunde kostenlose geführte Pedelec-Testtouren. Auch dieses Jahr ist wieder der beliebte Radl-Sicherheitscheck in neuer „2.0“-Variante mit interaktivem Quiz- und Infomodul und einer individuellen Ergonomie-Beratung dabei. Zudem können Radlerinnen und Radler ihre Geschicklichkeit auf einem Testparcours inklusive Rampe unter Beweis stellen. Kurze Vorträge zu den Schwerpunktthemen und Informationsstände runden das Angebot ab. Infos unter www.radlhauptstadt-muenchen.de
Der Praterstrand
Jetzt auf der Praterinsel
Mit dem lässigen Praterstrand an der Isar gehen die Betreiber der Praterinsel Eventräumlichkeiten neue Wege und laden sonnenhungrige Münchner und Touristen zum unkomplizierten Entspannen ein. Jetzt öffnet Münchens neueste Freiluft-Oase ihre Pforten und bietet mit moderaten Preisen und einem familienfreundlichen Konzept eine echte gastronomische Alternative auf der schönsten Insel der Stadt. Er werden Kunst, Kultur, Film und Musik geboten, dazu gesellen sich Drinks und kulinarische Spezialitäten. Eine Besonderheit ist der Open Air-Waschsalon: Während die Besucher mit einem Cocktail in der Hand auf die Isar schauen, drehen sich Waschmaschine und Trockner mit der mitgebrachten schmutzigen Wäsche. Und für die kleinen Besucher gibt es natürlich auch ein Planschbecken... www.praterstrand.de
O Death
In den Kammerspielen
Um den gut abgehangenen Orestie-Mythos und die einschlägigen Aischylos-Stücke rund um die Familienzwistigkeiten kurz vor Ausbruch des Trojanischen Kriegs kreist Jan Decortes "Neudichtung" des klassischen Werkes von Aischylos. Er deutet die Entwicklung dahin, dass die Griechensippe nach und nach beschloss, das Weltenlenken und Schicksal-Spielen nicht länger den Göttern zu überlassen, sondern selbst die Dinge als Demokraten in die Hand zu nehmen. „Das Leben ist ein Gewirr von Entscheidungen, die wir Menschen treffen müssen“, sagt Decorte. „Und das sollten wir uns auch trauen.“ In den Hauptrollen: Benny Claessens, Sigrid Vinks und Oliver Mallison.
Paradies: Hoffnung
Jetzt im Kino
„Wir werden trainieren, bis die Schwarten krachen und die Kilos purzeln“, die Worte des Trainers hören sich nicht nach einem entspannten Aufenthalt an. Aber die Jugendlichen in diesem Diätcamp wollen abnehmen und dafür nehmen sie einiges auf sich. Während die Mama in Kenia knackige Kerle kauft (Paradies: Liebe), die bigotte Tante in Wien Ungläubige missioniert (Paradies:Glaube), muss die 13-jährige Tochter und Nichte Melli in Niederösterreich ihren Body in Form bringen. Ulrich Seidl gelang der Hattrick, die drei Teile seiner Trilogie auf allen drei großen Festivals zu präsentieren – 2012 in Cannes und Venedig, und 2013 in Berlin.
Die Handlung ist übergreifend eine Gratwanderung am Rand menschlicher Abgründe, es geht um Körperlichkeit und Schönheitsideale, die uns die Medien einhämmern. Wehe, wer der Norm nicht genügt.
„Paradies:Hoffnung“ erreicht zwar weder emotional noch visuell die Stärke von „Paradies: Liebe“, endet dafür versöhnlich. Das mollige Mädel verknallt sich in einen Arzt, der ihr Vater sein könnte und bringt ihn durch ihre Verführungsversuche ziemlich in die Klemme, die erste Liebe mündet in Enttäuschung. Seidl, dem es um die „Perversität von gesellschaftlichen Zwängen“ geht, spielt mit düsterer Lolita-Spannung, ohne die zu erwartenden moralischen Ausrutscher. Wenn Melli mal seinen nackten behaarten Oberkörper mit dem Stethoskop abhören darf, ist das schon der Höhepunkt der Doktorspiele. Auch in zwei märchenhaften und gewagten Waldszenen verzichtet der Österreicher auf zu große Peinlichkeiten und Irritation. Diesmal „denunziert“ er die Protagonisten nicht, sondern pflegt eine leichte Sympathie für die Hauptfigur, überlässt ihr und den anderen Laiendarstellerinnen das Feld.
Zwischen Diät und Drill wird in dieser Coming of Age-Story improvisiert, plappern die Heranwachsenden über Sexpraktiken, Übergewicht, geschiedene Eltern und falsche Schönheitsideale, stopfen sich mit Junk-Food voll, rauchen und machen heimlich Party, ziehen nachts in die Dorf-Disco mit bösen Folgen. Melanie Lenz, aus deren Blickwinkel sich die Handlung entwickelt, war bei den Dreharbeiten erst 13 Jahre alt und wuppt die Rolle mit herzerfrischender Natürlichkeit. Seidl ist der Böse, der Störenfried, der den Finger in die Wunde legt und das Verborgene und Verdrängte öffentlich macht, er geht dahin, wo es weh tut.
Die Struktur des chronologisch gedrehten Films entstand wie üblich bei ihm erst im Schneideraum, die Kamera von Wolfgang Thaler und Ed Lachmann arbeitet wie gewohnt mit den berühmten, manchmal bizarren Seidl-Tableaus, in denen Menschen ungeschminkt in strenger Kadrage in die Kamera schauen. „Liebe“ gibt es für die Mutter in Afrika nicht, bei den schwarzen Beachboys geht es ums Geschäft, nicht um Gefühl, der „Glaube“ treibt die Tante fast in die Psychose und an eine diffuse „Hoffnung“ für die Zukunft klammert sich das pubertierende Mädchen. Der größtenteils improvisierte Blick in die Untiefen der Seele, auf Urängste und Scheinheiligkeit ist durchweg komisch und traurig, lächerlich und erschreckend, provokant. Das Ergebnis von Seidls Experiment: Ein Triptychon aus vielen Puzzlestücken zwischen Fremdschämen und Faszination. Jeder Film ist ein Baustein im Gesamt-Kontext und zugleich ein unabhängiges Unikat. „Paradies“ meint dabei nicht den Ort der Handlung, sondern die Sehnsucht im Wartesaal zum großen Glück. Und die bleibt. Trotz allem.
Margret Köhler
Der große Gatsby
Jetzt im Kino
Roaring Twenties. New York 1922. Nick Carraway (Tobey Maguire) wohnt auf Long Island. Jay Gatsby, sein schwer betuchter Nachbar (Leonardo DiCaprio), gibt in seiner schicken Villa Riesen-Parties für die New Yorker Jeunesse Dorée. Und er will Daisy (zufällig Nicks Cousine), seine Jugendliebe, zurückgewinnen. Nick soll ihm dabei helfen. Daisy (Carey Mulligan) aber ist mit dem steinreichen Tom Buchanan verheiratet. Baz Luhrmann („Strictly Ballroom“, „Moulin Rouge“, „Romeo & Juliet“) hat F. Scott Fitzgeralds großartiges Meisterwerk neu und in 3D verfilmt. Schöne Frauen, teure Autos, dunkle Geschäfte, Small Talk, falsche Gefühle, große Illusionen und Champagner. Ziemlich opulent das Ganze!
Roberto Zucco
Im Volkstheater
Ohne jede Gewissensnöte kommt Roberto Zucco, der namensgebende reale Gewaltverbrecher aus Italien, in Bernard-Marie Koltés’ Drama aus. Nach mehrfachem Mord landet Zucco im Gefängnis, aus dem er allerdings fliehen kann. Sein Weg führt ihn zu seiner Mutter, der er einst den Ehemann getötet hat. Er herzt und küsst seine Mama – und drückt sie zu Tode wie ein Insekt. Später vergewaltigt er ein kleines Mädchen, ersticht auf der Flucht einen Polizeiinspektor und erschießt einen Jungen. Alles beiläufig, wie normal. Zucco mordet im Vorbeigehen – ohne Hass, ohne Not, ohne Leidenschaft. „Ich habe keine Feinde, und ich greife nicht an. Ich zerquetsche die anderen Tiere nicht aus Bosheit, sonder weil ich sie nicht gesehen habe und weil ich auf sie getreten bin“, sagt er. Regisseur Milos Lolic versucht zu ergründen, was er damit meint.
Stoker
Jetzt im Kino
Unwiderstehlich. In der Kleinstadt-Schule hat sie’s schwer. Und ausgerechnet an ihrem 18. Geburtstag stirbt bei einem Autounfall ihr geliebter Vater. India Stoker (Mia Wasikowska) hat nicht vor, bei ihrer distanziert-seltsamen Mutter Evelyn (Nicole Kidman) zu bleiben. Als nach der Trauerfeier plötzlich Charlie (Matthew Goode), der attraktive Bruder ihres Vaters, auftaucht, begegnet ihm India mit gehörigem Misstrauen, während sich Evelyn gerne auf ihn einlässt. Dann aber wird die alte Haushälterin vermisst. Sie findet sich tot in der Kühltruhe im Keller. Auch Indias Großtante stirbt unversehens ... Das Hollywood-Debüt des südkoreanischen Regiestars Park Chan-wook („Oldboy”, „Lady Vengeance”), ist ein beeindruckender, schaurig-schöner, subtil inszenierter Thriller à la Hitchcock.
Der Kulturstrand
Bis 11.8. auf der Corneliusbrücke
Heuer bezieht das von den Urbanauten ausgerichtete Strandspektakel zwischen Kunst und Party wieder seinen angestammten Platz an der Corneliusbrücke. Bis August schlängelt sich Münchens längste Kunstinstallation über den Isarbalkon und vielleicht auch über den Wehrrücken davor. Sinn und Zweck der Veranstaltung ist erneut die Erschließung des öffentlichen Raums an der innerstädtischen Isar als kulturelle Plattform und urbanen Begegnungsort am Fluss. Den neuen „Isarzugang“ an der Corneliusbrücke hat Strandarchitektin Anna Bischoff, Studentin in der Klasse von Prof. Maria Auböck an der Akademie der bildenden Künste, entworfen. Der temporäre Weg zum Fluss (der sich übrigens innerhalb weniger Stunden abbauen lässt, wenn ein extremes Hochwasser droht) soll nun für mehr Platz sorgen. Familien mit Kindern hatten an dem beliebten und manchmal auch engen St(r)andort immer wieder um mehr Raum zum Spielen und einen Zugang zum Wasser gebeten. Alle Infos auch zum Kulturprogramm unter www.kulturstrand.org.
Zement
Im Residenztheater
Eine ungastliche Metapher: Denn Zement von Heiner Müller spielt am kalten, lebensfeindlichen Ort. Nach drei Jahren in den Revolutionskriegen kehrt Kommandeur Gleb Tschumalow wie einst der antike Odysseus zurück – und findet sich in der fremden Heimat nicht mehr zurecht. Die Zementfabrik bröckelt vor sich hin. Frauen halten mit Armenspeisungen im Kinderheim einen Rest-Anschein von äußerer Ordnung aufrecht. Doch die Sitten sind verkommen, und die Moral ist dahin. Für ihre verlogenen Ideale opfert Glebs Frau das eigene Kind – wie Medea. Zorn kocht in ihm hoch – auf die bürgerliche Doppelmoral und die abgenutzten Parolen. Wie beim wütenden Achilles. Wer sich in der antiken Welt genauso zurecht findet wie im totalitären Denken, für den ist dieser Theaterabend ein Spaziergang. Regie: Dimiter Gotscheff. In den Hauptrollen: Valery Tscheplanowa, Sebastian Blomberg und Bibiana Beglau.
Plattform
In den Kammerspielen
Wie ein Außerirdischer in seiner eigenen drögen Büroumwelt kommt sich der frustrierte französische Kulturbeamte Michel (wie Autor Michel Houllebecq) vor. Die Dauerkarte für den Erotikclub hat er, Befriedigung findet er aber keine. Doch dann trifft er Valérie, eine erfolgreiche, auch sexuell expansive Tourismusmanagerin. Mit ihr entwirft er Pläne für ein weltweites Körpersäfte-Austauschprogramm, das Erste und Dritte Welt zusammenbringt. Und all das fast ein bisschen sehr idealistisch. Unter der Regie von Stephan Kimmig kommt der Skandalroman, der nur oberflächlich aufregend ist, auf die Bühne. „Houllebecq beschreibt auf schockierende Art und Weise, wie man sich selber verliert, Kontakte verliert, weil man keine Energie mehr hat, um mit anderen Menschen in Beziehung zu treten“, so Kimmig.
Abenteuer und Nervenkitzel
Im Olympiapark
Sie bieten alles – Abenteuer, Nervenkitzel, faszinierende Momente und natürlich viel Wissenswertes über eine mehr als 40jährige Geschichte. Der Besucherservice der Olympiapark München GmbH startet in seine neue Saison. Auf dem Programm: neue und bewährte sowie stets spannende und erlebnisreiche Touren durch und „über“ den Olympiapark.
Neu im Tourenprogramm 2013 ist die öffentliche Architekt-Tour, die aufgrund der großen Nachfrage nun einmal im Monat angeboten wird. Die Termine sind unter www.touren-olympiapark.de nachzulesen. Um den Besucherwünschen nachzukommen, wird zudem der Führungs-Dauerbrenner Stadion-Tour ab März zweimal am Tag (11.00 und 13.00 Uhr) sowie von freitags bis sonntags und feiertags dreimal (zusätzlich um 16.00 Uhr) angeboten. Olympia, Rockkonzerte – da lohnt ein Blick hinter die Kulissen. Und natürlich wird der 33jährigen Fußball-Geschichte viel Zeit gewidmet. Zum Besichtigungsprogramm gehören außerdem die Olympia-Lobby, die eine spannende Ausstellung beheimatet sowie ein Match am sechs Meter langen Riesenkicker. Noch mehr olympische Welten zeigt die Erlebnis-Tour (14.00 Uhr). Mit der Parkeisenbahn geht es quer durch den Olympiapark zum Olympiastadion, wo sich dem Besucher so manch verschlossene Tür öffnet, natürlich auch die zur Olympia-Lobby. Und beim anschließenden Gang zur Olympiahalle und Olympia-Schwimmhalle werden noch weitere Geheimnisse gelüftet.
Täglich um 14.30 und 16.30 Uhr geht es dann bei der Zeltdach-Tour auf zum Gipfelsturm. Bestens ausgerüstet führt die Tour den Besucher entlang des weltberühmten Plattenfeldes hinauf bis zu einem Pylon. Zu erleben: ein atemberaubendes Panorama und faszinierende Architektur. Dazu gibt es natürlich viel Interessantes über den Olympiapark zu erfahren. Die Variante mit dem besonderen Kick: die Zeltdach-Tour mit Abseilen (tägl. 16.00 Uhr). Hier seilen sich die besonders Mutigen im Anschluss an die Zeltdach-Tour von der Kante des Stadiondachs in über 40 Metern Höhe in die Arena ab. Ein faszinierendes Höhenerlebnis mit anschließendem Flug auf Europas längster Seilrutsche bietet zudem die Zeltdach-Tour mit Flying Fox (Do. und Fr. um 15.30 Uhr, Sa. und So. um 10.30 und 12.30 Uhr).
Sie stand in der letzten Saison hoch im Kurs und ist deshalb wieder im Programm: die Sonnenuntergangs-Tour. Die „zwielichtige“ Zeltdach-Tour startet ab 15. Mai täglich um ca. 19.00 Uhr (variiert nach Sonnenuntergangszeit).
Jenseits von Eden
In der Schauburg
Es gibt keine furchterregendere Geschichte von Selbstgerechtigkeit und Brutalität als jene von Kain und Abel. Kein Wunder, dass der alttestamentarische Brudermord noch immer in John Steinbeck wühlte, als er sein Drama schrieb. Darin verteilte er das biblische Geschehen auf mehrere Generationen und drei Zeitebenen von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs. Zunächst einmal wird von Charles und Adam erzählt, die beide um die Gunst ihres überstrengen Vaters buhlen und mit militärischem Drill geschunden werden. Doch während der eine sich unterordnet, führt Charles die Farm weiter und tröstet sich über seinen Lebensfrust in den Kneipen hinweg. Adam nimmt blind vor Liebe eine schwer verletzte Frau auf, heiratet sie und bekommt mit ihr die Zwillinge Caleb und Aron. Die Mutter verlässt die Familie, um ein Bordell zu eröffnen. Dort trifft sie Jahre später Caleb wieder. Und Aron bleibt nichts anders als die erneute Flucht in den grausamen Militärdienst. Es ist ein hartes Stück, ein sehr sehenswertes. Regie führte Gil Mehmert.
Onkel Wanja
In den Kammerspielen
"Hier haben Sie mein Leben und meine Liebe: Wo soll ich hin damit?".
Von geplatzten Lebensträumen und dem beklemmenden Zwang, ohne alle Illusionen trotzdem weiterschuften zu müssen, weiß bestens Anton Tschechows Drama zu erzählen. Der Klassiker über die Trostlosigkeit auf russischen Landgütern, in denen die Zeit bleiern schwer voranschleicht, kommt in einer Neu-Inszenierung von Karin Henkel und Johan Simons zurück auf die große Bühne. „Und wenn sich einmal einer aufrafft, seiner verzweifelten Wut Ausdruck zu verleihen, wenn er den Professor erschießen will, schießt er vorbei“, so die Regisseurin. In den Hauprollen: Maximilian Simonischek, Stephan Bissmeier Stefan Merki, Benny Claessens und Wiebke Puls.
Geschichten aus dem Wiener Wald
Im Münchner Volkstheater
Tja, zwischen dem Metzgerladen und dem „Zauberkönig“-Geschäft im Kleinstadtambiente vor den Toren Wiens ist das Glück nicht wirklich zu Haus. Schon seit frühester Kindheit ist Marianne, die Tochter des Spielzeugwaren-Händlers, dem grobschlächtigen Metzgergesellen Oskar versprochen. Doch dann fällt sie auf den Strizzi Alfred rein, der sein Geld auf dem Rennplatz macht und auch sonst kaum Skrupel kennt. Als das Kind kommt, ist der Schreck groß. Marianne schlägt sich als Nachtclub-Tänzerin durch, Alfred lässt sie sitzen – und die Oma „pflegt“ das Baby tot. Irgendwann gibt’s in Ödön von Horváths Geschichten keinen Ausweg mehr: Marianne muss sich Oskar an die schmierige Brust schmeißen. Christian Stückl inszenierte den Klassiker. In den Hauptrollen: Lena Schultze, Max Wagner und Jean-Luc Bubert.

