Samstag, 1. November 2014
ALLE VERANSTALTUNGEN
für 14 Tage & Nächte in München

Das Salz der Erde: Rund um die Welt

Jetzt im Kino... mehr
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Sebastião Salgado. Ist ein welt­berühmter brasilianischer Fotograf. Wer den Namen nicht kennt, kennt gleichwohl seine Bilder: Die ameisenhaften Arbeiter in einer brasilianischen Goldmine, Hungerkatastrophen in der ­Sahel-Zone, der Genozid in Ruanda – und jüngst, als krasse Wende in diesem großen Werk, “Genesis”, die weltweite ­Suche nach den Schönheiten der Schöpfung. Wim Wenders und Sebastiãos Sohn Juliano Ribeiro Salgado porträtieren ihn in diesem Dokumentarfilm.

 

Schmidbauer & Kälberer: Da spuit die Musik

Heute im Circus Krone... mehr
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Mundart-Pop mit dem Songpoeten Werner Schmidbauer und seinem langjährigen Begleiter Martin Kälberer.

 

Swans: Wagnerianischer Noiserock

Heute im Feierwerk... mehr
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Mastermind M. Gira und seine Combo aus New York melden sich mit herben NoWave-Starkstrom-Attacken lautstark zurück. Special Guest: Pharmakon

 

Slow Club: LoFi-Soul

Heute im Atomic Cafe... mehr
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Souliger LoFi-Folk-Pop mit Sängerin Rebecca Taylor und Multiinstrumentalist Charles Watson.

 

Die Zofen: Ein perfides Spiel

Heute in den Kammerspielen... mehr
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Blutig muss enden, was diese Zofen losgetreten haben. Sobald ihre gestrenge Herrin aus dem Haus ist, inszenieren Claire und Solange ein perfides Spiel, einen sadomasochistischen Reigen. Schon bald wächst die Gewissheit: Dies wird die Generalprobe eines wirklichen Mordes. Schlimmer noch: Schon bald finden sich die Frauen im Durcheinander ihrer wechselnden Rollen und Identitäten selbst nicht mehr zurecht.

 

Love, Rosie - Für immer vielleicht

Jetzt im Kino... mehr
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Sie konnten zueinander nicht kommen. Wird aber noch. Dauert. Ganze 12 Jahre. Rosie und Alex kennen sich seit Kindheitstagen. Ausgerechnet an Rosies 18. Geburtstag versiebt’s Alex mit einem missglückten Kuss. Alex wendet sich einem anderen Mädchen zu, und geht dank Stipendium eh‘ nach Amerika. Rosie lässt sich mit Greg ein – wird schwanger beim One Night Stand, trägt das Kind allein aus, erzählt Alex aber nie davon. Reist ihm eines Tages nach... Eine RomCom, ein hübsches Märchen nach einem weiteren Bestseller der irischen Autorin Cecilia Ahern. Ein Date Movie. Schön.

 

Die Opferung von Gorge Mastromas: Güte oder Feigheit?

Heute im Metropoltheater... mehr
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Das Stück von Dennis Kelly erzählt von einem Jungen, der es sich nicht immer leicht machte. In der Schule hielt er stets zu seinem besten Nerd-Freund, obwohl ihn diese Loyalität in der grausamen sozialen Hackordnung weit absinken ließ. Ob er das aus Anstand oder Feigheit getan hat, weiß er heute auch nicht mehr so genau. Eines ist ihm nur klar geworden: Es geht auch anders. Und so entscheidet er sich für eine neue Tour – eine skrupellose, kreative, wagemutige und erfolgreiche. Doch welchen Preis muss er dafür bezahlen? Regisseur und Haus-Intendant Jochen Schölch arbeitet das Dilemma des geraden Weges heraus.

 

Die Sache Makropulos: 300 Jahre Einsamkeit

Heute im Nationaltheater... mehr
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Der seit Generationen festgefahrene Erbschaftsprozess Gregor gegen Prus erfährt eine unerwartete Wendung, als die Sängerin Emilia Marty auftaucht, die mit erstaunlichem Detailwissen über die Vergangenheit dienen kann. Die in den Prozess verstrickten Männer verlieren den Kopf angesichts dieser faszinierenden Frau. Liebe jedoch scheint ihr nichts zu bedeuten und Sex ist ein Handel; Marty geht mit demjenigen ins Bett, der im Besitz des von ihr gesuchten alten Schriftstückes ist: die Sache Makropulos. Für seine vorletzte Oper greift der betagte Leoš Janáček zu einem zeitgenössischen Drama mit Fantasy-Plot- die Geschichte der 337-jährigen Elina Makropulos.

 
Tagestipp Samstag 01.11.2014
Cloud Boat Am 3.11. im Ampere

Freigeister im Anmarsch! Das Londoner Duo konnte bereits im Vorprogramm von James Blake oder Mount Kimbie mit seinem erstaunlichen Soundmix im Spannungsfeld von Indiefolk und pluckernden Elektrobeats brillieren. Ihr erstes Album „Book Of House“ überzeugte zahlreiche Kritiker und die neuen Tracks auf dem Mitte 2014 erschienen Zweitlingswerk „Model of You“ lassen keinen Zweifel, welches Potential noch in den beiden Kreativ-Köpfen steckt. Live entfaltet sich die Schönheit ihrer Musik vollständig, weshalb man sich dase Konzert auf gar keinen Fall entgehen lassen sollte.

 

Kölsch Am 1.11. Rote Sonne

Rune Reilly Kølsch ist bei weitem kein unbeschriebenes Blatt mehr im musikalischen Elektrozirkus. Der Wikinger mit den deutsch-irischen Wurzeln startete seine Laufbahn bereits in den 90ern, veröffentlichte damals aber noch unter dem Namen Artificial Funk diverse Singles, ein Album sowie einige Remixe. Weitere Projekte und eigene Labels folgten, mehr und mehr fokussiert auf den Projektnamen Rune RK. Unter diesem landete er vor knapp zehn Jahren dann mit „Calabria“ prompt einen weltweiten Hit, der sich über vier Millionen Mal verkaufte und ihn endgültig in die höchste DJ- und Produzentenliga katapultierte. Was danach an Kooperationen und Projekten bis heute folgte, wäre pures Namedropping und steht hier sowieso nicht im Fokus. Vor gut drei Jahren allerdings öffnete sich dann im Rheinland eine Tür, hinter der das Kölner Label Kompakt lauerte und sich alsbald seine Dienste sicherte. Es war die Geburtsstunde von Kölsch, seinem bisher persönlichsten Projekt, das sich mit seinen 12Inches prächtig entwickelte, wie – nicht nur aber auch – die Tracks „Opa“ und „Bappedekkel“, „Der Alte“, „Goldfisch“ und nicht zuletzt dann folgerichtig auch noch „Oma“ verdeutlichen.

Markt der Sinne Bis 2.11. auf der Praterinsel

Entspannte Sinnesfreuden! Auch heuer öffnet der Markt der Sinne die Gewölbehallen auf der herbstlichen Praterinsel für die Kunst- und Handwerksliebhaber, eine gute Gelegenheit, um in entspannter Atmosphäre die ersten Weihnachtsgeschenke zu besorgen. Vor Ort werden Trockenfrüchte aus Persien, Flammkuchen aus dem Elsass, Tiroler Leckerbissen sowie Naturprodukte aus der Pfalz angeboten. Als Geschenkideen für die Liebsten eignen sich besondere Pralinen, Essige, Öle, Gewürze, Tee, Nougat und noch viele weitere Sinnesfreuden. Für Entspannung in der kalten Jahreszeit sorgen handgesiedete Naturseifen, Heilsteine, Lavendelsäckchen und Badepralinen. Von Öl- und Acrylbildern, moderner Keramik bis zu einzigartigen Skulpturen und Gartenobjekten werden hier Kunstliebhaber fündig. In dem breitgefächerten Rahmenprogramm können sich die kleinen Besucher in Kreativworkshops selber verwirklichen, Weihnachtssterne fädeln, Teelichthüllen aus Filz basteln oder Schokolade selbst herstellen. Abgerundet wird das Programm durch spannende Vorführungen der Handspinngilde, Lorenzo Torres Papierblumen-Zauberei oder der Glasbläserei. Infos unter www.markt-der-sinne.com

5 Zimmer Küche Sarg Jetzt im Kino

Die armen Vampire. Die Herren leben in einer Wohngemeinschaft in Wellington, Neuseeland. Deacon, mit 183 Jahren der Jüngste, gibt sich gern als Draufgänger. Viago (379) legt Wert auf gute Manieren. Vladislav (600) hält sich noch immer für umwerfend, Petyr (8000) sieht man sein Alter mittlerweile an. Der junge Aufreißer Nick ist ein Neuzugang. Die alljährliche Party steht bevor, wo sich Werwölfe, Hexen, Zombies ein Stelldichein geben. Und Nick, der leider überall furchtbar angibt mit seinem coolen Blutsaugertum, lockt ihnen einen Vampirjäger auf den Hals. Hier spielt sich eine schräge Mockumentary von Taika Waititi und Jemaine Clement (den Masterminds hinter der Kultserie „Flight of the Conchords“), sehr lakonisch, sehr entspannt, ganz amüsant.

 

TRAILER

Zwei Tage, eine Nacht Jetzt im Kino

Filmischer Minimalismus ist hier angesagt, eine Reduktion aufs Wesentliche, keine technischer Firlefanz, nur Figuren und ihre Geschichte. Die belgischen Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne interessieren sich nicht fürs moderne Überwältigungskino, sie verweigern sich ihm schlichtweg – und sind damit höchst erfolgreich. Zweimal haben sie in Cannes schon die Goldene Palme gewonnen und dieses Jahr wurden sie an der Côte d’Azur mit dem Preis der Ökumenischen Jury belohnt.     

Äußerlich spröde, realistische Dramen von existenzialistischer Wucht sind ihre Spezialität, sie interessieren sich für die (Alltags-)Katastrophen, die ihren Helden aus der Unterschicht, Verlierern der globalisierten Wohlfahrtsgesellschaft, widerfahren. Was ihre Werke in die Nähe der Sozialstudien von Mike Leigh und Ken Loach rückt. Doch auch dieser Vergleich hinkt, denn die Dardennes begreifen ihre Arbeiten als „moralische Fabeln“, sie identifizieren sich mit ihren Protagonisten – sie lieben sie.

 

Wie auch Sandra, Angestellte einer kleinen Firma für Solartechnik, die wochenlang wegen schwerer Depressionen nicht am Arbeitsplatz erschienen ist. Nun soll sie ihren Job ganz verlieren, es soll eingespart werden. Will sie ihre Stelle behalten, muss sie ihre KollegInnen überzeugen, auf den Jahresbonus von jeweils 1.000 Euro zu verzichten. Am Montag wird über ihre Zukunft abgestimmt. Nur ein Wochenende bleibt ihr Zeit, neun ihrer 16 Kollegen zu überzeugen, für ihren Verbleib zu votieren...

Eine radikale, schlichte Prämisse, die enorme Wirkung entfaltet. Mit digitaler Handkamera, bei natürlichem Licht folgen die Filmemacher und ihr Stammkameramann Alain Marcoen („Der Junge auf dem Fahrrad“) der Frau bei ihrem schweren Gang. Mehr Reduktion geht eigentlich nicht. Nah- und Großaufnahmen bestimmen die Optik. Wie in einer Dokumentation fühlt man sich. Triste Wohnblöcke, öde Straßen, schmucklose Einfamilienhäuser – mittendrin Sandra, die unterstützt von ihrem Mann, ihre KollegInnen abklappert. Niemand möchte, niemand kann aufs zusätzliche Geld verzichten, zugleich versteht aber jeder, dass Sandra ihren Lohn dringend braucht. Das neu bezogene Haus ist nicht abbezahlt, die Kinder gehen noch zur Schule.

Großes, anrührendes Solidaritätskino bekommt man geboten, wenn man so will Gewerkschaftskino, das an Elia Kazans „Die Faust im Nacken“ oder Martin Ritts „Norma Rae“ erinnert – freilich ohne Hollywood-typische Gut-Böse-Simplifizierung. Es ist eher so, als würde Robert Bresson vom grassierenden Turbokapitalismus erzählen. Sandra freut sich über jede gewonnene Stimme, wird von jeder Absage fast wieder aus der Bahn geworfen. Ein Auf und Ab der Gefühle, eine emotionale Achterbahnfahrt. Am liebsten würde sie sich einfach im Bett verkriechen – und der Zuschauer mit ihr.

Brillant meistert Oscar-Preisträgerin Marion Cottilard („La vie en rose“) ihren komplexen Part, unglamourös, ungeschminkt und hemdsärmelig , bewehrt mit umgehängter Tasche stellt sie sich ihrer Sisyphos-Aufgabe, die zugleich ein Kreuzweg ist. Chronologisch haben die Dardennes gedreht, die Schauspieler sollten sich in ihre Parts bestmöglich einfühlen. Ein Höchstmaß an Authentizität ist so entstanden – bis hin zum überraschenden, bitter-süßen Ende, das mit einer eleganten Volte Sandra doch noch zu einer richtigen Heldin macht – auf der Leinwand wie im Leben. 

Gebhard Hölzl

 

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Pride Jetzt im Kino

Solidarität. Damals, 1984, unter dem Regime von Margaret Thatcher, ging es in Großbritannien um Zechenschließungen und Privatisierung. Die streikenden Bergarbeiter in einem walisischen Dorf erhalten unerwartet Unterstützung von einer schwul-lesbischen Aktivisten-Gruppe aus London, die für die Kumpels Spenden sammelt. Als die Großstadt-Exoten dem Kaff einen Besuch abstatten, erleben sie herzliche Gastfreundschaft und einige Feindseligkeit. Es dauert, bis der wahre Gegner von allen erkannt ist ...  Ein schwungvolles britisches Feelgood-Movie, based on a true story, in der Tradition von britischen Sozialkomödien à la „Billy Elliott“ oder „Ganz oder gar nicht“, inszeniert von Theaterregisseur Matthew Warchus („Simpatico“), und erinnert an die enormen Auseinandersetzungen in den Achtzigern, als es noch eine große Arbeiterklasse gab und Schwule und Lesben noch wenig Rechte hatten. Samt mitreißenden Songs von Franky Goes To Hollywood, Bronski Beat u.a.

 

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Slow Club Am 1.11. im Atomic Café

Sommer im Herbst! Vor fünf Jahren überraschte dieses in Sheffield gegründete Duo mit dem herrlichen Lo-Fi-Folk-Pop-Album „Yeah So“. 2011 folgte „Paradise“ und in diesem Jahr erschien der dritte Streich von Sängerin Rebecca Taylor und Multiinstrumentalist Charles Watson mit dem Titel „Complete Surrender“. Ein irreführender Titel, schließlich tönt das Album nicht nach Kapitulation, sondern eher nach dem goldenen Jahrzehnt von Stax & Motown, auch wenn ab und zu ein Hauch Winehouse`scher Melancholie aufflackert. Beziehungs-Soul der ganz feinen Sorte.

 

Am Sonntag bist du tot Jetzt im Kino

Passion. Im Beichtstuhl erfährt ein ­irischer Landpfarrer (Brendan Gleeson) von einem Unbekannten, er werde ihn demnächst töten. Da er jahrelang von einem verstorbenen Priester missbraucht worden sei, wolle er nun ein Zeichen setzen. Der Priester versucht nun, in den ihm verbleibenden sieben Tagen, herauszufinden, wer sein Mörder ist, seine Angelegenheiten zu ­regeln und die Gemeinde zu befrieden. Allerdings, Hass und Missgunst schlagen ihm entgegen. Auf einen Seelenhirten scheint niemand mehr angewiesen. Nur der Priester selbst bedürfte des Beistands ... Das wuchtige, perfekt gearbeitete Drama von Regisseur John Michael McDonagh („The Guard – Ein Ire sieht schwarz“) hat eine Paraderolle für Brendan Gleeson, der hier als weiser, lebenserfahrener Priester ­brilliert, dem wahre Prüfungen auferlegt sind.

 

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Dieses schöne Scheißleben Jetzt im Kino

Mariachi. Bedienen in Mexiko mit ihrer Musik die großen Gefühle. Sind meistens Männer. Machos mit Sombrero und Cowboy-Stiefeln. Ganz selten Frauen. Doris Dörrie hat für ihren Dokumentarfilm  ein paar weibliche Mariachi begleitet. Zum Beispiel Maria del Carmen, alleinerziehende Mutter einer Tochter, die auf der Plaza Garibaldi im Herzen Mexico City’s ihren männlichen Kollegen mit beeindruckender Stimme Paroli bietet. Oder die „Estrellas de Jalisco“, die in der Provinz wohnen und für ihre Auftritte weite Fahrten auf sich nehmen müssen. Und die wundersam betagten „Las Pioneras de Mexico“, die in den 1950ern und 1960ern ihre größten Erfolge feierten. Lieder über das Leben, die Liebe, den Tod.

 

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Woyzeck Im Münchner Volkstheater

Immer nur Erbsen essen. Dann auch noch herumgeschubst und erniedrigt werden. Der junge Franz Woyzeck, der eigentlich aufrichtig, geradlinig und ehrlich durchs Leben gehen wollte, hält sich und seine Freundin Marie mit diversen Jobs über Wasser. Am prekären Rand der Gesellschaft ist er dem ständigen Druck und Wohlwollen von Vorgesetzten und Bessergestellten ausgesetzt. Und dann bewahrheitet sich auch noch der schlimmste Albtraum: Das Testosteronmonster Tambourmajor hat doch tatsächlich Marie verführt. Kein Wunder, dass Woyzeck die Hutschnur platzt. Abdullah Kenan Karaca hat Georg Büchners schauerliches Kleiner-Mann-Drama neu aktualisiert. Schlimm bleibt alles. In den Hauptrollen: Sohel Altan G., Magdalena Wiedenhofer, Silas Breiding und Pascal Fligg.

 

Peter Grimes Im Prinzregententheater

Extrem düster und aggressiv ist die Stimmung an der Sturm-umtosten englischen Ostküste. Dort steht Peter Grimes unter einem schrecklichen Verdacht: Der verschlossene Fischer soll seinen Lehrling ermordet haben. Davon ist jedenfalls fast das ganze Dorf überzeugt. Als auch noch ein weiterer Junge Spuren von Misshandlungen aufweist, spitzt sich der Argwohn der Meute zu. Benjamin Britten hat, basierend auf der Gedichtsammlung „The Borough“ von George Crabbe, einen musikdramatischen Psychothriller vorgelegt, der als sein Meisterwerk gilt. Seit seiner Uraufführung 1945 am berühmten Londoner Sadler’s Wells Theatre ist das Stück aus dem internationalen Repertoire nicht mehr wegzudenken. Das derzeit weiter heimatlose Gärtnerplatztheater lässt die Saison finster, aber furios angehen. Regie führt Balázs Kovalik, die musikalische Leitung hat Marco Comin.

Winterkartoffelknödel Jetzt im Kino

Des tuat’s scho. Dorfpolizist Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) hat den richtigen Riecher. Der makabre Unfall mit dem Neuhofer, der von einem Bau-Container einfach dabatzt wird, ist ein Mord. Privatdetektiv Rudi (Simon Schwarz) unterstützt den Franz bei den Recherchen. Freundin Susi (Lisa Maria Potthoff) keineswegs. Denn der Franz hat sich in die halbseidene Mercedes (Jeanette Hein) verschaut ... In dieser bayerischen Krimikomödie, Ed Herzogs zweiter Adaption eines Rita Falk-Krimis nach „Dampfnudelblues“, verschlägt es die beiden bis nach Teneriffa. Zuvor aber wird (bei der Mama) gut gegessen und (in der Wirtschaft) fleißig getrunken, an Sex hätt‘ Mann schon auch gern ... eine wuide Achterbahnfahrt ist das, ein hie und da arg kracherter Gspaß halt, was schad ist, weil sie, bis in die Nebenrollen, alle versammelt sind, die tollen bayerischen Schauspieler, die großes Bayerisches Welttheater können.

 

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20.000 Days On Earth Jetzt im Kino

Theaterfabrik Unterföhring, 1986, 12 Tage vor Weihnachten: Blixa Bargeld schlurft in (West)-Berliner Leichenstarre über den schwarzen Silikonboden, schlecht gelaunt begrüßt er seine Kollegen und pöbelt mit dem Personal. Ein Auftritt der Bad Seeds: die letzte Show war vor gut einem Monat in New York, die nächste wird erst im Februar ‘87 in Ljubljana sein. Das Konzert am Abend ist ausverkauft, der profitorientierte Veranstalter kommt mit der Idee einer Mitternachtsshow um die Ecke. Nick Cave schaut eh nicht aus, als wolle er früh ins Bett gehen oder überhaupt schlafen – am Ende dieser Nacht wird er seine Band durch drei ekstatische Sets gepeitscht haben, die jedes Mal im Feedbackgewitter von Velvet Undergrounds „All Tomorrow‘s Parties“ endeten und die insgesamt 2.500 Zuschauer körperlich und seelisch völlig erschöpft zurück ließen. Schnitt.

 

Es ist sieben Uhr morgens und rund 26 Jahre später, der Wecker klingelt, aber Cave ist schon wach, wie lange schon, verrät die Kamera nicht. Der Tag beginnt, für den Musiker, Schriftsteller, Drehbuchautor und Schauspieler sind es bereits „20.000 Days On Earth“ und die Kamera wird Nick Cave an diesem Tag begleiten, von morgens bis abends, zuhause, beim Therapeuten, im Auto, mit Freunden, im Studio, im Archiv, auf der Bühne, wieder zuhause. So jedenfalls der Plan dieses Langfilmdebüts des Künstlerduos Iain Forsyth und Jane Pollard. Aber schon mit den ersten Sätzen, die Cave aus dem Off rezitiert, begibt sich der Zuschauer auf eine faszinierende Reise in die Seele dieses begnadeten Geschichtenerzählers, bis er nach über 90 Minuten gefangen ist in Mysterien biblischer Ausmaße und die grausamen und wunderschönen Schilderungen menschlicher Abgründe aufgesogen hat wie ein Schwamm.

 

Cave ist mittlerweile clean und trocken. Nachdem er sich zu druckreifen Monologen über die Beziehung zu seiner Frau und zur kannibalischen Tätigkeit des Wörtersammlers im Badezimmerspiegel betrachtet hat, tippt er Sätze in seine Schreibmaschine. Die Kamera lässt den Blick durch seine mit kultigen Artefakten, Antiquitäten, Büchern und Bildern vollgestopfte Schriftstellerklause schweifen. Dann springt er in seinen schwarzen Jaguar (sic!) und fährt zu Bemerkungen über den Wohnort Brighton und das Wetter (Regen) zur Praxis des Psychotherapeuten Darian Leader. Die dortige Sitzung, tatsächlich sprachen Cave und Freudianer Leader rund zehn Stunden miteinander, über erste erotische Erlebnisse, den Vater als stillen Beobachter und die innere Verwandlung des Künstlers während einer Performance, zählt zu den Höhepunkten des Films. Sie wird von einer sehr familiären Szene eines Mittagessens im Haus von Warren Ellis abgelöst, einem langjährigen musikalischen Kollaborateur und Freund, auch er ein großer Erzähler. Wegbegleiter wie der Schauspieler Ray Winstone (spielte die Hauptrolle in John Hillcoats Film „The Proposition“, für den Cave das Drehbuch schrieb), der Musiker Blixa Bargeld (Sänger der Einstürzenden Neubauten und langjähriger Bad Seeds-Gitarrist), Pop-Ikone Kylie Minogue, Duett-Partnerin seines größten Charterfolges, sie alle geben Einblick in ihre Beziehung zu Cave – mit zum Teil überraschenden Erkenntnissen. „20.000 Days On Earth“ changiert zwischen Doku und Fiktion, es handelt sich um ein Genre-sprengendes Werk, das versucht, diesem außergewöhnlichen Künstler, der uns mit seinem markanten Bariton und den schönsten Zeilen an die dunkelsten Orte entführt, gerecht zu werden. Zum Ende des Films wandelt Nick Cave wie ein Geist durchs nächtliche Brighton ans Meer, die Kamera lässt ihn am schwarzen Strand zurück, zuhause.

Rainer Germann

 

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The Cut Jetzt im Kino

Go West. 1915. In der Stadt Mardin, im Südosten der Türkei. Der Schmied Nazaret wird, zusammen mit allen anderen armenischen Männern, nachts aus dem Haus gezerrt. Er erlebt Deportationen, Morde, Vergewaltigungen. Er überlebt eine Exekution – mit durchschnittener Kehle. Seine Flucht führt ihn ins syrische Aleppo. Jahre später erfährt er, dass seine beiden Töchter den Genozid überlebt haben. Nazaret beginnt eine Odyssee auf ihren Spuren: in den Libanon, nach Kuba, in die U.S.A. Fatih Akin versteht seinen neuen Film als Abschluss seiner Trilogie „Liebe, Tod und Teufel“, zu der „Gegen die Wand“ und „Auf der anderen Seite“ zählen. Tahar Rahim („Ein Prophet“) spielt die Hauptrolle. Akin zielt auf großes Kino mit opulenten Bildern und starken Emotionen. Das Ergebnis: eine abenteuerliche Auswanderer-Geschichte, erzählt wie ein Western. Fürs große Publikum, am besten wär’s in der Türkei. Zum Mitleiden, um irgendwann zu merken, dass man um einen Christen bangt und weint. 

 

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Die Neger In den Kammerspielen

So langsam wird jede letzte Inszenierung des scheidenden Kammerspiele-Intendanten Johan Simons gewollt oder nicht zu einer Art Hinterlassenschaft. Mit Jean Genets Stück hat er mal wieder starken Tobak in die Pfeife gestopft. Beklemmend dürfte es in jedem Fall werden. In dem einstigen Skandalstück stellt bekanntlich eine Gruppe Schwarzer einen Lustmord an einer weißen Frau nach – worauf eine groteske Strafexpedition folgt. Geschrieben wurde das unter dem Eindruck der blutigen letzten Kolonialwirren und befeuert von Genets flammende Sympathie für die Befreiungsbewegung der PLO und der Black Panthers. Jeder Außenseiter, der unterdrückt und diskriminiert wird, war und ist hier ein „Neger“. Nur so liest sich auch das Vorwort, in der Genet die provokante Frage aufwarf: „Was ist eigentlich ein Schwarzer? Und vor allem welche Farbe hat er?“.

Luise Kinseher Bis 1.11. in der Lach & Schieß

Die Zeit läuft und Luise Kinseher ist fest davon überzeugt, dass derzeit einfach nur eine Devise wichtig ist: „Ruhe bewahren“. So hat die Nockherberg-Landesmama ihr neues Solo getauft. Ihrer To-Do-Liste liest sich allerdings erst einmal anstrengend: „Publikum unterhalten, saumäßig lustig sein, Klimawandel aufhalten, Mama anrufen, Klopapier kaufen, neuen, passenden Mann finden, fürs Alter vorsorgen! Und das alles: Sofort!“. Wie soll das klappen? Kinsehers neue Bühnenfiguren machen dem Ganzen natürlich einen dicken Strich durch die Rechnung. Sie denken gar nicht daran, sich einfach so abarbeiten zu lassen. Und sie spielen sich damit mitten ins Herz des Publikums, wobei dann tatsächlich die Zeit einmal stehen bleibt. Zumindest für einen Augenblick.

Hoppla, wir leben! Im Cuvilliéstheater

Die ganz wilden Tage hat München bekanntlich schon hinter sich. Umso mehr lohnt es sich, in die bewegte Räte-Zeit zurückzublenden. Hier ist Ernst Tollers tragikomisches Gesellschaftspanorama der Weimarer Republik angesiedelt, mit dem sich Anne Lenk am Bayerischen Staatsschauspiel zurückmeldet. Erzählt wird vom „Gefühlsrevolutionär, Träumer und Phantasten“ Karl Thomas, der nach einer niedergeschlagenen Revolution verhaftet und in die Psychiatrie geworfen wird. Dort bekommt er den steilen Karriereweg seines einstigen Genossen Wilhelm Kilman nicht mit. Der wird Minister und Realpolitiker. In seinem Vorzimmer gehen die Bonzen ein und aus. Doch dann wird Thomas doch entlassen – und schlägt sich als eisig dauerlächelnder Kellner durch. Eines Tages wird ausgerechnet vor seinen Augen Minister Kilman Opfer eines Mordanschlags. In den Hauptrollen: Franz Pätzold, Oliver Nägele und Valerie Pachner.

Das schweigende Mädchen In den Kammerspielen

Elfriede Jelineks neues Stück setzt den Gerichtssaal als Ort der Handlung. Der laufende NSU-Prozess ist hier zugleich das jüngste Gericht, und die Geschichte der Zwickauer Zelle wird zur Antithese der biblischen Heilsgeschichte: Im gewohnten Gestus eines fließenden, unendlichen Sprechens seziert Jelinek die einzelnen Facetten der Schuldfrage. Zwischen Prozessprotokollen, Medienberichten und literarischen Referenzen wagt sie einen tiefen Blick ins Unbewusste der deutschen Seele. Kammerspiele-Intendant Johan Simons inszenierte das brisante, aktuelle Drama.

Wer hat Angst vor Virginia Woolf? Im Residenztheater

Auf geht’s wieder. Und das nicht nur auf der Wiesn. Auch die Theater kehren aus der Sommerpause zurück, die für viele kaum Ruhe und schon gar keinen Sommer mit sich gebracht hatte. Besonders gespannt sein darf man auf den Aufschlag, den Martin Kušej wagt. Zuletzt hatte der Resi-Intendant das Bürgertum mit einer sehr eigenwilligen, drastischen „Faust“-Neuinterpretation gefordert, nun legt er eine Schippe nach. Der Klassiker von Edward Albee – berüchtigt geworden durch die Film-Version mit der unglaublich ordinär auftrumpfenden Liz Taylor und ihrem damaligen Gatten Richard Burton – hat auch heute noch das Zeug zum Aufregerstück. Erzählt wird von einer Afterparty, zu der Martha – ohne Wissen ihres Ehemanns George – den Biologieprofessor Nick und seine Frau Honey nach einem offiziellen Fest in ihrer Villa eingeladen hat. Schon bald fliegen die Fetzen. Martha steuert die perfiden Gesellschaftsspiele radikal gegen die Wand. Sie liebt es, mit den Gefühlen der Anderen Schindluder zu treiben. Und Eskalation ist nur eine der ersten Stufen vor dem großen Zerstörungsdrama.

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Do 23. Oktober 2014 -
Mi 5. November 2014
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