Montag, 27. April 2015
ALLE VERANSTALTUNGEN
für 14 Tage & Nächte in München

Fischer-Z: New Wave mit John Watts

Heute im Freiheiz... mehr
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Die Ex-Heroen der New-Wave Bewegung um Mastermind John Watts melden sich erneut mit zackigem Wave-Rock und flotten Synthie-Pop-Perlen zurück.

 

Bee Kini: Volx-Pop-Jazz

Heute im Ruffini... mehr
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Höchst interessanter Volx-Pop-Jazz-Mix in bayerischer Mundart: Brecht trifft auf Broadway, Tiefsinn auf Trivialität und Kuhstall auf Kaschemme. Feat. Dagmar Aigner (voc), Leo Gmelch (tuba) u.a.

 

Hubert von Goisern: Brenna tuat's schon lang

Jetzt im Kino... mehr
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Alpenrocker. Hubert von Goisern ist seit über 25 Jahren im Geschäft, ein Ausnahme-Musiker, der mit den „Alpinkatzen“ und dem „Hirtamadl“-Hit Anfang der 90er der Neo-Volksmusik zum Durchbruch verhalf. Wandlungsfähig wie er ist, war er später in Tibet, in Afrika, hat eigene Filme gedreht, Jane Goodall besucht und mit seiner „Linz Europa Tour“ auf Donau und Rhein für Furore gesorgt.  Marcus H. Rosenmüller unterfüttert diese interessante, biografische Chronik auftragsgemäß mit ein paar netten Interviews und allerlei Beiwerk. Hubert von Goisern aber hätte ein ernst gemeintes Bio-Pic verdient, bei dem alle brennen, nicht bloß er.

 

Balthazar: Pop aus Belgien

Heute im Strom... mehr
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Kurzweilig aufrockende Pop-Formation aus Belgien, die ihre Platten im gut sortierten Hause »Munich Records« veröffentlichet und zuletzt mit dEUS auf Tour war.

 

Das Fastfood Theater: Best Of Life

Heute in der Drehleier... mehr
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Aus der hiesigen Theaterszene ist das fastfood theater schon lange nicht mehr wegzudenken. Mit ihrem Improklassiker, der Montagsshow, begeistern die Schauspieler des fastfood theaters Publikum und Kritiker seit 16 Jahren immer wieder aufs Neue. Eine bunte Mischung aus Spielen, Songs, leisen und lauten Szenen unterhalten hier mit Schmackes.

 

Axel Hacke: Das kolumnistische Manifest

Heute im Lustspielhaus... mehr
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Seit mehr als 20 Jahren schreibt Axel Hacke seine legendären Kolumnen für das Magazin der Süddeutschen Zeitung. Wenn er an seinem Tischchen auf der Bühne sitzt, hat er ganze Kolumnenstapel dabei und liest, wonach ihm der Sinn steht. Kann sein, dass es dann um die Fragen geht, warum die Sumerer so schlechte Witz-Erzähler waren oder warum die Sorte „Malaga“ allen anderen Eis-Varianten vorzuziehen ist. Mit im Gepäck hat er auch sein aktuelles Buch "Oberst von Huhn bittet zu Tisch“.

 

Avengers: Age Of Ultron

Jetzt im Kino... mehr
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Im Marvel-Universum. Es wird halt immer schwieriger, die Welt zu retten. Die guten Avengers haben nun dank der Expertise von Tony Stark einen Super-Roboter namens Ultron konstruiert, der die Erde schützen soll. Der erkennt, völlig logisch, die Menschheit als größte Gefahr für den Planeten – und macht sich an deren Vernichtung. Sci-Fi-Action, von Jess Whedon souverän geschrieben und inszeniert, die Effekte beeindruckend, das Personal, Robert Downey Jr., Mark Ruffalo, Chris Evans und Scarlett Johansson ist wohl bekannt.

 

Bartleby, der Schreiber: Ich möchte lieber nicht

Heute im Metropoltheater... mehr
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Gut gehende Geschäfte veranlassen den Anwalt einer Kanzlei an der Wall Street dazu, den Kreis seiner Angestellten zu erweitern. Als auf seine Anzeige hin ein junger Mann von ausnehmend ruhigem Äußeren vorstellig wird, sieht er in ihm eine vorteilhafte Ergänzung. Bartleby legt in den ersten Tagen ungemein großen Fleiß an den Tag und erledigt eine außerordentliche Menge an stupiden Kopierarbeiten. Alles scheint seinen Gang zu gehen, bis Bartleby der Bitte des Anwalts, ihm bei einer kleinen Sache zur Hand zu gehen, sanft und entschieden entgegnet: „Ich möchte lieber nicht".

 
Tagestipp Montag 27.04.2015
Mr. Harry Kulzer & Herr Wolfram Winkel 28.4. und 29.4. Lach & Schieß

Keine Tabus kennen zum Glück diese beiden Herren. Sie machen kein Hehl aus ihren schmierigen Absichten: „2 Männer: 1 Gedanke“ heißt ihr aktuelles Abendprogramm. Darin dreht sich natürlich alles um das eine, alte Thema. Die beiden seriösen Künstler präsentieren hautnah eine schweißtreibende und doch sportlich-elegante Abendunterhaltung. Dabei handelt es sich nicht um fertige Texte, die aufgesagt werden, sondern jeden Abend entsteht etwas Neues, Unverwechselbares.  Kulzer bearbeitet dafür die Tasten und singt, Winkel werkelt an diversem Gerät und steuert Urlaute bei. Heraus kommt schweißtreibende Herren-Unterhaltung. Augenzwinkern garantiert!

Balthazar Am 27.4. im Strom

Diese belgische Band rund um Jinte Deprez und Maaerten Devoldere experimentiert gerne mit ihrem spielerischen vielfältigen und manchmal ganz schön exzentrischen Sound. Vierstimmiger Harmoniegesang, der sich mit eher genuschelten Passagen abwechselt, prägnante Bassläufe, die immer wieder präsente Violine von Patricia Vanneste und andere pointierte Arrangement-Einfälle prägen die Musik. Bass und Schlagzeug legen ein Fundament und schaffen den Raum, in dem sich die beiden Sänger und Songwriter austoben. Nun kommen sie vorbei, um das neue Album „Thin Walls“ zu präsentieren, man darf wieder auf Überraschungen gespannt sein.

 

Sunset Sons Am 27.4. im Ampere

Sportlich, sportlich. Deser Indierock-Vierer verbindet vor allem zwei Dinge: Musik und Surfen. Dabei stehen ihre treibenden hymnenartigen Songs immer in der perfekten Balance zur Lässigkeit des Wellenreitens. Die vier Freunde Rory, Jed, Rob und Pete begegneten sich eher zufällig im idyllischen französischen Küsten-Ort Hossegor und obwohl sie anfangs überwiegend nur Covers spielten war schnell klar, dass auch ihr eigenes Material hervorragend ankam. Mühelos fesselt das Quartett das Publikum mit epischen, sonnengetränkten Liedern und stampfenden Rock-Songs im Stil von Bruce Springsteen oder den Kings of Leon.

 

Auer "Mai" Dult Bis 3.5. Mariahilfplatz

Schöner und gemütlicher als die Wiesn: Neben Autoscooter und Schiffschaukel gibt es auf der Dult natürlich auch wieder das nostalgische Russenrad und den Kettenflieger von 1909. Kinder freuen sich besonders über das Pony-Reiten und das Kasperltheater. Wettkämpfe kann man am Spickerwagen austragen und wer ein Erinnerungsfoto mit nach Hause nehmen möchte, sollte sich beim Nostalgiefotografen ablichten lassen. Zahlreiche Ess- und Naschbuden bieten süße und herzhafte Speisen an wie gebrannte Mandeln, Steckerlfisch oder Bratwürste und die Durstigen lockt ein kleiner Biergarten. Am 26. April geht es wieder um Schnelligkeit und Geschick: ab 12:30 Uhr findet das 10. Münchner Seifenkistenrennen mit dem „Großen Preis der Vorstadt Au“ am Gebsattelberg statt. www.auerdult.de

Ex Machina Jetzt im Kino

Männer-Schöpfungs-Fantasien. Nathan, der mysteriöse Chef eines Online-Unternehmens hat einen intelligenten Roboter entwickelt und holt seinen Programmierer Caleb in seine hypermoderne Villa in den Bergen, um das von ihm geschaffene, mit einem sehr attraktiven weiblichen Körper  ausgestattete künstliche Wesen namens AVA eingehend zu testen. Alex Garland inszenierte ein elegantes Sci-Fi-Kammerspiel, einen subtilen Psycho-Thriller – mit falschen Fährten, fließenden Grenzen, ohne einfache Lösungen, mit tollen Schauspielern, allen voran Domhnall Gleeson, Oscar Isaac („Inside Llewyn Davis“ und „A Most Violent Year“) und Alicia Vikander. Ziemlich cooles Kino.

 

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Big Eyes Jetzt im Kino

„Augen sind die Fenster zur Seele“. Mit der Ernsthaftigkeit eines naiven Kindergemüts erklärt Margaret (Amy Adams), warum sie den puppenartigen Kindergestalten ihrer Gemälde diese riesengroßen, traurigen, gern mit einer Träne verzierten Augen aufmalt. Kindchenschema hoch Zehn. In japanischen TV-Animationsserien sind solche Kinderpuppen-Hyperaugen heute Standard. Tennisballgroße Augen, die nicht nur herzig erscheinen, auch grotesk, erschreckend, horrormäßig, wie die toten Augen in E.T.A. Hoffmanns Erzählungen, wo das künstliche Funkeln im Auge der Automatenfrau Olimpia Beseeltheit suggeriert, Wahn und Leidenschaft hervorbringt.

 

Millionenfach vervielfältigt als Poster und Postkarten waren die Gemälde der Margaret Keane Anfang der 1960er Jahre ein kunstgewerblicher Megahit, und Tim Burton erzählt von diesem erstaunlichen, mit einem Ehekrieg verknüpften Phänomen mit größtem Vergnügen an satirischer Zuspitzung. Im Vergleich zu seinen letzten Großproduktionen wie „Alice im Wunderland“ spannt Burton hier einen bescheideneren Rahmen auf, um aber desto intensivere Charakterzeichnungen zu entwerfen und vor allem die ureigenen Themen aufzufächern: Außenseitertum, Exzentrik, Genie und Wahn, Erkundung abseitiger popkultureller Nischen.

Was kunstgewerblicher Hype vermag, hat die Fake-Doku „Banksy – Exit through the Gift Shop“ demonstriert. Am Beispiel einer Streetart, die ihre Seele verkauft. „Big Eyes“ erzählt „nach wahren Begebenheiten“ davon, wie grandioser Kitsch in einem Medienwirbel aus Hysterie, Boulevard und Lüge zum Verkaufsschlager werden kann. Eine bizarre Story, die hübsch emanzipatorisch beginnt, wenn Margaret 1958 ihrer ersten Ehe entflieht und in San Francisco den charmanten Immobilienmakler und Hobbymaler Walter Keane (Christoph Waltz) kennenlernt.

Zuerst ist es nur eine Notlüge, dass Walter die Gemälde Margarets als seine Schöpfungen ausgibt. Mit dem Verkaufserfolg aber wendet sich das Blatt. Margaret will, dass sie auch den ihr zustehenden Ruhm erntet, und Walter ist der durchgeknallte Typ Hochstapler, der seine Lügen wenigstens zur Hälfte selbst glaubt. Immerhin kämpft er tapfer für den Popart-Kunstanspruch „seiner“ Gemälde und will dem Kunstkritiker der New York Times (herrlich: Terence Stamp), der das Keane-Oeuvre als „jämmerlichen Kitsch“ niedermacht, mit einer Gabel die Augen ausstechen.

Bisweilen übertreibt Christoph Waltz seine Manierismen und malt Walter mit allzu grobem Pinselstrich zur Comic-Farce aus. Amy Adams hingegen, mit blonder Doris-Day-Frisur püppchenhaft gestylt, zeichnet ihre Margaret als nuancierte, mit naivem Augenaufschlag dargebotene Charakterstudie. Zu Recht erhielt sie dafür den Golden Globe als beste Hauptdarstellerin. Tim Burton will nicht behaupten oder suggerieren, dass Margaret als geniale Künstlerin anzusehen sei. Er blickt komplizenhaft auf diese wie besessen fabrizierende Amateurkünstlerin und enthüllt, dass in den Riesenaugen der Gemälde ein authentischer Funke von Margarets kindlich gebliebener Seele steckt. In ihrem Innern wohnt immer noch das allein gelassene, gedemütigte, traurige Kind - das aber allmählich lernt zu wachsen, zu reifen und schließlich selbstbewusst die Augen aufzuschlagen.

Rainer Gansera

 

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Stephan Zinner Am 27.4. im Volkstheater

Wenn der Bewunderungsbegriff „Rampensau“ fällt, ist dieser Mann meistens nicht weit. Der kahle Kraftkerl, bekannt aus Film („Räuber Kneißl“, „Dampfnudelblues“), Fernsehen, aus dem Theater und natürlich vom Kabarett ist ein Rundumtalent mit starkem Vorwärtsdrang. Das hört man, wenn er die Gitarre schrubbt und dazu seine Stimme mit dem Reibeisen bearbeitet. Außerdem leiht er schon seit Jahren dermaßen erfolgreich Markus Söder seinen Nockherbergkopf, dass man ihn fast schon für den besseren Bavaria’s Next Ministerpräsidenten halten könnte. Nun stellt sich heraus: Stephan Zinner kann auch schreiben. Und wie. „Flugmango“ heißt sein Erstling, eine Erzählungssammlung, die sich um die ganz alltäglichen Fragen von Tiefgang dreht. Etwa darum, warum die Exotikfrucht „Flugmango“ heißt. Oder ob Gott im Himmel wirklich Löwenbräu trinkt. Er hat sich die sogenannten kleinen Leute vorgenommen, die in seinen Stories aufmucken, Aufbrüche wagen, ja sogar eine Revolution anzetteln, die allerdings so still ist, dass niemand etwas von ihr mitbekommt. Andere konvertieren zum Islam oder mischen sich undercover unter Helene-Fischer-Fans. Zinners großes Talent ist sein Gespür für den richtigen Tonfall und das perfekte Timing in seinen Dialogen. Gelernt ist eben gelernt. (Volkstheater, 27.4.)

Nur eine Stunde Ruhe! Jetzt im Kino

Da wird man zum Menschenfeind. Michel hat auf dem Flohmarkt eine seltene Jazz-LP ergattert. Die will er jetzt in Ruhe zu Hause anhören. Aber: Seine Frau glaubt, ihm eine Uralt-Affäre gestehen zu müssen. Zugleich will seine Geliebte und beste Freundin seiner Frau der ihre Liaison gestehen. Der Sohn, der vielleicht gar nicht der seine ist, bringt eine Gruppe Illegaler mit. Die Schwarzarbeiter setzen die Wohnung unter Wasser, die Haushälterin mault, der Nachbar will eine Fete feiern, kurz, keine Chance für die ersehnte Ruhe! Als Vorlage für diese vergnügliche, sehr französische Komödie von Patrice Leconte diente ein erfolgreiches Boulevard-Theaterstück. Eine Glanzrolle für Christian Clavier („Monsieur Claude und seine Töchter), der in jedes offene Messer rennt. 

 

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A Blast - Ausbruch Jetzt im Kino

Sprengkraft. Maria hat lange gekämpft. War liebende Ehefrau, fürsorgliche Mutter und verantwortungsbewusste Tochter zugleich. Dann der Entschluss – alles hinter sich zu lassen, jetzt rast sie in einem Geländewagen über eine Autobahn irgendwo in Griechenland. Syllas Tzoumerkas ("Homeland") inszenierte eine dramatische, tragisch-absurde Geschichte und erzählt in Fragmenten aus Vergangenheit und Gegenwart von der Ernüchterung und Radikalisierung einer ganzen Generation, spielt in den turbulenten Jahren nach dem Zusammenbruch der griechischen Wirtschaft. Maria, gespielt von Angeliki Papoulia (Mitbegründerin der Theatergruppe Blitz, großartig schon in „Dogtooth“ und „Alps“), stellt alles in Frage, erfindet sich neu.

 

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The Dark Ages Im Marstall

Der kleine Kontinent kommt nicht zur Ruhe. Und das nicht nur, weil die Fronten schon wieder gefährlich frostig erkalten. Milo Rau blickt in seiner Europa-Trilogie zurück. Er will ergründen, was mit Menschen und ihren Überzeugen passiert, wenn ihre Staaten zerbrechen. Diesmal hat er sich die Phase von 1945 mit dem Untergang des Dritten Reichs bis zur Belagerung von Sarajevo im Jahr 1995 vorgenommen. Im zweiten Teil der Dreier-Reihe wird die finstere Vorgeschichte des sich unter Schmerzen vereinigenden Europas erzählt. Dabei berichten Schauspieler aus Bosnien, Deutschland, Russland und Serbien von Vertreibung, Heimatlosigkeit, dem Weggehen und nie wirklich Ankommen. Der angemessen düstere Soundtrack dazu stammt von der slowenischen Aufregerband Laibach.

Der kleine Tod Jetzt im Kino

Tabus. Down Under, in irgendeiner Vorstadt, entdecken Paul und Maeve, wie sie ihr allzu routiniertes Sexleben wieder aufmöbeln können, indem sie ihren bislang verschwiegenen Fantasien munter ausleben. So geht’s auch einigen weiteren Mittelklasse-Paaren. Von Nachteil ist, dass die neu entdeckten Stimuli immer nur einen Partner wirklich glücklich machen ... Ehemann 1 müht sich redlich, die Vergewaltigungsphantasien seiner Frau perfekt zu erfüllen. Ehefrau 3 erregen die Tränen ihres Mannes, Ehemann 4 findet Erfüllung, wenn seine Frau bewusst-los ist, und ganz schwierig ist es für den Sexualstraftäter, der sich, so will es das Gesetz, bei seinen Nachbarn outen muss ... Eine gar nicht soo anstößig-frivole Ensemblekomödie von Josh Lawson, die wieder mal beweist: Der Sex allein ist nichts. Die Liebe macht’s.

 

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Elser - Er hätte die Welt verändert Jetzt im Kino

Zivilcourage. Nur 13 Minuten haben gefehlt, und der schwäbische Schreinergeselle Georg Elser hätte Weltgeschichte geschrieben, dann hätte die von ihm gebaute Bombe am 8. November 1939 Adolf Hitler bei einer Versammlung im Münchner Bürgerbräukeller in den Tod gerissen. Elser wird verhaftet, in Berlin verhört, gefoltert – denn seine Schergen können nicht glauben, dass er ohne Hintermänner gehandelt hat ... Oliver Hirschbiegel („Der Untergang“) schildert in seinem packenden Historiendrama das Leben des aufrechten Einzelkämpfers. Christian Friedel glänzt in der Hauptrolle. Die Rückblenden schildern die Entwicklung eines jungen, lebensfrohen Mannes zum couragierten Attentäter. Heimatfilm, Liebesdrama, Zeitgeschichte – sehenswert.

 

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Buch In den Kammerspielen

In kein geschlossenes Weltbild passt dieses Opus Magnum von Fritz Kater, das sich eher an der Erzähllogik eines surrealen Traums orientiert als an einer stringenten klassischen Dramaturgie. Hier existieren gleich mehrere Welten auf offener Bühne nebeneinander. Wissenschaftler dürfen dabei ausgerechnet mit Playboy-Häschen über Zukunftsängste und utopische Hoffnungen diskutieren. Ein todkranker Alkoholiker bespricht ein Tonband – als eine Art letztes Vermächtnis im Stil von Samuel Beckett. Sein junger Sohn stürzt sich zeitgleich in die Wirrungen einer ersten ernsten Liebelei. Verlassene Kinder warten ziemlich vergeblich auf die Rückkehr ihrer Mutter, ein Paar zerbricht am Schmerz über ihr krankes Kind. Und schließlich wären da noch afrikanische Elefanten, die auf ganz eigene Art die Veränderungen der Natur deuten. „Was ist Theater?“, fragt Autor Fritz Kater. „Da ist immer dieser Blick auf die conditio humana. Vielleicht ist dieses Stück einfach ein Versuch, dort so zentral wie möglich reinzugehen.“

Every Thing Will Be Fine Jetzt im Kino

Schicksal, Zufall, Fügung? Ein einziger Moment an einem verhängnisvollen Winterabend wirbelt das Leben einiger Menschen durcheinander, während die fein wirbelnden Schneeflocken winterliche Idylle vortäuschen. Nichts ist mehr so, wie es einmal war, nichts ist mehr in Ordnung, wie der Titel suggeriert. Vor allem nicht für Schriftsteller Tomas, dessen Wagen in Schnee und Dunkel einen Schlitten erfasst. Ein kleiner Junge schaut ihn entsetzt an, ein anderer stirbt.

 

 Für die Mutter bricht eine Welt zusammen. Der Augenblick, in dem Charlotte Gainsbourg begreift, dass einer ihrer beiden Söhne tot ist, schneidet wie ein Messer tief ins Herz. Nicht nur sie leidet unter dem Trauma, auch der überlebende Bruder Christopher. Über zwölf Jahre und die Jahreszeiten hinweg schaut Wim Wenders wie mit dem Brennglas auf die Entwicklung der Personen, ihre Auseinandersetzung mit Schuld und der verzweifelten Suche nach Vergebung und Erlösung, ihrem Umgang mit der Krise.

 

Trauerarbeit, Seelen im Eiszustand. Es gibt kein Rezept, nur Leere. Niemand ist wirklich schuldig, aber irgendwie glauben sich alle schuldig, stellen sich die Frage „Was wäre, wenn ...“. In einem langen und schwierigen Prozess versuchen sie, sich selbst zu verzeihen und sich dem Leben zu stellen, sich wieder hinein zu finden. Basierend auf dem Originaldrehbuch des Norwegers Bjørn Olaf Johannessen begibt sich Wenders auf unerforschtes Terrain, die Realisierung eines intimen Familiendramas in 3D, einer Technik, die sonst dem Popcorn-Kino mit Action und Fantasy vorbehalten zu sein scheint, sich hier aber nicht aufdrängt, sondern wie bei der Tanzfilmdoku „Pina“ in den Dienst der Sache stellt. Für die Schauspieler, die ohne die geringste Übertreibung spielen und einfach nur „sein“ sollen, eine Herausforderung.

Kameramann Benoît Debie entwirft ruhige und intensive Bilder von emotionaler Wucht, die trotz oder vielleicht gerade wegen des brillanten 3D (Stereographie: Joséphine Derobe) den tief im Inneren verborgenen Schmerz sichtbar machen, sehr große Nähe ermöglichen, aber auch den notwendigen Abstand wahren. Oft handeln die Protogonisten hinter Fenstern, in weiter Ferne, so nah. Die Seelenzustände wechseln von Angst, Selbstvorwürfen hin zur Verdrängung – bevor aber trügerische Ruhe alles überdeckt, sorgt der inzwischen 16-jährige Christoph noch einmal für Unruhe. Er will raus aus dem Kokon der Vergangenheit und reden, schreien, etwas spüren. Dass er dazu in Tomas‘ Heim einbricht und ins Bett pinkelt, ist ein drastischer Weckruf und unüberhörbarer Hilfeschrei.

Es geht Wenders nicht nur um die mögliche Schuld beim Unfall, sondern um den steinigen Weg zurück in die Normalität und auch darum, ob ein Schriftsteller dieses tragische Ereignis für seine Kreativität nutzen darf oder inwieweit er es respektieren muss. James Franco verkörpert diese in sich verschlossene Figur mit starker Präsenz und großer Nachdenklichkeit, zeigt sich von einer neuen Seite, vor allem, wenn er sich langsam durch die sehr unterschiedlichen Beziehungen (Rachel McAdams, Marie-Josée Croze) ein Stück weit der Wirklichkeit öffnet und schließlich in der Begegnung mit dem heranwachsenden Jungen Frieden findet.

In „Every Thing Will Be Fine“ gibt es keine lauten Töne, sondern nur leise Trauer, aber trotz bleibender Narben auch einen Funken Hoffnung. Heilung ist möglich. Und Wenders beweist, dass er nach mehr als vier Jahrzehnten des Filmemachens noch immer beides kann: bei sich zu sein und sich neu zu erfinden.

Margret Köhler

 

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Das blaue Zimmer Jetzt im Kino

Alles prima im Leben von Julien. In der Firma, in der Ehe, mit der Tochter ... Bis er der schönen Esther begegnet. Die beiden beginnen eine heiße Affäre. Immer donnerstags, in einem Hotelzimmer. Julien will Sex, Esther will mehr, erst recht, als ihr Mann stirbt. Julien zieht sich zurück. Und wird plötzlich verhaftet, soll alle Details seiner außerehelichen Beziehung schildern, weiß nicht, wie ihm geschieht. Mathieu Amalric hat, zusammen mit seiner Lebensgefährtin Stephanie Cléau einen Roman von Georges Simenon, verfilmt. Die beiden spielen auch gleich die Hauptrollen. So geht es hin und her zwischen trockener Justizarbeit und Erinnerungen an heiße Nächte und Debatten, die den Zuschauer auf falsche Fährten locken. Ja, es gab zwei Tote. Die Wahrheit aber bleibt im Dunkeln.

 

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Camino Real In den Kammerspielen

Ein völlig weltentrückter Ort ist der staubige Camino Real, der in einen unbestimmten Süden führt. Links und rechts der Straße stehen heruntergekommene Absteigen, Bordelle, Buden, ein verlassenes Luxushotel. Die Grenzstadt ist ein Transitort, wie man ihn aus dem Western kennt. Jenseits beginnt eine fantastische Terra Incognita, diesseits herrscht ein starres Überwachungssystem. Wer hier ankommt, ist zum Blei-ben verdammt. „Tennessee Williams gelingt es auch in diesem Stück, dass sich konkrete politische Themen seiner (und unserer) Zeit in Alpträume verwandeln“, gibt Regisseur Sebastian Nübling seiner Inszenierung mit auf den Weg. In den Hauptrolllen: Jochen Noch, Sandra Hüller. Çiğdem Teke, Stefan Merki und Wiebke Puls.

Siegfried Im Münchner Volkstheater

Christian Stückl hat  wieder mal eine Premiere am Volkstheater. Von Ritterehre, höfischem Benehmen und edler Minne ist wenig zu finden in Feridun Zaimoglus und Günter Senkels Neubearbeitung der Siegfried-Sage. Dabei hält sich das Autorenteam durchaus an die historische Vorlage, die ja auch nicht gerade zimperlich mit Verrat, Vergewaltigung und Mord umgeht. Doch so schonungslos wie hier wurden die Protagonisten des größten deutschen Heldenepos wohl noch nie ihrer Vorbildfunktion entkleidet. Getrieben von Machtgier und Geltungssucht, morden, vögeln und fressen sie sich ihrem eigenen Untergang entgegen. Die Lichtgestalt Siegfried ist ein tumber – aber sehr viriler – Muskelprotz, sein Gegenstück Brunhild eine blutrünstige Barbarin. Von jeder Patina befreit, zeigt die Neufassung des Mythos eine von Rücksichtslosigkeit und Brutalität gezeichnete Gesellschaft. In den Hauptrollen: Jakob Geßner, Jona Bergander und
Magdalena Wiedenhofer.

Drei Schwestern Im Residenztheater

Sie hätten es schön haben können. Der verwunschene Garten der Prosorows ist eine Idylle, ein weltabgeschiedenes Paradies, in dem sich der Alltag ertragen lässt. Dummerweise steht das zugehörige Herrschaftshaus am falschen Ort – tief in der Provinz, wohin es den General mit seinen Sohn Andrej und den titelgebenden drei Schwestern verschlagen hat. Außer Militärischem hat das Nest nichts zu bieten. Und so wächst der Wunsch ein Jahr nach dem Tod des Patriarchen immer leidenschaftlicher: „Nach Moskau, nach Moskau!“, lautet die Sehnsucht. Doch dann kommt alles anders. Andrej verspielt Haus und Garten. Tina Lanik bringt Anton Tschechows Klassiker mal wieder auf die Bühne. In den Hauptrollen: Juliane Köhler, Hanna Scheibe, Valerie Pachner und Shenja Lacher.

Das ewige Leben Jetzt im Kino

„Ich hab grad beruflich a bissl a schlechte Phase“, windet sich der ehemalige Privatdetektiv Simon Brenner (Josef Hader) auf seinem harten Bürostuhl im Wiener Arbeitsamt. „Herr Brenner, Sie san ned krankenversichert, Sie san ned sozialversichert, Sie haben kein Bankkonto, das würde ich ned als schlechte berufliche Phase bezeichnen. Sie san a U-Boot“. Die Beamtin bringt es gnadenlos auf den Punkt. Tatsächlich steht der ewig sympathisch grantelnde Loser ziemlich abgebrannt am Abgrund. Sein steter Abstieg nimmt langsam dramatische Formen an. Zudem leidet der verkrachte Ex-Polizist unter infernalischen Kopfschmerzen.

 

Resigniert kehrt der stoische Einzelgänger nach Graz, in die verhasste Heimatstadt seiner Jugend zurück. Dort bietet ihm das Erbe seines Großvaters, ein abbruchreifes Einfamilienhaus, zumindest notdürftig Obdach. Aber auch die Phantome der Vergangenheit lauern ihm auf. „Heimat ist für jeden ein bisschen dings“, weiß der Brenner bei seinem Rückzug in die Steiermark. Offene Rechnungen wollen beglichen werden. Er begegnet alten Spezln und einem noch älteren Gspusi. Seine einst der freien Liebe frönende Maritschi klopft jetzt als Wirtin Schnitzel.

Und irgendwann landet er mit einer Kugel im Kopf im Krankenhaus. Gründe für einen Selbstmordversuch gäbe es genug, doch nur der Brenner weiß, dass es ganz anders war. Nach und nach lüftet sich freilich der Nebel, der den Blick zurück blockiert. Nicht zuletzt den auf die Hoffnungen und Träume, die mit dem Freiheitsdrang der 70er Jahre verknüpft waren. Sepiagefärbte Rückblenden im Super-8-Stil zeigen, wie vier junge Männer, es sind Polizeischüler, da ihren eigenen „Summer of Love“ erleben. Nicht umsonst eiert auf Brenners ausgeleiertem Plattenteller der großartige Hit „When I Was Young“ von Eric Burdon & the Animals.

Kaum einer scheitert so heroisch und dabei so uneitel wie der Kult-Kieberer Brenner alias Josef Hader. In seinem vierten Kino-Abenteuer als trauriger Sturschädel erinnert der geniale Kabarettist mehr denn je in jeder Nuance an die Anti-Helden aus den großen Tragödien. Gleichzeitig steckt in seinem Brenner, dem Scheitern zur zweiten Natur geworden ist, noch der Revoluzzer von damals. Nie wirkt er glücklicher, als wenn er mit dem alten hellblauen Puch-Moped seiner Jugendtage in Schlangenlinien durch das nächtliche Graz fährt.

Dazu liefert Regisseur Wolfgang Murnberger klassisches Noir-Feeling mit somnambulen regennassen Asphalt-Bildern. In seiner furios inszenierten Tragi-Komödie besticht neben Tobias Moretti als größenwahnsinnigem Polizeichef die Wahlberlinerin Nora von Waldstätten. Mit ihrer anregenden Mischung aus Leidenschaft und Präzision betört die Baronesse aus altem Wiener Adel als ebenso charismatische wie abgründige Psychologin. Last but not least glänzt Österreichs Provinzhauptstadt Graz in morbider Pracht. Die verwegene Verfolgungsjagd im Finale auf den Grazer Schlossberg wirkt jetzt schon legendär. Und wenn Brenner mit seiner Puch knapp zwischen einem LKW und Tunnelwand entlang schrammt, werden Actioneinlagen geboten, die es beinahe mit James Bond aufnehmen können. Hinterfotziger Humor paart sich mit bizarrem Sprachwitz und einer ins Aberwitzig-Surreale hinein gesteigerten Handlung. Gekonnt mischt die komplexe Dramaturgie Vergangenheit und Gegenwart. Die unwiderstehlich fatalistische Melange aus Satire, Groteske und sympathisch melancholischem Österreich-Schmäh ist dem kreativen Dreigestirn Murnberger, Hader und Autor Wolf Haas wieder einmal bravourös gelungen.

 

Luitgard Koch

 

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Kingsman: The Secret Service Jetzt im Kino

Gentleman-Schule. In der legendäre Geheimdienstkaderschmiede Kingsmen wird ein Posten frei. Und Harry Hart (Colin Firth) erinnert sich an Eggsy (New­comer Taron Egerton), einen begab­ten jungen Mann, der allerdings noch ziemlich viel zu lernen hat. Unter den höheren Töchtern und Söhnen und der Anleitung des ehrwürdigen Arthur (Michael Caine) hat es der prollige Eggsy anfangs schwer. Da aber gerade der Internet-Milliardär Valentine (Samuel L. Jackson als Superschurke) die Weltherrschaft erobern will, wird jetzt jedermann gebraucht, und Eggsy kann sich bewähren. Die tempo-, action- und ironiereiche Spionage-Komödie von Matthew Vaughn („Kick-Ass“) parodiert vergnügt bis bitterböse die Britishness früherer Geheimdienst-Thriller, macht zum Spaß auf James Bond, zeigt Colin Firth als makellosen Actionhelden und punktet mit elegant choreographierten Gemetzeln.

 

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Verstehen sie die Béliers? Jetzt im Kino

Jenseits der Stille. Die junge Paula kann hören und sprechen. Ihre Eltern und ihr kleiner Bruder können es nicht. Es gibt jede Menge Arbeit auf dem Hof der Familie. Paula hält den Kontakt zu den Normalos, übersetzt, verhandelt mit der Bank, holt den Tierarzt, verkauft Käse auf dem Markt ... Und nun kandidiert Paulas Vater auch noch für das Amt des Bürgermeisters. Paula dagegen sollte, meint ihr Musiklehrer, wegen ihrer tollen Stimme in Paris Gesang studieren, gerät also in einen heftigen Konflikt zwischen familiären Pflichten und den Träumen vom eigenen Glück. Eric Lartigau inszenierte einen zauberhaft berührenden Film voller Witz und Ernst mit einer fulminanten Hauptdarstellerin, die gerade den César gewonnen hat: Louane Emera ist eigentlich Sängerin. In Frankreich eroberte das Feel-Good-Movie in kürzester Zeit die Herzen von fünf Millionen Zuschauern.

 

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Unser Dorf soll schöner werden In den Kammerspielen

Wie wird die Welt von morgen aussehen? Eine enge Gemeinschaft, eine sehr bedrohte sogar: Die holländische Compagnie Wunderbaum, angeführt von Intendant Johan Simons, entwirft ein sehr beklemmendes, weil sehr reales Szenario. Es ist der Versuch, fehlerhaften gesellschaftlichen Strukturen und alten Routinen etwas entgegenzusetzen. Der heutige sich alternativlos gebende Kapitalismus erweist sich als fataler denn je. Weil der Klimawandel fast nicht mehr aufzuhalten ist, könnte es der Menschheit doch tatsächlich gelingen, sich selbst auszulöschen bzw. zu ertränken. Wenn die Meerespegel steigen, sind die Niederlande, wo man sich mit Deichen und Kanälen so gut auskennt, als erstes futsch. In den Hauptrollen: Walter Bart, Stefan Hunstein, Maartje Remmers, Steven Scharf, Marleen Scholten.

Jagdszenen aus Niederbayern In den Kammerspielen

Man besucht sich, man pflegt den Austausch. Wie schön. Martin Kušej, seines Zeichens Hausherr am Bayerischen Staatstheater, wechselt die Straßenseite und inszeniert Martin Sperrs wüstes Bauerntheater.  Abram ist wieder zurück ins Dorf gekommen, nachdem er in der großen Stadt im Gefängnis war. Doch willkommen ist er nicht, das findet sogar seine Mutter. Nur Tonka, die alle die Dorfschlam­pe nennen, will, dass der bleibt. Denn sie ist schwanger. „Ich komme aus exakt einem solchen Dorf und kenne das alles zu genau“, so Kušej. „Ich habe diese drückende Atmosphäre mit der Milch mitbekommen: die bedrohliche Enge, die ewig gleichen Vorurteile, die korrupte Verlogenheit, die bigotte Frömmigkeit. Besonders spannend finde ich das Uneindeutige der Figuren“, sagt er über Sperrs einstiges Skandalstück. „Man versteht nie wirklich, wie sie eigentlich sind: schlampig oder brav, schwul oder nicht, anständig oder verräterisch.“ In den Hauptrollen: Katja Bürkle, Christian Löber, Silja Bächli und Michael Tregor.

Torquato Tasso Im im Residenztheater

Manchmal möchte man dem Antike-verliebten Dichter Torquato Tasso gerne über das staubige Haupt streicheln. Er machte sich das Leben am Hof des Fürsten von Ferrara auch gar zu schwer. Eben erst hat er sein Opus Magnum fertiggestellt, schon sticht ihn der Hafer. Er legt sich mit dem Diplomaten Antonio an und wird mit Hausarrest bestraft. Schlimmer noch: Plötzlich merkt der sensible Dichter, den Goethe so treffend traf, dass er doch nur ein Unterhaltungsdienstleister ist. Selbst wenn er zornig den Hof verlässt, erhält er sein Manuskript nicht mehr zurück. Das hat sich der Herrscher unter den Nagel gerissen. Menno! Regie führte Philipp Preuss. In den Hauptrollen: Valery Tscheplanowa, Sibylle Canonica, Nora Buzalka und Norman Hacker.

Maria Stuart In den Kammerspielen

Einen Klassiker nimmt sich Regie-Wüterich Andreas Kriegenburg mit Friedrich Schillers Drama vor. Darin lässt Herrscherin Elisabeth I, die sich von ihrer schottischen Gegenspielerin auf so vielen Ebenen – politisch, religiös, aber auch in ihrer Sexualität – herausgefordert fühlt, noch ein wenig zappeln. Aber dann setzt sie doch die Unterschrift unter das berüchtigte Dokument – und lässt Maria zum Schafott führen. "Man findet bei Maria Stuart fast keine wirkliche Nähe zwischen den Figuren. Wann immer scheinbar doch eine Nähe entsteht, geschieht dies im Zuge des Versuchs der Manipulation. Jeder versucht, den anderen in die eigenen Intrigen und in das Bild des eigenen Machtkampfes einzubauen", so Kriegenburg. In den Hauptrollen: Walter Hess, Brigitte Hobmeier, Annette Paulmann, Oliver Mallison und Jochen Noch. 

Nathan der Weise Im Münchner Volkstheater

Dieses Stück muss jetzt unbedingt gespielt werden. Weil so oft nur noch Märchen helfen, die hoch erhitzten Gemüter wieder runterzukühlen. Nathan der Weise weiß, wie man’s macht. Er erzählt einfach eine Geschichte – die weltberühmte Ringparabel – und zieht sich bei der immer schon bangen Frage, welche der Weltreligionen nun die vermeintlich „richtige“ ist, geschickt, aber sehr nachvollziehbar aus der Affäre. Intendant Christian Stückl hat den Verständnisklassiker von Gotthold Ephraim Lessing wieder aus dem Regel geholt und muss dabei gar nicht mal so viel Staub vom Reclam-Heftchen blasen. Man kann ihm dafür nur dankbar sein. In den Hauptrollen: Pascal Fligg,  Sohel Altan G.,  August Zirner und Constanze Wächter

Und jetzt: Die Welt! Im Münchner Volkstheater

Ist der Furor längst verraucht? Nicht wirklich. Nur die Umstände haben sich geändert, wie Sibylle Berg klug bemerkt hat. Ihr aktuelles Stück erzählt von Akademikern, die in prekären Verhältnissen aufwachsen, weil schon wieder mal ein Praktikum nichts gebracht hat. Nun müssen die jungen Dinger selbstgekochte Drogen im Internet verkaufen, Mode-Blogs vollschreiben und ihren Marktwert im Fitnessstudio hochtreiben, obwohl ihnen doch der Hochleistungskapitalismus zuwider ist. Eine junge Frau bilanziert ihren Frust-Lebensweg – von der Jugend-Gang zum friedlichen Yoga, vom unbeholfenen Knutschen im Zeltlager hin zu den weiterhin unentschlossenen Sexperimenten mit Männern und Frauen, von den hochflie­genden Idealen zum furztrockenen ­Pragmatismus. Die Generation 20+ schwankt – zwischen Aggression und Apathie, zwischen Aufbrauch und Abgeklärtheit.

Exiles In den Kammerspielen

James Joyce ist mit wuchtigen Wälzern wie „Ulysses“ und – noch furchterregender – „Finnegans ­Wake“ bekanntlich der Schrecken aller Englisch-Hauptseminare. Was nur wenige wissen: Der irische Schriftsteller, wichtigster Miterfinder der Moderne, schrieb aber auch dieses vergleichsweise klassische Theaterstück. Darin lernt man den Schriftsteller Richard kennen, der nach fünf Jahren in Rom wieder in seine Heimat nach Dublin zurückkehrt. Dort muss er feststellen, dass sein Jugendfreund Robert nicht nur zu Besuch kommt, sondern seiner Frau Bertha schon lange ziemlich nahe steht. Richard findet heraus, dass Robert über Jahre hinweg ziemlich intime Brief an Bertha geschrieben hat. Nun steht eine Entscheidung an. „Joyce thematisiert, was auf den ersten Blick banal erscheint“, sagt der Regisseur Luk Perceval zur letzten Kammerspiele-Premiere dieses Jahres. „Der Alltag verführt zum Machtspiel. Wie weit kann man gehen, ohne den Anderen allzu sehr zu verletzen? Wie groß ist die Angst, in der Suche nach Freiheit die erkämpfte Geborgenheit und Nähe zu verlieren? Das Stück regt an, darüber nachzudenken, wie man liebevoll zusammenleben kann.“ Was könnte schöner zu Weihnachten passen?

Kasimir und Karoline Im Münchner Volkstheater

Verhängnisvoll durcheinander geht es bekanntlich in diesem legendären Volksstück, das Ödön von Horváth vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise spielen ließ. Das junge Titel-Paar steht kurz davor, sich unglücklich zu machen. Ein gemeinsamer Wiesn-Besuch ist dabei wirklich nicht die beste Idee. Kasimir ist zudem selten schlecht drauf, hat er doch eben erst seine Arbeit verloren. Prompt kommt es, wie es kommen muss: Auf der Festwiese erkennt der Zuschneider Schürzinger seine Chance, sich an Karoline ranzuwanzen. Und Kasimir gerät an seinen Spezl Merkl Franz, der ihn zu einer Alternativ-Karriere auf der schiefen Bahn verführen. Regie führte Hakan Savaş Mican und in den Hauptrollen sind Jean-Luc Bubert, Xenia Tiling und Pascal Riedel zu sehen

Warum läuft Herr R. Amok? In den Kammerspielen

Alltag in der Hölle. Vom Ausbruch aus der geordneten Bürger-Spießigkeit, von der jähen Generalabrechnung mit dem immer brav Funktionieren, erzählte  Rainer Werner Fassbinder in seinem beklemmenden Filmklassiker. Darin lernt man einen Durchschnittsmann kennen, der immer nur versucht, den Ansprüchen an ihn gerecht zu werden und dadurch jäh in einen Abgrund von Leere stolpert. Am Schluss wird aus dem kleinen Menschen ein Monstrum, das zuerst seine Familie, dann sich selbst auslöscht. Die Regisseurin Susanne Kennedy hat den weiterhin stark irritierenden Stoff auf die Bühnenbretter gehievt.In den Hauptrollen:  Walter Hess, Christian Löber, Anna Maria Sturm und Çiğdem Teke.

Peer Gynt Im Residenztheater

Auf klassisches Bildungsgut greift Regisseur David Bösch in seiner Inszenierung zurück. Er lässt in dem Henrik-Ibsen-Stück den Sinnsucher seine norwegische Heimat verlassen, nach Amerika (wieder mal) aufbrechen, wo er Großreeder wird. Doch den Rastlosen hält es nicht lange. In Afrika träumt er von Wüstensiedlungen, er versteigt sich in Propheten-Anwandlungen – und endet schließlich in einer Irrenanstalt in Kairo. Wieder einmal war ein Kern-Forscher unterwegs. Peer Gynt will wissen, warum die Zwiebel, die so viele Schalen hat, nur aus Häuten, aber eben aus keinem Inneren besteht. Das erinnert an Goethes „Faust“ und ist nicht minder aufregend. Gespielt wird der Titelheld von Shenja Lacher – an seiner Seite unter anderem Sibylle Canonica und Michele Cuciuffo.

Woyzeck Im Münchner Volkstheater

Immer nur Erbsen essen. Dann auch noch herumgeschubst und erniedrigt werden. Der junge Franz Woyzeck, der eigentlich aufrichtig, geradlinig und ehrlich durchs Leben gehen wollte, hält sich und seine Freundin Marie mit diversen Jobs über Wasser. Am prekären Rand der Gesellschaft ist er dem ständigen Druck und Wohlwollen von Vorgesetzten und Bessergestellten ausgesetzt. Und dann bewahrheitet sich auch noch der schlimmste Albtraum: Das Testosteronmonster Tambourmajor hat doch tatsächlich Marie verführt. Kein Wunder, dass Woyzeck die Hutschnur platzt. Abdullah Kenan Karaca hat Georg Büchners schauerliches Kleiner-Mann-Drama neu aktualisiert. Schlimm bleibt alles. In den Hauptrollen: Sohel Altan G., Magdalena Wiedenhofer, Silas Breiding und Pascal Fligg.

 

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