Samstag, 23. Mai 2015
ALLE VERANSTALTUNGEN
für 14 Tage & Nächte in München

Der goldene Drache: Sehnsüchte, Schattenseiten...

Heute im Metropoltheater... mehr
uploads/tx_mmpf/Der_goldene_Drache.jpg

Roland Schimmelpfennig, der meistgespielte Gegenwartsdramatiker Deutschlands, gilt als Experte für dichte, verschachtelte und überraschende Theatertexte. Hier wirft er einen poetischen und sezierenden Blick auf die Schattenseiten unserer Gesellschaft: auf Ausbeutung, Verrohung und Einsamkeit in einer Welt ohne Grenzen, in der Makro- und Mikrokosmos verschmelzen, sich Sehnsüchte gewaltsam Bahn brechen und ferne Verwandte
aus Zahnlücken sprechen. Regie führte Jochen Schölch.

 

Mädchen im Eis: Irrwitz Tundra

Jetzt im Kino... mehr
uploads/tx_mmpf/Mädchen_im_Eis.jpg

Die 20-jährige Berlinerin Winja (Lucie Heinze) reist ihrem russischen Lover Andrej ohne sein Wissen in die russische Tundra hinterher. Als sie ihn nach strapaziöser Anreise endlich wiedersieht, ist die Enttäuschung groß. Der Mann hat Frau und Kind. Winja lernt einen seltsamen russischen Oligarchen kennen, Starytsch, der gerade einen AgitProp-Film über die Umweltzerstörung drehen lässt und im Clinch mit Jegor liegt, einem Abenteurer, der ihm 100 lebende Pinguine hätte liefern sollen, die aber leider verendet sind. Was wiederum den beauftragten Videokünstler zwingt, sein Konzept zu ändern – und Winja zu engagieren. Starytsch, in seinem Gerechtigkeitswahn, schreckt auch vor Mord nicht zurück ... Ein skurril-unterhaltendes Roadmovie von Stefan Krohmer mit kuriosen Wendungen, schwarzem Humor und ironischem Blick auf die russischen Verhältnisse.

 

Exit: Tanzen, singen, ulken...

Heute im Gop Varieté... mehr
uploads/tx_mmpf/Exit.jpg

Im edlen Ambiente des Varieté-Theaters steht ein Programm an, zu dem der ehrwürdigen „New York Times“ vor allem nur ein Schlüsselbegriff einfiel: „Perfect“. Inhaltlich dreht Regisseur Mark Lonergan die Zeiger ein wenig zurück. Er lädt zu einer Zeitreise in die 20er und 30er Jahre, auf der Charles-Chaplin-Fans und Connaisseure des gepflegten Slapsticks voll auf ihre Kosten kommen.

 

Ian Anderson: Flöten-Rock

Heute im Circus Krone... mehr
uploads/tx_mmpf/tpo-23-5-Ian_Anderson.jpg

Jethro Tull’s Ian Anderson plays "Thick As A Brick": Flöten-Blues auf einem Bein... Der charismatische Weltklassemusiker spielt alle seine Hits

 

Pfingst-Theatron 2015: We Have Band u.a.

Heute im Olympiapark... mehr
uploads/tx_mmpf/tpo-23-5-Theatron_We_Have_Band.jpg

Von Indie bis Pop und von Electro bis Folk mit den Livebands: Swallow Tailed, M185, Ella Josaline, Marv Paul, Junior, We Have Band

 

Mostly Mozart: Fulminantes Comeback

Heute im Heppel & Ettlich... mehr
uploads/tx_mmpf/Mostly_Mozart.jpg

Salzburg im Jahre 2015. Wolfgang Amadeus Mozart ist zurückgekehrt an den Ort seiner Schmach, an dem ihm zu Lebzeiten jede Anerkennung verweigert worden war und stellt zu seiner Überraschung fest, dass er hier inzwischen
hemmungslos geliebt wird. Der einstige Freimaurer findet sich als liebliche Pappfigur vor Pralinengeschäften wieder, googelt sich selbst im Internet und philosophiert über die Schwierigkeit – heute wie damals – einem Genius und Freigeist wirklich gerecht zu werden.

 

Die Nashörner: Fidele Horden

Heute Theater Viel Lärm um Nichts... mehr
uploads/tx_mmpf/Die_Nashoerner.jpg

Es empfiehlt sich ein Besuch auf der staubigen Sonntagvormit­tagstraße im Nirgendwo, über die plötzlich ein Nashorn donnert. Und dann noch eins. Und noch eins. Was passiert? Während die fassungslosen Beobachter noch über die gefährlichen Horn-Tiere debattieren, greift eine unerklärliche „Rhinozeritis“ in der Stadt um sich. Nur einer wagt es, sich dem Getrampel in den Weg zu stellen: der letzte Mensch, ein verwahrloster Held, der sich immer schon seine trostlose Existenz schön saufen musste. Eugène Ionesco hat seinerzeit einen absurden Klassiker des Existenzialismus vorgelegt. Eine Wiederbeschäf­tigung damit dürfte sich lohnen.

 

Welcome To Karastan: Doppelter Boden

Jetzt im Kino... mehr
uploads/tx_mmpf/Welcome_To_Karastan.jpg

Emil Forester, Londoner Filmregisseur in einer Schaffenskrise, wird zu einem Filmfestival in die neugegründete Kaukasus-Republik Karastan eingeladen. Dort bietet ihm der Präsident des Landes an, ein nationales Filmepos zu drehen, ohne irgendeine Beschränkung, mit tausenden Statisten, ein Schlachtengemälde vom Feinsten mit dem Hollywood-Star Xan Butler als Heldenfigur. Der feinsinnige Brite sagt zu – und erlebt reichlich absurde Dreharbeiten. Ben Hopkins inszenierte eine schwarze Komödie mit doppeltem Boden, die vom großen Ego der Filmemacher, der Verlockung des Geldes, dem ShowBiz und seltsamen Staaten handelt. Matthew MacFayden spielt den charmant-naiven Regisseur, Myanna Buring sein geheimnisvolles Love Interest.

 
Tagestipp Samstag 23.05.2015
Theatron Pfingstfestival Vom 23.5. bis 25.5. Olympiapark

Wer hier spielt, der wird auch was, behauptet nicht nur der bayerische Rundfunk: Seit 2001 beweisen die Macher dieses Festivals ein besonders feines Gespür bei der Bandauswahl und erweisen sich oft als Trüffelschweine in Sachen Popmusik zwischen Elektro, Folk, Indiepop und Wave. Auch in diesem Jahr gibt es wieder ein tolles Line Up mit äußerst vielversprechenden Künstlern zu hören und zu sehen: aus London reisen die Indietroniker We Have Band (Foto) an, aus Paris kommt das neue Projekt des Nouvelle Vague-Produzenten Marc Collin namens Bristol. Wendy McNeill, Tops und Woodpigeon sind interessante neue Acts aus Kanada, die Twerps kommen auf den Spuren der Go-Betweens aus Australien. Aus Österreich werden M185 und Viech erwartet und aus der Schweiz Klaus Johann Grobe. Human Abfall kommen aus Stuttgart und Junior aus Berlin und Missouri. Und natürlich ist auch München, die neue Pophauptstadt des Landes wieder stark vertreten mit Marvpaul, Ella Josaline, Cosby, Tom Wu, The Living, Blackout Problems und dem King Of Cons, der gleich an allen drei Tagen den „Special Daily Act“ gibt. www.theatron.de

KLANGfest 2015 Am 23.5. im Gasteig

Das KLANGfest ist inzwischen eine feste Größe in der Münchner Festivallandschaft und wie gewohnt findet es auch heuer wieder mit 32 Bands auf vier Bühnen im Gasteig statt. Hier ist ein extrem breites Spektrum zwischen Ska, Reggae, Folk, Jazz und Weltmusik geboten. Mit dabei  Bands wie Sentilo Sono, Frieder Graf, Sarah Sophie, Berta Epple, Werner Meier, Reverend Rusty, Alexander von Hagke, The Birdwatchers, Leoni Singt (Foto), Wally Warning, Christine Hoock & Umberto Echo, Karin Rabhansl, Foxos, Holger Scheidt Trio, Johannes Enders uvm. Der angeschlossene KLANGsalon dient den unabhängigen, veranstaltenden Musikfirmen zur Präsentation. Die Besucher erhalten hier Einblicke in den Alltag und die Aufgaben von Musikunternehmen, die ihrerseits in Kontakt mit den Musikhörern treten können. Los geht's um 15 Uhr und das beste an der ganzen Sache: Der Eintritt ist frei. Alle Infos unter:  www.klangfest-muenchen.de

8. Afrika Tage Bis 25.5. auf der Theresienwiese

Ohne Flugzeug auf Entdeckungsreise gehen: Bei den Afrika Tagen dreht sich wieder alles um die vielfältige Kultur des afrikanischen Kontinents. Mit einer Vielzahl an Konzerten, Tanzaufführungen, kulinarischen Highlights und dem großen Basar können die Besucher diesen geheimnisvollen Erdteil auf neue Art entdecken. Die Werke des Künstlers Ambali sind im neuen Infozelt „Mama Africa“ ausgestellt, dort finden sich Informationen zu Hilfsorganisationen, Fotos und Videos, darüber hinaus werden dort Trommelworkshops und Lesungen veranstaltet.Auch ein Besuch der „Ägyptischen Folkloreshow“ im Lounge Zelt lohnt sich, mit Bauchtänzer Rachid Alexander und der brasilianischen Trommelgruppe VemComigo.

 

Ein Highlight der Afrika Tage ist immer das Musikprogramm und auch heuer haben wieder starke Bands und Künstler ihre Teilnahme zugesichert: Für jede Menge Lacher dürften Wally & Wolfi sorgen – ein bayerisch-karibisches Musikkabarett gibt es schließlich nicht alle Tage. Der Samstag steht musikalisch im Zeichen des Reggae, More Colours und Jahcoustix hauchen der Theresienwiese jamaikanisches Lebensgefühl ein. Der musikalische Höhepunkt ist am Montag mit dem afrikanische Superstar Salif Keita (Foto) geboten. Keita kombiniert westafrikanische mit europäischen und nordamerikanischen Einflüssen und schafft so seinen ganz eigenen Musikstil. Kamelreiten, ein exotischer Basar und ein abwechslungsreiches Kinderprogramm runden das Festival ab. Alle Infos: www.afrika-tage.de

A World Beyond Jetzt im Kino

Visionen. Teenagerin Casey Newton (Nomen est omen) findet eine Anstecknadel, mit der ihr Einblicke in eine futuristische Parallelwelt vergönnt sind. Casey macht sich auf die Suche nach Wissenschaftler Frank Walker, einem einst gefeierten Wunderkind. Der könnte ihr helfen, die Geheimnisse zu entschlüsseln. Ist aber vom Leben enttäuscht, lässt sie nur ungern ins Haus, hilft ihr aber doch, ins Wunderland zu verschwinden, als Casey von bewaffneten Männern bedroht wird. Ein überaus einfallsreiches Fantasy-Abenteuer aus dem Hause Disney. Regie führt Brad Bird („Mission Impossible – Phantom Protokoll”). George Clooney unterstützt Neu-Entdeckung Britt Robertson bei ihren Forschungen.

 

TRAILER

Die Augen des Engels Jetzt im Kino

Schlimme Zweifel. Regisseur Thomas (Daniel Lang) fährt nach Siena, um sich selbst ein Bild zu machen: Der Prozess gegen die attraktive US-Studentin Jessica, die zusammen mit zwei Männern ihre Mitbewohnerin ermordet haben soll, verspricht einen interessanten Stoff für einen neuen Film, Thomas fühlt sich bald abgestoßen von der Sensationsberichterstattung, freundet sich mit der Journalistin Simone (Kate Beckinsale) an, gerät auch mit ihr bald in Streit, verliert jede Orientierung, verstrickt sich immer mehr in eine existenzielle Krise, wird von Alpträumen heimgesucht, stellt alles in Frage ...  Für sein Drama ließ sich Michael Winterbottom vom Prozess um die ermordete Studentin Meredith Kercher und die Angeklagte Amanda Knox inspirieren und kapituliert absichtsvoll vor der Unlösbarkeit des Falls. Interessanter scheinen ihm allgemeinere moralische Fragen, wie die nach einer nicht enden wollenden Sensationsgier, bei der das Opfer so völlig in Vergessenheit gerät.

 

TRAILER

ICH ICH ICH Im Residenztheater

Martin Kušej, frisch verlängerter Chef am Bayerischen Staatsschauspiel, zeigt mal wieder, dass er auch ein inszenierender Intendant sein will. Etwas verblüffend hat er sich dafür ein sehr selten gespieltes Stück ausgewählt, das in der Tradition des französischen Boulevardtheaters des 19. Jahrhunderts steht. Die Handlung spielt sih in einem Pariser Salon, in dem es zugeht wie in einem Taubenschlag. Hier werden Intrigen eingefädelt, Ehen angebahnt und schamlos Geschäfte gemacht. Menschliche Nähe ist immer Mittel zum Zweck. Im Zentrum steht ein alternder Lustgreis, der Junggeselle geblieben ist, sich hauptsächlich um seine Immobiliendeals kümmert und die Leere in seinem Herzen mit einem üppig bestückten Weinkeller kompensiert. Ausgedacht hat sich das alles der Vielschreiber Eugène Labiche, der seinerzeit zusammen mit Georges Feydeau zu den Stars des Pariser Literaturbetriebs zählte und der teilweise bis zu zehn Komödien im Jahr auf den stückegierigen Markt warf. 

Mutter Courage und ihre Kinder In den Kammerspielen

Dass sich letztlich alles ums Geld dreht, das würde die Titelheldin aus Bert Brechts wohl bekanntestem Thesenstück jederzeit unterschreiben. Sie kommt in einer Inszenierung des umjubelten Schauspielers und TV-Stars Thomas Schmauser („Bamberger Reiter“), der die abgezockte Marketenderin aus dem 30-jährigen Krieg wieder auf die Bühnenbretter hievt. „Viel bequemer ist es natürlich, auf der sicheren Seite zu bleiben, nicht zu springen, weiter zu beobachten, weiter zu schauen und nicht zu traurig zu werden, bevor man stirbt“, sagt er zu seinem Interesse an dem Stück. „Das fasziniert mich bei Brecht, dass seine Texte diesen Vergegenwärtigungsmoment, diese Gegenüberstellung wagen und sich nicht in Poesie auflösen. In den Hauptrollen: Ursula Werner, Lena Lauzemis, Peter Brombacher und Christian Löber.

Wladimir Kaminer Am 26.5. im Lustpielhaus

Coole Eltern leben länger - Wladimir Kaminer ist beim Thema Pubertät außerordentlich entspannt. Schließlich erzieht er nur in absoluten Notfällen und hält sich ansonsten an das russische Sprichwort "Wer wenig weiß, kann länger schlafen".  Er weiß also möglichst wenig, aber ein wenig weiß er schon: Ruft eines seiner beiden Kinder an, kann das nur bedeuten, dass eine Katastrophe passiert ist. Ruft es nicht an, kann das nur bedeuten, dass eine Katastrophe passiert ist. Läuft es zu lange draußen herum, ist mit Problemen zu rechnen. Sitzt es zu Hause, ist es nicht zu ertragen. Es kann innerhalb einer Stunde per Facebook alle Freunde verlieren und wieder finden. Und natürlich hat es zu allem eine andere Vorstellung als die Eltern.
 Trotzdem scheinen neuerdings weniger seine Kinder als die Katzen den Familienfrieden zu gefährden: Sie haben offenbar eine Flasche Cognac ausgetrunken, Wladimirs Zigarren aufgeraucht, idiotische Spiele auf seinen Laptop geladen, und gelernt, den Kühlschrank zu plündern. So berichten es die Kinder. Wladimir wird wohl mal ein ernstes Wort mit den Tieren reden müssen.

Ian Anderson Am 23.5. im Circus Krone

Der alte Mann und die Flöte: In Woodstock wollte Ian Anderson mit Jethro Tull nicht spielen, weil sich da nackte Frauen im Schlamm wälzen würden. Vor Led Zeppelin sei es besser zu spielen als danach, bemerkte er nun zu recht im Rückblick auf gemeinsames Touren in den USA. Und: Mr. Tull möchte er auch nicht genannt werden und eine Labour-Regierung würde das Königreich in den Ruin stürzen. Aber sonst geht’s ihm gut, dem Mister „Locomotive Breath“, der trotz aller dumm-konservativer Sprüche auch ein paar ordentlich britische Folkpop-Alben mit seiner Band produziert hat – vor fünfvierzig Jahren oder so. Aber Hits wie „Aqualung“ oder „Thick As A Brick“ sind halt dann doch recht unverwüstlich.

 

Sven Kemmler Bis 23.5. in der Lach & Schieß

Ein feines Angebot bringt der Herr Kemmler für die Premiere seiner „Englischstunde“ mit. Bei ihm kann man doch tastsächlich etwas lernen – wie man sich weltweit mehr oder weniger verständlich macht. „In der Musik schätzt man es, im Marketing nutzt man es, und im Urlaub missbraucht man es. Doch was ist es wirklich, dieses Englisch“, will Kemmler wissen. Deswegen lädt er zu einer Unterrichtseinheit, die natürlich mit Shakespeare beginnen muss und bei Eminem noch lange nicht enden darf. Sven Kemmler ist dabei stolz auf seinen Mittelnamen „Seven“, spricht er doch fünf Dialekte und bis zu acht Akzente fließend. Und von den Sümpfen Alabamas, über die Clubs im Londoner East End, von den asiatischen Straßenküchen bis hin zum Whisky-seligen Gebrumm in den Highlands ist ihm keine Betonung fremd. „Englisch ist wie ein Kleiderschrank“, erfährt man bei Kemmler. „Man kann sich zu jedem Anlass die passende Klamotte herausnehmen.“

Dr. Faust jun. Bis 23.5. in der Reithalle

Zur Faust-Figur hat natürlich jeder Theaterliebhaber seine ganz eigene Meinung. In dieser Operetten-Fassung von Florimond Ronger alias Hervé dürfte den Stoff kaum jemand kennen. Der respektlose Pariser Komponist hatte gar nicht allzu lange nach der Goethe-Uraufführung und der berühmten Opern-Fassung von Charles Gounod den alternden Gelehrten als Zerrbild eines überforderten Pädagogen auf die Schippe genommen. Faust kommt mit seinen pubertierenden Schülern kam zu Rande, besonders stark irritiert ihn die junge Margarete, die nicht mit ihren körperlichen Reizen geizt. Faust beschließt, dass er noch einmal jung sein möchte. Für die Verwandlung muss er keinen Teufelspakt schließen und Blut abdrücken. Er muss nur seinen Verstand eintauschen. Heiterkeit stellt sich ein. Rudolf Frey bringt zusammen mit dem Gärtnerplatz-Team das Lustspiel erstmalig in München zur Aufführung.

Praterstrand Auf der Praterinsel

Münchens schönster Beachclub holt seit 2013 den Sommer auf die Praterinsel. Entspannte Abende wechseln sich ab mit angesagten DJ Sessions, Firmenevents treffen auf Strandhochzeiten, Hipster auf Münchner Kindl. Ab 18. Mai gibt es auch heuer wieder bei kühlen Drinks bis September chilligen Beachclubsound auf die Ohren, für eine kulinarische Grundlage ist mit BBQ und leichter Sommerküche gesorgt. Die Betreiber der Praterinsel Eventräumlichkeiten knüpfen mit ihrem saisonalen Outdoor-Schmuckstück – einer gelungenen Mischung aus Genuss und Gespräch, Musik und Kultur für Einheimische und Touristen – an die Historie des einzigartigen Areals an. „Im 19. Jahrhundert feierten hier die Münchner in einem Tanzpavillion, später entstanden in den Gebäuden die legendären Spirituosen der Riemerschmid Schnapsfabrik. Da ist der Praterstrand nur die logische Fortführung“, schwärmt Chris Boehm-Tettelbach, der die denkmalgeschützten Gebäude mit seinem Event-Team seit Februar 2010 wieder erfolgreich mit Leben füllt. Alle Infos: www.praterstrand.de

 

Mad Max: Fury Road Jetzt im Kino

Postapokalypse. Max Rockatansky, besser bekannt als Mad Max (Tom Hardy) hat Frau und Kind verloren. Sucht Seelenfrieden. Und stößt auf die energische Furiosa (Charlize Theron), die am Steuer eines Kampfwagens durch die Wüste brettert. Sie und ihre Begleiterinnen, darunter Splendid (Rosie Huntington-Whiteley), sind dem Warlord Immortan Joe (Hugh Keays-Byrne) entkommen, der den begehrten Frauen nachstellt. Ein erbitterter Kampf auf der Straße entbrennt. AltmeisterGeorge Miller, der in den Achtziger Jahren mit der ersten "Mad Max"-Trilogie Filmgeschichte schrieb,  inszenierte dieses zügige Survivalspektakel.

 

TRAILER

Zweite Chance Jetzt im Kino

Gegen alle Vernunft. Polizist Andreas (Nikolaj Coster-Waldau) ist mit seinem Kollegen Simon (Ulrich Thomsen) unterwegs. In der Wohnung eines streitenden Junkie-Pärchens entdecken sie ein völlig verwahrlostes Baby, können aber juristisch nichts weiter tun. Kurz darauf stirbt Andreas’ eigenes Baby - am plötzlichen Kindstod. Andreas’ Frau Anne (Marie Bonnevie) droht daran zu zerbrechen. Andreas fasst einen ungeheuren Entschluss. Er tauscht die beiden Kinder. Susanne Biers wuchtiges Sozialdrama interessiert sich, wie schon „In einer besseren Welt” und „Nach der Hochzeit”, für schwierige moralische Entscheidungen, mit denen ihre Figuren ziemlich überfordert sind. Tolles Drehbuch (von ihrem Hausautor Anders Thomas Jensen), tolle Ensembleleistung, raffinierte Psychologie. Spannendes Arthouse-Kino.

 

TRAILER

Das Versprechen eines Lebens Jetzt im Kino

Weltkrieg I., revisited. Was für unsereins „Verdun“ ist für Briten und Türken „Gallipoli“ – rund 100.000 Soldaten starben ab April 1915 auf allen Seiten während der Schlacht um die Dardanellen, von wo aus die Entente von Briten, Franzosen und Russen Konstantinopel erobern wollte. Nach dem Tod seiner Frau macht sich der australische Farmer Connor vier Jahre später in die Türkei auf, um seine vermissten Söhne, oder wenigstens deren Gräber zu finden. In Istanbul findet er Hinweise, dass einer der drei noch leben könnte und macht sich auf eine abenteuerliche Reise quer durch das ganze Land. Für dieses bildgewaltige (Anti-)Kriegsdrama übernahm der australische Schauspielstar Russell Crowe erstmals die Regie und spielt überzeugend die auf ihn zugeschnittene Hauptrolle.

 

TRAILER

Hedi Schneider steckt fest Jetzt im Kino

Bloß keine Panik. Hedi, Uli und Sohn Finn sind eine glückliche Berliner Klein-Familie, die sich mit Ironie und Herzlichkeit durch den Alltag schlägt. Hedi (Laura Tonke) erlebt plötzlich Panikattacken, gerät immer weiter aus der Bahn. Sohn und Partner (Hans Löw) zeigen sich irritiert, reagieren hilflos und verlieren allmählich die Geduld. Hedis Krise gerät zur schweren Belastungsprobe für die Familie. Bei einem Urlaub in Norwegen wollen alle drei noch einmal oder wieder glücklich sein ... Sonja Heiss inszenierte definitiv keine Psychokrisen-Fallstudie, sondern eine charmante, verblüffend leichte Tragikomödie, die die Kraft der Liebe feiert. Drehbuch, Dialoge, Ausstattung, Kamera, Musik, passt alles zusammen. „Ein Glücksfall im deutschen Erzählkino, besonders wertvoll“ sagt die FBW.

 

TRAILER

Die Gärtnerin von Versailles Jetzt im Kino

Ein wenig Chaos. Gartengestaltung ist, im 17. Jahrhundert, in Frankreich, eine reine Männerdomaine. Für die aufwändige Gestaltung seiner barocken Gartenanlagen in Versailles verpflichtet König Ludwig XIV. den berühmten Architekten Le Nôtre (Matthias Schoenaerts). Der engagiert, weil er mit der Riesenaufgabe organisatorisch überfordert ist, die (fiktive) Landschaftsgärtnerin Sabine de Barra (Kate Winslet). Die setzt sich, mit ihrer offenen und ehrlichen Art, gegen alle höfischen Intrigen durch, findet im Herzog von Orléans (klasse: Stanley Tucci) einen ironischen Begleiter, im zur Melancholie neigenden Sonnenkönig (Leibrolle: Alan Rickman) einen heimlichen Gönner und in Le Nôtre ihren engsten Vertrauten. Alan Rickmans bis ins Detail ausgefeiltes Kostümstück sieht historisch aus, verschreibt sich aber, very british, ganz der gekonnten Unterhaltung – und feiert Natur, Gartenkunst und freien Geist.

 

TRAILER

Caligula Im Münchner Volkstheater

Er ging als einer der fürchterlichsten Wüteriche in die Geschichte ein. Doch wer war Caligula wirklich? Zunächst hatte die Amtszeit des römischen Kaisers ja gut, geradezu beschaulich angefangen. Die Bürger liebten ihren jungen Herrscher. Doch nach dem überraschenden Tod seiner Schwester Drusilla verfinsterte sich sein Gemüt. Düstere Gedanken und brutaler Fatalismus bemächtigten sich ihm. „Die Menschen sterben und sie sind nicht glücklich“, lautete die Weltsicht von Caligula. Er hört nicht mehr auf seine klugen Einsager, Freunde wenden sich von ihm ab und werden von ihm grausam verfolgt. Albert Camus hat sich an dem Racheengel abgearbeitet, der mit Folterungen und Hinrichtungen eine Blutspur durchs alte Rom zog. In der Inszenierung von Lilja Rupprecht spielen Max Wagner, Constanze Wächter und Jean-Luc Bubert.

Ex Machina Jetzt im Kino

Männer-Schöpfungs-Fantasien. Nathan, der mysteriöse Chef eines Online-Unternehmens hat einen intelligenten Roboter entwickelt und holt seinen Programmierer Caleb in seine hypermoderne Villa in den Bergen, um das von ihm geschaffene, mit einem sehr attraktiven weiblichen Körper  ausgestattete künstliche Wesen namens AVA eingehend zu testen. Alex Garland inszenierte ein elegantes Sci-Fi-Kammerspiel, einen subtilen Psycho-Thriller – mit falschen Fährten, fließenden Grenzen, ohne einfache Lösungen, mit tollen Schauspielern, allen voran Domhnall Gleeson, Oscar Isaac („Inside Llewyn Davis“ und „A Most Violent Year“) und Alicia Vikander. Ziemlich cooles Kino.

 

TRAILER

Big Eyes Jetzt im Kino

„Augen sind die Fenster zur Seele“. Mit der Ernsthaftigkeit eines naiven Kindergemüts erklärt Margaret (Amy Adams), warum sie den puppenartigen Kindergestalten ihrer Gemälde diese riesengroßen, traurigen, gern mit einer Träne verzierten Augen aufmalt. Kindchenschema hoch Zehn. In japanischen TV-Animationsserien sind solche Kinderpuppen-Hyperaugen heute Standard. Tennisballgroße Augen, die nicht nur herzig erscheinen, auch grotesk, erschreckend, horrormäßig, wie die toten Augen in E.T.A. Hoffmanns Erzählungen, wo das künstliche Funkeln im Auge der Automatenfrau Olimpia Beseeltheit suggeriert, Wahn und Leidenschaft hervorbringt.

 

Millionenfach vervielfältigt als Poster und Postkarten waren die Gemälde der Margaret Keane Anfang der 1960er Jahre ein kunstgewerblicher Megahit, und Tim Burton erzählt von diesem erstaunlichen, mit einem Ehekrieg verknüpften Phänomen mit größtem Vergnügen an satirischer Zuspitzung. Im Vergleich zu seinen letzten Großproduktionen wie „Alice im Wunderland“ spannt Burton hier einen bescheideneren Rahmen auf, um aber desto intensivere Charakterzeichnungen zu entwerfen und vor allem die ureigenen Themen aufzufächern: Außenseitertum, Exzentrik, Genie und Wahn, Erkundung abseitiger popkultureller Nischen.

Was kunstgewerblicher Hype vermag, hat die Fake-Doku „Banksy – Exit through the Gift Shop“ demonstriert. Am Beispiel einer Streetart, die ihre Seele verkauft. „Big Eyes“ erzählt „nach wahren Begebenheiten“ davon, wie grandioser Kitsch in einem Medienwirbel aus Hysterie, Boulevard und Lüge zum Verkaufsschlager werden kann. Eine bizarre Story, die hübsch emanzipatorisch beginnt, wenn Margaret 1958 ihrer ersten Ehe entflieht und in San Francisco den charmanten Immobilienmakler und Hobbymaler Walter Keane (Christoph Waltz) kennenlernt.

Zuerst ist es nur eine Notlüge, dass Walter die Gemälde Margarets als seine Schöpfungen ausgibt. Mit dem Verkaufserfolg aber wendet sich das Blatt. Margaret will, dass sie auch den ihr zustehenden Ruhm erntet, und Walter ist der durchgeknallte Typ Hochstapler, der seine Lügen wenigstens zur Hälfte selbst glaubt. Immerhin kämpft er tapfer für den Popart-Kunstanspruch „seiner“ Gemälde und will dem Kunstkritiker der New York Times (herrlich: Terence Stamp), der das Keane-Oeuvre als „jämmerlichen Kitsch“ niedermacht, mit einer Gabel die Augen ausstechen.

Bisweilen übertreibt Christoph Waltz seine Manierismen und malt Walter mit allzu grobem Pinselstrich zur Comic-Farce aus. Amy Adams hingegen, mit blonder Doris-Day-Frisur püppchenhaft gestylt, zeichnet ihre Margaret als nuancierte, mit naivem Augenaufschlag dargebotene Charakterstudie. Zu Recht erhielt sie dafür den Golden Globe als beste Hauptdarstellerin. Tim Burton will nicht behaupten oder suggerieren, dass Margaret als geniale Künstlerin anzusehen sei. Er blickt komplizenhaft auf diese wie besessen fabrizierende Amateurkünstlerin und enthüllt, dass in den Riesenaugen der Gemälde ein authentischer Funke von Margarets kindlich gebliebener Seele steckt. In ihrem Innern wohnt immer noch das allein gelassene, gedemütigte, traurige Kind - das aber allmählich lernt zu wachsen, zu reifen und schließlich selbstbewusst die Augen aufzuschlagen.

Rainer Gansera

 

TRAILER

The Dark Ages Im Marstall

Der kleine Kontinent kommt nicht zur Ruhe. Und das nicht nur, weil die Fronten schon wieder gefährlich frostig erkalten. Milo Rau blickt in seiner Europa-Trilogie zurück. Er will ergründen, was mit Menschen und ihren Überzeugen passiert, wenn ihre Staaten zerbrechen. Diesmal hat er sich die Phase von 1945 mit dem Untergang des Dritten Reichs bis zur Belagerung von Sarajevo im Jahr 1995 vorgenommen. Im zweiten Teil der Dreier-Reihe wird die finstere Vorgeschichte des sich unter Schmerzen vereinigenden Europas erzählt. Dabei berichten Schauspieler aus Bosnien, Deutschland, Russland und Serbien von Vertreibung, Heimatlosigkeit, dem Weggehen und nie wirklich Ankommen. Der angemessen düstere Soundtrack dazu stammt von der slowenischen Aufregerband Laibach.

Camino Real In den Kammerspielen

Ein völlig weltentrückter Ort ist der staubige Camino Real, der in einen unbestimmten Süden führt. Links und rechts der Straße stehen heruntergekommene Absteigen, Bordelle, Buden, ein verlassenes Luxushotel. Die Grenzstadt ist ein Transitort, wie man ihn aus dem Western kennt. Jenseits beginnt eine fantastische Terra Incognita, diesseits herrscht ein starres Überwachungssystem. Wer hier ankommt, ist zum Blei-ben verdammt. „Tennessee Williams gelingt es auch in diesem Stück, dass sich konkrete politische Themen seiner (und unserer) Zeit in Alpträume verwandeln“, gibt Regisseur Sebastian Nübling seiner Inszenierung mit auf den Weg. In den Hauptrolllen: Jochen Noch, Sandra Hüller. Çiğdem Teke, Stefan Merki und Wiebke Puls.

Siegfried Im Münchner Volkstheater

Christian Stückl hat  wieder mal eine Premiere am Volkstheater. Von Ritterehre, höfischem Benehmen und edler Minne ist wenig zu finden in Feridun Zaimoglus und Günter Senkels Neubearbeitung der Siegfried-Sage. Dabei hält sich das Autorenteam durchaus an die historische Vorlage, die ja auch nicht gerade zimperlich mit Verrat, Vergewaltigung und Mord umgeht. Doch so schonungslos wie hier wurden die Protagonisten des größten deutschen Heldenepos wohl noch nie ihrer Vorbildfunktion entkleidet. Getrieben von Machtgier und Geltungssucht, morden, vögeln und fressen sie sich ihrem eigenen Untergang entgegen. Die Lichtgestalt Siegfried ist ein tumber – aber sehr viriler – Muskelprotz, sein Gegenstück Brunhild eine blutrünstige Barbarin. Von jeder Patina befreit, zeigt die Neufassung des Mythos eine von Rücksichtslosigkeit und Brutalität gezeichnete Gesellschaft. In den Hauptrollen: Jakob Geßner, Jona Bergander und
Magdalena Wiedenhofer.

Jagdszenen aus Niederbayern In den Kammerspielen

Man besucht sich, man pflegt den Austausch. Wie schön. Martin Kušej, seines Zeichens Hausherr am Bayerischen Staatstheater, wechselt die Straßenseite und inszeniert Martin Sperrs wüstes Bauerntheater.  Abram ist wieder zurück ins Dorf gekommen, nachdem er in der großen Stadt im Gefängnis war. Doch willkommen ist er nicht, das findet sogar seine Mutter. Nur Tonka, die alle die Dorfschlam­pe nennen, will, dass der bleibt. Denn sie ist schwanger. „Ich komme aus exakt einem solchen Dorf und kenne das alles zu genau“, so Kušej. „Ich habe diese drückende Atmosphäre mit der Milch mitbekommen: die bedrohliche Enge, die ewig gleichen Vorurteile, die korrupte Verlogenheit, die bigotte Frömmigkeit. Besonders spannend finde ich das Uneindeutige der Figuren“, sagt er über Sperrs einstiges Skandalstück. „Man versteht nie wirklich, wie sie eigentlich sind: schlampig oder brav, schwul oder nicht, anständig oder verräterisch.“ In den Hauptrollen: Katja Bürkle, Christian Löber, Silja Bächli und Michael Tregor.

Torquato Tasso Im im Residenztheater

Manchmal möchte man dem Antike-verliebten Dichter Torquato Tasso gerne über das staubige Haupt streicheln. Er machte sich das Leben am Hof des Fürsten von Ferrara auch gar zu schwer. Eben erst hat er sein Opus Magnum fertiggestellt, schon sticht ihn der Hafer. Er legt sich mit dem Diplomaten Antonio an und wird mit Hausarrest bestraft. Schlimmer noch: Plötzlich merkt der sensible Dichter, den Goethe so treffend traf, dass er doch nur ein Unterhaltungsdienstleister ist. Selbst wenn er zornig den Hof verlässt, erhält er sein Manuskript nicht mehr zurück. Das hat sich der Herrscher unter den Nagel gerissen. Menno! Regie führte Philipp Preuss. In den Hauptrollen: Valery Tscheplanowa, Sibylle Canonica, Nora Buzalka und Norman Hacker.

Maria Stuart In den Kammerspielen

Einen Klassiker nimmt sich Regie-Wüterich Andreas Kriegenburg mit Friedrich Schillers Drama vor. Darin lässt Herrscherin Elisabeth I, die sich von ihrer schottischen Gegenspielerin auf so vielen Ebenen – politisch, religiös, aber auch in ihrer Sexualität – herausgefordert fühlt, noch ein wenig zappeln. Aber dann setzt sie doch die Unterschrift unter das berüchtigte Dokument – und lässt Maria zum Schafott führen. "Man findet bei Maria Stuart fast keine wirkliche Nähe zwischen den Figuren. Wann immer scheinbar doch eine Nähe entsteht, geschieht dies im Zuge des Versuchs der Manipulation. Jeder versucht, den anderen in die eigenen Intrigen und in das Bild des eigenen Machtkampfes einzubauen", so Kriegenburg. In den Hauptrollen: Walter Hess, Brigitte Hobmeier, Annette Paulmann, Oliver Mallison und Jochen Noch. 

Nathan der Weise Im Münchner Volkstheater

Dieses Stück muss jetzt unbedingt gespielt werden. Weil so oft nur noch Märchen helfen, die hoch erhitzten Gemüter wieder runterzukühlen. Nathan der Weise weiß, wie man’s macht. Er erzählt einfach eine Geschichte – die weltberühmte Ringparabel – und zieht sich bei der immer schon bangen Frage, welche der Weltreligionen nun die vermeintlich „richtige“ ist, geschickt, aber sehr nachvollziehbar aus der Affäre. Intendant Christian Stückl hat den Verständnisklassiker von Gotthold Ephraim Lessing wieder aus dem Regel geholt und muss dabei gar nicht mal so viel Staub vom Reclam-Heftchen blasen. Man kann ihm dafür nur dankbar sein. In den Hauptrollen: Pascal Fligg,  Sohel Altan G.,  August Zirner und Constanze Wächter

Und jetzt: Die Welt! Im Münchner Volkstheater

Ist der Furor längst verraucht? Nicht wirklich. Nur die Umstände haben sich geändert, wie Sibylle Berg klug bemerkt hat. Ihr aktuelles Stück erzählt von Akademikern, die in prekären Verhältnissen aufwachsen, weil schon wieder mal ein Praktikum nichts gebracht hat. Nun müssen die jungen Dinger selbstgekochte Drogen im Internet verkaufen, Mode-Blogs vollschreiben und ihren Marktwert im Fitnessstudio hochtreiben, obwohl ihnen doch der Hochleistungskapitalismus zuwider ist. Eine junge Frau bilanziert ihren Frust-Lebensweg – von der Jugend-Gang zum friedlichen Yoga, vom unbeholfenen Knutschen im Zeltlager hin zu den weiterhin unentschlossenen Sexperimenten mit Männern und Frauen, von den hochflie­genden Idealen zum furztrockenen ­Pragmatismus. Die Generation 20+ schwankt – zwischen Aggression und Apathie, zwischen Aufbrauch und Abgeklärtheit.

Exiles In den Kammerspielen

James Joyce ist mit wuchtigen Wälzern wie „Ulysses“ und – noch furchterregender – „Finnegans ­Wake“ bekanntlich der Schrecken aller Englisch-Hauptseminare. Was nur wenige wissen: Der irische Schriftsteller, wichtigster Miterfinder der Moderne, schrieb aber auch dieses vergleichsweise klassische Theaterstück. Darin lernt man den Schriftsteller Richard kennen, der nach fünf Jahren in Rom wieder in seine Heimat nach Dublin zurückkehrt. Dort muss er feststellen, dass sein Jugendfreund Robert nicht nur zu Besuch kommt, sondern seiner Frau Bertha schon lange ziemlich nahe steht. Richard findet heraus, dass Robert über Jahre hinweg ziemlich intime Brief an Bertha geschrieben hat. Nun steht eine Entscheidung an. „Joyce thematisiert, was auf den ersten Blick banal erscheint“, sagt der Regisseur Luk Perceval zur letzten Kammerspiele-Premiere dieses Jahres. „Der Alltag verführt zum Machtspiel. Wie weit kann man gehen, ohne den Anderen allzu sehr zu verletzen? Wie groß ist die Angst, in der Suche nach Freiheit die erkämpfte Geborgenheit und Nähe zu verlieren? Das Stück regt an, darüber nachzudenken, wie man liebevoll zusammenleben kann.“ Was könnte schöner zu Weihnachten passen?

Kasimir und Karoline Im Münchner Volkstheater

Verhängnisvoll durcheinander geht es bekanntlich in diesem legendären Volksstück, das Ödön von Horváth vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise spielen ließ. Das junge Titel-Paar steht kurz davor, sich unglücklich zu machen. Ein gemeinsamer Wiesn-Besuch ist dabei wirklich nicht die beste Idee. Kasimir ist zudem selten schlecht drauf, hat er doch eben erst seine Arbeit verloren. Prompt kommt es, wie es kommen muss: Auf der Festwiese erkennt der Zuschneider Schürzinger seine Chance, sich an Karoline ranzuwanzen. Und Kasimir gerät an seinen Spezl Merkl Franz, der ihn zu einer Alternativ-Karriere auf der schiefen Bahn verführen. Regie führte Hakan Savaş Mican und in den Hauptrollen sind Jean-Luc Bubert, Xenia Tiling und Pascal Riedel zu sehen

Warum läuft Herr R. Amok? In den Kammerspielen

Alltag in der Hölle. Vom Ausbruch aus der geordneten Bürger-Spießigkeit, von der jähen Generalabrechnung mit dem immer brav Funktionieren, erzählte  Rainer Werner Fassbinder in seinem beklemmenden Filmklassiker. Darin lernt man einen Durchschnittsmann kennen, der immer nur versucht, den Ansprüchen an ihn gerecht zu werden und dadurch jäh in einen Abgrund von Leere stolpert. Am Schluss wird aus dem kleinen Menschen ein Monstrum, das zuerst seine Familie, dann sich selbst auslöscht. Die Regisseurin Susanne Kennedy hat den weiterhin stark irritierenden Stoff auf die Bühnenbretter gehievt.In den Hauptrollen:  Walter Hess, Christian Löber, Anna Maria Sturm und Çiğdem Teke.

Peer Gynt Im Residenztheater

Auf klassisches Bildungsgut greift Regisseur David Bösch in seiner Inszenierung zurück. Er lässt in dem Henrik-Ibsen-Stück den Sinnsucher seine norwegische Heimat verlassen, nach Amerika (wieder mal) aufbrechen, wo er Großreeder wird. Doch den Rastlosen hält es nicht lange. In Afrika träumt er von Wüstensiedlungen, er versteigt sich in Propheten-Anwandlungen – und endet schließlich in einer Irrenanstalt in Kairo. Wieder einmal war ein Kern-Forscher unterwegs. Peer Gynt will wissen, warum die Zwiebel, die so viele Schalen hat, nur aus Häuten, aber eben aus keinem Inneren besteht. Das erinnert an Goethes „Faust“ und ist nicht minder aufregend. Gespielt wird der Titelheld von Shenja Lacher – an seiner Seite unter anderem Sibylle Canonica und Michele Cuciuffo.

Woyzeck Im Münchner Volkstheater

Immer nur Erbsen essen. Dann auch noch herumgeschubst und erniedrigt werden. Der junge Franz Woyzeck, der eigentlich aufrichtig, geradlinig und ehrlich durchs Leben gehen wollte, hält sich und seine Freundin Marie mit diversen Jobs über Wasser. Am prekären Rand der Gesellschaft ist er dem ständigen Druck und Wohlwollen von Vorgesetzten und Bessergestellten ausgesetzt. Und dann bewahrheitet sich auch noch der schlimmste Albtraum: Das Testosteronmonster Tambourmajor hat doch tatsächlich Marie verführt. Kein Wunder, dass Woyzeck die Hutschnur platzt. Abdullah Kenan Karaca hat Georg Büchners schauerliches Kleiner-Mann-Drama neu aktualisiert. Schlimm bleibt alles. In den Hauptrollen: Sohel Altan G., Magdalena Wiedenhofer, Silas Breiding und Pascal Fligg.

 

AKTUELLES HEFT
Do 14. Mai 2015 -
Mi 27. Mai 2015
MODIMIDOFRSASO
   14151617
18192021222324
252627    

VERLOSUNGEN
Mi Carmen Flamenca - 17.6. Deutsches Theater
Carmen, die Unbeugsame, geht lieber in den Tod, als zu lüge... MEHR
IN MÜNCHEN TICKET
Lifehouse • 23.09.2015 • Kesselhaus