Gastro-Kritik

JaVi: Ganzjährige Kirschblüte

Restaurant JaVi in der Schleißheimer Straße

Sehr unterschiedliche Küchen pflegt man in Japan und Vietnam – im JaVi in Schwabing kommen sie zusammen, wenn auch nicht auf dem Teller.

Sie fallen ins Auge, sobald man den großen, hellen Raum betritt: zwei wunderbare rosafarbene Kirschblüten-Bäumchen, die sofort, wie von einer magischen Hand, ein Lächeln auf das Antlitz der Besucher zaubern. Dass das wohl berühmteste japanische Blattwerk auch im Winter blüht, hat einen Grund – nur der Stamm ist echt, die Blüten eine fast perfekte Imitation dieses Wunderwerks der Natur. Inspiriert von Sakura, der japanischen Kirschblüte, soll das Ambiente des Restaurants in Nordschwabing das ganze Jahr die Gäste in den Zauber des japanischen Kirschblütenfestes versetzen.

Beim Interieur kontrastieren edle dunkle, warme Hölzer mit den hellen, zarten, Pastellfarben der Kirschblüten wie beim japanischen Yozakura – abendlich angestrahlte Baumkronen, die die Blütenpracht im Dunkeln noch verstärken. Diese Ästhetik setzt sich auch beim Geschirr und nicht zuletzt den Gerichten fort, auch hier herrscht ein wunderbares Farbenspiel und was noch viel wichtiger ist – es schmeckt.

Sushi-Kunst

Die Karte versammelt bekannte Gerichte aus den beiden Ländern: neben Edamame, Gyoza, Ramen- und Miso-Suppen steht hier ganz klar Sushi im Mittelpunkt der japanischen Sektion, also muss das auch probiert werden. Ein bisschen ausgefallen darf es schon sein und die Wahl fällt auf „Sake Hifu“ mit Tobiko, das sind Inside Out-Maki-Rollen (8 Stk./8,80), gefüllt mit angebratener Lachshaut, Gurke und japanischer Mayonnaise, gewendet statt in Sesam in Lachskaviar.

Restaurant JaVi in der Schleißheimer Straße

Was soll man sagen, allein der Anblick ist schon ein Genuss, hier noch ein paar Kräuter zum Rettich-Haar, frischer Ingwer und dann die Rollen selbst: die Wärme der frisch angebratenen Haut kontrastiert bestens mit dem Reis und der Mayonnaise, man hat fast schon vergessen, wie diese zum Fast Food verkommenen kleinen Kunstwerke auch schmecken können, wenn Profis am Werk sind. Sushi mit gebratener Lachshaut ist immer zu empfehlen, in dieser warmen Version allerdings unschlagbar. Ebenfalls sehr gelungen war eine (mittlerweile unvermeidliche) Schieferplatte namens „Matsudo“ mit Lachs-, Thunfisch-, Wolfsbarsch- und Scampi-Nigiri, California-, Lachs- und Avocado-Maki (16 Stk./15,90).

Gyoza und Wantan

Außerdem gab es noch ein Körbchen mit gemischten Dumplings und Teigtaschen (8.80), hier waren unter anderem „Wantan Chien“, gefüllt mit Garnelen, „Gyoza“ mit Hühnchen und Gemüse, „Siu Mai“, gefüllt mit Schweinefleisch und Garnelen und „Ha Cao“, gedämpfte Teigtaschen mit Garnelen sowie ein bisschen Salat und zwei hausgemachte Dips versammelt. Alles bestens und frisch sowie sehr schön angerichtet. Das galt auch für das Sashimi mit jeweils fünf Stücken Lachs und Thunfisch von sehr guter Qualität, dazu „Goma Wakame“ (Seealgensalat) und Avocado (21,50).

Vietnamesische Völkerkunde

Nun geht die Reise weiter nach Vietnam: auch hier steht natürlich die berühmte Pho Bo-Suppe (13,80) auf der Karte, die in einer Riesenschale mit Holzlöffel aus dem Völkerkundemuseum serviert wird. Zur sehr schön angerichteten und nach Hausrezept zubereiteten Rindfleischsuppe mit Reisbandnudeln, Rindfleisch in Scheiben, Koriander, Frühlingszwiebeln und Sojasprossen werden frische Kräuter, Chili und Hoisin-Soße gereicht. Toller Genuss, reicht von der Portion her fast für zwei, ist aber blöd zu teilen. E

benfalls gut schmeckte das auch recht bekannte Gericht „Bo Sot Hao“ von der Mittagskarte (9,80), dahinter verbirgt sich geschnetzeltes Rinderhüftsteak aus Argentinien mit knackigem Gemüse, Salat und Reis in einer pikanten, würzigen Austernsauce. Zu trinken gab es nach einem „Javi Lung Ling“, ein erfrischender Prosecco-Aperitif mit Vanillesirup auf Eis (5,50), Augustiner-Bier (4,20) und ein vernünftig kalkulierter und gut trinkbarer Custoza (0,5 l zu 12 Euro).

Fazit: wer auf japanische und vietnamesische Küche steht, ist hier auch preis-leistungsmäßig in diesem schönen und modernen Restaurant bei gutem Service bestens aufgehoben. Das weiß auch die kulinarisch in diesem Teil Schwabings nicht unbedingt verwöhnte Nachbarschaft, eine Reservierung empfiehlt sich.

Autor: Rainer Germann

JaVi, Schleißheimer Str. 182
Mo-So: 11.30 bis 14.30/17.30 bis 23 Uhr, Tel.: 089 306 667 70

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