Belforte: La Dolce Vita

Belforte: La Dolce Vita

Tagescafé, Aperitivo-Bar und moderne Trattoria: Das Belforte am Gärtnerplatz zelebriert italienische Lebenskultur

Eine Lokalität, in der moderne Cantautori wie Calcutta und Andrea Laszlo de Simone laufen, kann nicht verkehrt sein, denkt sich der Autor. Außerdem kennt er den Wirt schon länger: Romeo Erik Kertella betreibt zusammen mit Klaus Dubinin seit über 20 Jahren die Burg Pappenheim, ein gut gehendes bayerisches Wirtshaus in der Baaderstraße. Als Erik vor über zwei Jahren beschloss, sich mit einer italienischen Lokalität „seinen persönlichen Lebenstraum“ zu erfüllen, war der Grundstein für das Belforte gesetzt.

Belforte (c) Rainer Germann

Die kulinarische Richtung stand fest: Kertella stammt aus der albanischen Hafenstadt Durrës, mit 14 ging es via Italien nach München; seit er 16 ist, lebt der Mitvierziger nun mit Frau und drei Kindern an der Isar. Die Jahre in Italien hätten ihn nachhaltig geprägt, was Genusskultur betrifft, erzählt er. Und nicht irgendwo sollte sein Lebenstraum stattfinden, sondern an prominenter Stelle, direkt am Gärtnerplatz. In der Lokalität war früher das „Interview“ angesiedelt, später das „Box“ und zuletzt das „Sankt Annas“. Zwei Jahre harte Arbeit folgten für Kertella, bis alle Genehmigungen und Umbauarbeiten unter Dach und Fach waren.

Belforte (c) Rainer Germann

Der absolute Blickfang ist ein eindrucksvolles Wandgemälde der französischen Künstlerin Florence Bamberger. Es zeigt mediterran-münchnerische Szenen in einem freigeistigen Antikstil und nimmt fast den halben Raum der von großen Fenstern eingefassten Lokalität ein. Holzpaneele, runde Lampen, große Spiegel, eine gut sortierte Bar – helles Holz und nackte Wände waren gestern. Das Belforte reiht sich (Design: Shirvani & Oesterle) in einen neuen Look in der Münchner Gastronomie ein, der seine Wurzeln in den vornehmen Hotelbars der späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahre hat.

Erste gastronomische Schritte hat Kertella bei Pippo Coluso in der Trattoria „Alba“ in Bogenhausen unternommen – ein „Old-School“-Italiener sei das gewesen, bei dem man viel lernen konnte. Auch das Belforte ist in der Küche rein italienisch besetzt – auf Einladung des Hauses wurden mehrere Exkursionen durch die Speisekarte unternommen. Los ging es mit einem Special: Beim „Pre-Theater-Dinner“ werden von Dienstag bis Samstag von 16.30 bis 18.30 Uhr Aperitivo, Piatto di giorno und Dolce zum Preis von 29 Euro angeboten; der Tisch ist dann bis 19 Uhr reserviert, danach geht es direkt ins gegenüberliegende Gärtnerplatztheater. Eine gute Idee, da man sicher sein kann, pünktlich zur Vorstellung zu kommen. Zum Essen gab es unter anderem ein sehr gelungenes Vitello Tonnato, bei dem endlich einmal nicht das Fleisch in der Thunfischsoße ertränkt wurde; auch die Parmigiana mit einer schön süßen Tomatensoße konnte – wie der dazu gereichte Weißburgunder aus der Pfalz – vollauf überzeugen.

An einem anderen Abend dann ein schönes Menü: Los ging es zu einem Verdicchio dei Castelli di Jesi „Le Veglie“ von Antonucci (35) aus den Marken mit Salmone marinato con finocchio e arancia (21) – die Interpretation eines sizilianischen Salats mit gebeiztem, in Rote Bete mariniertem Lachs. Eine ordentliche Portion, die Brom- und Himbeeren dazu hätte es nicht gebraucht, sehen aber gut aus. Danach ein Klassiker aus den Achtzigern, passend zum Interieur: „Spicy Paccheri alla Vodka“ (16) – die neapolitanische Hausnudel wurde vom apulischen Koch mit einer schön cremig-sahnigen Tomatensoße und Burrata serviert.

Das Belforte bezieht seine Zutaten vor allem aus einem Netzwerk von „Spezialisten“, wie Erik schmunzelnd versichert. Zum Beispiel „Mimmo Salsiccia“, der wie auf Bestellung gerade vorbeikommt und auch diverse andere italienische Lokalitäten in der Stadt mit seiner köstlichen Wurst versorgt. Der Höhepunkt dann zu einem Gläschen Rosso di Montalcino: Das Ossobuco alla Milanese con Risotto allo Zafferano (29) ist ein Lieblingsgericht des Schreibenden und konnte sich unter die besten bisher auswärts genossenen oder selbst fabrizierten Versionen einreihen. Bravo.

Fazit: Tagescafé, Aperitivo-Bar und moderne Trattoria – hier könnte man einen ganzen Tag verbringen. Das Essen schmeckt richtig gut, kostet sein Geld, ist aber für die Qualität nicht überteuert. Bald soll es Aperitivo wie in Italien geben – ein Spritz für 6,90 Euro und die Häppchen dazu gratis. Ebenfalls unbezahlbar: Man sitzt in einem stylischen Ambiente ohne Chichi und blickt auf einen der schönsten Plätze der Stadt – la dolce vita è bella.

  • Name: Belforte
  • Adresse: Gärtnerplatz 1, 80469 München
  • Öffnungszeiten: Mo-Mi: 10 bis 24/Do, Fr bis 1/Sa: 9 bis 1/So: 9 bis 23 Uhr
  • Webseite: www.belforte.de