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Musikerinnen Hanika Straub Banez: „Wichtig, Musik mit Haltung zu machen“

Musikerinnen Hanika Straub Banez
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Durchhalten zahlt sich früher oder später aus: Hanika Straub Banez

Drei Frauen, eine Mission: Miriam Hanika, Sarah Straub und Tamara Banez spielen beim Liedermachen ihre Stärken aus. Jetzt gibt’s das erste Album.

Liebe Frau Hanika, liebe Frau Banez, liebe Frau Straub, gemeinsam ist man stärker, heißt es ja. Und die Devise passt auch bestens zu Ihrem Musikprojekt. Trotzdem: Wie viel Mut braucht es eigentlich, sich als sonst doch eher eigenständige Künstlerin auf so ein Drei-Frauen-Zusammenwirken einzulassen?
Das mit dem Mut ist so eine Sache: Natürlich haben wir alle drei in der Vergangenheit auch schon schlechte Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen gemacht und überlegen uns daher, mit wem wir zusammenarbeiten und mit wem nicht. In unserem Fall war es aber sonnenklar: Da war die Begeisterung so groß, dass sich die Frage gar nicht gestellt hat. Wir haben uns auf Anhieb super verstanden und bei unserem ersten Mal gemeinsam auf der Bühne gleich so gut harmoniert, dass es für jede von uns klar war, dass wir was zusammen machen wollten.

Ihr gemeinsames Album erscheint auf dem Label Sturm & Klang von Konstantin Wecker. Wie zu hören ist, soll der Sie ja auch einst eher spontan zusammengebracht und zu einem Bandprojekt animiert haben. Wie muss man sich das genau vorstellen?
Ja, Konstantin Wecker hatte uns 2020 zu einem gemeinsamen feministischen Konzertabend eingeladen, zu einem Band-Projekt hat er uns allerdings nicht animiert. Wir waren als Solokünstlerinnen* dort und eine Kooperation war erst mal nicht geplant. Wir Mädels* fanden die Idee allerdings reizvoll, einige Stücke gemeinsam zu interpretieren bzw. Backgroundgesang zu den Stücken der jeweils anderen vorzubereiten, um den Abend abzurunden und zu zeigen, dass wir einander zugewandt waren. Und obwohl wir zeitbedingt zuvor keine einzige Probe zu dritt hatten, hat das dann so gut funktioniert und vor allem dermaßen viel Spaß gemacht, dass wir uns direkt nach dem Konzert entschlossen haben, ein Trio zu gründen. Man muss auch dazu sagen, dass jede von uns vom Stil und Können der jeweils anderen beiden total beeindruckt war. Und auch menschlich hat’s von Anfang an gepasst. Konstantin, der an dem Abend dann verhindert war, hat das Konzert im Stream mitverfolgt und war selbst hellauf begeistert. Entsprechend hat er unsere Entscheidung natürlich sehr begrüßt und hegt jetzt große Hoffnungen für Hanika Straub Banez.

Wie wichtig ist es Ihnen, als eine Bezugsperson Konstantin Wecker mit im Umfeld zu haben und in wie weit kann seine Größe gelegentlich auch etwas einschüchternd oder erdrückend wirken?
Zunächst sollte man festhalten, dass wir alle drei ausgebildete Musikerinnen* mit langjähriger Berufserfahrung sind. Konstantin ist uns als Mentor und Freund natürlich wichtig, aber auch vor der Zeit bei Sturm & Klang ist jede von uns bereits ihren Weg als Musikerin* gegangen. Allein deshalb empfinden wir Konstantin schon nicht als einschüchternd oder gar erdrückend. Aber das eigentlich Schöne ist, dass er selbst das auch so sieht: Bei allem Entwicklungspotential nimmt er uns als Kolleginnen* auf Augenhöhe wahr. So entsteht ein sehr fruchtbares Feld des gegenseitigen Austauschs. Wir lernen voneinander, sowohl musikalisch (Konstantin hat z.B. große Freude an Kooperationen - auch im Bereich der elektronischen Musik), als auch inhaltlich in Diskussionen und wachsen so miteinander.

Sie haben ja teilweise ganz unterschiedliche Hintergründe: Wie kommt man denn dann ganz konkret zusammen ans Musikmachen, wer gibt den Ton an, wer treibt Ideen weiter, wie teilen Sie sich auf?
Was uns alle drei verbindet ist das Songwriting am Klavier, der Gesang dazu und die Freude an guter Musik. So haben wir trotz unserer Unterschiede immer eine gemeinsame Basis. Ideen für Songs, Arrangements, Auftritte etc. kommen von jeder von uns. Das ist ja genau der Vorteil daran, dass jede auch eine eigenständige Solomusikerin* ist. Aber natürlich haben wir unterschiedliche Stärken (die eine ist strukturierter, die andere hat mehr Spaß an Social Media etc.) und teilen uns anfallende Aufgaben entsprechend auf - bzw. auch einfach danach, wie es gerade zeitlich geht. Ansonsten kommunizieren fast täglich per Chat oder Sprachnachrichten. Das ist wirklich praktisch und neben dem inhaltlichen Austausch auch einfach superlustig und bestärkend. Und natürlich treffen wir uns immer mal wieder. Aber vorab schicken wir uns Aufnahmen neuer musikalischer Ideen bzw. Stücke zum Proben zu und jede arbeitet erstmal für sich. Meist haben wir dann noch eine Probe zu dritt vor einem Auftritt und dann geht’s auf die Bühne oder ins Studio.

Das Ergebnis ist bestechend und spricht für sich. Und vieles wirkt von Leichtigkeit getragen. Aber mal ganz ehrlich: Das muss doch hinter den Kulissen ab und an auch ganz schön gekracht oder geraucht haben, oder?
Das könnte man meinen. Aber tatsächlich - und da sind wir uns einig - ist es für uns ein einmaliges Erlebnis, wie harmonisch das Ganze zwischen uns abläuft. Man bekommt ja gerade als Frau so Einiges erzählt, wenn es um den Arbeitsmarkt geht… Einerseits braucht man natürlich schon eine klare Haltung und ein starkes Selbstbewusstsein, um sich in einer Männerdomäne wie dem Musikbusiness durchzusetzen. Andererseits wird Frauen deswegen oft nachgesagt, keine „potentiellen Konkurrentinnen“ neben sich zu dulden, wenn sie sich einen Platz dort erkämpft haben. Das ist ein Klischee, denn letztlich wird das mit der Gleichberechtigung doch viel einfacher, wenn wir Frauen* uns verbünden und zusammenstehen. Und es macht viel mehr Spaß!

Klingt gut.
Das ist auch das Credo von Hanika Straub Banez. Entsprechend ist bei uns super viel Wertschätzung zu spüren. Wir unterstützen uns gegenseitig, bei allem was da so an Aufgaben und an Hürden des alltäglichen Lebens kommt. Natürlich gibt es in jeder Formation auch mal unterschiedliche Ansichten, das ist ja – gerade wenn es um künstlerische Belange geht – auch etwas Positives. Aber uns war von Anfang an klar, dass wir zusammenhalten wollen und werden.

Glücksfall.
Vielleicht funktioniert es auch deshalb so gut, weil wir nicht auf Biegen und Brechen versuchen, gemeinsam Etwas zu sein, sondern weil jede* eben das sein darf, was sie ist und von den anderen auch so gelassen wird. Letztendlich ist es ja immer fehlende Akzeptanz, die in Gruppen dazu führt, dass es Spannungen gibt.

Das einfühlsame, engagierte Songschreiben, vor allem solches mit echter Politbotschaft, wirkte ja eine Zeitlang wie abgemeldet und wurde von Spöttern belächelt – und doch war Musik mit Haltung nie wichtiger. Sind harte, bewegte Zeiten, gute Zeiten für Liedermacherinnen?
(*schmunzel*) Wenn wir Musik hätten machen wollen, die Massen erreicht, dann wären wir keine Liedermacherinnen* geworden... Vielleicht sind die Zeiten für Liedermacher*innen bezogen auf den oberflächlichen und vor allem schnellen Erfolg nicht die Besten, aber Input und Notwendigkeit gibt es auf jeden Fall genug.

Verstehe.
Es gibt in jeder Bewegung auch immer ein Auf und Ab. Ja, gerade deutschsprachige Musik mit tieferem Inhalt und dem Versuch, diese Sprache in all ihrer Schönheit zu verwenden, hat es in den letzten Jahrzehnten echt schwer gehabt. Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der alle Menschen an der Grenze zur Reizüberflutung stehen. Das heißt, Extreme, wie zum Beispiel die eher sanfte Neoklassik und der immer lauter werdende Mainstream, haben da einfach erstmal bessere Chancen. Gleichzeitig ist es tatsächlich nie wichtiger gewesen, Musik mit Haltung zu machen und auch dabei zu bleiben. Denn wir leben in einer komplexen Zeit, die mitunter dazu verleitet, einfache Antworten zu suchen. Da sollte man seine Stimme schon auch klar und deutlich für „die gute Sache“ erheben. Es muss allerdings nicht immer hoch politisch sein. Aber dass die großen Fragen der Menschlichkeit, über die Üblichen hinaus, in der Musik ihren Ausdruck finden, ist unverzichtbar, denn diese Themen machen uns aus.

Wie groß ist Ihre Hoffnung, mit den Songs nicht nur zu unterhalten, sondern auch Denkprozesse und bestenfalls sogar so etwas wie Veränderungen auszulösen? Oder ist das zu viel verlangt?
Natürlich ist das letzten Endes der Wunsch an unsere Musik. Es ist aber auch immer die Frage, was man unter Unterhaltung versteht. Unterhalten werden ist ja erstmal nichts Negatives, und man will ja die Menschen nicht langweilen oder am laufenden Band überfordern, wenn man auf einer Bühne steht. Aber es gibt Kunst, die macht uns zusätzlich aufmerksam, die verändert uns und unser Leben. Wenn wir das mit unseren Liedern schaffen, ist das natürlich noch mal etwas Anderes, als Menschen „einfach nur“ zum Lachen oder zum Weinen zu bringen.

Sie bringen das neue Album jetzt auch unter die Leute: Wie wichtig ist das Live-Erlebnis für Sie und das Publikum – und wie groß die Erleichterung, dass endlich wieder mehr möglich scheint?
Musik ist nicht dazu da, um sie nur in den eigenen vier Wänden zu spielen. Wahrscheinlich gehen die meisten Musiker*innen erstmal mit, wenn man sagt, dass der Schaffensprozess eine ganz wundervolle Phase ist. Man kann das Gefühl, wenn man seine eigenen Gedanken und Emotionen in Musik umwandelt, nur sehr schwer beschreiben - es hat etwas von einem extrem guten Rausch. Trotzdem kommt der Punkt, an dem dieses Gefühl abebbt - dann muss man damit auf die Bühne.

Das Live-Erlebnis ist wie eine weitere Stufe, denn jetzt teilt man das, was man da geschaffen hat. Dass wir das, seit nunmehr fast zwei Jahren, nur sehr bedingt können, war ein Einschnitt in unserem Leben, für jede Einzelne von uns. Wahrscheinlich haben wir nicht als Einzige durch die Pandemie einmal mehr verstanden, wieviel uns jedes einzelne Konzert bedeutet. Jeder Schritt in Richtung Normalzustand ist für uns momentan ein Hoffnungsschimmer, allerdings kann man noch nicht von einer wirklichen Erleichterung sprechen.

In der Tat, leider.
Die Zahlen sind wieder sehr weit nach oben geklettert, und entscheidend ist leider auch, dass viele Veranstalter, wenn deren Bühnen denn überhaupt noch existieren, noch mindestens ein Jahr mit Nachholkonzerten beschäftigt sein werden. Das macht es natürlich zusätzlich schwer zu planen. Aber wir geben nicht auf, denn schließlich haben wir über die Jahre alle drei gelernt, dass sich Durchhalten früher oder später auszahlt - jetzt machen wir das gemeinsam und das ist eine echte Bereicherung.

Interview: Rupert Sommer

Alle Infos zum Album „Sie, du und ich“ sowie zu den Auftritten von Miriam Hannika, Sarah Straub und Tamara Banez: www.hanikastraubbanez.de

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