Furiose Paarungen und großartige Solo-Programme erwarten uns
— Beide konnten wir jüngst erst in München erleben, beide stehen für die hohe Kunst der Improvisation, für Musik, die vieles dem Zufall, der Magie des Moments überlässt, dabei hoch konzentriert und zielge- richtet ist. Wenn Jordina Millà Klavier spielt, dann meist „ganzheitlich“. Sie steht oft mehr als sie sitzt, weil sie die Saiten des Flügels präpariert, an ihnen zupft, sie betrommelt und mit diversen Utensilien auf ihnen hin und her gleitet. Die Katalanin lässt ein faszinierendes Sounduniversum entstehen. Die in Berlin lebende argentinische Tenoristin Camila Nebbia ist von äußerst zierlicher Statur, holt aber ein unglaubliches Volumen aus ihrem Instrument. Ihr Spiel: strukturiert wie frei, mal tough und gnadenlos, mal von ätherischer Zartheit. Umwerfend. Diese beiden jungen Ikonen der improvisierten Musik treffen nun in der Seidlvilla aufeinander, bei „Jazz+“, einer Reihe die verlässlich für höchste musikalische Qualität steht (14.4.).
Jordina Milla kommt in die Seidlvilla
„In Schwarz und Weiss – zu vier Händen an zwei Klavieren“ steht als Titel über einer Veranstaltung im Schwere Reiter. Das Besondere: an beiden Abenden machen sich zwei Paarungen über die einander geschobenen Flügel her: jeweils eine aus dem Bereich Klassik und eine aus der Welt der Improvisatoren. Dem Gespann Sophie Raynaud/Jean-Pierre Collot folgt das estnisch-deutsche Duo Kirke Karja/Felix Hauptmann. Tags drauf werden die Tastaturen erst von Sophie & Vincent Neeb in Beschlag genommen, ehe Rieko Okuda und Achim Kaufmann möglicherweise auch das Innenleben der Instrumente nutzen (22. + 23.4.). /// Vor der in Brooklyn lebenden Schweizer Pianistin Sylvie Courvoisier kann man sich nur tief verneigen. Mit vielen Projekten lotet sie das Spannungsfeld zwischen avanciertem Jazz und zeitgenössischer Klassik aus. Stets sind die Grenzen zwischen komponierter Strenge und improvisatorischer Freiheit fließend, stets vermag sie berückende Klangbilder entstehen zu lassen, oft von geradezu mystischer Note. Jetzt stellt die Eidgenössin ihr Allstar-Quartett Amalthea vor, benannt nach der Nymphe, die den späteren Olymp-Herrscher Zeus mit Ziegenmilch aufpäppelte. Ob die auch in der Unterfahrt serviert wird, wenn Courvoisier mit der zu Recht so gefeierten Vibrafonistin Patricia Brennan, dem Bassisten Thomas Morgan und dem Schlagzeuger Dan Weiss auftritt (30.4.)?
Jazz-Tipps:
Freunde des Jazzgesangs werden sich in den Allerwertesten beißen: Sollen sie am Scherztag, dem 1. April also, ins Bergson, wo Céline Rudolph beim BR Club-Konzert mit der Formation Amaré ihr Faible für brasilianische Klänge pflegt, oder doch lieber in die Unterfahrt, wo der imposante Bariton Tyreek McDole uns in die Welt des Spiritual Jazz mitnimmt? /// Avantgarde meets Latin – bei einem Konzert des Bassisten Brandon López, der den Bratschisten Mat Maneri und die südkoreanische Schlagzeugerin Sun-Mi Hong mitbringt. (Unterfahrt, 7.4.) Die darf sich darüber freuen ab April „artist-in-residence“ der Stadt München zu sein. Mehr dazu in den nächsten Jazznotes.
Amalie Dahl gastiert mit ihrem Quintett Dafnie in den Kunstwerken Dachau.
Diese Frau sollte man sich nicht entgehen lassen: die Saxofonistin Amalie Dahl gastiert mit ihrem Quintett Dafnie in den Kunstwerken Dachau (10.4.). /// Ins Reich des al-Andaluz entführt uns das Gespann Carola Ortiz/Àlex Guitart (Einstein, Halle 4, 15.4.). /// Die neue Reihe „Unheard“ stellt uns im Einstein die schwedische Sängerin Irma Neumüller vor (16.4.). /// Schwierige Zeiten gerade: turbulent und angsteinflößend. Da hilft nur „Zuversicht“ – so der Titel eines neuen Albums des Trompeters Nils Wülker, der uns im Werk7 mit Pianist Omer Klein, Bassistin Linda May Han Oh und Schlagzeuger Gregory Hutchinson Entspannung bringen will (20.4.). /// Er ist einer der besten Trompeter unserer Zeit: Marquis Hill. Punkt. Jetzt würdigt er Komponisten seiner Heimatstadt Chicago (Unterfahrt, 21.4.). /// Solo zelebriert der Pianist Florian Weber seine Kunst im Veranstaltungsforum Fürstenfeld (22.4.). /// Impro-Highlight bei den Offenen Ohren im MUG: das String Trio Hemisfär (23.4.). /// Endlich können wir den grandiosen französischen Vibrafonisten Simon Moullier in München erleben. Der Mann swingt wie der Teufel (Unterfahrt, 25.4.). /// Tusch: vor kurzem ist er 60 geworden und: seit fünfzig Jahren ist der Schlagzeuger Wolfgang Haffner auf Bühnen zu finden. Beide Jubiläen feiert der Drummer mit seinem Trio in der Muffathalle (26.4.). /// Die Solo-Klavier-Reihe „Einsteins Piano“ freut sich auf Besuch von Benedikt Jahnel (Einstein, Halle 4, 27.4.).
