Theater im Februar: Knackig intellektuelles Kraftfutter

Theater im Februar: Knackig intellektuelles Kraftfutter

Mit diesen Bühnenabenden stärken sich die Mutigen und Neugierigen.

IN München stellt die Theaterhighlights im Februar vor.

Appropriate (Was sich gehört)“ im Volkstheater

Volkstheater-Intendant Christian Stückl hatte zuletzt selbst Regie geführt. Er lotete einen Schockmoment beim Familientreffen aus. Drei Geschwister kommen im Anwesen ihres kürzlich verstorbenen Vaters zusammen. Sie entdecken ein Fotoalbum, das vom Wüten eines brutalen Rassisten erzählt.


Waves and Circles“ im Nationaltheater

Wenn von Wellen die Rede ist, am Meer, im Radio oder bei der La Ola im Stadion, geht es immer um beeindruckende Energie. William Forsythe hatte für sein 2016 entstandenes Ballett Songs des britischen Sängers James Blake aufgegriffen. Die Energie steckt immer noch an, die Welle reißt mit. Gerade mal 31 Jahre alt ist die Choreographin Emma Portner, die mit „Megahertz“ ihre erste Arbeit für eine deutsche Compagnie beisteuert. Der dreiteilige Abend bringt ihre Arbeit mit Forsythe und Maurice Béjart zusammen.


Der Untertan“ im Cuvilliéstheater

Die von Alexander Eisenach für die Bühne bearbeitete Heinrich-Mann-Theaterfassung entlarvt die kleinbürgerlichen Großmachtfantasien. 1914 erschien der Roman bereits. Und er blieb hellsichtig – und leider allzu folgenlos. Allerdings: Wenn man so viel vom rückgratlosen Leben ohne Zivilcourage hört, könnte das doch endlich noch den Schubs geben, selbige einmal wieder zu wagen. Auf geht’s!


Fünf bis sechs Semmeln und eine kalte Wurst“ in den Kammerspielen

Sie musste sich erst qualvoll aus familiärer Enge befreien, um als Schriftstellerin eine Stimme zu finden. Zunächst hört es sich für die achtjährige Lena Christ ja noch ganz spannend an, als sie aus der behüteten Idylle bei den Großeltern in Glonn nach München kommt, um zu ihrer Mutter in einem Wirtshaus zu stoßen. Doch schnell stellt sich heraus: Die „Wirtsleni“ wird brutal ausgenutzt und zum Dauerarbeiteinsatz verdonnert. Ein Albtraum, der lange nicht endet. 100 Jahre später widmet ihr Annette Paulmann ein Stück, in das sie selbst Wirtshauserfahrungen an der Seite einer sehr strengen Mutter einfließen lässt.


„Verbrennt mich“ im Teamtheater Tankstelle

Latent bedrohlich klingt allein schon der Titel der Oskar-Maria-Graf-Schau. Georg Büttel hat den Abend zusammengestellt, in der sich ein Querkopf und immer durstiger Zecher mit den braunen Banden anlegt. Sein Weg führt ihn in die auch nicht immer feinen Künstlerkreise von München, Berlin und New York – ins unglückliche Exil.


Would You Rather?“ im Pathos Theater

Man kennt das Spiel von den Wohnzimmertischen oder aus den WG-Küchen: Würdest du lieber unbegrenzt über Geld verfügen oder über unendlich viel Zeit? Würdest du lieber mit den Ohren riechen oder mit der Nase hören? Lieber Elefant oder Mäuschen sein? Die junge Truppe Open House baut die Would-You-Rahter-Idee zum fantastischen Kosmos aus, mit drastischen Dualitäten und zärtlichen Details. Es eröffnen sich schräge Bildwelten mit Zwischenräumen. Und genau da entsteht der Dialog.


Munich Machine“ im Residenztheater

Das muss man jetzt einfach glauben und genießen: Noch einmal zieht der trotzigste Asphaltcowboy der Maxvorstadt, der 2022 verstorbene No-Budget-Big-Ego-Filmemacher Klaus Lemke durch die Stadt. An seiner Seite hat er diesmal überraschenderweise keine wunderschönen Frauen, sondern einen Außerirdischen. Ihn nimmt er mit auf eine Zeitreise durch ein tatsächlich leuchtendes München und auf einen Schlenker hin zur Hoffnung, dass alles mal wieder so sein könnte. Albert Ostermaier verneigt sich vor Lemke.


Pinocchio“ in den Kammerspielen

Eine kleine Puppe aus Pinienholz erlebt große Abenteuer, die Jung wie Alt in Atem halten: Die Autorin Sophia Al Maria polierte die poetische Geschichte von der lebendigen Pinienholzpuppe – ursprünglich von Carlo Collodi – neu auf. Es entsteht eine Abenteuerreise mit Musik und Virtual-Reality-Elementen, deren Magie sich weder Jung noch Alt entziehen kann.


„All das Schöne“ im Metropoltheater

Vielleicht hilft das ja: Staunen, sogar ein vorsichtiges Schmunzeln über das eigentlich Todtraurige, das Unsagbare. Duncan Macmillan legt seinem Publikum einen bewundernswerten Siebenjährigen ans Herz. Nach dem ersten Suizidversuch seiner Mutter führt der Junge eine Liste – mit all den verbliebenen Dingen, für die sich das Weitermachen lohnt. Metropoltheater, 6./7./8./9. und 10.2.


Kaltgestellt“ im Hofspielhaus

Hochprozentiger Komödienspaß, der rührt und schüttelt – eiskalt serviert: Drei Freundinnen bleiben Monat für Monat ihrem eingespielten Ritual treu. Sie treffen sich zu köstlichen Snacks und scharfen Cocktails, plaudern über das Leben, und lästern natürlich über die Männer. Die sind gleich im Nebenraum – beschäftigt mit Zimmergolf. Doch dann der Schock: Plötzlich eisige Stille. Da wird doch nicht etwa was passiert sein?


Hartgekocht“ im Schwere Reiter

Alle Regeln brechen, um zueinander zu finden: Das Film-Genre Noir und die titelgebenden Hardboiled-Krimis erzählen Gangstergesichten, die sich wirklich etwas trauen. Von Underdogs, Outlaws und von starken Frauen, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Es geht um Geschlechterrollen, die immer wieder neu fixiert werden müssen. Und um ein Weitermachen, traumatisiert von schlimmen Kriegserfahrungen.


Monster!“ im HochX Theater und Live Art

Das Einschlafen kann zur Tortur werden, wenn man an den Wüstling im Weißen Haus denkt. Oder wenn man sich eben nicht ganz sicher ist, ob man vorher noch einmal unter das Bett geschaut hat. Erzählt wir von Thori, die plötzlich aufwacht und sich nicht entscheiden kann, welches ihrer zehn Beine sie zuerst unter der Decke hervorholen soll. Sie ist selbst über Nacht zum Monster geworden. Wohlig gruselig!


Der kleine Prinz“ im Hofspielhaus

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Weiß man ja. Und doch ist der schmale Klassikerband von Antoine de Saint-Exupéry ein Text, auf den sich alle einigen können – und die auch verschütteten Erinnerungen wieder wecken kann. So ergeht es einem Mann mittleren Alters, der vereinsamt an einem fremden Flughafen strandet und sich nicht mehr zurechtfindet. Seltsames geschieht. Und nur der kleine Prinz hilft, wieder etwas Überblick zu finden. Michael A. Grimm spielt in der neuen Fassung des Stücks, mit dem sich das Hospielhaus-Team auch vor dem Schauspieler Ferdinand Schmidt-Modrow verneigt, er 2020 viel zu früh verstarb.


„Pioniere in Ingolstadt“ im Volkstheater

Männer, Militarismus und Misogynie: Es ist kein schöner Dreiklang, von dem Marieluise Fleißer in einem ihrer berühmtesten Stücke erzählte. Es geht um eine Gruppe Soldaten, die im kleinstädtischen Alltag – abgeordert zum Brückenbauen – für ein wenig Abwechslung und aufgeregte Herzen sorgen. Schnell zeigt sich: Das Drucksystem, das die Männer fest im Griff hat, entlädt sich auch in den Beziehungen und Tändeleien, die sie eingehen. Zärtlichkeit scheitert schmerzhaft. Regisseurin Lucia Bihler, deren Handschrift man von „The Lobster“ kennt, erzählt vom Kreislauf der Demütigungen.


„Faust“ im Nationaltheater

Eigentlich kaum vorstellbar: Nach Georges Bizets „Carmen“ ist ausgerechnet der urdeutsche Professorenstoff Vorbild für die zweitbekannteste aller französischen Opern. Charles Gounod griff die berühmte Teufelspaktgeschichte auf, als im 19. Jahrhundert Vorlagen aus dem ach so romantisch gestimmten Nachbarland gerade Hochkonjunktur hatten. Dabei gingen seine Librettisten allerdings mit dem Goethe-Text reicht frei um. Was den Gounod-„Faust“ auszeichnet sind die dramaturgisch geschickt platzierten Kontraste, wenn sich etwa ausschweifende Trinklieder mit stimmungsvollen Balladen oder Soldatengesänge mit Gottesdienstklängen abwechseln. Auf jeden Fall: ein Highlight der Saison.


Prima Facie“ im Residenztheater

Wenn das Grauen, sonst professionell kühl betrachtet und bewusst vom eigenen Körper gehalten, plötzlich grausam nah kommt: Essa ist eine erfolgreiche Anwältin, die sich auf die Verteidigung der ganz bösen Buben spezialisiert hat. Sie springt dann in die Bresche, wenn es um den Vorwurf sexueller Übergriffe geht – und landet immer wieder überraschende Prozess-Siege. Doch dann wird Tessa selbst zum Opfer: Sie wird vergewaltigt. Und den Täter kennt sie nur zu gut: Es ist ein Kollege. Es kommt zum Entscheidungskampf – vor Gericht. Diesmal mit neuen, denkbar unbequemen Rollen.


Trauer ist das Ding mit Federn“ im Volkstheater

Eine junge Mutter stirbt – einfach so. Ihr Mann schafft es gerade so, sich mehr schlecht als recht mit den beiden kleinen Kindern durchzuschlagen. Doch dann ziehen weiter Mitbewohner ein – dunke, undurchsichtige Gestalten, die wie Krähen wirken. Plötzlich hat das lähmende Gefühl, das nie wieder weggehen wird, einen Namen. Die Krähen sind lästig, aber notwendig. Es geht ums Weitermachen. Und den Schmerz. Der Roman von Max Porter, aber auch die Bühnenumsetzung durch Regisseur Mathias Spaan finden dafür eindringliche Bilder. Bewegend!


Andersens Erzählungen“ im Residenztheater

Ein literarischer Trickser, der Welten in Bewegung und Gefühle in Wallungen versetzt: Das bildgewaltige Musiktheaterstück, inszeniert von Philipp Stölzl, erweckt mit dem Märchen von der jungen Meerjungfrau ungeahnte Sehnsüchte. Dope!


„KI essen Seele auf (Orpheai)“ im Akademietheater

Big Other is Watching You: Es ist ein bedrohliches Szenario, das gar nicht so fern wirkt: Eine übermächtige Künstliche Intelligenz, geschaffen nach dem humanen Ebenbild, wird immer hungriger: Sie giert nach Futter. Sie ernähert sich von Personendaten. Katja Wachter, Regisseurin und Choreografin, bewegt sich in ihrer Arbeit zum Stück von Thomas Köck an der Grenze zwischen Mensch- und Maschinenwelt.


Jeeps“ in den Kammerspielen

Vertraut man sich Nora Abdel-Maksoud an, die für das Kammerspiele-Erfolgsstück schon 2021 den Text schrieb und selbst Regie führte, dann spielt sich das zeitgemäß, nun ja, Komödienhafte längst an Orten ab, die keiner für irgendwie „lustig“ hält. Im Jobcenter etwa. Ausgerechnet der dröge Raum der Hoffnungslosigkeit ist Zentrum ihres Stücks. Denn von hier aus könnte eine radikal neue Gesellschaft ihren Ausgang nehmen, die auf deutlich mehr Gerechtigkeit setzt. Ausgangspunkt des Stücks ist die Schätzung, dass in Deutschland jährlich bis zu 400 Milliarden Euro vererbt werden. Nun darf doch einfach mal durchgespielt werden, wie sich dieser Batzen fairer verteilen ließe.


Faschingsdienstag 1945″ im HochX Theater und Live Art

Lernen die Menschen den wirklich nie aus der Geschichte? Regisseurin und Choreografin Caroline Tajib-Schmeer lässt i Stück ihre 82-jährige Mutter zu Wort kommen. Sie spricht als Zeitzeugin mit Jugendlichen über die Schrecken der Nazizeit.


„Alda Merini“ im TamS Theater

Sie singt, rezitiert, schreit und flüstert: Ausnahme-Performerin Ruth Geiersberger erinnert an die italienische Dichterin Alda Merini, die oft den Aus-dem-Blickfeld-Verdrängten eine Stimme gab und dabei auf eigene Erfahrungen als langjährige Patientin von psychiatrischen Kliniken zurückgreifen konnte. Verehrt wurde sie nicht nur zu Lebzeiten von Pasolini, Jahre nach ihrem Tod gilt sie in ihrer Heimat als TikTok- und Instagram-Star. Die Wiederbegegnung auf der Bühne lebt auch von der bittersüßen Musik des Filmkomponisten Nino Rota („Der Pate“).


„Automatenbüffet“ im Marstall

Es ist der Ort, auf den sich in der kleinen Stadt alle einigen können. Kein romantisches Plätzchen, aber ein enorm praktisches. Gegen Einwurf von Geld kann man Getränke und Essen ziehen – auf Knopfdruck. Und natürlich lässt sich am titelgebenden Büffet trefflich über Politik streiten. Alle Wichtigen und Wichtig-Tuenden machen mit. Doch dann zieht plötzlich großer Ernst in den Ort.


Anna, Mascha und Julia“ in den Kammerspielen

Endlich dürfen sie ins vorderste Licht treten, die vielen Frauenfiguren, auf die Männer wie Platonow, Iwanow und Trigorin in den Anton-Tschechow-Stücken oft Schatten werfen. Sie werden zwar nicht aus der Geschichte entfernt, aber plötzlich verschiebt sich die Sicht auf eine untergegangene Welt – und ihre Machtkonstellationen. Warum nicht träumen?


Fürst Igor“ im Gärtnerplatztheater

Ein Stück, das von Machtwillen, Angst und Scheitern erzählt und das selbst eine bewegte Entstehungsgeschichte hat: Alexander Borodin, eigentlich Chemiker, aber eben auch glühend begeisterter Hobbykomponist hat sich mit dem mittelalterlichen Herrscherstoff über Fürst Igor, der einen unsinnigen Krieg anzettelte und selbst in Gefangenschaft geriet, vielleicht allzu viel vorgenommen. Er hinterließ ein Fragment, das nach Borodins Tod Alexander Glasunow und Nikolai Rimski-Korsakow vollendeten. Starker Tobak, große Oper!


Love me tender“ in den Kammerspielen

Eine erfolgreiche Anwältin verlässt nach 20 Jahren Ehegefängnis ihren Mann, um endlich neu zu leben, zu schreiben und zu lieben. Doch der Preis für ihre „Selbstenteignung“ ist hoch. Es entbrennt ein grausamer Sorgerechtsstreit um den achtjährigen Sohn. Es steht die Frage im Raum: Was würde man riskieren, um wirklich frei zu sein?


„Romeo und Julia“ im Residenztheater

Die alte Geschichte von der Sprache der Liebe – und von der Sprache der Gewalt. Werden sich diese jungen Lover endlich einmal durchsetzen können gegen die scheinbar unverrückbaren Gesetze der Stadt? Noch herrscht unversöhnliche Feindschaft in Verona. Paralell zur Sonderausstellung im Deutschen Theatermuseum München lohnt der zweite Blick auf die Premiere aus dem vergangenen Mai: Dort erfährt man, wie hinter den Kulissen am Stückkonzept gearbeitet wurde und wie die vielen kreative Köpfe in der Dramaturgie, auf der Probebühne und in den Werkstätten daran werkelten.


„Play Auerbach!“ in den Kammerspielen

Avishai Milstein erinnert an einen Mann, der in München Großes bewirkte – und schnell wieder (sehr absichtlich) vergessen wurde. Philipp Auerbach überlebte das KZ in Auschwitz und wurde von den Amerikanern in München nach 1945 zum „Staatskommissar für rassisch, politisch und religiös Verfolgte“ ernannt. Eines seiner wichtigen Ziele: Auerbach wollte wieder jüdisches Leben in Deutschland etablieren. Doch dann wurde seine Behörde geschlossen, er wurde wegen angeblicher Korruption und Veruntreuung angeklagt – und beging Suizid. Es lohnt sich, wieder genau hinzusehen.


„Mittwinter“ im Metropoltheater

Schauerlich. Eben erst ist ein Krieg zu Ende gegangen, doch zu einer neuen Ordnung haben die Menschen noch nicht zurückgefunden. Schon gar nicht Maud, die einem alten Mann einen jungen Enkel abnimmt, um die Lücke zu füllen, die der Tod ihres eigenen Kinds zu füllen. Doch dann kehrt plötzlich Mauds Ehemann nach zehnjähriger Abwesenheit zurück. Dem Soldaten kommen immer stärkere Zweifel, was er an der Geschichte und den Geschichten seiner Frau überhaupt noch glauben kann. Und der nächste, noch viel längere Krieg deutet sich an. Jochen Schölch, der Theater-Hausherr, inszeniert das Stück von Zinnie Harris, das die Erosion von Moralverstörungen verstörend schonungslos untersucht.


Mitleidsprotokoll – Every Tear Recorded“ in den Kammerspielen

Ohne Happy End: Ende der 1980er-Jahre verarbeitete Hervé Guibert in Texten, Fotografien und Dokumentarfilmen schonungslos offen seine Aids-Erkrankung. Ruben Müller erinnert an ihn.


Wood Wood Wood – Nothing’s Ever Goodim HochX Theater und Live Art

Es gibt eine lange Tradition in Deutschland, die Wälder romantisch zu verklären. Christiane Huber sieht das in ihrer Performance ganz anders. Sie interpretiert den urwüchsigen Bialowieza-Wald an der abgelegenen Grenze zwischen Polen und Belarus als eine unheimliche Art von Klang-Speicher. Hier sind Stimmen aus Gegenwart und Vergangenheit verborgen, die Huber wie auf einer geheimnisvollen Schallplatte wieder zum Sprechen bringt. Es geht um die Gewalt gegen Jüdinnen und Juden während der Zeit der deutschen Besetzung, aber auch um die Migranten-Schicksale an der aktuellen Europa-Außengrenze. Und natürlich hört und spürt man auch die Schmerzen von Tieren.


„Die Odyssee“ im Fat Cat

Wenn mal nicht der Titelheld, sondern seine drei zurückgelassenen Kinder zu Wort kommen – die warten, bangen, hoffen. Sie müssen Fremdheit aushalten. Es ist eine Erfahrung von Flucht, Trennung, Ausweglosigkeit, die überzeitlich wirkt. Junge Mensche von der Bellevue di Monaco Theater Gruppe wissen ganz genau, wovon sie sprechen, wenn sie das alte Homer-Epos gegen den Strich bürsten.


Don Giovanni“ im Gärtnerplatztheater

Er ist wieder da, der unverbesserlicher Erotomane: Ein Verführer, ein Vergewaltiger, ein Mörder. Und doch ein Mann, dessen Stimmgewalt man immer noch gerne lauscht – und sich an seiner Höllenfahrt ergötzt. Die bildgewaltige, starke Inszenierung aus dem Jahr 2017 kehrt als Spielzeitpremiere zurück. Jauchzet, frohlocket.


„Tremens“ im Residenztheater

Eine Einladung zum Mitdenken und Mitmachen: Ausgangspunkt ist die Shakespeare-Tragödie über Timon von Athen, die das preisgekrönte belgische Künstlerkollektiv Crew ganz nah in die Gegenwart holt. Möglich macht das ein Virtual-Reality-Erlebnis, das alle Anwesenden einbindet.


„La Concierge“ im Hofspielhaus

Sie wissen alles, sie kennen jeden: Hausbesorgerin nennt man ihn Wien durchaus ehrfurchtsvoll die einflussreichen Menschen, die ihr Leben an der Schwelle verbringen. Im packenden, tragikomischen Monolog erzählt „La Concierge“ vom ewigen Warten, auf den Professor, auf die Liebe, auf Paris. Und natürlich kennt sie Geschichten zu allen Hausbewohnern: Unter jedem Dach ein Ach.


Elektra – 750 PS Vergangenheitsbewältigung“ im Volkstheater

Gewagte Überschreibung: Sofie Boiten und Lorenz Noting adaptieren die blutige Familientragödie von Sophokoles, in der es keinen Ausweg aus dem ewigen Morden zu geben scheint, und blenden über zur belasteten Historie einer der reichsten deutschen Unternehmerdynastien. Auch die Familie Quandt, die hinter BMW steht, hat Schuld auf sich geladen – durch die Ausbeutung von Zwangsarbeitern in der Nazi-Zeit. Wie kriegt man das unter einen Hut? Lässt sich Schuld vererben oder doch nur verdrängen?


„Schwester“ im HochX Theater und Live Art

Es ist eine Themenerkundung, in der sich die ehemalige Klosterschülerin Lulu Obermayer, die auch schon Zeit in Klöstern verbracht hat, selbst sehr nah kommt. Die vielseitige Münchner Schauspielerin, die mit ihrer Performance „Rachel und ich“ auf dem Radikal-jung-Festival im Volkstheater im vergangenen Jahr den Publikumspreis gewann, untersucht nun Fragen von Schwesternschaft, Gemeinsinn, Spiritualität und Glauben. Ausgangspunkt ihres Musiktheaterprojekts sind zwei Opern – „Suor Angelica“ von Giacomo Puccini sowie „Dialogues des Carmélites“ von Francis Poulenc.