Man in a dark suit with a red pocket square holds a bottle labeled Zig Zag against a bright blue background.

Kabarett und Comedy im Mai: Mut statt Wut tanken

Mit diesen irren Impulsen meistert man den Alltag

Toni und Max Uthoff in der Lach und Schieß

Wenn GenZ auf GenX trifft – und beide herrlich selbstbewusst aneinander vorbeireden. Eigentlich hatte der Mann aus der ZDF-„Anstalt“ ja selbst festgestellt: „Einer zuviel“. Und dann hat er sich doch zusammen mit seiner angenehm scharfzüngigen Tochter auf die Bühne gewagt. Im Kern geht’s immer wieder um die Frage rund um den alten weißen Mann. Wie soll man ihn loswerden, wenn er doch immerhin so verlässlich die Miete bezahlt?

Robert Palfrader im Lustspielhaus

Man möchte ja nicht vorschnell schwarzsehen. Nur gut vorbereitet sein. „Testament“ nennt sich das neue Solo des Ösi-Stars („Wir sind Kaiser“), das natürlich noch nicht seinem letzten Willen Ausdruck verleihen soll. Trotzdem geht es darum, nach der unvermeidlichen Löffelabgabe in Frieden ruhen zu können. Allerdings möchte Pafrader schon auch sicherstellen, dass er aus der letzten Ruhestätte hinaus noch laut und deutlich gehört wird.

Wolfgang Krebs im Schlachthof

Was für eine Vorstellung: Man stelle sich vor, die Social-Media-Accounts von Markus Söder würden wegen nicht gekennzeichneter Werbung für Wurstwaren doch noch plötzlich abgestellt. Es entstünde eine Lücke, die es zu füllen gibt. Ein bayerisches Facebook, Instagram oder TikTok – getreu der Devise „Bayern liebt Dich“, die Wolfgang Krebs ausgibt. Im neuen Programm schlüpft er mal wieder in die Anzüge, Schlabberjacken und Trachtenjoppen der Mächtigen. Genial einfühlsam.

Sonja Gründemann im Schlachthof

Pulver, Pillen, ab und an eine Botox- Spritze – und schon ist man auf der schönen Seite. Oder man glaubt eben das: Mit Meditation und ausreichend Yoga wird man in Kürze begehrenswert, reich und erfolgreich. Was das Internet nicht alles so verspricht. Dort kann man wirklich die Weisheit mit Löffeln fressen. Aber stimmt das am Ende doch nicht? „Jetzt mal Tacheles“, nennt Sonja Gründemann ihre Aufklärungsarbeit.

Philipp Scharrenberg im Lustspielhaus

Zärtliche „Mindfucks“, also sinnliche Verwirrung mit Methode: Darauf hat er sich spezialisiert. Doch der Gordische Knoten in unseren Köpfen ist lösbar. Wie tröstlich!

Fun Facts in der Lach und Schieß im Fat Cat

Jetzt muss der „Karli“ die Krimilast schultern. Doch Ferdinand Hofer, bekannt als noch immer jugendlicher Co-Ermittler im Münchner „Tatort“ kann noch viel mehr – witzig sein, unter anderem. Er ist der aktuelle Stargast im ungewöhnlich originellen Nachrichten-Comedy- Format und steht auch im Mittelpunkt einer angedockten Mixed Show.

Dirk Sterman im Lustspielhaus

Was für eine Vision. Eigentlich wollte Österreichs Lieblingsgastdeutscher ja auch mal Popstar werden. „Stermann singt“ sollte daher auf dem Plakat stehen, mit Songs in der Tradition von Lady Gaga und Roland Kaiser. Durch einen Druckfehler wurde „Stermann sinkt“ daraus. Jetzt ist er angefressen. Oder angetrunken? Im Speisewagen „IC Österreich“ zieht draußen das Land vorbei. Stermann ist unterwegs zum Auftritt, das Publikum sitzt um ihn rum. Und plötzlich spricht die ÖBB. Oder waren es doch zu viele Weißweinschorlen? „20 Spritzer bis Amstetten“ heißt das neue Programm. Jubel!

Thomas Maurer in der Lach und Schieß im Fat Cat

Endlich mal ein überfälliger Perspektivwechsel. Klar, wer viel Kafka liest und auch selbst Stress mit einem überdominanten Vater hat, schleicht meist in fiesen schwarz-grauen Tönen und in entsprechender Moll-Tönung durchs fade Leben. Aber mal ehrlich, meint Maurer: Ist es nicht auch unglaublich komisch, wenn man morgens plötzlich als Ungeziefer aufwacht? Dass Franz Kafka einen stark ausgeprägten Humor, mit spezieller Neigung zum Grotesken, hatte, lässt sich kaum übersehen. Angeblich soll er ausgerechnet in München auf einer seiner seltenen Lesungen eigener Texte laut gekichert haben. Was es nicht alles gibt.

William Wahl im Schlachthof

Für Wortspiele braucht man ein dichtes Fell und eine dicke Haut. So wie ein Wal etwa. Wahlgesänge schickt William Wahl durch den Saal. Es ist der Botschafter der guten Laune. Oder um es mit seinen eigenen Worten zu sagen: „Die Kehrseite der Medaille ist auch aus Gold.“

Altinger und Liegl in der Lach und Schieß

Wer schon lange auf fast allen kleinen wie großen Bühnen sowie im Fernsehstudio unterwegs ist, hat was erlebt – und nicht nur Positives. Michi Altinger und Alexander Liegl interessieren sich mit der ihnen eigenen unverschämten Boshaftigkeit natürlich vor allem für Pleiten, Pech und Pannen – der geschätzten Damen und Herren Kollegen. „Rampensäue, frisch geschlachtet“ ist ihr Podcast-Programm, das jetzt live den Weg in die Öffentlichkeit findet. Es geht um die schönsten Bühnenkatastrophen.

Helge Schneider im Circus Krone

Doc Snyder trommelt wieder. Und zur Trompete greift der Mann aus der Ruhrregion natürlich auch. Dann schnarrt der Ruf durch den Raum, der dem neuen Solo den Titel gibt: „Ellebogen vom Tich“. Wer sich noch ein wenig Humor in beschissenen Zeiten erhalten will, ist hier goldrichtig.


Josef Hader in den Münchner Kammerspielen

Den Mann mit dem sympathisch flackernden Blick liebt man. Völlig zurecht, bietet er doch so viel an – im Mehrkampf Film, Fernsehen, Bühne. „Hader on Ice“ sollte man kennen. Großes Theater, jetzt auch im Jugendstilambiente.

Spezl Comedy im Hoftheater

Anlachen gegen den Stress – ohne Grant und ohne To-do-Liste. Dafür steht der neue Stand-up-Come- dyabend mit Victoria Abelmann-Brockmann, Dominik Kirschner und Gästen. Oder eben Spezln.

Lennard Rosar im Schlachthof

So richtig passt der stark tätowierte junge Mann mit den fein manikürten Fingern nicht in die üblichen Schubladen, diese eckigen Dinger, vollgepackt mit Klischees und Vorurteilen. Er schaut lieber „Shopping Queen“ als Bundesliga, sieht aus wie ein Wikinger und bügelt am liebsten zu getragenen Heavy-Metal-Klängen. Wird man aus ihm schlau? Muss man das? „Schildmaid“, das neue Programm, stellt die richtigen Fragen – auch ans eigene dauererregte Konsum-Ich.

Helmfried von Lüttichau im Lustspielhaus

Als er vor einiger Zeit mit dem naiven Aufbruchsmut des Ü60-Newcomers mit seinem ersten eigenen Bühnenprogramm „Plugged“ loslegt, war noch gar nicht so klar, wohin die Reise des spätberufenen Ausnahmegitarristen geht. Mittlerweile hat auch sein Freund Hubsi, also Christian Tramitz aus alten „Hubert und Staller“-Zeiten, das Solo gesehen. Und fand’s gut. Anlass genug, nach über 200 Shows neu nachzulegen. „Weil’s raus muss – Das zweite Programm“. Dumm nur, dass das zweite angeblich immer das schwierigste Programm sein soll. Er wird’s schon richten, mit der ihm eigenen charmanten Unbeholfenheit.

Erwins Odyssee – Durst ist schlimmer als Heimweh“ im Lustspielhaus

Ein Abend, an dem Geistesgrößen wie Jochen Malsheimer, Sven Kemmler, Nessi Tausendschön sowie die Herren Ulan & Bator ihr Publikum mal so richtig schön schaukeln – in der Wiege der abendländischen Kultur. Anlass ist ein stolzes Datum: 2026 wäre Homer, der berühmte griechische Dichter und Endloserzähler, so richtig schön alt geworden. Hier erlebt man sie noch einmal mit, die Irrfahrt von Erwin Odysseus (nach Trojanischem Krieg verreist). Irgendwann traf auch auf ihn das berühmte E.T.-Zitat zu: „nach Hause“. Eine Pendlerpauschale gab’s seinerzeit noch nicht.

Rolf Miller in der Lach und Schieß im Fat Cat

Stur wie ein Sack Zement bleibt die beklemmend scharf beobachtete Kunstfigur, die der Ausnahme-Minimalist in die Bühnenmitte schiebt. Es ist auch im achten Programm „Wenn nicht wann dann jetzt“ wieder so ein Zeitgenosse, der dumpf der Lebensmaxime folgt: „Es genügt nicht, sich keine Gedanken zu machen, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken.“

Matthias Kiefersauer und Thomas Unger im Lach und Schieß im Fat Cat

Flirts, die krachend scheitern. Krumme Lie- besgeschichten. Liebenswerter Münchner Grant: Filmemacher Kiefersauer („München Mord“) und Schauspieler Unger („Das große Hobeditzen“) folgen einer neuen Programmdevise: „Kiefersauer macht lustig, und Thomas ungert herum.“ Spannend.

Mathias Kellner im Lustspielhaus

Wenn eine rauchige Bluesstimme vom Spitzbubenhumor singt: Kellner, ein niederbayerischer Oberpfälzer und als Gesamterscheinung eine Wucht, sorgt dafür, dass die Lachtränen fließen. Etwa wenn er kongenial urige Texte zu Klassikern wie „Hotel California“ oder „Johnny B. Goode“ findet. Dabei macht er keinen Hehl aus seiner Verständigungszu- rückhaltung: „Can You Boarisch, Please“ heißt das neue Programm.

Frieda Lewin im Schlachthof

Ihre Fans hat sie schon: Mit sympathisch unaufgeregten Mama-Videos über den Elternalltag der Millennials erreicht sie hunderttausende Follower. Beim Live-Abend mit der „Millennial Muddi“ geht es um Interaktion, mitreißende Musik und ordentlich Schabernack. Und keine Sorge: Man dürfte früh genug wieder zu Hause sein, um den Partner oder die Kinderbetreuer auszulösen.

Volksshow im Volkstheater

Moritz Hürtgen lädt wieder kluge Leute ein, die bei der Alltagsbewältigung helfen. Etwa Lena Kupke, bekannt unter anderem aus Till Reiners Reihe „Happy Hour“ auf 3sat. Oder Fa- bian Grischkat, der zuletzt das passend beti- telte Buch veröffentlichte: „Keine Zukunft ist auch keine Lösung“.

Thomas Franz & Nils Brunsched im Vereinsheim

Es ist ein musikkabarettistisches Kräftemessen, die beiden Möchtegern-Westernstars treten zum Duell an: Saloon-Klavier gegen Westerngitarre. Es geht um den titelgeben- den Gewinnpreis „Für einen Sack voll Tränen“. Pferdeparkplätze nur begrenzt vorhanden!

Alfred Dorfer im Lustspielhaus

Einfach mal mitturnen, auch wenn es dem unbedarften Zuhörer bei Alfred Dorfers Gedankenkaskaden schnell schwindlig werden dürfte. Das liegt daran, dass sein „Gleich“-Stück aber auch tatsächlich ziemlich raffiniert konstruiert ist. Die Zeitebenen überlagern sich. Kaum einer Bühnen-Gewissheit kann man trauen. Der Wiener, einst fast weltberühmt geworden an der Seite von Josef Hader im „Indien“-Stück und -Film, schlüpft von einer Rolle in die nächste: Er spielt Großmütter, Wirte, Bären und Sonnenblumen. Mutig der, wer da noch wagt, den Überblick zu wahren. Ach ja: Preise wirft man Dorfer seit Jahren auch schon hinterher – den Deutschen Kleinkunstpreis sowie den Deutschen und den Bayerischen Kabarettpreis zum Beispiel. Einschüchtern lässt er sich davon zum Glück nicht.

Hosea Ratschiller in der Lach und Schieß im Fat Cat

Der Wiener Kabarettist mit dem Lausbubengrinsen ist Österreichs Mister Nice Guy – und freundlicher Papa. Doch wenn er seiner jungen Familie die wilde Welt erklären soll, wird’s auch für ihn zunehmend schwierig. Und auch das arg verkrampfte Klassentreffen ist natürlich kein „Happy Place“.

Malarina im Lustspielhaus

Die gebürtige Serbin, deren Eltern als sogenannte Gastarbeiter nach Österreich kamen und die nach einer Kindheit in Innsbruck in die Welthauptstadt der Misanthropie wechselte, ist praktisch veranlagt. Eigentlich ist sie Feministin, aber es gibt eben auch Ausnahmen. Dann nämlich, wenn man als vermeintliche Trophäenfrau schneller an den Zaster kommt.

Eva Karl Faltermeier in der Lach und Schieß im Fat Cat

Die Frau mit der Brille hat den Durchblick: KI gaukelt doch nur Perfektion vor. Worum es in der Kunst wirklich geht: das Wegwerfen, das Scheitern, das Aufstehen – und Lächeln. „Scheitern mit Gästen“: Diesmal sind unter anderem Teresa Reichl und Vitus Ehrentaler am Start.

Science Busters im Lustspielhaus

Viele Dinge zwischen Himmel und Erde finden eines unschönen Tages ein Ende: die Menschheit, die Klimakrise, die Milchstraße und vielleicht sogar die Unendlichkeit. Andere lästige Dinge halten sich länger: der Post-Corona-Blues und das scheußliche Long Covid, die Verschwörungserzählungen, der Aberglaube und der strahlende Atommüll. Höchste Zeit, einmal wieder ordentlich durchzufegen und aufzuräumen. Das Ösi-Wissenschaftler-Trio fordert: Fakten in Zeiten der neuen Irrationalität!

Frank-Markus Barwasser als Erwin Pelzig im Lustspielhaus

Die Welt kippelt nicht nur leicht, sie steht ziemlich unruhig und sorgt für Dauerkopfschmerzen. Ex- perten sprechen längst von Veränderungserschöpfung. Kann da ein wenig Konstanz weiterhelfen?, meint der Mann mit dem ewig gleichen Pepita-Hütchen und der altbewährten Herrenhandtasche. Erwin Pelzig ist zurück. Zusammen mit seinen beiden Freunden Hartmut und Dr. Göbel sucht er im neuen Programm „Wer wir werden“ nach Auswegen aus der Krise – und nach neuem Optimismus. Schadet ja nie.

Simone Solga im Schlachthof

Sie geht dahin, wo’s weh tut. Anfangs vor Verzweiflung, aber sobald sie in Fahrt gekommen ist, tut’s nur noch vom Lachen weh. Man sollte sich das seltene Glück schenken und den Mächtigen gemeinsam mit Simone Solga sagen: Sie kennen mich. Und: Sie können mich!

Ulan & Bator im Lach & Schieß im Fat Cat

Krazy Kabarett: Ihren treuen Fans gelten die bei- den Herren mit den irren Mützen längst als würdige Monty-Python-Erben. Alle anderen werden einfach staunen: Unfug vom Feinsten!