Kabarett und Comedy im Dezember: Mund abwischen und weiterlachen

Hilft ja nichts: Diese Humorfachleute bemühen sich um gute Restlaune

Chris Boettcher

Positive Energie, ganz ohne Chemie oder KI: Der sympathische Radio-Schmunzler versteht sich – saisonalpassend–als„Freudenspender“. Boettcher serviert noch einmal Kostproben seiner beliebtesten Parodien. Und natürlich dürfen auch die alten Songs wie „Bockfotzngsicht“ oder „Komasaufen“ und natürlich der Beinahe-Wiesn-Hit „10 Meter geh‘“ nicht fehlen.


Volksshow

Das Erfolgsrezept der Reihe, die nun schon in ihre 20. Episode geht, ist das knappe Ver- meiden einer Totalkatastrophe. Immerhin macht Moritz Hürtgen kein Hehl daraus, dass er als Moderator lieber unberechenbar bleibt. Seine Tagesform hängt vom Wetter und der Sternenkonstellation ab. Die tollen Gäste retten die Show. Diesmal darf man sich unter anderem auf Gian Alba, einen Saarländer mit italienischen Wurzeln, freuen. Er erzählt von Großvätern, die mit Schrotflinten auf Katzen schießen, vom Berufsalltag als Ingenieur und vom Saarland – als Zukunftsstandort. Rebecca Endler hat sich die ehrenwerte Aufgabe vor- genommen, den Patriarchatswildwuchs mal wieder zurechtzustutzen.


Django Asül

Ob ein wieder einmal furchterregendes, scheußliches Jahr durch die scharfen Augen des unerschrockenen Niederbayerns geblickt vielleicht doch noch erträglich wird? Django Asül hält eisern an den alten Fahrschulregeln fest. Wer nach vorn fährt, darf den Blick nach hinten nicht vergessen. Sein „Rückspiegel 2025“ wirkt klärend.


Luis aus Südtirol

Er ist zwar naheliegenderweise viel draußen und abgehärtet von der frischen Bergluft. Aber er gibt offen zu: Auch den Luis aus Südtirol lässt Weihnachten nicht kalt. Immerhin ehrlich!


Ingmar Stadelmann

Vielleicht muss man das tatsächlich genauso aufzäumen und die gefährlich albernen AfDler mit ihren eigenen Worten stellen. Der intellektuelle Glatzkopf unter den populären Humorschaffenden zückt den queerbunten Rotstift und nimmt sich die öffentlich publizierten Reden und Pressebeiträge vor – um sie zu zerpflücken. „Stadelmann liest Höcke – ein satirischer Diskurs“: So könnte zeitgemäße Aufklärung funktionieren.


Sylvia Brécko

„Liebling das schenken wir uns“: Von der Macht der animalischen Anziehung, erzählt Sylvia Brécko, die auf offener Bühne reine Verzückung gesteht. Aber Achtung: Es bleibt jugendfrei. Die Rede ist von der Liebe, die plötzlich auf den Hund gekommen ist. Und von all den gefährlichen Klippen, die in der gefühlsduseligen Zeit zu um- schiffen sind. Weihnachtswarnung!


Eckhard Preuß

Vergnügliches, Leichtes, aber auch Nachdenkliches aus dem bunten Künstlerleben: Den Ostwestfalen und Wahlmünchner Preuß reizt es, im neuen Solo-Programm „Die letzte Mann“ Grenzen zu überschreiten. Und endlich erfährt man, warum Schwäbisch Hall kein guter Ort für das Fernweh ist.


Nicole Jäger

Die „Walküre“ ist zurück. Und mit ihr die Unerbittlichkeit ihres Humorschaffens. Nicole Jäger zückt das scharfe Schwert, um sich den Widrigkeiten des Alltagsterrors zu stellen – und um auszuteilen. Sie weiß: Humor entsteht aus Schmerz. Und er kann Schmerzen lindern. Zwischendurch und rundherum wird’s einfach nur sehr lustig.


Shahak Shapira

Nikolausabend mit dem israelisch-deutschen Autor und Komiker mit den arabischen Wurzeln: Auch von Shahak Shapira und seiner gnadenlosen Stand-up-Strategie geht natürlich eine erfreulich geistreiche Bedrohung aus. Er schnappt sich jedes Mikrofon, bei dem andere so dumm sind, es ihm zu überlassen. Und dann geht’s wild los.


Max Uthoff

Ein strenger Satire-Nikolausauftritt: Wer wohl nur die Verantwortung für den ganzen Mist trägt? Eigentlich müsste es der Mann aus der ZDF-„Anstalt“ ja wissen. Doch die ganz einfachen, allzu platten Antworten sind seine Sache nicht. Max Uthoff jagt im Solo-Programm „Alles im Wunderland“ unerschrocken dem Wahnsinn hinterher, stellt ihm hinter- hältige Fallen, bietet ihm absurd Paroli und spielt linksextreme Lösungsversuche durch.


Alfons

Der Mann mit dem Puschel-Mikro ist wieder unterwegs. Und auch er geht auf Stimmenfang. Die Botschaft ist so liebenswert wie beklemmend: Eigent- lich müsste jeder von uns etwas tun, damit die Demokratie mal wieder so richtig in die Puschen kommt. Nur was? Vom interkulturellen Wanderer und Versöhner kann man viel lernen: Endlich erzählt Alfons einmal, wie es genau kommen konnte, dass die wahre Französische Revolution einst bei ihm auf dem Schulhof ihren Ausgang nahm. Es ist der Abend, an dem man Vertrauen in die Menschen und ihren sympathischen Irrsinn zurückgewinnt.


Gordon Brettsteiger & Moses Wolff

Einfach nur mal ratschen, über die Themen, die jugendliche Mitfünfziger halt gerne besprechen: Waffenhandel, TikTok oder diese allgegenwärtigen Gelenkschmerzen. Aber nein: Man wird schon wieder gestört und abgelenkt. Ein Witz kommt dazwischen. Und dann noch einer. Und noch einer.


Luise Kinseher

Luise Kinseher hat alle Kabarettpreise gewonnen, die es so zu holen gibt. Acht Programme hat sie geschrieben, den Nockherberg um den kleinen Finger gewickelt und zuletzt immer mehr tolle Kinofilme gedreht. Jetzt sollen sich um den Bühnespaß mal die anderen kümmern. Also schickt Luise Kinseher ihre Zwillingsschwester „Mary from Bavary“ allein auf Tour. Pointenfeuerwerk, juhu!


Romeo Kaltenbrunner

Will er wieder heim? Der junge Mann aus Wien hat zunächst keine Wahl. Weil es der Oma nicht gut geht, reist er zurück aufs Dorf, wo die Zeit nicht nur stehen- geblieben ist, sondern auch nicht ganz so gut riecht. Und doch kommt ihm ein Verdacht: Sind die Menschen in der großen Stadt zwar liberaler, aber auch fader? Entscheidung her! „Heimweh“ eben.


Blözinger

Großes Kino, keine Leinwand. Blühender Blözing. Robert Blöchl und Roland Penzinger, zusammengenommen eben „BlöZinger“, laden ins Kopf-Cinema. Dort werden Gehirnwindungen geölt und Zwerchfelle gedehnt. Auch vom Programmtitel lassen sich die beiden Parade-Ösis nicht ausbremsen: „Das Ziel ist im Weg“.


Matthias Egersdörfer

Der Franke mit dem Zauselbart wirkt oft ein wenig grantig. Immerhin befürchtete er am Vorabend jäh, dass ihm sein Bier nicht mehr schmecken könnte. Vorsichtshalber hat er einen halben Kasten leer getrunken, um die Angele- genheit gründlich zu klären. Der Witz von Matthias Egersdörfer entwickelt sich wie der Programmtitel: „Langsam“. Wunderschön fies.


Philipp Weber

Humor ist erste Bürgerpflicht. Zumindest wenn man Philipp Weber glaubt, der seine einschlägigen Wälzer zur Staatswissenschaft gelesen hat. Mit dem Schlauberger-Programm „Power to the Popel!“ nimmt er die Forderung nach der Wehrhaftigkeit bierernst.


Rolf Miller

Stur wie ein Sack Zement bleibt die beklemmend scharf beobachtete Kunstfigur, die Rolf Miller in die Bühnenmitte schiebt. Er ist auch im achten Programm „Wenn nicht wann dann jetzt“ wieder so ein Zeitgenosse, der dumpf der Lebensmaxime folgt: „Es genügt nicht, sich keine Gedanken zu machen, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken.“


Robert Palfrader

Im lieben Nachbarland Österreich ist er ein Weltstar – als Schauspieler, Fernseh-Entertainer und als feiner Kabarettistenkollege. Doch nun ist Palfrader buchstäblich „Allein“ unterwegs, wie er ja auch seine erste Solo-Tour betitelt hat. Darin erzählt er, wie er es vom früheren Klosterschüler zum Atheisten gebracht hat – und warum ihm Religion trotzdem weiterhin wichtig ist. Man braucht ja einen Kratzbaum.


Münchner Lach- und Schießgesellschaft – Satirischer Jahresrückblick

Es ist viel passiert. 2026 wird für die Lach und Schieß, dann nämlich schon bald in der neuen Spielstätte im Fat Cat, von der Till Hofmann im „Ortsge- spräch“ berichtet, noch aufregender. Aber man muss natürlich noch einmal Bilanz ziehen – kritisch, versteht sich. „Schimpf vor 12“ rückt den vergange- nen zwölf Monaten auf den Leib – unter anderem mit Frank Klötgen, Christl Sit- tenauer und Regisseur Sven Kemmler. Am Klavier begleitet André Hartmann.


Christine Eixenberger

Sie setzt auf „Volle Kontrolle“. Eigentlich ein Hohn, geht es doch darum, wie man im Chaos Haltung bewahrt – und wie schwer das fällt. Was schön ist: Christine Eixenberger scheint ihren Platz gefunden zu haben. Angefangen hatte Eixenberger einst als Grundschullehrerin, dann wechselte sie ins Schau- spielfach und war lange Feuerwehrfrau in der ZDF-Serie „Marie fängt Feuer“. Die Kabarett-Muse hat sie geküsst. Aber so was von. Im aktuellen Bühnenprogramm geht es um das Hexenwerk Paarwerdung und den Weg in Richtung Kleinfamilie.


Da Meier & Watschnbaam

Hier wird mit Wucht der Zapfhahn ins Glühweinfassl getrieben. Stimmung, bitte. Festtagsstimmung. Draußen darf zwar gerne der Schnee rieseln. Innen aber wird es laut. Die musikalisch gnadenlosen Vollblutkomiker drehen Weihnachtslied-Klassiker durch den Wolf und verraten all die Tipps, mit denen man Familienfeiern und Bürofestagsfeste in Windeseile eskalieren lassen kann. Diese Vier Heiligen Könige schickt niemand einfach so weiter.


Mathias Tretter

Natürlich muss man sie fairerweise alle besuchen und dann prüfend gegen- einander abwägen: Wer hat sich einen Witz entgehen lassen? Wer grinst dem Grauen besonders frech entgegen. Auch Mathias Tretter blickt satirisch zurück: „Nachgetrettert“.


Manuel Rubey und Simon Schwarz

Es ist das Comedy-Meisterwerk – ein Bühnenstück -, über das ganz Österreich ausgelassen lacht. Endlich kommt „Das Restaurant“ auch nach München. Darin erzählen die beiden Freunde, die gemeinsam mindestens vier linke Hände haben, von ihrem absurden Plan und der nicht minder absurden Umsetzung. Eines langen Abends beschlossen Rubey und Schwarz gemeinsam ein Lokal zu eröffnen. Der Kabarettist und Schauspieler Simon hat schon einmal in einem Film einen Koch verkörpert. Und Freund Manuel trinkt gern Wein. Passt also. Doch so ganz rund läuft’s dann doch nicht. Und als das Restaurant abbrennt, riecht es nach Brandstiftung.


Tobias Öller

Warum sich vom Weltgeschehen verrückt machen lassen? Tobias Öller macht da nicht mit. Er untersucht lieber die Trüffel im Blätterwald. Der liebt Meldungen aus den bayerischen Regionen, in denen man noch von echtem philosophischem Tiefgang liest. Seine Jahresrevue „Gschafft – Der bayerische Jahres- rückblick“ weiß von niederbayerischen Regenwürmern, abgeschobenen Bibern und den ganz großen (meist allgemein übersehenen) Geschichten zu berichten.


Sigi Zimmerschied

Krise, Krise, Krise – und eine genial granti- ge Replik darauf: Im irrwitzigen Solo „Kein Thema. Eine deutsche Antwort“ lässt er den erhitzten Geist rund um die nympho- manische Liebe zur Angst kreisen.


Faltsch Wagoni

Die „letzten Ironesen“ sind feine Zweif- ler, aber keine Verzweifler. Sie miss- trauen den vermeintlich fälschungs- sicheren Wahrheiten, verkneifen sich aber jammernde Besserwisserei. Immer schön rebellisch bleiben: Dafür ste-hen Silvana und Thomas Prosperi. Kein schlechtes Motto zum Jahreswechsel!