Kabarett und Comedy im April: Wo’s raucht, wird’s lustig

Kabarett und Comedy im April: Wo’s raucht, wird’s lustig

So kann man auch einem noch zaghaften Frühling einheizen

Altinger und Liegl in der Lach und Schieß

Wer schon lange auf fast allen kleinen wie großen Bühnen sowie im Fernsehstudio unterwegs ist, hat was erlebt – und nicht nur Positives. Michi Altinger und Alexander Liegl interessieren sich mit der ihnen eigenen unverschämten Boshaftigkeit natürlich vor allem für Pleiten, Pech und Pannen – der geschätzten Damen und Herren Kollegen. „Rampensäue, frisch geschlachtet“ ist ihr Podcast-Programm, das jetzt live den Weg in die Öffentlichkeit findet. Es geht um die schönsten Bühnenkatastrophen, von denen diesmal unter anderem Constanze Lindner und Maxi Gsettenbauer berichten. Soll heißen: eine rundum gelungene Mischung – und das zum 1. April.


Daniel Luis im Schlachthof

Ein wohlmeinender Tipp: Auch wenn man den Mann, der in den sozialen Netzen durch die Decke geht, ganz außerordentlich liebhat. Trotzdem: Lieber nicht in die erste Reihe setzen. Eine Spezialität ist es nämlich, sein Publikum zu grillen. Und wer dann da direkt vor der Nase sitzt, kommt am schnellsten dran.


Toxische Pommes im Lustspielhaus

„Wunschlos unglücklich“: Über beißend böse Kurzvideos zur Corona-Zeit verschaffte sich die Wiener Juristin ein Großpublikum, das sie mehr drängte – zu einem eigenen Roman. Und vor allem zu immer mehr Auftritten in der Öffentlichkeit. Völlig zu Recht!


Thomas Maurer im Lustspielhaus

Kennt man doch: Wie schnell man erschrickt, wenn das Smartphone mal wieder die Wochen-Bildschirmzeit anzeigt. Thomas Maurer hat einen Verdacht, der noch viel weiter reicht: Stecken wir alle „Im falschen Film“ – so wie das aktuelle Programm dann auch heißt. Er fürchtet, dass die von Künstlicher Intelligenz verhexte Welt eigentlich nur ein Großprojekt zur Künstlichen Idiotie ist. Und so erklärt sich auch, warum so mancher Spitzenpolitiker wie von ChatGPT gesteuert klingt. Seltsam? Aber ja.


Christl Sittenauer im Lustspielhaus

Was für ein Macho-Schock: Das Schopenhauer kein Menschenfreund war, wusste sie. Doch nun behauptet auch der Sohn von Christl Sittenauer: „Frauen sind keine Menschen.“ Ja wo samma denn? Im neuen „Komplizin“-Programm sammelt sie neue Verbündete ein. Immerhin sagt man ja: Es braucht ein Dorf, um ein Kind großzuziehen. Um ein Leben zu meistern, braucht man Komplizinnen.


Holger Paetz im Schlachthof

Die Resonanz für die erste „Derbleckn“-Rede von Stefan Zimmer fiel gemischt aus. Bei dieser Buß- und Fastenpredigt gibt es keine zweite Meinung. Paetz ist gut – zum Fürchten!


Götz Fritzrang im Vereinsheim

An Lakonie ist er nicht zu überbieten: „Leben ist, wenn immer einer was will und dann ist man tot“, meint der große Alltagsphilosoph und bildgewaltige Geschichtenerzähler auch im neuen Programm „Götzendienst“. Wenn es noch nicht ganz rund läuft, kann er ja immer noch einen Schuss Wahnsinn ins Getriebe feuern. Ein höchst charmanter Berserker!


Michaela Obertscheider im Schlachthof

Das neue Programm „Vergnügt euch“ kündigt sie als „Handlungsanweisungen für ein süßes, müßiges und erquickliches Leben“ an. Wer wird da nicht gleich neugierig? Eben!


Robert Palfrader im Lustspielhaus

Man möchte ja nicht vorschnell schwarzsehen. Nur gut vorbereitet sein. „Testament“ nennt sich das neue Solo des Ösi-Stars („Wir sind Kaiser“), das natürlich noch nicht seinem letzten Willen Ausdruck verleihen soll. Trotzdem geht es darum, nach der unvermeidlichen Löffelabgabe in Frieden ruhen zu können. Allerdings möchte Pafrader schon auch sicherstellen, dass er aus der letzten Ruhestätte hinaus noch laut und deutlich gehört wird.


Kay Ray im Schlachthof

Er gilt als „the hardest working man in showbiz“. Hierzulande zumindest. Für einen guten Gag verkauft Kay Ray seine Oma. Oder wenigstens Bärbel Bas.


Richard Oehmann in der Lach und Schieß

Eben erst hat er mit dem kongenialen Kollegen Stefan Betz mit dem diesjährigen Singspiel unter dem grausig schönen Titel „Wirf das Handtuch, Lindwurm“, den Nockherberg aufgemischt (und Maggus Söder mal wieder ein bisschen geärgert). Im Ortsgespräch unlängst hatten die beiden schon so viel davon verraten, wie es das gestrenge Paulaner-Regiment im Vorfeld zulässt. Jetzt kann Richard Oehmann, den seine vielen treuen Fans natürlich auch vom „Doctor Döblinger“-Kasperltheater kennen, endlich hemmungslos vom Leder ziehen. „Derbleckerein“ – ohne Netz und Zensur eben. Und ein Blick hinter die Kulissen, bei dem es Insidern möglich ist, die Brotzeit des Landesvaters noch schneller bei Social Media zu posten, als ihm das selbst möglich wäre.


Andre Kramer im Schlachthof

Wer oder was ist auf den Fotos der klassischen Dating-Apps eigentlich genau zu sehen – und was wollen diese Menschen damit konkret bezwecken? Der Titel „Dirty Joking“ legt unmissverständlich nahe, wohin die Neugierde und der Aufdeckungs-, oder soll man besser sagen: Entblätterungsjournalismus, von Andre Kramer zielt. Es geht unter die Gürtellinie. Unterhaltsam wie ein Tanz an der Stange!


Christian Ude in der Lach und Schieß

Vor sage und schreibe 125 Jahren hat sich mit der Schwabinger Legende „Die Elf Scharfrichter“ eines der ältesten Kabarettensembles gegründet. Und es wäre dem humoristischen Tausendsassa, lange Zeit nebenbei auch noch Regent einer Millionenstadt, fast zuzutrauen, dass er auch damals schon mitmischte. Natürlich kann das nicht stimmen, weil Ude ein nimmermüder, weiterhin jugendlich aufgeweckter Satirebeobachter des Zeitgeschehens ist. Zusammen mit Anatol Regnier, Julia von Miller, Roland Hefter, Judith Kemp, Frank Klöttgen und André Hartmann würdigt der anerkannte Schwabingologe das runde Jubiläum.


Toni und Max Uthoff in der Lach und Schieß

Wenn GenZ auf GenX trifft – und beide herrlich selbstbewusst aneinander vorbeireden. Eigentlich hatte der Mann aus der ZDF-„Anstalt“ ja selbst festgestellt: „Einer zuviel“. Und dann hat er sich doch zusammen mit seiner angenehm scharfzüngigen Tochter auf die Bühne gewagt. Im Kern geht’s immer wieder um die Frage rund um den alten weißen Mann. Wie soll man ihn loswerden, wenn er doch immerhin so verlässlich die Miete bezahlt?


Björn Puscha

Ein Mann von erlesener Bildung. Wer kann denn noch frei von der Leber weg auf Latein parlieren? Björn Puscha macht’s möglich. Er stellt sich im neuen Programm „rom.antik“ die berechtigte Frage, ob Rom nur antik ist oder ob es Romantik auch im bayerischen Wirtshaus gibt. Außerdem begleitet er eine Frau von der Präposition zur Emanzipation – und das Publikum im Schweinsgalopp durch die Deklinationen. „Keine Lateinvorkenntnisse erforderlich“, heißt es vom Veranstalter. „Aber bringen sie das beste Bayerisch mit, das Sie haben!“ Wird gemacht.


David Scheid im Lustspielhaus

Steht es um die Welt wirklich so schlecht, oder ist das alles Hysterie? Mit der gebotenen Schärfe knöpft sich der Mann, der sich „The Kabarettist“ nennt, natürlich auch selber gleich mal vor: „Ist meine Wokeness eine Gefahr für nachfolgende Generationen, oder hat man mir nur ins Hirn geschissen?“ Billige Lacher zu erzeugen, wäre zu billig.


Mackefisch im Vereinsheim

Selbstgebaute Koffer-Drums, Rasseln, Tröten, ein Bajo, Gitarre und Keyboad sowieso, und dann auch noch Steppschuhe: Mit vier Armen und vier Beinen arbeiten sich Lucie Mackert und Peter Fischer an gefühlt 20 Instrumenten ab. Fast noch wichtiger ist allerdings der „Komplizirkus“-Gesang: feinstes, fieses Songwriter-Kabarett mit Wums.


Dave Davis

Fade Stimmung allerorten. Alle gehen ins Trübsalblas-Orchester. Er will sich das nicht länger bieten lassen. Also kreischt Dave Davis in die Runde: „Konfetti für alle“. Mit unerschütterlichem Frohsinn defibrilliert er das Jammerflimmern. Ein Aufstand in Farbe.


Chin Meyer im Schlachthof

Wie man es auf lustige Art zum schnellen Geld bringt. Oder zumindest in dessen Nähe. Das verrät Chin Meyer, der „Cash Man“. Er weiß, wie wenig ein Leben ohne Humor wert ist. Eine absolut lohnende Investition!


Luise Kinseher im Lustspielhaus

Sie hat alle Kabarettpreise gewonnen, die es so zu holen gibt. Acht Programme hat sie geschrieben, den Nockherberg um den kleinen Finger gewickelt und zuletzt immer mehr tolle Kinofilme gedreht. Jetzt sollen sich um den Bühnespaß mal die anderen kümmern. Also schickt Luise Kinseher ihre Zwillingsschwester „Mary from Bavary“ allein auf Tour. Und die jubelt natürlich: „Endlich Solo“. Pointenfeuerwerk, juhu!


Maria Maschenka im Fraunhofer Theater

Poetry-Kabarett: Die Grande Dame des gehobenen Wahnsinns präsentiert ihr Soloprogramm „Lügenlyrik & Poetische Wahrheiten“. Heiteres wie Tragisches, Tiefgang und Flachwasser, Erotisches wie Grausames, Lügen und Wahrheiten!


Christina Kiesler im Vereinsheim

Sie stürmt erst in der „Nachspielzeit“ – so auch der Titel fürs aktuelle Solo – aufs Feld und attackiert in überraschend ausgeruhter Offensive die Lachmuskeln. Doch auch die Defensive steht: mit Hirn und Herz.


Nektarios Vlacholoulos im Lustspielhaus

Auch wenn der persönlich KI-Chatbot gerade erst mit Ihnen Schluss gemacht hat und selbst wenn die Schuldnerberatung Ihres Vertrauens gerade bankrott gegangen ist: Kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Nektarios nimmt Jammernde zur Seite, ohrfeigt sie sanft mit dem Samthandschuh und flüstert ihnen ins Ohr: „Das ist immer noch der beste Tag, den die Welt heute zu bieten hat.“ So kann man es nämlich eben auch sehen.


Hosea Ratschiller

Der Wiener Kabarettist mit dem Lausbubengrinsen ist Österreichs Mister Nice Guy – und freundlicher Papa. Doch wenn er seiner jungen Familie die wilde Welt erklären soll, wird’s auch für ihn zunehmend schwierig. Und auch das arg verkrampfte Klassentreffen ist natürlich kein „Happy Place“.


Michael Mittermeier

Das lange Warten und das fleißige Proben hat ein Ende: Mittermeier kehrt zurück und geht nach vier Jahrzehnten Spaßmacherkarriere dorthin, wo er noch nie war: in die Zukunft. Sein neues Programm „Flashback“ steigt in die Zeitmaschine, die offenbar allzu lange unbeachtet im heimischen Familienkeller stand. Jetzt schnappt er sich die Übergangsjacke – und los geht’s! „Ich weiß, was du nächsten Sommer getan haben wirst.“


Suse Lichtenberger

Manchmal muss man sich einfach einen Ruck geben. Bei der in Wien geborenen, im Schwarzwald aufgewachsenen Schauspielerin war es mit Mitte 40 dann doch noch so weit. Sie beschloss, aus ihrem Leben als mittelose, freischaffende Gelegenheitskünstlerin, mittelmäßige Mutter und wenig engagierte Umweltaktivistin ein sehr persönlich gehaltenes Erzählprogramm zu machen. „Willkommen zuhause“ ist ein tröstliches Unterfangen, eigene – und anderer Leute – Unzulänglichkeiten wegzulachen. Die Taktik bewährt sich: Lichtenbergers Programme sind und werden ausgezeichnet.


Teresa Reichl

Von der (feministisch fokussierten) Suche nach der Liebe, vom stillen Können und vom Danebenstehen: Neue Weisheiten aus Niederbayern.


Julia von Miller und Anatol Regnier

„Die Welt ist klein geworden“: Und nicht nur das. Die Zeiten sind bitterernst. Mit Kriegen, Krisen, Katastrophen. Man benötigt Trost.


Claus von Wagner im Circus Krone

Eine Welt, die aus den Fugen geraten ist. Wie findet man da sein Gleichgewicht wieder? Der Co-Moderator der ZDF-„Anstalt“ darf keinesfalls mit Max Uthoff verwechselt werden. Er tanzt auf dem Vulkankraterrand und bemüht sich um eine kultivierte Ausrucksweise. Na also: „Projekt Equilibrium“. Hingehen!


Josef Hader

Den Mann mit dem sympathisch flackernden Blick liebt man. Völlig zurecht, bietet er doch so viel an – im Mehrkampf Film, Fernsehen, Bühne. „Hader on Ice“ sollte man kennen. Großes Theater, das das ganz große Rund verdient hat.


Rike Wagner

„Baywatsch Bowle“: Achtsam, weltoffen, selbstoptimiert und bestenfalls auch noch nachhaltig wertschätzend sollte man leben. Gar nicht so leicht, findet sie. Stimmt!


Manuel Rubey und Simon Schwarz

Es ist das Comedy-Meisterwerk – ein Bühnenstück -, über das ganz Österreich ausgelassen lacht. Endlich kommt „Das Restaurant“ auch wieder nach München. Darin erzählen die beiden Freunde, die gemeinsam mindestens vier linke Hände haben, von ihrem absurden Plan und der nicht minder absurden Umsetzung. Eines Abends beschlossen Rubey und Schwarz, gemeinsam ein Lokal zu eröffnen. Der Kabarettist und Schauspieler Simon hat schon einmal in einem Film einen Koch verkörpert. Und Freund Manuel trinkt gern Wein. Passt also. Doch so ganz rund läuft’s dann doch nicht. Und als das Restaurant abbrennt, riecht es nach Brandstiftung.


Sara Brandhuber im Lustspielhaus

Von ihr kann man viel lernen – etwa über die dann doch nur eingeschränkte Sicherheit, die Schnitzschutzhosen bieten. „Gschneitzt und kampelt“, also fesch, legt Sara Brandhuber wieder los. Auf Niederbairisch, Ehrensache!


Franziska Wanninger im Schlachthof

Muss man ihr lassen: Franziska Wanninger steht dazu, dass viele ihrer gut gemeinten Ratschläge auch mal nach hinten losgehen. Trotzdem glühen dann fast die Telefondrähte durch. Man muss sich ja erst einmal besprechen. Dabei hat sie eigentlich so klar gesagt: „Wenn du wen brauchst, ruf mich nicht an“. Mit dem gleichnamigen, ziemlich turbulenten neuen Solo knüpft sie ans Vorgängerprogramm „Für dich soll’s rote Rosen hageln“ an. Humor hat sie.


Sven Bensmann im Theater Leo 17

Feelgood: Er ist der junggebliebene urbane Dorfbub und der Dino-Boy, der es in einem anderen Leben auch zur Disneyprinzessin gebracht hätte. Sven Bensmann setzt auf überwältigend gute Laune, auf Stand-up-Beobachtungen und auf viel Musik. Singen kann er wie kaum ein Zweiter. „Svenomenal“ eben!


Viduara Banara Rajapaksa in der Alten Kongresshalle

„The Paradise Gothic Tour“: Der Comedian, Autor und Regisseur aus Sri Lanka setzt sich mit seiner typisch trockenen Art und viel Witz unter anderem mit der Tech-Kultur von Unternehmen und spirituel- lem Burnout auseinander. Auf Englisch.