Wer sich aufregt oder ekstatisch freut, regt immerhin den Kreislauf an.
Django Asül
Ob ein wieder einmal furchterregendes, scheußliches Jahr durch die scharfen Augen des unerschrockenen Niederbayerns geblickt vielleicht doch noch erträglich wird? Django Asül hält eisern an den alten Fahrschulregeln fest. Wer nach vorn fährt, darf den Blick nach hinten nicht vergessen. Sein „Rückspiegel 2025“ wirkt klärend.
Brigitte Hobmeier & NouWell Cousines
Liebeslust, Liebesfrust, Liebesglück, Lie- beswahn: Die Resi-Schauspielerin tobt frech durch die Literaturgeschichte und öffnet ihr Herz ganz weit. Und die Vollblutmusikerinnen, die zu drei Vierteln dem Suppentopf der Familie Well entstammen, stehen ihr an Aufgekratzheit und Res- pektlosigkeit in nichts nach. Eine Matinee zum Schmachten, Kichern und Staunen.
Björn Puscha
Ein Mann von erlesener Bildung. Wer kann denn noch frei von der Leber weg auf Latein parlieren? Björn Puscha macht’s möglich. Er stellt sich im neuen Programm „rom.antik“ die berechtigte Frage, ob Rom nur antik ist oder ob es Romantik auch im bayerischen Wirtshaus gibt. Außerdem begleitet er eine Frau von der Präposition zur Emanzipation – und das Publikum im Schweinsgalopp durch die Deklinationen. „Keine Lateinvorkenntnisse erforderlich“, heißt es vom Veranstalter. „Aber bringen sie das beste Bay- erisch mit, das Sie haben!“ Wird gemacht.
Dr. Bohl
Auf ins Minenfeld: Der unerschrockene Österreicher erzählt von überlebten Dates und gibt wichtige Tinder-Empfehlungen. Wie man Red Flags richtig interpretiert und die eigene Vergangenheit systematisch aufhübscht. Ein Programm, von dem man lernen kann.
Christian Ehring
Kann man in Zeiten von Kriegen, Krisen, Wirtschaftsflaute und Wärmepumpenirrsinn überhaupt noch lachen? Christian Ehring, Moderator der ARD-Satirereihe „Extra 3“ und Sidekick von Oliver Welke bei der „Heute Show“, lässt sich nicht kirre machen. Und plötzlich schlägt er sogar sanftere Töne an, von denen man sich allerdings keinesfalls täuschen lassen sollte: „Versöhnung“ heißt sein Bühnenprogramm.
Stefan Schöttler
Er war schon mal Schwergewichtsboxer. Und kennt daher Momente der Niedergeschlagenheit, aber eben auch den Durchhaltewillen, wieder aufzustehen und weiterzulachen. Jetzt ist er sich sicher, dass er von seinem Erfolgsgeheimnis etwas weitergeben sollte: bei der Comedy-Predigt, die auf den Erkennt- nisgewinn „Arschvollglück“ zusteuert
Lach- und Schießgesellschaft im Fat Cat
Endlich sperrt Till Hofmann den neuen Saal auf: Die mit viel Vorfreude umgezogene Satireanstalt eröffnet am neuen, leider doch wieder nur vorübergehend, aber mit viel Leidenschaft zu nutzenden Ort seine Tore. Für den fetten Eröffnungsabend hat sich unter anderem Stephan Zinner, der designierte neue Nockherberg-Redner und Multitalent-Musikus, angekündigt.
Ingo Appelt
Früher hätte man den Programmtitel „Männer nerven stark“ sofort gegen den Absender gedreht, weil Appelt mit seiner einstigen medialen Omipräsenz sogar wohlmeinenden Zeitgenossen ein wenig auf den Zeiger ging. Zuletzt hat er sich aber ein wenig rar gemacht. Und so lässt sich tatsächlich sogar Vorfreude aufbauen auf einen Abend, an dem Appelt dem Publikum mit dem verbalen Vorschlaghammer zwei Stunden lang den Alltag austreiben möchte. Wer hat noch nicht, wer will noch mal?
Frank-Markus Barwasser als Erwin Pelzig
„Wer wir werden“: Im neuen, langen erwarteten Programm kramt der Pepitahutträger aufgeregt in seiner Herrenhandtasche und zieht einen Gag nach dem anderen heraus. Allerdings: Billige Witze darf man von Franken-Stoiker wirklich nicht erwarten. Mehr noch: Pelzig macht sich Sorgen um die Mitmenschen, denen führende Soziologen schon „Change Fatigue“, also „Veränderungserschöpfung“, attestieren. Manchmal fragt man sich tatsächlich morgens in aller Frühe, um welches Thema man sich als erstes Sorgen machen sollte.
Florian Schroeder
In Chaostagen wie diesen behält man in Anzug und Krawatte Haltung. Davon ist zumindest der TV-Moderator und routinierte Provokateur Schroeder überzeugt, der dem abgelaufenen Jahr ein zorniges „Schluss jetzt!“ hinterruft. Und trotzdem lohnt sich noch einmal ein Blick auf die aberwitzigen Details – in seinem satirischen Jahresrückblick.
Maxi Schafroth
Allgäu total: Er war der Mann, der es wagte, dem wahren „Derbleckn“-Anspruch gerecht zu werden und auf dem Nockherberg die Mächtigen und Großen ganz klein zu falten. Prompt war er im gerne dann doch etwas klemmigen Humorbetrieb seinen Job wieder los. Allerdings öffneten sich zuletzt neue Türen – etwa in die Kammerspiele. Trotzdem hat sich der gar nicht mehr so kleine Maxi vom Land noch immer den stauenden Blick auf die Großstadt, auf die ganz spezielle Münchner Melange, bewahrt. Die „Faszination Bayern“ lässt ihn einfach nicht los.
Ella Carina Werner
Power-Weibchen wimmeln durch ihr Werk – schön selbstbewusst und ganz schwer zu beeindrucken (vor allem durch Männer). In ihrem charmanten kleinen Bestseller „Der Hahn erläutert unentwegt der Henne, wie man Eier legt“ verlegt Ella Carina Werner das allgemeine Geschlechterkämpfen und Missverstehen ins Tierreich. Und da wird schnell klar, warum die Highland-Kuh so selbstbewusst stark behaarte Beine trägt. Oder warum Schlangen keine Arme haben. Damit sie nämlich keine Care-Arbeit übernehmen müssen.
Antonia Stabinger
Sie kann jede Schlagzeile schönreden und sehr routiniert Schuld abschieben. Und doch muss man ja nicht an den grausigen News kleben bleiben. Stabinger bietet feinen Eskapismus – und ein lustvolles Theater mit spannendem Personal. Dazu zählt unter anderem Clit/Doris, das sprechende Genital. Ui!
München, du machst mich fertig
Wann hat Lenin in Münchner Bierhallen den Überblick verloren? War Elvis etwa doch im Hofbräuhaus? Und was nur treibt der Monaco Franze? Die Ensemble-Revue über die vogelwilden Jahre der Stadt kehrt zurück. Mit Simon Pearce, Stefan Murr, Kathrin Anna Stahl, Annette Lubosch, Ian Chapman und Sandra Hollstein.
Raphael Breuer
Von den Tücken und den Abgründen der deutschen Sprache: Üblicherweise unterhält Raphael Breuer seine rasant angewachsene Fangemeinde damit ja durch naseweise Lehrvideos auf TikTok, Instagram oder YouTube bei Laune. Nun holt er seinen pädagogischen Ansatz „#verstehensiesprach?“ auf die Bühne.
Max Uthoff
Das ist der Ton, der mit dem neuen Ort wieder einziehen soll – Satire mit Herz und Hirn. Wer wohl nur die Verantwortung für den ganzen Mist trägt? Eigentlich müsste es der Mann aus der ZDF-„Anstalt“ ja wissen. Doch die ganz einfachen, allzu platten Antworten sind seine Sache nicht. Max Uthoff jagt im Solo-Programm „Alles im Wunderland“ unerschrocken dem Wahnsinn hinterher, stellt ihm hinterhältige Fallen, bietet ihm absurd Paroli und spielt linksextreme Lösungsversuche durch.
Luise Kinseher
Sie hat alle Kabarettpreise gewonnen, die es so zu holen gibt. Acht Programme hat sie geschrieben, den Nockherberg um den kleinen Finger gewickelt und zuletzt immer mehr tolle Kinofilme gedreht. Jetzt sollen sich um den Bühnespaß mal die anderen kümmern. Also schickt Luise Kinseher ihre Zwillingsschwester „Mary from Bavary“ allein auf Tour. Pointenfeuerwerk, juhu!
Volksshow
Auch eine Art Neujahrsempfang: Das neue Jahr fläzt sich ja schon seit einigen Tagen frech in die Stadtlandschaft. Und noch weiß niemand so richtig, auf was man sich da notgedrungen wieder eingelassen hat. Moritz Hürtgen tut allerdings so, als hätte er den Weit- und Durchblick. Er verrät jetzt schon mal, was wichtig, halbwegs wichtig und komplett irrelevant wird. Zu Gast ist diesmal Tereza Hossa, Kabarettistin und Tierärztin aus Tirol, die man nicht zuletzt wegen ihres tollen „Duschbier“-Podcasts liebt. Und Scott Hühnerkrisp wagt sich am Klavier an Mini-Märchen und Mini-Lieder.
Kernölamazonen
Wenn steirische Gemütlichkeit auf temperamentvollen griechischen Charme trifft: Die Zwei-Frau-Kabarettshow kann sich auf 20 Jahre Bühnenschaffen stützen, leistet sich aber trotzdem den Luxus, wild durchs Hier und Jetzt zu improvisieren.
Philipp Uckel
„Vollgas“ gibt der Berlin-üblich besonders Schlagfertige. Uckel hat den dortigen „Mad Monky Room“, einen der führenden Comedy-Clubs der Hauptstadt, mitgegründet. Jetzt arbeitet sich der vollschlanke Ex-Rapper wieder selbst am Publikum ab. Hilft ja nüscht.
Matthias Walz
Er nennt sein Solo „Der böse Mann am Klavier“. Und vielleicht ist auch das schon einer der hintersinnigen Witze. Matthias Walz ist nämlich eigentlich ein Charmebolzen und mit bester Faschingslaune gesegnet. Wer viel fernsieht, kennt ihn unter anderem von der „Fastnacht in Franken“. Allmächt!
Urban Priol
Der gar nicht so verrückte Franken-Professor (der allerdings so aussieht) hat mal wieder in die Steckdose gelangt. „Tilt“ heißt sein satirischer Jahresrückblick, der sie in sich hat, die Schärfe. Gibt ja auch genug zum Lästern.
Toni und Max Uthoff
Clash der Generationen: Zwei Zyniker auf engstem Raum. Der oft so strenge Satiriker, breitenwirksam bekannt aus der ZFD-Reihe „Die Anstalt“, hat sich auf das Wagnis eingelassen, seine Weltweisheiten an denen seiner Tochter Toni zu messen. Die lässt sich mit der ihr eigenen intellektuellen Kratzbürstigkeit nicht so schnell einschüchtern. Das Familienprogramm „Einer zuviel“ wird mal wieder sehr spannend. Und die Säle werden größer und größer!
Christian Dolezal
Ausgezeichnet: Seine „Herzschlampereien“ haben ihn den Österreichischen Kabarettpreis eingebracht. Und es stimmt ja: Dolezal weiß viel zu berichten, über die Abenteuerfahrten eines Liebenden. Immer gegen die Wand.
