19:30 Uhr
Münchner Volkstheater / Münchner Volkstheater – Bühne 1, Tumblingerstraße 29, 80337
München
Theater
Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui
von Bertolt Brecht
Premiere am 19. März 2026
Die Wirtschaftskrise trifft die Gemüsehändler Chicagos mit voller Wucht: Ihre Produkte lassen sich kaum noch verkaufen. In dieser Lage bietet der kleinkriminelle, vom Größenwahn getriebene Arturo Ui seine vermeintliche „Unterstützung“ an. Doch zunächst wenden sich Händler und Ladenbesitzer an den angesehenen Politiker Dogsborough. Dieser soll ihnen mithilfe öffentlicher Gelder auf fragwürdige Weise aus der Krise helfen – und dabei auch seinen eigenen Vorteil suchen. Als der Skandal um diese Machenschaften ans Licht zu kommen droht, erkennt Arturo Ui seine Gelegenheit. Öffentlich stellt er sich schützend vor Dogsborough, während im Hintergrund belastende Zeugen beseitigt werden. In rasantem Tempo gelingt es Ui gemeinsam mit seinen Gangstern, die Kontrolle über den Gemüsetrust und schließlich auch über Dogsborough zu übernehmen. Durch Einschüchterung, Gewalt, Mord und Verführung baut Ui seine Macht immer weiter aus – und schreckt dabei nicht einmal davor zurück, frühere Weggefährten brutal auszuschalten.
Regie: Christian Stückl
Bühne und Kostüme: Stefan Hageneier
Mitarbeit Kostüme: Paula de la Haye
Musik: Tom Zimmer, Max Bloching
Lichtdesign: David Jäkel
Dramaturgie: Hannah Mey
Regieassistenz: Yuan Yi Danneil, Orlando Lenzen
Bühnenbildassistenz: Ines Grassmann
Kostümassistenz: Julie Fritsch
Besetzung
Arturo Ui: Anton Nürnberg
Ernesto Roma: Alexandros Koutsoulis
Guiseppe Givola: Cedric Stern
Emanuele Giri: Nils Karsten
Dogsborough / Ein Schauspieler: Pascal Fligg
Clark: Silas Breiding
Flake: Jonathan Müller
Butcher: Maximiliane Haß
Sheet / Ignatius Dullfeet: Baran Sönmez
Betty Dullfeet: Luise Deborah Daberkow
Ted Ragg: Salif Dekamo Botz Kamara
O’Casey: Carolin Hartmann
Die Besprechung unseres Theaterexperten Peter Eidenberger:
1941 reagiert Bertolt Brecht im finnischen Exil auf die NS-Diktatur und verlegt Hitlers Karriereweg in die Gemüsehändler-Szene von Chicago. „Der aufhaltsame Aufstieg von Arturo Ui“ erzählt von den Mechanismen, mit denen sich ein erst mal kleiner Verbrecher in der Wirtschaftskrise bei Unternehmern einschleimt. Gewalt, Intrigen, Erpressung, Mord: so schnappt er sich die Macht, über den „Karfiol-Trust“, über die Stadt und darüber hinaus. Christian Stückl macht am Volkstheater daraus eine Gangster-Show – mit Hintergedanken.
Auf der Drehbühne: dreimal der gleiche gediegene Salon, fliederfarben, dazwischen Hinterhofsegmente, Mülltonnen und schwarze Säcke, für die Leichen. Musik, Figuren- und Szenenführung sind inspiriert von alten US-TV-Serien, permanent trinkt oder raucht jemand, dazu Kostüme aus den 1970ern, ins Lächerliche übertrieben, und Knarren, die wie Spielzeugpistolen knallen. Das ist Stückls Kniff: diese Typen nicht allzu ernst nehmen. Ein paar launige Anspielungen noch zum Benzinpreis oder OB Reiter und dem FCB, soll ja ein netter Abend werden.
Doch diese vordergründige Show hat die Gegenwart im Blick. Ui (der gerne mal als Hitler-Kopie inszeniert wird) kommt ohne konkreten Fingerzeig aus, er ist auch kein Höcke: Anton Nürnberg ist einfach ein blonder Strizzi, Halbstarkentolle, Trainingsjacke. Er wird sich machen, wird schicker, trainiert seinen Gestus (bei einem herrlich unappetitlichen Schauspielcoach: Pascal Fligg). Und schließlich kommt er mit Wahlplakaten in AfD-Optik um die Ecke: Dein Chicago zuerst! So läuft der Hase.
Auch sonst verzichtet die Inszenierung auf die Dechiffrierung der historischen Charaktere, die Brecht im Kopf hatte. Nur einmal bricht beim Ui-Adlatus Givola (Cedric Stern) kurz der Goebbels durch: „Totaler Sieg“. Die schicke Elite in ihren edlen Anzügen schaut dem Treiben zu, aber zunehmend stiller: klar, wer protestiert, wird erschossen. Wenn sie merken, dass es zu spät ist, ist es auch zu spät. Der Applaus: kein Jubel, aber stark.
Termine & Tickets*
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Veranstaltungsort / Karte
Münchner Volkstheater / Münchner Volkstheater – Bühne 1
Adresse: Tumblingerstraße 29,
80337 München
