Gastro-Kritik

Das Weinheim: Gut trinken, gut essen

Das Weinheim in Schwabing

Das Weinheim in Schwabing ist eine Weinbar und ein Restaurant zum Wohlfühlen

An einem regnerischen Freitagabend, nach einer selbstverständlich äußerst harten Arbeitswoche bei einem allerletzten, „knallharten“ Arbeitstermin mit den Worten begrüßt zu werden: „Ihr bekommt den kleinen Ecktisch für die Frischverliebten“ hat schlagartig die Laune bei meinem langjährigen Arbeitskollegen und mir mindestens auf Wochenend-Schneekönig-Niveau angehoben. War doch der vinophile Kollege zuerst gar nicht so leicht zu überreden gewesen und erst nach der festen Zusage, dass er hier ganz sicher ein gutes Käse-Fondue gäbe, bereit, seine weinschweifenden Fachkenntnisse zur Verfügung zu stellen. Und da sitzen wir dann vom Glockenbachviertel mühselig per Tram angereist im schönen Schwabing zwischen Elisabeth- und Kurfürstenplatz im ausreservierten „Weinheim“ – tatsächlich auch noch am „Frischverliebten-Tisch“ …

Der Wein: fair kalkuliert und in „trinkfreudiger“ Größe

Allerbester Laune bestellen wir das versprochene Käsefondue (13.-, die klassische Variante mit Grenaille-Kartoffeln) und von der Tageskarte den Zwiebelrostbraten mit Bratkartoffeln (21,50). Eine Karaffe stilles Münchner Wasser (1 l; 4.-) gegen den ersten Durst und für die weitere „Arbeits-Recherche“ die Weinkarte bitteschön. Mehr als zwanzig offene Weißweine und fast so viele Rote werden hier entweder als 0,15 l glasweise oder als Flasche angeboten – hauptsächlich von deutschen und österreichischen Weingütern, dazu ein paar Ausreißer von „Randgebieten“ wie Italien oder Frankreich. Alle nicht billig, aber für Münchner Verhältnisse fair kalkuliert mit der deutlich trinkfreudigeren Größe von 0,15 l (einfach genau der bisserl „gute Schluck mehr“) – im Gegensatz zu den üblichen „Ein-Schluck-und-furt-war-sie-die-Marie“ Weinpreisgepflogenheiten in den meisten mehr oder weniger glorreichen Münchner Gastronomiestätten. Hier stimmt auch der Kollege zu: Er wählt einen trocken ausgebauten Gewürztraminer (7,50), der für sehr gut befunden wird – ich bin mit einem Blaufränkischen (8,50) aus dem Burgenland mehr als zufrieden. Das Wohlbefinden ihrer Gäste liegt dem Wirtepaar Andreas Glaubitz und Helmut Stör einfach deutlich spürbar am Herzen: Sehr freundlich, unaufdringlich, aber immer zur Stelle arbeiten beide selbst an der Bar und im Service. Mit der Eröffnung Ende 2018 haben sie sich mit dem „Weinheim“ ihren Traum erfüllt. „Beide leidenschaftliche Weinliebhaber, immer auf der Suche nach neuen, innovativen, meist kleinen Winzern und dem Dreiklang: nette Gäste, gute Weine, feine Speisen …“ – das steht nicht nur auf der Webseite, sondern wird hier tatsächlich „gelebt“.

Das Essen: ohne Brimborium und wirklich wohlschmeckend

Für die feinen Speisen haben die beiden Küchenchef Norman Jerratsch mit ins „Heim“ geholt. Sein Credo: „Einfach frische Produkte, die der Gast auch schmecken soll“. Dieses Motto merkt man gleich bei der deliziösen Beilage zum Fondue – wunderbar süß-sauer-scharf marinierten Pickles. Dazu allerbeste Grenaille-Kartoffeln und als Wichtigstes der geschmolzene Käse (hier Greyerzer, Appenzeller und Emmentaler) in perfekter Konsistenz in einem kleinen Keramiktopf über einem Teelicht serviert: Der Kollege ist und isst begeistert. Gut, die Brotstücke könnte man vielleicht noch anrösten – „a bisserl Arbeitsfachgeschwurbel“ muss halt schon sein. Nicht unüberraschend bei einem Käse-Fondue kommt man auf Asterix und Obelix in der Schweiz: Wie war das noch bei Brotverlust – Stockhiebe, Peitschenschläge und ab in den See? Gaius Infarctus hieß der Typ, oder? Wir nehmen einen Quercus Pinot Noir vom Familienweingut Allendorf aus dem Rheingau (9.-) – zwei Gläser bitte, wir sind ja nicht auf Orgie. Der rosagebratene Zwiebelrostbraten – gekrönt von schön reschen Zwiebelringe und zusammen mit einer geschmacksintensiven Zwiebelrotweinsauce und gebratenen Grenaille-Kartoffeln serviert – verdiente großes Lob. Ebensolches bekommt der deutsche Spätburgunder vom Kollegen, der ihm fast schon „Burgundischen Stil“ attestiert – die wohl höchstmögliche Einstufung des ausgemachten Burgund-Liebhabers. Noch gestärkt mit einem kleinen Traubenkirsch-Brand (5,50) aus dem Hause Prinz Hafele, war der Arbeits-Spirit für die nächste Woche jetzt einigermaßen gesichert …

Wir haben uns erlaubt fachkollegenlos noch einmal vorbei zu schauen: Ein deftiger Grüner Veltliner Wildwux (8) und ein sehr angenehmer Spätburgunder Prunkstück (7) von Mattern passten bei diesem Besuch bestens zur Tomaten-Spinat-Bergkäse-Quiche (10,50) mit einem wirklich sehr fein angemachten Salat und zur klassischen Badischen Rotwein-Roulade (13) mit einem selten guten Apfel-Blaukraut und einem luftigcremigen Petersilienpüree. Auch die beiden Desserts (je 7.-) – ein warmer Schoko-Haselnuss-Kuchen mit hausgemachtem Vanilleeis und eine Mohnmousse mit Orangensalat waren von ausgezeichneter Qualität: Alles ohne effekthaschendes Brimborium drum herum einfach gut auf die Teller gebracht und sehr niveauvoll gekocht.

Unser Fazit: Ein schönes, stilvolles, zeitgemäßes Lokal mit einer einigermaßen erschwinglichen und interessanten Wein- und Getränkekarte, mit einem zuvorkommenden und liebenswürdigen Service und einer (nicht zuletzt wohl deswegen) fröhlich-buntgemischten Gästeschar – ein Platz zum Wohlfühlen, ein echtes „Weinheim“ halt!

Autor: Peter Trischberger

Das Weinheim, Bauerstraße 2
Di - Do 17 - 24 Uhr, Fr - Sa 17 - 01 Uhr So u. Mo Ruhetag, Tel: 089 926 553 81, www.dasweinheim.de

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