Bild- und Wortgewalt, die immer wieder süchtig macht.
IN München stellt die Theaterhighlights im März vor.
„Munich Machine“ im Residenztheater
Die Spielzeit-Premiere, über die alle sprechen und die man gesehen haben muss: Regisseur Ersan Mondtag lässt ein UFO in Weißwurstform über München kreisen. Noch einmal zieht der trotzigste Asphaltcowboy der Maxvorstadt, der 2022 verstorbene No-Budget-Big-Ego-Filme- macher Klaus Lemke (auf der Bühne verkör- pert von Brigitte Hobmeier) durch die Stadt. An seiner Seite hat er diesmal überraschender- weise keine wunderschönen Frauen, sondern einen Außerirdischen. Ihn nimmt er mit auf eine Zeitreise durch ein tatsächlich leuchtendes München und auf einen Schlenker hin zur Hoffnung, dass alles mal wieder so sein könnte. Albert Ostermaier verneigt sich vor Lemke.
„Don Giovanni“ im Gärtnerplatztheater
Der unverbesserliche Lustmensch: Ein Verführer, ein Vergewaltiger, ein Mörder. Und doch ein Mann, dessen Stimmgewalt man immer noch gerne lauscht – und sich an seiner Höllenfahrt ergötzt. Die bildgewaltige, starke Inszenierung aus dem Jahr 2017. Man sinkt immer wieder gerne vor dem „Stei- nernen Gast“ in die Knie – und vor Don Giovanni!
„Fischer Fritz“ im Volkstheater
Provinzgeschichten mit Blattgoldrand: Die großartige Münchner Autorin Raphaela Bardutzky entwirft auf engstem Raum ein bittersüßes Miteinander. Eine polnische Pflegekraft soll einen mürrischen alten Mann betreuen. Ein wenig Aufheiterung bringen nur ihre Chats mit dem Fahrer, der sie einst in die Abgeschieden- heit gebracht hatte. Doch dann geht Verstän- digung durch den Magen. Es geht um den Fisch.
„Mittwinter“ im Metropoltheater
Schauerlich. Eben erst ist ein Krieg zu Ende gegangen, doch zu einer neuen Ordnung haben die Menschen noch nicht zurückgefunden. Schon gar nicht Maud, die einem alten Mann einen jungen Enkel abnimmt, um die Lücke zu füllen, die der Tod ihres eigenen Kinds zu füllen. Doch dann kehrt plötzlich Mauds Ehemann nach zehnjähriger Abwesenheit zurück. Dem Soldaten kommen immer stärkere Zweifel, was er an der Geschichte und den Geschichten seiner Frau überhaupt noch glauben kann. Und der nächste, noch viel längere Krieg deutet sich an. Jochen Schölch, der Theater-Hausherr, inszeniert das Stück von Zinnie Harris, das die Erosion von Moralverstörungen verstörend schonungslos untersucht.
„Fünf bis sechs Semmeln und eine kalte Wurst“ in den Kammerspielen
Sie musste sich erst qualvoll aus familiärer Enge befreien, um als Schriftstellerin eine Stimme zu finden. Zunächst hört es sich für die achtjährige Lena Christ ja noch ganz spannend an, als sie aus der behüteten Idylle bei den Großeltern in Glonn nach München kommt, um zu ihrer Mutter in einem Wirtshaus zu stoßen. Doch schnell stellt sich heraus: Die „Wirtsleni“ wird brutal ausgenutzt und zum Dauerarbeiteinsatz verdonnert. Ein Albtraum, der lange nicht endet. 100 Jahre später widmet ihr Annette Paulmann ein Stück, in das sie selbst Wirtshauserfahrungen an der Seite einer sehr strengen Mutter einfließen lässt.
„Schwester“ im HochX Theater und Live Art
Es ist eine Themenerkundung, in der sich die ehemalige Klosterschülerin Lulu Obermayer, die auch schon Zeit in Klöstern verbracht hat, selbst sehr nah kommt. Die vielseitige Münchner Schauspielerin, die mit ihrer Performance „Rachel und ich“ auf dem Radikal-jung-Festival im Volkstheater im vergangenen Jahr den Publikumspreis gewann, untersucht nun Fragen von Schwesternschaft, Gemeinsinn, Spiritualität und Glauben. Ausgangspunkt ihres Musiktheaterprojekts sind zwei Opern – „Suor Angelica“ von Giacomo Puccini sowie „Dialogues des Carmélites“ von Francis Poulenc.
„Elektra – 750 PS Vergangenheitsbewältigung“ im Volkstheater
Gewagte Überschreibung: Sofie Boiten und Lorenz Noting adaptieren die blutige Familientragödie von Sophokles, in der es keinen Ausweg aus dem ewigen Morden zu geben scheint, und blenden über zur belasteten Historie einer der reichsten deutschen Unternehmerdynastien. Auch die Familie Quandt, die hinter BMW steht, hat Schuld auf sich geladen – durch die Ausbeutung von Zwangsarbeitern in der Nazi-Zeit. Wie kriegt man das unter einen Hut? Lässt sich Schuld vererben oder doch nur verdrängen?
„Axiom“ im Teamtheater
Die Versuchung, sich anders zu zeigen, als man in Wirklichkeit ist, schmeckt herrlich süß. Und zwar meistens genau dann, wenn man mit kleinen Tricks und Nachbesserungen so gut bei anderen Menschen ankommt. Auch Julius, der eloquente, charmante Museumswärter, folgt der Devise: Fake It Till You Make It. Und dann trägt er besonders dick auf, lädt Kollegen zu einem Segeltörn auf dem Boot seiner adeligen Familie ein. Doch schon bald kommt ein Verdacht auf. Die Stimmung gerät in Schräglage. Immer brennender drängt sich die Frage auf: Wer ist Julius wirklich? Regisseur Philipp Jescheck hat sich vom Film von Jöns Jönsson inspirieren lassen und bringt ein klassisches Theaterthema auf die Bühne: gefährlich einfühlsame Hochstapelei.
„Sankt Falstaff“ im Residenztheater
Der österreichische Dramatiker Ewald Palmetshofer hat Shakespeares „King Henry IV“ umgeschrieben. Und was dabei herauskommt, geht an die Nieren. Nicht nur, weil Tunichtgut John Falstaff und der wilde Harri so viel bechern in Frau Flotts Containerkneipe. Es ist viel faul im Staate England. Und auf Männerfreundschaft ist nicht mehr wirklich Verlass.
„Rombo“ in der Reaktorhalle
Wenn die Erde bebt und ganze Dörfer verschwinden: Esther Kinsky hat in ihrem Roman die Momente kurz vor, während und nach den Erschütterungen durch die zwei Erdbeben in der Bergregion Friaul im Nordosten Italiens im Sommer 1976 rekonstruiert. Das gesamte Gelände erhält Stimmen – vom Kalkstein, über eine Schlange bis hin zu einer Dorfbewohnerin. Es geht um Vorahnungen, Erinnerungen, Halt.
„Duette und Falsette“ in den Münchner Kammerspielen
Kulturkampf im Boxring: Nele Jahnke und Hans-Jakob Mühlethaler stellen sich sportlichen Herausforderungen und analysieren Opernduette als Zweierbegegnungen, in denen Schlag auf Schlag trifft. Doch wie kann man die großen Gefühle befreien aus dem Hochkultur-Klammergriff? Verschiedene Emotionsklassen, Haltungen und Trainingsmethoden knallen aufeinander. Wer geht in die Knie, wer landet in den Seilen?
„Ein gespielter Sturm und ein echtes Gewitter“ in der Pasinger Fabrik
Das gefeierte Ensemble Theater Viel Lärm um Nichts umspielt Shakespeares letztes Stück, wie die raue See eine abgelegene Insel umtobt, auf der Prospero ein eisernes Regiment führt. Er hat Caliban versklavt und sich Ariel untertan gemacht. Gar nicht so heiter, auch wenn über den Sand die Liebespaare schlurfen. Die bildstarke Adaption spielt mit Modell-Nachstellungen und lässt allerlei kritische Zusatztexte über Gewalt, Kolonialismus und Traumata einfließen.
Der Kontrabass im Hofspielhaus
Ein bisschen sadistisch ist das ja schon. Aber: Den grandiosen Charakterdarsteller Michael A. Grimm sieht man immer wieder gerne hinter seinem monströsen Standfidel schwitzen, leiden, schmachten und schimpfen. Er ackert sich durch die grandios abgründige Ein-Mann-Künstlerkomödie von Patrick Süßkind, die noch nichts von ihrem Charme verloren hat. „Nein, geboren wird man nicht zum Kontrabass“, heißt es im Stück ganz unromantisch. „Der Weg dorthin führt über Umweg, Zufall und Enttäuschung.“ Selten wirkte Frust so lustig.
„Meister und Margarita“ in den Münchner Kammerspielen
Ist Feigheit die größte Sünde? Eine junge Frau geht einen Pakt ein, um ihre große Lie- be zu retten. Dann aber setzt sie Kräfte frei, die sich nicht mehr kontrollieren lassen. Der Teufel, getarnt als ausländischer Tourist, zieht durch Moskau und verbreitet Chaos in der Stadt. Er wirkt aber auch als Brennglas: entlarvt Gier und Willkür. Haben nicht längst alle vermeintlichen braven Bürger einen Teufelspakt geschlossen? Regisseurin Jette Steckel bringt Michail Bulgakows Roman als metaphysischen Thriller mit überdeutlichen „Faust“- und Gegenwartsanklängen auf die Bühne, unter anderem mit Wiebke Puls und Thomas Schmauser.
„Der Trojanische Krieg“ im Pathos Theater
Und noch einmal eine radikale Umschreibung von Stefan Kastner: Diesmal verlegt er das Homerische Kriegstreiben aufs Land, genauer gesagt rund um einen Bauernhof bei Freising. Dort lebt Gustl, der einen ehrgeizigen Plan hat: Er möchte ein riesiges Holzpferd bauen, wie das einst schon Odysseus tat. Ob sein Plan aufgeht? Und wie reagiert die zänkische Götterwelt? Und dann lässt sich plötzlich auch noch Achill auf dem Hof blicken. Ein Kampf ist nicht mehr aufzuhalten.
„Pandora Pop: The Roadtrip – Dreaming Forward“ im HochX
Karl May in allen Ehren: Die Faszination für die indigene Bevölkerung Nordamerikas ist groß im Lande – von Pocahontas bis zu Sitting Bull oder dem Manitu-Kanu. Doch woran liegt das nur? Für das Stück machen sich Menschen aus den USA, Kanada und Deutschland auf eine Forschungsrundreise durch die Sehnsucht-Republik.
„Rigoletto“ im Nationaltheater
„La donna è mobile“: Wie wankelhaft die Frauen sind. Und wie komplett berechen- bar die Männer, deren Macht-Instinkte und sonstige Absichten doch oft nicht zu verstecken sind. Der Herzog aus Giuseppe Verdis Meisteroper ist ein skrupelloser Lustmolch, der sich brutal nimmt, was er will. Und der seine Laune auslebt, weil ihm ja ohnehin niemand zu widersprechen mag. Außer vielleicht: der Hofnarr aus dem Titel? Doch der ist selbst in die Machenschaften tief verstrickt. Und dass er sich innerlich verbiegt und verkrümmt, sieht man ihm auch äußerlich an. Barbara Wysocka inszeniert den wuchtigen Stoff mal wieder für die große Bühne, auf der allerorten ja auch Trump wütet.
„Glaube Liebe Roboter“ im Volkstheater
Elisabeth hatte einst ihre Leiche an ein anatomisches Labor verkauft. Ein Suizid war für sie der angeblich einzige Ausweg. Doch nun dreht Bonn Park die Schraube gnadenlos weiter. Es geht di- rekt hinein in die Forschungsanstalt, in der Elisabeths Körper als Mensch-Ro- boter weiterlebt. Es geht um den Traum von der Unsterblichkeit und die Blind- heit, die uns Künstliche Intelligenz im- mer öfter in unsere Vorstellungswelten diktiert. Wohin jagt der Fortschritts- glaube? Gibt es vielleicht doch noch eine rettende Ausfahrt? Die Stückumschrei- bung arbeitet mit Motiven von Ödön von Horvath – und seinen Figuren, die ein- fach mal durch die Jetztzeit spazieren.
„Kunst“ im Hofspielhaus
Über was man sich alles streiten kann. Besonders gut geht das, wenn Kunst das Thema ist. In der genial komischen Yasmina-Reza-Komö- die streiten drei noch bis vor kurzem ziemlich beste Freude über eine offensichtlich kom- plett weiße Leinwand. Kunst? Das Eis ist dünn.
„Die Asche meines Vaters“ in der Schauburg
Sarah erhält eine Einladung zur Beerdigung eines Mannes, den sie nie kannte. Es ist ihr Vater, der ihren beiden Müttern ein Familienleben ermöglichte. Und dann mischt sich der Erzeuger eben doch noch in Sarahs Schicksal ein. Er hinterlässt ihr – als Alleinerbin! – ein Millionenvermögen. Was damit tun? Investieren – in Windkraftanlagen oder doch in Waffen? Moral ist gefragt. „Plötzlich reich und unsympathisch“, trägt das Stück von Soeren Voima im Untertitel. Das sagt schon mal viel.
The Rich Eat im Pathos Theater
Ein Leben zwischen Champagner-Maß im Käferzelt, Weißwurst-Essen in St. Moritz und Geschäftsreisen im Privatjet: Beneidenswert, aber auch reichlich hohl. Cornelia Maschner brilliert in einem Monolog über Macht, Geld und die allgegenwärtige Ungerechtigkeit. Sozialer Aufstieg durch eigenen Verdienst ist fast nicht mehr möglich. Wer zur Erbengeneration gehört, muss sich dagegen keine Sorgen machen. Collagiert wurde der Text, der von der Absurdität der Verantwortungslosigkeit der Reichen erzählt, aus realen Interviews und Dokumentationen, die sich im Internet finden lassen.
„Macbeth“ im theater … und so fort
When Shall We Three Meet Again? Conny Loder lässt in ihrer englischsprachigen Shakespeare-Inszenierung nicht nur die Hexen tanzen. Es fließt Blut. Und der Wald von Birnam kommt immer näher…
„Jagdszenen aus Oberbayern“ im Fraunhofer
Klaus Weber, gebürtiger Kolbermoorer ohne Heimatgefühl, erforscht den Rechtsruck im Lande und blickt dabei zurück auf Schlüssel- szenen in der eigenen Kindheit, Jugend und im Arbeitsleben. Abgrundtief Dummes wird of- fen beim Namen benannt. Begleitet wird der Abend von der Musikerin Daniela Huber von der Staatsoper an der Geige, am Akkordeon und am Klavier (wenn es gut gestimmt ist).
„Mariannes erstes Mal am Meer“ im Schwere Reiter
Was passiert, wenn man ChatGPT die Regie zur eigenen Lebensführung überlässt. Paul Marianne Furtwängler hat sich auf einen spannenden Selbstversuch eingelassen. Alles beginnt mit einem Prompt – und dem Warten auf eine mehr oder weniger einleuchtende Antwort. Die Anforderung an die KI lautet: „Eine Person namens Marianne wird mit dir sprechen. Sie ist allein in einer Hütte am Meer. Du weißt nicht, warum sie dort ist. Finde es heraus.“
Blickfänger in der Schauburg
Am Anfang ist nicht das Wort, sondern die Stille. Es gibt so viel zu entdecken. Dann: Wasser rauscht, Wind weht. Natur kommt ganz ohne Sprache aus. Jede Berührung setzt neue Bewegungen in Gang. Neugierde wird belohnt. Die niederländische Tanzkompanie de Stilte erweckt die Bühne nach und nach zum Leben – eine Schule für alle Sinne. Das Stück eröffnet damit das diesjährige „Kuckuck“-Festival, das sich an ganz junge Theaterbesucher und ihren (inner- lich) jung gebliebenen Anhang richtet.
„Was man von hier aus sehen kann“ im Spagat Theater
Gruselig akkurat: Immer wenn Luises Großmutter eine nächtliche Vision hat und ihr im Traum ausgerechnet ein Okapi erscheint, dann ist es wieder soweit. Jemand aus dem kleinen Dorf im Westerwald wird sterben. Wie umgehen mit so viel Insider-Wissen? Denn schon wieder erschien der putzige Paarhufer in Omas Träumen. Die Aufregung ist groß. Das augenzwinkernd Zwei-Personen-Stück lehnt sich an den Erfolgsroman von Mariana Leky an, der auch schon zum Kinofilm wurde.
Ukrainisches Kammertheaterfestival in der Pasinger Fabrik
Unter dem Motto „Die Starken – Anatomie eines Widerstands“ präsentiert das Festival Arbeiten herausragender ukrainischer Regisseur*innen in München. Die Stücke richten den Blick auf den inneren Widerstand der ukrainischen Bevölkerung. Auf dem Programm stehen reduzierte Kammerspiele, Zwei-Personen-Stücke und konzentrierte Monologe. Außerdem gibt es ein Konzert mit der Pianistin Mariia Yaremak und Streichquartett sowie eine Vorstellung des preisgekrönten Kinofilms „U Are the Universe“.
„Auf und ab“ im Prinzregententheater
Der Abend bringt die zwei Einakter-Opern „I due timidi“ von Nino Rota, der bekanntlich auch die Musik zum „Paten“ komponiert hatte, und „Le Pauvre Matelot“ von Darius Milhaud zusammen. Es geht jeweils um Stücke, in denen ein schlimmes Ende unausweichlich scheint. Und dann fragt man sich, wie man das heute eben so sagt: Was macht das mit den Menschen? Musiktheater voller Witz und Melancholie.
Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Uri im Volkstheater
Wenn sich die Gangster in den Großstädten der USA breitmachen und dort breitbeinig Angst und Schrecken verbreiten sowie finstere Geschäfte verfolgen. Klingt vertraut? Aber ja: Bertolt Brecht schrieb sein Stück über die Machtkämpfe in der Unterwelt von Chicago im finnischen Exil, als im heimischen Deutschland die Nazis ihr Terrorregime immer stärker festigten. Heute weiß man das – und denkt doch ganz anders weiter. Wer noch mal könnte dieser Arturo Uri sein?
Fürst Igor im Gärtnerplatztheater
Ein Stück, das von Machtwillen, Angst und Scheitern erzählt und das selbst eine bewegte Entstehungsgeschichte hat: Alexander Borodin, eigentlich Chemiker, aber eben auch glühend begeisterter Hobbykomponist hat sich mit dem mittelalterlichen Herrscherstoff über Fürst Igor, der einen unsinnigen Krieg anzettelte und selbst in Gefangenschaft geriet, vielleicht allzu viel vorgenommen. Er hinterließ ein Fragment, das nach Borodins Tod Alexander Glasunow und Nikolai Rimski-Korsakow vollendeten. Starker Tobak, große Oper!
„Und Federn überall“ im theater … und so fort
Heiko Dietz holt den Roman der Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin Nava Ebrahimi auf die Bretter. Es geht um sechs Menschen die im Morgennebel einer Kleinstadt im Emsland vor einem Wendepunkt stehen. Es bricht ein Tag an, der die Wende bringen soll – weg von den vielen verlogenen Kompromissen und leeren Routinen.
„Jacques Brel – Ein Leben in XL“ im Hoftheater München
Eine Zeitreise zurück, als man mit Poesie noch zum Superstar werden konnte: Stephan Hippe, der schon Größen wie Charles Aznavour zurück ins Rampenlicht geholt hatte, lässt die Stimmen von einst wieder klingen. Brel wurde durch die revolutionäre Kraft seiner Lyrik zum rebellischen Propheten einer Generation und zum Leitbild der Sinnlichkeit seiner Epoche. Hippe erinnert an seine Chansons, seine Bühnenwirkung und lässt ihn multimedial auf der Theaterbühne wieder atmen.
„Dreieinhalb Wochen im Münchner Frühling“ im Fraunhofer
Es geht zurück in die Zeit der Räterepublik Baiern – dokumentarisch theatral, garniert mit Live- Musik sowie Bild- und Videoprojektionen. Wie er- leben die Bürgerinnen und Bürger die Zeit der Um- brüche und den Einbruch von Gewalt und Hetze?
„Bernarda Albas Haus“ im Cuvilliés-Theater
Ein Patriarchat, das posthum weiterherrscht: Nach dem Tod ihres Mannes ruft Witwe Bernarda acht Jahre Trauer aus und macht damit ihr Zuhause zu einem Gefängnis für ihre fünf erwachsenen Töchter. Regisseurin Rieke Süßkow knöpft sich das letzte Drama des großen spanischen Dichters Federico García Lorca vor.
„Wokey Wokey“ in den Münchner Kammerspielen
Die Zeiten haben längst wieder ins Düstere gedreht. George Orwell wusste das schon früher. Wenn heute das Gendern in Bayern wieder verboten wird und in den USA Anti-Diskriminierung geächtet wird, kann er nur bitter kichern. Im bewusst überdrehten Spektakelstück wird vom Versuch einer Filmregisseurin erzählt, eine längst überfällige Neuverfilmung des Neusprechklassikers „1984“ anzugehen. Nora Abdel-Maksoud, die mit ihren Auftragsstücken „Jeeps“ und „Doping“ schon starken Eindruck am Haus hinterlassen hat, überschreibt mit ih- rem neuesten Wurf auch ältere Arbeiten. Mitten hinein in den Debattenstrudel der Gegenwart!
„Der Graf von Luxemburg“ im Gärtnerplatztheater
Fasching ist vorbei. Aber auf der Champs Élysées tobt immer noch der Karneval – mit allen nur denkbaren Verführungs- und Verstellungsspielchen. Franz Lehar, damals auf dem Höhepunkt seines Operetten-Zenits, greift frivol in die Vollen und gibt einem Dienstmädchen sowie einem Kammermädchen die schmissigsten Arien. Sie werfen sich ins Getümmel – unter falscher Identität, versteht sich. Das führt zu Missverständnissen, Durcheinander, viel Herzklopfen und dann eben doch einem Happy End.
„Abschied“ im Residenztheater
Erst kürzlich wurde der Roman von Sebastian Haffner erst veröffentlicht und breit gelesen. Seitdem spricht alle Welt über den bittersüßen Charme eines Texts an einem der letzten Kipppunkte. Noch ist das Lebensgefühl der 30er-Jahre unbeschwert, in Paris, der Stadt der Liebe, sowieso. Und doch weht ein Hauch von, nun ja, Abschied durchs Geschehen. Es sind die letzten Stunden zusammen mit der Geliebten – in Cafés, in Museen, bei flüchtigen Begegnungen und intensiven Gesprächen. Die Angst sitzt längst mit am Tisch und liegt mit im Bett. Regisseur Matthias Rippert bringt die prophetische Melancholie des Romans erstmalig auf die Bühne.
„La Sylphide“ im Nationaltheater
Entspannung für die Seele: Der Zweiakter von Filippo Taglioni, gilt Kennern als romantischer Ballettklassi-
ker schlechthin. Im schottischen Hochland verliebt sich ein junger Schäfer in – wen sonst? – ein Wald-Fabelwesen mit Flügeln. Ein Vergnügen mit Luftwesen, die scheinbar mühelos der Schwerkraft trotzen. Schnüff!
