Ist das Zeitkonto gut gefüllt? Besser wäre es. Denn die Residenz München, das größte Stadtschloss Deutschlands, von 1508 bis 1918 Sitz der Herzöge, Kurfürsten und Könige von Bayern aus dem Haus Wittelsbach, verfügt allein über mehr als 150 Schauräume. Dazu gesellen sich noch das prachtvolle Cuvilliés-Theater, das Residenztheater, die Allerheiligen-Hofkirche und der Marstall.
Alle Baustile, die Bayern geprägt haben, finden sich hier unter einem Dach: streng strukturierte Renaissance, überbordender Barockstil, verspielte Rokoko-Anklänge und geradliniger Klassizismus. Ein Architektur-Grundkurs im Schnelldurchlauf gewissermaßen. Dazu funkelt es an allen Ecken und Enden – beispielsweise im zu Beginn des 17. Jahrhunderts erbauten Kaisersaal, dem größten und bedeutendsten Festraum der Residenz. Wer genauer nachempfinden möchte, wie die Blaublüter gelebt haben, sollte auf jeden Fall das Residenzmuseum zusammen mit der Schatzkammer (1.200 kostbare Einzelstücke) aufsuchen. Die meisten Möbel, Gemälde, Wandteppiche und Skulpturen befinden sich noch heute an der gleichen Stelle wie zu Adelszeiten.
Fakten zur Residenz München
| Adresse | Residenzstraße 1, 80333 München | |
| Bauzeit | 1385 (Grundsteinlegung Neuveste) bis 1842 (Bau des Festsaals) | |
| Architekten | Friedrich Sustris, Joseph Effner, François de Cuvilliés der Ältere und Leo von Klenze | |
| Grundfläche | über 40.000 Quadratmeter | |
| Räume und Höfe | mehr als 150 Schauräume, zehn Höfe |
Der größte und bedeutendste Festraum der Residenz.
Beginn im 14. Jahrhundert
Die Geschichte der Residenz München
Die Geschichte der Residenz beginnt im 14. Jahrhundert: Unter Herzog Wilhelm IV. wurde 1385 als erstes eine Burg errichtet, die Neveste, die den Kern der heutigen Residenz bildet und dort stand, wo sich heute der Apothekenhof befindet. Im 16. Jahrhundert löste die Residenz den Alten Hof als Fürstensitz der Wittelsbacher ab und wurde daraufhin immer weiter und aufwändiger ausgebaut.
Die Renaissance wirkte sich besonders prägend auf die Residenz aus: Herzog Wilhelm ließ zwischen 1530 und 1540 den so genannten Rundstubenbau ausbauen und den ersten Hofgarten einrichten. Im Gartenpavillon wurde ein Historienzyklus aufgehängt, zu dem auch Albrecht Altdorfers „Die Alexanderschlacht“ gehörte, die heute neben Alten Meistern wie Dürer und Rembrandt zu den bedeutendsten Kunstschätzen in der Alten Pinakothek zählt.
Das Antiquarium wurde 1568-1571 nach Entwürfen von Jacopo Strada und Simon Zwitzel gebaut, um die herzogliche Sammlung antiker Skulpturen zu beherbergen. Auch die Grottenhöfe stammen aus dieser Zeit. Über die Jahrhunderte wurde so aus einer kleinen Wehrburg eine monumentale Vierflügelanlage.
Die vier Flügel der Residenz bestehen aus dem Festsaalbau an der Hofgartenstraße, dem Apothekenbau am Marstallplatz, dem Königsbau am Max-Joseph-Platz und dem Maximiliansbau an der Residenzstraße. Zum Ensemble gehören auch das Cuvilliés-Theater und die Allerheiligen-Hofkirche, aber auch der Hofgarten und der Marstall, der heute als kleinster Spielort des Residenztheaters genutzt wird.
Das Antiquarium ist der älteste erhaltene Raum der Münchner Residenz.
Unter Maximilian I. wurde der Kaisersaal, der damals größte Saal in der Residenz gebaut und mit Bildern ausgestattet , deren gemeinsames Thema die Herrschaft des Fürsten ist. Die Darstellungen auf den Teppichen und Wandbildern zeigten jeweils abwechselnd Helden und Heldinnen der Bibel und der antiken Überlieferung, die sich durch Demut, Tapferkeit, Opferbereitschaft, Großzügigkeit und Gerechtigkeit auszeichneten. Die Deckengemälde von Peter Candid zeigen dazu passend Allegorien, wie die Weisheit im Zentrum der Kassettendecke.
Der größte und bedeutendste Festraum der Residenz.
Beim Anblick des 65 Meter langen Antiquariums, des Kaisersaals, der Ahnengalerie und der königlichen Gemächer spielt man schnell mit dem Gedanken, ob man nicht vorsichtshalber einen Knicks machen müsste. Ist natürlich nicht nötig, ehrfürchtiges Staunen reicht völlig.
Einer der romantischsten Christkindlmärkte Münchens.
Nicht verpassen
Wissenswerte Highlights in der Residenz München
Die Residenz München steckt voller Geschichte, Kunst und überraschender Details. Bevor ihr euren Besuch plant, findet ihr hier die wichtigsten Fakten und Besonderheiten rund um das ehemalige Stadtschloss der Wittelsbacher auf einen Blick.
- Events im Brunnenhof
Früher kamen die Kutschen im Brunnenhof der Residenz an, jetzt sind es öfter mal Größen aus dem Klassikbereich und dem Pop-Metier. Im Sommer finden hier regelmäßig klassische Konzerte und Open Airs mit Popmusik statt. Im Winter ist wiederum der prächtige Herkulessaal Schauplatz diverser musikalischer Highlights. - Weihnachtsdorf
In der Adventszeit lockt Jahr für Jahr im Kaiserhof das sogenannte “Weihnachtsdorf” mit einem kleinen Märchenwald und zahlreichen Ständen mit Kunsthandwerk und Kulinarischem. Einer der romantischsten Christkindlmärkte Münchens. - Gelbe Treppe
Erst seit 2021 wieder zugänglich ist die im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigte, rekonstruierte Gelbe Treppe im Königsbau der Residenz. Sie war einst der Hauptzugang zu den königlichen Apartments von Ludwig I., der Baumeister Leo von Klenze damit beauftragte, einen besonders repräsentativen Zugang zu erschaffen. - Cuvilliés-Theater
Einen Abstecher ist unbedingt auch das zur Residenz gehörige Cuvilliés-Theater wert. Hier spürt man, wie sehr die Ära des Rokoko rockt. Viel Gold und Samt und reichhaltige Verzierungen an den Logen. Da gehen einem glatt die Augen über. Wer mag, kann natürlich auch eine Theateraufführung abends besuchen und diese Pracht mit Schauspielkunst kombinieren.
Als Cuvilliés-Theater ist das Alte Residenztheater heute vom Brunnenhof der Residenz aus zugänglich.
ÖPNV und Co.
Karte und Anfahrt: So kommt ihr zur Residenz München
Auf der Karte seht ihr, wo die Residenz München liegt: mitten in der Altstadt zwischen Odeonsplatz und Max-Joseph-Platz, die Adresse ist Residenzstraße 1, 80333 München. Am einfachsten kommt ihr mit öffentlichen Verkehrsmitteln hin. Die U-Bahn-Linien U3, U4, U5 und U6 halten am Odeonsplatz, von dort sind es nur wenige Schritte.
Mit der S-Bahn fahrt ihr bis Marienplatz und lauft rund fünf Minuten. Die Tram 19 hält an der Haltestelle Nationaltheater direkt am Max-Joseph-Platz, wo auch der Eingang zu Residenzmuseum, Schatzkammer und Cuvilliés-Theater liegt. Eigene Parkplätze für Besucher*innen hat die Residenz nicht, die nächste Parkmöglichkeit ist die kostenpflichtige Tiefgarage unter dem Nationaltheater am Max-Joseph-Platz.
Auf einen Blick
Wichtige Besucherinfos zur Residenz
Öffnungszeiten
Die Residenz München ist täglich geöffnet. Vom 28. März bis 19. Oktober könnt ihr Residenzmuseum und Schatzkammer von 9 bis 18 Uhr besuchen, vom 20. Oktober bis 27. März von 10 bis 17 Uhr. Der letzte Einlass ist jeweils eine Stunde vor Schließung. An einigen Feiertagen, darunter 1. Januar sowie 24., 25. und 31. Dezember, bleibt die Residenz geschlossen.
Eintritt
Der Eintritt ins Residenzmuseum kostet 10 Euro, das Kombiticket für Residenzmuseum und Schatzkammer 15 Euro. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben freien Eintritt. Wer zusätzlich das Cuvilliés-Theater besuchen möchte, kann dafür ein eigenes Ticket lösen oder die Gesamtkarte für Residenzmuseum, Schatzkammer und Cuvilliés-Theater wählen.
Führungen
In der Residenz München werden verschiedene Themenführungen für Erwachsene und Kinder angeboten. Zusätzlich lassen sich Sonderführungen für Gruppen buchen. Wer lieber auf eigene Faust unterwegs ist, kann für das Residenzmuseum und die Schatzkammer einen kostenlosen Audioguide nutzen.
Anfahrt
Die Residenz München liegt zentral in der Altstadt am Max-Joseph-Platz und ist am einfachsten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Von den U-Bahn-Stationen Odeonsplatz und Marienplatz sind es nur wenige Minuten zu Fuß. Mit dem Auto ist die Anfahrt weniger praktisch.
Website
https://www.residenz-muenchen.de
