20:00 Uhr
Residenz München / Cuvilliés-Theater, Residenzstraße 1, 80333
München
Theater
Der zerbrochne Krug
Richter Adam hat ein gravierendes Problem: Nicht nur hat er mit den Folgen seines nächtlichen Alkoholkonsums zu kämpfen, sondern auch mit dem plötzlichen Auftauchen seines Vorgesetzten Walter, der die Rechtsprechung in der Provinz unter die Lupe zu nehmen gedenkt. So ist Adam genötigt, einer Gerichtsverhandlung vorzusitzen, in der er gegen sich selbst ermitteln muss, was er mit allen Mitteln zu verschleiern versucht. Kleists abgründiges Lustspiel entpuppt sich als Enthüllungsdrama um einen veritablen Justizskandal.
Der zerbrochne Krug
Von Heinrich von Kleist
Premiere am Freitag 28. November 2025
Theaterpädagogisches Begleitprogramm für Schüler*innen, Studierende oder andere Gruppen buchbar: [email protected]
Künstlerische Leitung
Inszenierung: Mateja Koležnik
Bühne: Christian Schmidt
Kostüme: Ana Savić Gecan
Licht: Verena Mayr
Dramaturgie: Constanze Kargl
Besetzung
Steven Scharf
Oliver Stokowski
Moritz Treuenfels
Katja Jung
u.a.
Die Besprechung unseres Theater-Experten Peter Eidenberger:
Eine alte Geschichte, Klassiker, Schullektüre, und trotzdem: „Der zerbrochene Krug“ (es heißt in dieser Inszenierung „zerbrochne“) geht immer. Weil Heinrich von Kleists Stück, 1808 uraufgeführt, eben nicht nur Lustspiel ist, sondern auch Sozialdrama und Krimi, mit zeitlosen Themen: Macht, Willkür, Gerechtigkeit. Als Jurist wusste Kleist, wie er den Finger in die Wunde legen muss: Er lässt einen Dorfrichter gegen sich selbst verhandeln. Die Nacht zuvor war er auf amourösen Abwegen, ein Krug ging zu Bruch, und wohl auch die Unschuld der Tochter der Krug-Eignerin. Die Gerichtsverhandlung um das kaputte Gefäß hat einen speziellen Beobachter: Der Vorgesetzte des Richters kommt zur Inspektion.
Im Cuvilliéstheater dreht sich eine Bühne mit drei kleinen, düsteren Räumen, durch Türen verbunden, karges Mobiliar, die Kostüme braunschwarz und historisierend. Eine alte, enge Welt, in der man sich belauscht, belauert, beredt schweigt. Oliver Stokowski als Richter Adam leidet schmerzhaft, er kann manipulativ und devot, Steven Scharf als Gerichtsrat ist sich seiner Erscheinung sehr wirkungsbewusst, Moritz Treuenfels als hakennasiger Sekretär linkisch-beflissen, die einfachen Leute (Katja Jung, Pujan Sadri) haben bei den Volten der Justiz eher schlechte Karten oder versuchen mit Aberglauben zu punkten (Hannah Scheibe).
Regisseurin Mateja Koležnik liefert in knapp 100 Minuten ein konzentriertes Enthüllungsdrama, eine Studie mit schlüssigen Charakteren, samt ihrer Eigenheiten, die Komik streift schon mal die Karikatur. Das Ende ist überraschend und stark. Eve, die Tochter (wie bei Kleist schweigt sie viel, nur ihr Gesicht erzählt eine Menge), kriegt ihren großen, neu gedichteten Befreiungsmoment. Energisch, entschlossen bestätigt sie, was Kleist nie ausspricht: Lea Ruckpaul mit der Selbstermächtigung einer jungen Frau, die sich lossagt von Freund, „Mutter, Arbeit und Dressur“, die begreift, „…dass ich wohl gestern Nacht zum ersten Mal mir selbst gehörte“. Großer Beifall.
Termine & Tickets
Veranstaltungsort / Karte
Residenz München / Cuvilliés-Theater
Adresse: Residenzstraße 1,
80333 München
