Gastro-Kritik

Haleluya! Das Schmock ist wieder da

Israelisch-arabische Völkerverständigung auf dem Teller: „Abu Chassa“ im Schmock
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Israelisch-arabische Völkerverständigung auf dem Teller: „Abu Chassa“ im Schmock

Ein gute Nachricht: Das Schmock ist wieder da – und zwar im Neuen Volkstheater

„Mit frisch ondulierten Schläfenlocken freuen wir uns Euch begrüßen und verwöhnen zu dürfen“, steht auf der Website – vom seinem Humor hat Schmock-Betreiber Florian Gleibs schon mal nichts verloren. Der Mann, der für sein Kultlokal in Schwabing einst mit Sprüchen wie „Deutsche Mädchen – feiert bei Juden!“ warb und 2016 dichtmachte, auch, weil er „keinen Bock mehr auf diese ganze Juden- und Israel-Klugscheißerei hatte“, zitierte ihn die Welt. Eigentlich wäre er gerne auf einer kleinen Insel im Mittelmeer geblieben, auf der er bereits als Kind mit seiner Familie die Ferien verbrachte. Doch Volkstheater-Hausherr Christian Stückl, in dessen alter Spielstätte Gleibs bereits das „Meschugge“ betrieb, bot ihm die Gastronomie auch im neuen Haus an. Allerdings bestand er darauf, dass der Laden wieder „Schmock“ heißen soll, so Gleibs. Also: Vorhang auf:

Welcome to Schmock Minchen!

Sven Regener liest aus seinem neuen Roman und wir kommen früher, hungrig und neugierig. War schwierig einen Platz zu bekommen, am Tresen geht noch was. Das Restaurant ist gut besucht und im Stil des Hauses architektonisch modern zwischen Industrie und Bauhaus gestaltet. Im vorderen Bereich sind auch Stehtische platziert, nach hinten öffnet sich der eingedeckte Restaurantbereich. Originelle Plakate aus dem Schmock-Archiv an rostroten Wänden, davor die Bistrotische vor orange und grün bezogenen Bänken und Hockern. Große Lampen illuminieren den Raum, die Bar aus grauem Stein, alles stylisch und stimmig in den Theaterneubau integriert.

Originelle Schmock-Plakate im vorderen Bereich

Naher Osten ohne Flieger

Das Allgäuer Büble-Helles (0,5 zu 4,50 Euro) kommt gerade richtig, dazu der schön trockene Yarden Sauvignon Blanc 2020 (0,2 zu 10 Euro) von den Golanhöhen. Los geht es mit Abu Chassa – israelisch-arabische Vorspeisen (20,50). Auf einen großen Teller versammeln sich Hummus, Tchina, Auberginensalat, Tabouleh, Falafel, Rote Bete-Salat, Baba Ganoush, Tel Aviv-Salat, diverse Dips, dazu vier Scheiben Pita-Brot. Was soll man sagen: Wer einmal einen Trip durch den Norden Afrikas und des Nahen Ostens antreten möchte, ohne ein Flugzeug zu besteigen, ist hier goldrichtig. Eine Vielfalt von verschiedenen Geschmacksrichtungen von herb/salzig bis süß/fruchtig - auf dem Teller korrespondiert israelisch und arabisch jedenfalls bestens. Bevor man aber ins Weltpolitische abdriftet: Die Lammhaxe „Ba Tanur“ (23) setzt noch einen drauf. Das Fleisch ist ausgelöst und schmeckt genau richtig nach Lamm; wie guter Tafelspitz ist es weich und hat eine schöne Struktur, angerichtet mit ein bisschen Wurzelgemüse und herzhafter Soße auf Perlgraupen in einem tieferen Teller. Dazu ein vollmundiger Gamla Cabernet Sauvignon 2017 (0,2 zu 10,50), ebenfalls von den Golan Hills. Die Weinkarte bietet neben den etwas kostspieligeren israelischen Weinen auch italienische und deutsche Tropfen an (ab 7,20 Euro). Insgesamt kann man sagen: Schöner Genuss, trotz vollem Betrieb.

„Grias eich“ beim Business Lunch

Und da steht er endlich, haben die Theaterleute doch so viel von ihm gesprochen am Nebentisch - „er“ würde das gut oder schlecht finden, oder vielleicht gar nicht so oder so wollen. Es ist mittags, der Business Lunch täglich wechselnd, das Gericht zu 9,90 Euro. Ein ordentliches Schnitzel „Wiener Art“ (von der Pute) mit Kartoffel-Rucolasalat wird bestellt, an anderen Tagen gibt es „Not Kosher“-Currywurst oder vegetarische Lasagne. „Grias eich“, ruft der Hausherr Christian Stückl in Richtung seiner Mitarbeiter*innen – oder waren wir alle gemeint?

Fazit: Das Schmock ist mehr als ein Theaterrestaurant für Publikum und Personal – aber auch das. Einen Besuch rechtfertigt nicht nur die wirklich gelungene internationale und jüdisch-arabische Küche. Hier gibt es viel zu entdecken – auch, dass man sich mit verschiedenen Zungen auf eine gemeinsame Tellersprache einigen kann.

Autor: Rainer Germann

Schmock Restaurant & Bar, Neues Volkstheater, Tumblingerstr. 29; 80337 München;
Mo-Fr: 11.30 bis 22 Uhr/Sa, So 17 bis 22 Uhr; Reservierungen: info@schmock-muenchen.de

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