Interview

(N)achtgefragt: Anna Do

Anna Do

Wir stellen jungen Persönlichkeiten der Münchner Kunst-, Kultur- und Partyszene acht Stichpunkte. Sie geben uns Einblick in ihr Schaffen – bei Tag und vor allem bei Nacht. Diesmal: Anna Do

Tagsüber Medizinstudentin, nachts Bar-Chefin und DJ (Axolotl): Anna Do hat einen anspruchsvollen Schichtplan. Als Leitung der Agnesbar im Wohnheim an der Agnesstraße und Teil des Bushbash-Kollektivs gestaltet die 22-Jährige die Münchner Subkultur aktiv mit. Im Vergleich mit ihrer Heimatstadt Berlin ist die Szene der Landeshauptstadt zwar überschaubar – doch verstecken braucht sie sich nicht.

1. München
Seit drei Jahren ist München meine neue Heimat und natürlich super-krasser Gegensatz zu Berlin. Eine Eingewöhnungsphase habe ich zwar gebraucht, aber ich habe schnell gemerkt, dass die Menschen hier Bock haben etwas zu gestalten. München hat eine überschaubare, aber schöne Szene mit einer tollen Energie. Man bekommt viel Zuspruch, das merke ich vor allem mit der Agnesbar. Neue Projekte werden mit Dankbarkeit angenommen und einfach mehr geschätzt im Vergleich zu Berlin.

2. Eigenart
Auch wenn es mich in erster Linie wegen des Studiums nach München verschlagen hat, brauche ich die Abwechslung. Wissenschaft macht mir Spaß, doch der kreative Aspekt fehlt mir oft. Mit der Bar und dem Auflegen kann ich mich ausleben. Umgekehrt wäre es auch irgendwann monoton nur Partys zu veranstalten. Als Teil von Mindzone kann ich das kombinieren, da organisiere und begleite ich unter anderem Workshops zum Thema „Sicher Feiern gehen“. Bewusst und gesund eine gute Zeit zu haben ist mir wichtig.

3. Leidenschaft
Die Agnesbar ist einfach mein Herzensprojekt: einen Raum zu schaffen und zu beobachten, dass die Gäste toll finden, was man auf die Beine gestellt hat. Außerdem habe ich eine Leidenschaft für elektronische Musik, beim Auflegen kann ich das ausleben. Vom Sound her spiele ich gerne verspult energetischen Sound mit einem Touch Disco und Acid, treibend und lebendig. Ich möchte die Gefühle, die die Musik bei mir auslöst, die Leuten auf der Tanzfläche spüren lassen. Wenn es den Leuten gefällt und sie eine gute Zeit haben, ist das ein unschlagbares Gefühl.

4. Stillstand
Das meiste in der Münchner Szene spielt sich im Untergrund ab, was leider auch mit den vielen Clubschließungen zusammenhängt. Einiges haben wir unter anderem über Zwischennutzungen aufgefangen, doch das ist häufig mit vielen Auflagen verbunden – ganz abgesehen von der Energie und den Kosten. Doch für uns ist das kein Grund aufzugeben, sondern ein Zeichen zu setzen: Kunst hat keine festen Richtlinien – das macht sie so dynamisch – doch sie braucht einfach Platz!

5. Bewegung
Partys erreichen unglaublich viele Leute und haben unfassbare Reichweite, diese möchte ich zum Mobilisieren nutzen. Gerade gründen sich ja viele Kollektive, die ich auch selbst super-gerne unterstütze. Das Wut-Kollektiv hat ein Awareness-Konzept auf die Beine gestellt, gegen sexuelle Belästigung auf Partys.

Auch den Aspekt von mehr female empowerment (weibliche Präsenz) in der männerdominierten Veranstalter(*innen)szene ist mir wichtig in meiner Arbeit. Frauen sollen gefördert werden. Aber auch ökologische Nachhaltigkeit ist ein wichtiger Grundsatz, den wir bei der Gestaltung von Bushbash Partys suggerieren wollen. Mir ist es einfach wichtig, dass jede Party, die ich mitorganisiere, ein Statement setzt.

6. Stammplatz
Zwischen all den wechselnden Orten, die wir immer wieder für neue Events suchen, fühlt man sich doch zuhause immer am wohlsten. Für mich ist das die Agnesbar, wo ich mich so richtig kreativ austoben kann.

7. Nacht
Tagsüber habe ich viel mit Medizinstudenten zu tun. Doch nachts lässt jeder die Hüllen fallen, darum trifft man da auch immer die interessantesten Menschen. Dieses Freiheitsgefühl, abseits des Alltags, finde ich so faszinierend an der Nacht.

8. Morgen
Auf „morgen“ bin ich schon super gespannt, was noch auf mich zukommt. Ich studiere noch eine Weile, demnächst greife ich die Doktorarbeit an. Wie mein Alltag dann aussehen wird, das kann ich noch nicht sagen. Doch wenn ich mir vor Augen rufe, wie viel sich in der kurzen Zeit, in der ich in München bin, in der Szene getan hat, weiß ich: Ich hab Bock, weiterzumachen.

Interview: Sabrina Witte

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