Interview mit Hans-Georg Stocker 

Backstage München: Gute Zukunftsprognosen zum Geburtstag

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Konzert im Backstage Werk

Das Münchner Alternative-Mekka Backstage feiert von Donnerstag bis Samstag seinen 28. Geburtstag mit insgesamt sieben Konzerten und jeder Menge Party-Power.

Da kann man eigentlich nur den Hut ziehen! 28 Jahre sind im schnelllebigen Nachtleben eine verdammt lange Zeit. Auf diese Ära können die Macher des Liveclubs Backstage rund um den Gründer Hans-Georg Stocker an diesem Wochenende durchaus mit Stolz zurückblicken.

Die breite Brust zur Schau tragen ist aber nicht unbedingt ihr Ding, dafür stellen sie lieber eine ordentliche Geburtstagssause auf die Beine.

Los geht‘s bei freiem Eintritt am Donnerstag live on stage mit Weiherer & Band sowie Mr. Jones und der Rocker‘s Party im Club.

Am Freitag stehen dann die Monsters of Liedermaching, die Shots, die Capones mit den Special Guest Roger Rekless und Boshi San sowie die Peacocks auf der Bühne. Partytechnisch können sich die Gäste anschließend bei „Jamaican Ting“, beim „Crossing Friday“ oder bei „These are the Breaks“ austoben.

Einen Abend später schnappen sich schließlich ZSK und Slime sowie die Acts Slamdamn, Amplified Hate, Angrier Than You, Seven O, K17 und Bien Monk das Mikro und ihre Instrumente und stellen sich ins Rampenlicht. Nach den Live-Klängen geht‘s mit „Popp the Trash“ und „Freak Out“ munter weiter.

Wer nur zu den Partys kommen möchte, profitiert als früher Vogel und zahlt vor Mitternacht gerade mal schlappe 2,80 Euro Eintritt, was ungefähr dem Preisniveau von vor 28 Jahren entspricht.

Zwischen 24 und 1 Uhr sind 5 Euro fällig, spätere Besucher müssen noch mal 2 Euro drauflegen. Geburtstagskinder, die nachweislich am 11. oder 12. Januar geboren sind, genießen freien Eintritt zu den Konzerten und Partys.

Dafür können sie dann auch einen ausgeben und dabei die Getränkespecials ausnützen, z.B. den Cuba Libre oder den Beefeater Gin Tonic für 4,80 Euro.

Interview

Im Vorfeld des 28. Geburtstags konnten wir mit Backstage-Betreiber Hans-Georg Stocker sprechen und ihn dabei auch zu den Zukunftsplänen des Backstage befragen.

28 Jahre machst du nun dein eigenes Ding. Beschreib doch bitte mal deine Gefühlslage, wenn du diesen langen Zeitraum Revue passieren lässt.
Das ist schon ein Wahnsinn, es kommt einem gar nicht so lang vor. Das Backstage hat eine bewegte Geschichte mit so vielen Brüchen und Veränderungen. Wir sind ja schließlich schon am vierten Standort. Leider gibt‘s außer mir aber keine Mitarbeiter mehr, die auch nur im Ansatz 28 Jahre lang dabei wären.

Was außerdem schade ist: Normalerweise sollte man nach so einem langen Zeitraum als Location bei der Stadt etabliert sein. Bei uns scheint mir das aber nicht der Fall zu sein, das ist auf Dauer ziemlich ermüdend.

Erinnerst du dich denn noch gut an die Anfänge?
Klar. Eigentlich wollten wir über einen Verein eine alternative Stadtzeitung machen. Es gab anfangs nie den Plan, einen regulären Veranstaltungsort zu gründen und beruflich im Eventbereich Fuß zu fassen. Das hat sich dann einfach über den ersten Standort in Fürstenried und die laufend wachsende Vernetzung ergeben. Und dann nahmen die Dinge eben ihren Lauf. Inzwischen ist in der ersten Location übrigens das Spectaculum Mundi.

Am Hirschgarten seid ihr inzwischen ja schon recht lange. Bleibt‘s dabei oder wie ist die aktuelle Lage?
Bei allen Ärgernissen gibt‘s aktuell auf jeden Fall eine erfreuliche, positive Nachricht für uns: Wir haben fürs jetzige Backstage-Gelände eine Baugenehmigung, die bis 2023 gilt. Das gibt uns mehr Planungssicherheit, was sehr gut ist. Die Unsicherheit, wie lange es noch weitergeht, war für alle Beteiligten schon eine belastende Situation.

Hans-Georg Stocker bei den Munich Nightlife Awards 2018

Die Lage ist aktuell so, dass die Hälfte des Grunds, auf dem das Backstage steht, der Aurelis Real Estate (Anmerkung der Redaktion: Immobiliengesellschaft, ursprünglich eine Tochter der Deutsche Bahn AG) gehört. Diesen Bereich müssen wir verlassen. Zusammen mit der Post haben wir daher östlich vom jetzigen Gelände Grund erworben, auf dem wir gerne komplett neu bauen würden. Dort soll dann auch genug Platz sein für unsere neue Arena für etwa 3.000 Gäste mit Foyer und Kellerclub sowie für 20 bis 25 Bandübungsräume, Ateliers, Büros und sogar eine Tiefgarage.

Wenn alles optimal läuft, könnte die neue Halle vielleicht sogar schon im Herbst in Betrieb gehen. Das ist nicht sehr wahrscheinlich, aber spätestens ein Jahr drauf sollte es dann so weit sein. Dann steht ja auch schon unser 30. Geburtstag an.

Wie wir gehört haben, gibt‘s womöglich auch noch eine andere Option für euch, richtig?
Ja, wir haben eventuell noch eine große Chance zur Entwicklung, nachdem die Post definitiv das benachbarte Gelände mit der charakteristischen Paketposthalle verlässt. Die Büschl Unternehmensgruppe hat dieses Postareal gekauft und tolle Pläne mit Einrichtungen für Jung und Alt angekündigt.

Wir hatten dazu auch schon ein erstes Gespräch. Vielleicht lässt sich ja tatsächlich gemeinsam etwas Lebendiges schaffen, eine schöne kulturelle Nutzung der unter Denkmalschutz stehenden Halle.

Das ist natürlich noch Zukunftsmusik. Welche Baumaßnahmen stehen in nächster Zeit an?
Aktuell im Vordergrund steht erst einmal die Sanierung des jetzigen Geländes, vor allem die Toiletten haben es dringend nötig. Vieles in der baulichen Substanz ist einfach hinüber nach so vielen Jahren. Das Ganze muss bei laufendem Veranstaltungsbetrieb passieren, schließlich kosten die Maßnahmen auch einen Haufen Geld.

Wie siehst du allgemein die Lage der gefährdeten und immer mehr an den Rand gedrängten Subkultur in München?
Insgesamt schwierig. Kürzlich gab‘s ja das erste Münchner Popmusik-Hearing, das ist auf jeden Fall eine positive Entwicklung. Da kam dann letztlich raus, dass das Kulturreferat die Szene künftig mit 100.000 Euro im Jahr extra fördert. Aber die Summe ist leider homöopathisch. Unser Genre braucht einfach mehr Aufmerksamkeit.

Dabei haben wir aktuell einige Leute, die viel für die Stadt machen – angefangen von Michi Kern (Interview Oktober 2018) mit seinem Lovelace bis hin zu Daniel Hahn (Interview April 2017) und seinem Bahnwärter Thiel. Deren Leistung und auch unser Beitrag mit dem Backstage wird viel zu wenig von der Politik gewürdigt. Wir alle wünschen uns einfach mehr Gerechtigkeit bei der Unterstützung.

Bei der angesehenen Hochkultur wird das Geld geradezu rausgehauen, bei anderen Kulturformen ist nix da. Wir müssen in diesem Punkt endlich verkrustete Strukturen aufbrechen.

Kommen wir zurück zum aktuellen Geburtstag. Worauf freust du dich besonders?
Darauf, dass ich viele Leute treffen werde, weil ich natürlich an allen Abenden da bin. Ich werde mir sicher die Band ZSK am Samstag anschauen. Auf die freue ich mich schon, ich mag so alte Punk-Geschichten. Ansonsten finde ich auch Stoner Rock richtig cool. Insgesamt stehe ich schon sehr auf psychedelische Musik.

Welches Rezept hast du, um das allnächtliche Party machen leichter wegzustecken?
Ich habe da kein großes Rezept. Ich muss eher Gott danken, dass ich so viel Energie habe. Dabei habe ich nicht mal Zeit für ein sonderlich ausgeprägtes Hobby wie Sport. Okay, ich fahre immerhin gerne mit dem Fahrrad und mit Inline-Skates.

Irgendwann wird der Akku aber sicher auch mal leer sein. Für meine Familie – ich habe eine Frau und vier Kinder – ist meine Arbeit schon eine Belastung, das weiß ich. Ich möchte gar nicht nachrechnen, wie wenig ich in den letzten 28 Jahren geschlafen habe ... gute Nacht!  

28 Jahre Backstage, Reitknechtstr. 6
Do-Sa, 10.-12. Januar, ab 19 Uhr, www.backstage.info

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