Interview

Final Countdown - Lovelace Macher Michi Kern im Interview

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Michi Kern

Zum Jahreswechsel gehen im The Lovelace leider schon wieder die Lichter aus. Wir haben mit dem Macher Michi Kern über die turbulenten letzten zwei Jahre und den Endspurt gesprochen.

Wenn wir zurückschauen auf die Anfänge, was ist alles passiert in der Zeit?

Das Projekt war ambitioniert, weil es eben so kurzfristig angelegt war, nämlich auf 24 Monate. Jetzt haben wir 16 Monate - das ist natürlich sehr kurz. Man hat nicht das Gefühl von einem Endspurt, sondern das von einem 100 Meter Lauf. Wir haben 60, 70 Prozent von den Sachen, die wir geplant haben auch durchgeführt, aber es gab auch einiges, zu dem wir nicht gekommen sind.

Sich 200 Prozent vornehmen und dann 100 Prozent schaffen, war die Herausforderung. Wir hatten vier große Bereiche: Hotel, Gastro, Events plus Kultur. Wir sind insgesamt sehr zufrieden. In diesem Zusammenhang muss man dann auch eine Lanze brechen für den Hausbesitzer „Bayerische Hausbau“, dass die es sich getraut hat, uns rein zu lassen. Allein schon bei der Kautionsstellung sind die uns sehr entgegen gekommen.

Weil das Lovelace eben „nur“ eine Zwischennutzung ist…

Es gibt viele Objekte, die leer stehen. Die „Bayerische Hausbau“ hat sich die Mühe gemacht, das Projekt noch bis auf die letzten Meter zu unterstützen. Es war gut: Weil hier sehr viel stattgefunden hat, weil es irre viel Spaß gemacht hat und man experimentieren konnte, weil viele Leute mit interessanten Dingen auf uns zu gekommen sind. Zwischennutzung ist gerade in aller Munde, Pop-Up, und es sollten mehr Räume zur Verfügung stehen.

Der Genehmigungsprozess hat am Ende sechs Monate gebraucht, so etwas ist ein K.O.-Kriterium. Wir dachten, dass es bis Mitte 2019 geht. Also vorne und hinten fehlt etwas, das summiert sich auf so acht Monate insgesamt. Jetzt sind wir aus dem Gröbsten raus, haben die Pubertät schon hinter uns - jetzt könnten wir uns noch weiter entfalten. Aber gut, das macht ja auch den Charme aus. Ich möchte alle gerne ermutigen, mehr solche Sachen zu machen!

Es gibt Leute wie Wolfgang Nöth, Zehra Spindler und Daniel Hahn, die zum Beispiel den Mut dazu haben. Aber man muss die Geduld haben, gegen Windmühlen aller Art anzukämpfen.

Ja, aber es muss nicht so sein. Die Stadt könnte auch einmal eine Struktur schaffen für Zwischennutzungen, die man abarbeiten kann. Es ist immer das Gleiche - Statik, Brandschutz, etc…. Es ist keine Herzoperation. In der Behörde könnte es eine Anlaufstelle geben oder einen runden Tisch. So muss man sich an sechs, sieben verschiedene Stellen wenden, aber das ist schlecht für Zwischennutzungen.

Es müsste einen einzigen Zettel geben, der bearbeitet wird. Wer kann sich das auch leisten, die Dinge bei bester Lage brachliegen zu lassen? Schade, denn auch fürs Theater, die Szene könnte die Zwischennutzung interessant sein. Oder es geht um gute Inhalte, wie sie die Wannda-Jungs kreieren, zum Beispiel mit der Alten Utting.

Unter den Aspekten Kultur, Party, Gastronomie und Hotel, wenn man diese vier jetzt einzeln durchgeht - fangen wir mit dem Hotel an: War der Hotel-Part erfolgreich?

Das Hotel war mit das erfolgreichste überhaupt. Wir haben eine enorme Auslastung - gut, wobei 30 Zimmer jetzt nicht so viel sind. Aber es hat den allermeisten Leuten viel Spaß gemacht. Nur Leute, die ein Luxushotel erwartet haben, waren nicht zufrieden, weil zum Beispiel der Fernseher gefehlt hat im Zimmer. Das Pop-Up-Moment war sehr erfolgreich, wir waren auch auf vielen Hotelkongressen und es hat die Branche wirklich interessiert.

Wir haben 10.000 bis 12.000 Euro pro Hotelzimmer investiert, normale Hoteliers investieren 50.000 bis 70.000 und wir hatten Erfolg damit. Denn je spezieller Du bist, desto besser ist Deine Ausgangssituation. Ich habe noch nie vorher ein Hotel gemacht, aber ich schaue mich jetzt schon sehr intensiv nach einem Nachfolgeprojekt um. Es ist eine 24-Stunden-Non-Stop-Herausforderung, jeden Tag. Aber es macht einen großen Spaß, denn Du bist immer mit einem Fuß in der großen, weiten Welt.

Wie ist die Gastronomie gelaufen?

Wir haben einen Fehler gemacht: Wir haben kein Restaurant eingebaut. Trotzdem bin ich froh, dass wir keines haben. Wir haben unsere Gastro mit den Events gekillt. Wir hatten bis jetzt an die 600 Veranstaltungen. Vieles läuft parallel und gleichzeitig. Da bleibt keine Zeit übrig. Firmen-Veranstaltungen, Parteistiftungen und das Fraunhofer Institut, Agenturen, … haben jeweils viele Veranstaltungen gemacht, es gab Lesungen, dazu viele Konzerte. Wir hatten sogar einen Steinway!

Die Gastro haben wir daher zurückgefahren zu Gunsten anderer Dinge. Das vegane und vegetarische Konzept konnten wir in diesem Rahmen allerdings schon machen - das haben alle im wahrsten Sinne des Wortes gefressen. Viele waren glücklich, einmal etwas anderes probiert zu haben. Wir wollten das alternative Angebot machen, auch kommerziellen Kunden gegenüber!

Erste Bilder aus dem "The Lovelace"

Wie sieht es mit den Partys aus?

Das Feiern liegt ja in unseren Genen. Events wie „Bar Bank“ hat den Leuten brutal viel Spaß gemacht. Jetzt kommen auch noch viele Parties und Indoor-Festivals. Die „Burn Night“ zum Beispiel war legendär. Erst hatten wir totale Panik und Chaos im Haus. Und dann ab halb drei Uhr wurde es richtig spaßig.

Wir hatten auch legendäre Parties in diversen Zimmern und im Zwickel Appartment. Es gibt bei uns Karaoke und Ping-Pong Events, alles sehr lustig. Lockerheit und Humor machen den Erfolg von einem guten Club und einer guten Party aus. Die Parties haben gut funktioniert. Am 5. Januar wird die letzte große Party sein. Dann ist sofort die Schlüsselübergabe.

Habt Ihr ein Gesamtkonstrukt, wie Kultur bei Euch funktioniert?
Viel Kultur wurde uns angetragen. Wir haben die Monster Girls da - eine freie Theatergruppe, die über das ganze Hotel ihr Stück spielt. Wir hatten auch Tanz, das sieht insbesondere sensationell aus vom dritten Stock aus gesehen. Wir hatten eine Pianistin, die Schokoladen-Kuchen mitgebracht hat und gespielt hat. Es gab Lesungen und Podiumsdiskussionen. Viel Architektur fand statt.

Viele tolle Leute, die crazy Sachen machen. Die Kultur ist gut für den Nimbus vom Hotel. Wir finanzieren alles frei, also quer über Gastro und Hotel. Natürlich könnten wir uns das alles sparen - aber dann wären wir nichts Besonderes mehr! Da kann man ein Kalkül herausziehen und ein zwei Mitarbeiter mehr anstellen. Wir wollen Kultur, um uns zu positionieren, zu etablieren, aber vor allem weil es uns Spaß macht!

Wie geht es jetzt weiter?

Drei, vier Objekte haben wir nicht bekommen. Aber wir haben hoffentlich noch etwas auf Tasche. Wir hoffen, dass wir Ende des Jahres mit der Nachricht herausrücken können, wo es an anderer Stelle weitergeht! Das könnte auch in der Innenstadt realisiert werden. Es gibt leider unendlich viele Objekte, die leer stehen. Nur nahtlos bekommen wir’s nicht hin! Wir schauen uns auch andere Sachen in anderen Städten wie Budapest an. Da steht auch brutal viel leer. Aber wir sind natürlich Lokalpatrioten, die gerne in München etwas machen.

Zurückblickend: Hat Dich das Lovelace Hotel weitergebracht in Deiner persönlichen Entwicklung?

Ich muss tatsächlich sagen, dass ich hier erwachsen werden musste - was echt schlimm ist! Weil man als Diskobetreiber immer den Luxus hatte, dass man vor sich hin wurschteln kann und es wie Urlaub ist, wenn Du einen Club betreibest. Ich habe auch die Verwaltung gemacht. Und der Druck hier hat mich ganz schön auf die Füße gestellt, aber ob man sich das wirklich wünscht, ist schon fraglich.

Im Nachtleben ist auch viel Geld unterwegs, aber beim Hotel sind gleich Millionen im Spiel. Wurschteln und effizient sein hätte man schon von Wolfgang Nöth lernen können - Wolfgang Nöth, hat die Zwischennutzung für München erfunden Mit dem Flughafen, dem Pfanni-Gelände, hat er vielem den Weg bereitet. Auch für das Werksviertel. Das basiert auf seiner Vorarbeit. Wir stehen sozusagen auf den Schultern eines Riesen.

Was passiert denn noch alles im Lovelace, welche Highlights gibt es zum Endspurt?

Am 31. Oktober die „Halloween Party“, dann „Abflug Berlin“ am 3. November, darauf kommen Cambis und Tom Novy mit ihrer Disco-Party. Im Dezember gibt es dann weitere Indoor-Festivals, gefolgt von Silvester und dem „Gastrosilvester“. Das Closing-Event verraten wir noch nicht. Und dazwischen machen wir Hotel für Kinder. Die letzten Gäste im Hotel sind dann tatsächlich über Weihnachten 40 Kinder ! Was für ein Spaß. Das Ende vom Lovelace wird ein Loch reißen, denn so ein Haus ist etwas ganz besonderes. Es ist eine super Referenz. Und es gibt noch Platz für Visionen in der Stadt, dafür gilt es zu kämpfen.

Interview: B. Ackermann / A. Platz

Lovelace Hotel, Kardinal-Faulhaber-Straße 1, www.thelovelace.com

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