Aus diesen Lese- und Vortragserlebnissen zieht man viel Widerstandskraft
Buch trifft Bühne – Der Resi-Leseclub
Mitlesen und Mitreden: Auch in der laufenden Spielzeit adaptiert das Residenztheater wieder einige Romane für die Bühne. Im Leseclub kann man den Transformationsweg begleiten. Möglich macht das der Austausch mit dem Ensemble-Mitglied Isabell Antonia Höckel und mit der Dramaturgin Lea Untersee. Mit ihnen kann man sich als lesefreudiger Theatergänger austauschen – bei Buch trifft Bühne. (Marstall Salon, 1.2.)
Wir dachten, das Leben kommt noch – Elisabeth Sandmann mit Sunnyi Melles
Schon seit über 20 Jahren bereitet Elisabeth Sandmann als Verlegerin mutigen Frauen eine Bühne. Jetzt hat sie selbst wieder ein Buch geschrieben – über die vergessenen Heldinnen des britischen Widerstands, die im Kampf gegen die Nazis ihr Leben riskierten. (Literaturhaus, 2.2.)
Thomas Lang: Melville verschwindet
„Moby Dick“ sollte man gelesen haben. Doch was weiß man wirklich über Herman Melville, den US-Autor? Thomas Lang verknüpft in seinem neuen Roman „Melville verschwindet“ eine literarische Spurensuche mit einer modernen Erzählerfigur, die gerade das eigene Elternhaus ausräumt und dabei auf ein unvollendetes Buchprojekt stößt. (Literaturhaus, 4.2.)
U20 Poetryslam
Bühne frei. An die Mikrofone. Ko Bylanzky bringt für den U20 Poetry Slam wieder die spannendsten jungen Stimmen ins Theater. (Volkstheater, 5.2.)
Olympias Augen
Die Werke der sog. Schauerromantik widmen sich mit Wollust der Kehrseite der menschlichen Existenz: Dramaturg Tristan Berger hat unter dem Titel „Olympias Augen“ einen musikalisch-literarischen Abend mit Phantastischem, Schaurigem und Gespenstischem kuratiert. Leidenschaftlich erzählt und vergnüglich gelesen von Sophie von Kessel, musikalisch belebt und koloriert von Isabel Lhotzky (Kla- vier) und Maria Friedrich (Cello). (Fraunhofer, 8.2.)
Kirsten Fuchs – Muttermund tut Wahrheit kund
Ernstgemeint unernst: Kirsten Fuchs hat ihren Humor nicht verloren. Im Gegenteil: Er reift. In ihren neuen Texten folgt sie der Devise: „Muttermund tut Wahrheit kund“. Soll heißen: Es geht um Kinder, das Mutterdasein und die oft diffuse, kurze Alltagszeit dazwischen – von Wochenbett bis Wechseljahre. (Vereinsheim, 17.2.)
Isar Slam
Luca Swieter aus Köln muss man einfach kennenlernen. Und TikTok-Star Heinz aus München, den Aufsteiger des Jahres 2024, sollte man schon gut kennen. Skog Ogvann aus Leipzig war bereits 2018 schon mal Thüringer Landesmeister. Was sie – und noch einige Poeten mehr – vereint: Sie alle treten beim Isar Slam an. (Muffatwerk, 18.2.)
Lea Ypi: Aufrecht
Zunächst ist es nur ein Foto, das ihre Großeltern im Jahr 1941 zeigt. Doch Lea Ypi klemmt sich hinter die Recherche und stößt in immer rätselhaftere Familienvorgeschichten vor. Es geht um die untergegangene osmanische Aristokratie – zunächst im Albanien unter faschistischer, dann unter kommunistischer Herrschaft. „Aufrecht“ setzt ihre Familiensaga fort – als Vorgeschichte zum Bestseller „Frei“. (Lite- raturhaus, 21.2.)
Jochen Schmidt: Hoplopoiia
Die Suche nach dem vermeintlich richtigen Leben im sehr realen Chaos von Berlin hat Jochen Schmidt nicht aufgegeben. Sein neuer, sympathisch witziger, von Zweifeln durchsetzter Großstadtroman knüpft an die Stadtneurotikertradition an. (Literaturhaus, 23.2.)
Trio mit Tiger – Marianne Ludes mit Daniel Schreiber
Eigentlich wollten Max Beckmann und seine Ehefrau/Muse Mathilde, die er mehr oder weniger zärtlich „Quappi“ nennt, ja vor den Nazis fliehen. Doch 1942, im besetzten Amsterdam, kommen ihnen die Deutschen wieder näher und näher. Und dann meldet sich mit dem Kunsthistoriker Erhard Göpel ausgerechnet ein Mann bei dem Maler, der Werke für Adolf Hitlers geplantes größenwahnsinniges Museum zusammentragen soll. Marianne Ludes zeichnet das große Durcheinander in „Trio mit Tiger“ nach. Bei ihrer Lesung spricht sie darüber mit dem Essayisten Daniel Schreiber, der im vergangenen Jahr das geniale „Literaturfest“ kuratierte. (Literaturhaus, 25.2.)
Gisèle Pelicot „Eine Hymne an das Leben“
Man kann sie nur bewundern, für ihren unerschütterlichen Mut, entschlossen für die Wahrheit zu kämpfen und sich den Augen der Öffentlichkeit zu stellen: Gisèle Pelicot, die von ihrem Mann und seinen Mitvergewaltigern in Avignon über Jahre brutal missbraucht wurde, wollte nicht länger Opfer sein und wagte das Maximum an Selbstbehauptung. „Eine Hymne an das Leben“ erzählt davon. (Literaturhaus, 26.2.)
Christian Springer & Kerstin Schweiger „Bayerischer Mob“
Er kann auch anders: Christian Springer, der Orienthelfer und engagierte Kabarettist, hat zuletzt zusammen mit Kerstin Schweiger ein wuchtiges Thema in gebotener Stringenz bearbeitet – in Buchform. „Wie die Gewalt in die Politik einzog“ ist die Leitfrage. Es geht um Gespräche mit betroffenen Politikerinnen und Politikern – und natürlich um Schuldfragen. Zudem haben beide Essays von Autoren wie dem Journalisten Karl Stankiewitz, Interviews mit Staatsschutz-Kommissaren und Einsichten von Musikkabarettist Hans Well versammelt. (Deutsches Theater, 27.2.)
Daniel Speck: Villa Rivolta
Wieder eine italienische Familiengeschichte, von Verlust, Freundschaft und von gesellschaftlichen Gräben: Daniel Speck stellt seinen neuen Roman „Villa Rivolta“ vor. (Literaturhaus, 27.2.)
feast machine
Jan Geiger und L.J. Jeschke wollen Literatur nicht luftleer durch den Raum schicken. Ganz im Gegenteil: Ihr Abend soll eine „Feast machine“ antreiben. Es geht um eine Performance, die Lyrik, Gedicht, Sehnsucht, Stille, Trauer, Fantasien und/oder Realität lebendig werden lässt. Dazu kann man trinken, essen, quatschen und Musik hören. (Pathos Theater, 28.2./1.3.)
Diese neuen Leseerlebnisse helfen enorm bei der Standortbestimmung
Stephan Zinner – „Prachtexemplar“
Eigentlich hat Stephan Zinner ja vor nichts und niemandem Angst – als erfolgreicher Schauspieler, Musiker und demnächst als „Derbleckn“-Redner. Doch sein härtestes Publikum wartet auf den Hobbykoch, Heimwerker und Schwie- gersohn zuhause. „Prachtexemplar“ heißt seine irrwitzige Kurzgeschichtensammlung, die Zinner nun vorstellt – mit Musik. (Lustspielhaus, 3.1.)
Axel Hacke
„Wie fühlst du dich? Über unser Innenleben in Zeiten wie diesen“: Natürlich herrscht immer großer Ironieverdacht, wenn Axel Hacke seine Schmunzeltexte liest. Doch ihm kann man sich wirklich anvertrauen. Ein kluger Kopf, der intellektuelle Geborgenheit garantiert. (Theater Leo 17, 3.1.)
Manfred Pfister – Ein Abend über die „Englische Renaissance“
Zurück in seine geistige Wunschregion und ins Lieblingsjahrhundert: Manfred Pfister, geboren in Landshut und an der LMU bis zum Erreichen seiner Professur geblieben, kehrt mit seinem großen Spätwerk „Englische Renaissance“ in seine Heimat zurück. Es geht ins „Golden Age“ von William Shakespeare, Francis Bacon und Elisabeth I. Ein Band, so prachtvoll gestaltet wie von Pfister prachtvoll mit Worten ausgeschmückt. Gewicht: zweieinhalb Kilo. Uff! (Lyrik Kabinett, 14.1.)
Ursula Krechel – „Sehr geehrte Frau Ministerin“
2025 erhielt sie den „Georg-Büchner-Preis“, was ihren Ruf als Grand Dame der deutschsprachigen Literatur noch einmal unterstrich (und zwar doppelt). „Sehr geehrte Frau Ministerin“ ist Ursula Krechels Roman von zwei Frauen, die sich ans Justizministerium wenden. Es geht um Macht, Ohnmacht, Gewalt und Unterdrückung. Und um die Chance von Widerstand. (Literaturhaus, 14.1.)
Caro Matzko
Sie hatte offenbar lange kein gutes Miteinander mit ihrem Vater. Umso wichtiger war es Caro Matzko, die zuletzt bei der BR-Talkshow von Hannes Ringlstetter ausgestiegen war, die Geschichte seiner Verletzungen zu rekonstruieren. Auch deswegen, weil sie verstehen möchte, wie sich seelische Traumata weiterentwickeln können – in der nächsten Generation. Also reiste die Münchnerin für „Alte Wut“ nach Ostpreußen – die Gegend, aus der einst ihr Vater, als gerade mal Zehnjähriger, vertrieben worden war. (Sudentendeutsches Haus, 15.1./Salon Luitpold, 2.2.)
Andreas Rebers
2011 starb mit Franz Josef Degen- hardt einer der besten Liedermacher der Nachkriegszeit – und eine mutig unbequeme Stimme. Andreas Rebers erinnert in seiner Lesung an Degenhardts Sprachgewalt und Feinfühligkeit. (Künstlerhaus, 16.1.)
Rainer Moritz
Auch mit Musik und – Hossa! – mit ihren Texten befasst sich Rainer Moritz im Literatur-Liederabend „Zwei Spuren im Schnee“. Es geht um die vielen Winterblüten am Strauß deutscher Schlager. (Literaturhaus, 16.1.)
Leïla Slimani – „Trag das Feuer weiter“
Endlich raus aus dem Brain Fog und aus der Beklemmung: Leila Slimani erzählt in „Trag das Feuer weiter“ von einer Pariser Schriftstellerin, die nach Marokko aufbricht, ins Land ihrer Kindheit. Dort gerät sie tief hinein in eine Geschichte, die vom Kampf um Freiheit handelt. Slimani, die Prix-Goncourt-Preisträgerin, schließt damit ihre große Familientrilogie ab. (Literaturhaus, 18.1.)
Marko Dinic
Noch eine Spurensuche: „Buch der Gesichter“, der neueste Roman des Wieners Marko Dinic, erzählt in eng miteinander verwobenen Erzählsträngen gleich acht Familiengeschichten, die zurück in die jüdische Gemeinde Belgrads im Kriegsjahr 1942 führen. (Literaturhaus, 21.1.)
Anna Pritzkau
Wenn sich das Leben plötzlich wieder lohnt. Trotz allem. Im Debütroman „Frauen im Sanatorium“ von Anna Pritzkau geht es um solidarischen Halt – und um einen ganz besonderen Flamingo. (Literaturhaus, 22.1.)
Bodo Kirchhoff – „Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt“
Wie weitermachen? Wie Nähe und gleichzeitig Distanz sowie vor allem Würde bewahren? Bodo Kirchhoff spielt in seinen Romanen gerne komplexe Beziehungskonstellationen durch. Diesmal handelt „Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt“ von einem Mann, der nach 50 Ehejahren nach Indien reist – ohne seine Ehefrau. Doch dann folgt sie ihm – voller Wut und Zweifel. (Literaturhaus, 23.1.)
Nicholas Ofczarek liest Thomas Bernhard
Mit beißendem Spott zog Thomas Bernhard immer wieder über sein Land und besonders gern über die selbstverliebte Wiener Kulturschickeria her. Von seinem Schlüsseltext „Holzfällen“ geht noch immer eine ungeheuerliche Sogwirkung aus, mit der Starschau- spieler Nicholas Ofczarek teuflisch geschickt spielt. (Künstlerhaus, 23./24. und 25.1.)
Anja Kampmann – „Die Wut ist ein heller Stern“
Wenn man von der Nachtclubbühne im „Alkazar“ auf der Reeperbahn plötzlich immer mehr braune SA- Uniformen sieht, wird es gefährlich. Anja Kampmann hat solide recherchiert, um tief in eine Story von weiblicher Selbstbehauptung in finsteren Tagen einzutauchen. (Literaturhaus, 26.1.)
Tag der Quellen
Sie haben ihre intimsten Sorgen, Wünsche und Hoffnungen zu Papier gebracht, oft heimlich. Am Tag der Quellen wird wieder gelesen in den Tagebuchaufzeichnungen, Briefen und Schulaufsätzen von jüdischen Kindern und Jugendlichen aus der Nazizeit. (Volkstheater, 29.1.)
David Foenkinos
Worauf kommt es im Leben wirklich an? Dieser Frage geht Erfolgsautor David Foenkinos – nach vielen Büchern, die schon in 40 Sprachen übersetzt wurden – in seinem Neuling „Das glückliche Leben“ nach. Da kann man viel lernen. (Literaturhaus, 29.1.)
Lena Krebs und Theresa Reichl
Von der Couch auf die Bühne: Lena Krebs und Theresa Reichl präsen- tieren ihren Podcast live – „Lesen ist schwul – die Show“. Es geht um Rezen- sionen der Marke Funny-frisch und witzige Buchstabenspiele. (Lach und Schieß, Fat Cat, 30.1.)
Romy Hausmann
Romy Hausmann („Liebes Kind“) hat zuletzt 52 Fragmente auf Papier gehämmert – auf ihrer Schreibmaschi- ne, die vom Flohmarkt stammt. Martin Bechler, Produzent von Fortuna Eh- renfeld, hat sie vertont. (Muffathalle, 16.12.)
Wladimir Kaminer
Versöhnlich: Wladimir Kaminer zieht in der Lesung „Schöne Bescherung! Kaminers Weihnachen“ die Trostbremse. (Lustspielhaus, 17.12.)
Lost in Music: Geschichten aus der Popmusik – Gran Finale
Großes Finale, schnüff! Markus Naegele, Verlagsmanager und Musikus, bestens bekannt als Don Marco und Drug-Stop-Frontmann, lässt seine tolle Leseabenteuer-Reihe Lost in Music ausklingen. Aber mit einem Paukenschlag. Zum Abschluss geht’s noch mal richtig rund. Es lesen und spielen unter anderem die Trikont-Chefin Eva Mair-Holmes, Achim Bogdahn, Anna Jung, Franz Dobler, Knut Cordsen, Jacqueli- ne Floßmann, Richard „Dr. Döblinger“ Oehmann sowie Philipp Bradatsch, Angela Aux, Die Libellen und Jason Arigato. Und natürlich dürfen auch Die Pyramiden von Giesing und Drug Stop nicht fehlen. (Fat Cat, Live/Evil, 18.12.)
Axel Hacke
Ausklingen lassen mit Axel Hacke: Er findet sicher einen tröstlichen Reim auf ein kratziges Jahr. (Volkstheater, 28.12.)
