Donnerstag, 23. Februar 2012
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Kino

Glück Ab 23.2. im Kino

Bewahre den Tag! Irina hat es aus einem Kriegsgebiet irgendwo in Osteuropa nach Berlin verschlagen, wo sie sich als Prostituierte verdingen muss. Im jungen Punk Kalle findet sie einen ebenso unbehausten, seelenverwandeten Gefährten und verliebt sich ihn. Zu zweit schaffen sie es, ein bescheidenes, aber stets gefährdetes gemeinsames Leben aufzubauen, eine gemeinsame Wohnung zu halten, in der Irina ihre Freier empfängt. Als einer ihrer Kunden mit einem Herzinfarkt tot zusammenbricht, beseitigt Kalle unter großen Mühen die Leiche – allerdings entdeckt die Polizei das „Verbrechen“, und es bedarf eines klugen Verteidigers (Matthias Brandt), um die beiden aus den Fängen der Justiz zu befreien. Doris Dörries Drama beruht auf einer Kurzgeschichte des Berliner Strafverteidigers und Bestsellerautors Ferdinand von Schirach. Alba Rohrwacher spielt Irina, die von ihren traumatischen Erinnerungen an den Krieg verfolgt wird. Vinzenz Kiefer den nicht weniger verletzlichen jungen Mann.

 

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Extrem laut und unglaublich nah Jetzt im Kino

Trauerarbeit. Der elfjährige Oskar ist Autist. Am 11. September 2001 verliert er seinen geliebten Vater (Tom Hanks), mit dem er wundersame Expeditionen durch die große Stadt New York unternommen hat. Oskar kann natürlich so schnell nicht loslassen. Als er einen Schlüssel in einem Umschlag mit der Aufschrift „Black” findet, zieht der sensible Junge los, um sämtliche 478 New Yorker mit diesem Nachnamen zu besuchen. Wenn er nur das passende Schloss für diesen Schlüssel findet, so hofft er, kann er die Verbindung mit seinem Vater beibehalten. Sandra Bullock spielt Oskars in ihrer Trauer verzweifelte Mutter, Max von Sydow brilliert als Oskars Großvater. Mit dem poetischen Coming-of-Age-Drama verfilmte Stephen Daldry („Billy Elliot”) den Roman von Jonathan Safran Foer.

 

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Gefährten Jetzt im Kino

Das Glück dieser Erde ... 1914. Der pferdenärrische Bauer Ted er­steigert den jungen Hengst Joey und sein Sohn Albert lehrt dem edlen Rassepferd sogar das Pflügen. Als der Krieg beginnt, muss Ted den Gaul an die Armee verkaufen. Captain Nichols verspricht, gut auf ihn aufzupassen, fällt aber früh in Frankreich – und für Joey beginnt eine unglaubliche Odyssee zur deutschen Armee, zu einem französischen Großvater mit kleiner Enkelin, in die Schützengraben vor Verdun ... um schließlich wundersam zu Albert und auf den heimischen Hof zurückzukehren. Steven Spielberg traut sich was, mit seinem großen, schlicht herzzerreißenden Mainstream-Film aus Pferdeperspektive, bei dem er alle nur denkbaren Register des melodramatischen Erzählens zieht und den Zuschauer höchst gekonnt den großen, märchenhaften Traum vom tiefen Einverständnis zwischen Mensch und Tier erleben lässt. Kann durchaus sein, das es mehr gibt, als nur einen Oscar bei der Verleihung demnächst in L.A.

 

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Die Unsichtbare Jetzt im Kino

Eine Truppe von Schauspielschülern, kurz vor einem wichtigen Auftritt. Alle sind so individuell wie aus dem Bilderbuch: Die Hübsche, die Kesse, der Held und der lustige Dicke. Und es gibt Fine (Stine Fischer Christensen). Fine fällt dadurch auf, dass sie nicht auffällt. Vielleicht ist es genau das, was den Regisseur Kaspar Friedmann (Ulrich Noethen) auf sie aufmerksam macht. Wo alle alles wollen, will sie scheinbar nichts. Bei dessen neuer Inszenierung der „Camille“, gehört sie dann zu jenen Auserwählten, die mitmachen dürfen, und - nach einem Vorsprechen – gibt Kaspar ihr die Hauptrolle. Und Fine hängt sich richtig rein in die Rolle, blüht zugleich auf, wird schöner, selbstbewusster, wird Camille, jene Femme Fatale, die die Männer verschlingt und im Griff hat, böse in den Taten und schwarz in der Seele. Das ist Camille – aber nicht Fine. Doch mehr und mehr übernimmt die Rolle das Kommando. Das ist eine Horrorvorstellung, so, wie es genaugenommen auch eine Horrorvorstellung ist, unsichtbar zu sein. An diesen Spannungen droht die junge Frau zu zerbrechen… Mit diesem Film bestätigt Regisseur Christian Schwochow das Lob, dass er für sein Debüt „Novemberkind“ bekam. „Die Unsichtbare“ ist der schwierigere, aber auch der bessere Film. Ein Film über das Verhältnis von Kunst und Leben, die voneinander nicht zu trennen sind.

 

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Hugo Cabret Jetzt im Kino

Zauberhaftes, großes Kino. Hugo Cabret (Asa Butterfield) ist ein 12-jähriger Waisenjunge im Paris der 1930er Jahre. Er lebt im Bahnhof Montparnasse, wo er anstelle seines stets betrunkenen Onkels sämtliche Uhren wartet und sich mit kleinen Diebereien über Wasser hält. Hugos Vater (Jude Law) war Uhrmacher und hat seinem Sohn eine kleine Aufziehfigur hinterlassen. Dank der gleichaltrigen Isabelle kommt Hugo an den Schlüssel, mit dem er das kleine Wunderwerk in Gang setzen kann. Und er lüftet das Geheimnis um Isabelles Patenonkel, den in Vergessenheit geratenen großen Pionier des fantastischen Kinos, Georges Méliès (Ben Kingsley), der einen kleinen Spielzeugladen im Bahnhof betreibt. Und er muss sich vor dem Bahnhofsvorstand (Sacha Cohen Baron in einer Slapsticknummer) verstecken, der ihn ins Waisenhaus bringen lassen will. Martin Scorseses einfallsreiche,  märchenhafte Fantasie ist einfach großartig gemachtes 3D-Unterhaltungskino, zugleich eine Riesenverbeugung vor den frühen Meistern der Kinogeschichte. Ein Muss für alle.

 

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Dame, König, As, Spion Jetzt im Kino

Diese Herren im grauen Zwirn, mit grauen Gesichtern, die sich da am Konferenztisch versammeln, wirken wie Buchhalter. Sind sie aber nicht. Sie gehören zur crème de la crème des MI6, dem berühmten Secret Service Ihrer Majestät, und sollen Great Britain vor äußerer Gefahr schützen. Wir schreiben das Jahr 1973: der kommunistische Feind kennt im Kalten Krieg kein Pardon. Als durch einen Doppelagenten brisante Informationen aus dem Herzen des Geheimdienstes beim sowjetischen KGB landen, wird Top-Spion George Smiley (Gary Oldman) aus dem Ruhestand geholt. Er soll den Maulwurf enttarnen, auf dessen Konto eine blutige Geheimdienstaktion in Budapest geht.  Bevor aber die Wahrheit ans Licht kommt, eskaliert die Situation. In ruhigen Kamerafahrten, in kühlen, trostlosen und braunstichigen Bildern, in pointierter Sprache und einer Ausstattung vom Feinsten - da stimmt alles vom Feuerzeug bis zur Lampe aus den 1970er Jahren, von den furchtbaren Tapeten ganz zu schweigen - kreiert der Film eine klaustrophobisch dichte, von Paranoia und tief sitzendem Misstrauen geprägte Atmosphäre. Die Helden sind einsame Typen in Trenchcoats, die ständig Whiskey kippen, eine Zigarette nach der anderen paffen und sich gegenseitig kritisch beäugen. Verwundete Wölfe im Schafspelz, die weder Glück noch Gefühl kennen. Es interessiert nicht die große Politik, sondern das komplizierte Innenleben der Männer, die alle etwas zu verbergen haben und verdächtig scheinen. Thomas Alfredsons undurchschaubares und intensives Puzzle in der Tradition der feinsinnigen Agentenfilme der 1960er und 1970er Jahre und ohne das klassische „Whodunit“ beweist, dass Spannung auch ohne bombastische und laute Action funktionieren kann. Allein der umwerfende Gary Oldman mit großer Hornbrille ist als meisterliches Ass den Kinobesuch wert.

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Zettl Jetzt im Kino

Hoch hinaus. Max Zettl (Michael Bully Herbig), einst bloß Chauffeur vom (verstorbenen) Münchner Klatsch-Reporter Baby Schimmerlos, hat’s nach Berlin verschlagen. Da wird er Chefredakteur eines neuen Online-Magazins, kommt einem Skandal auf die Spur. Ein stets überschnappender Bundeskanzler, eine Bürgermeisterin, die eigentlich ein Mann ist, ein Schweizer Milliardär ... das eitle, verkommene, völlig kaputte Personal lässt nichts zu wünschen übrig. Helmut Dietls krasse Politsatire  ist eine gewollt bitterböse Abrechnung mit dem politischen Intrigantenstadel, nicht nur in der Hauptstadt, voller sagenhafter Dialoge, verzweifelnd schier an diesen Typen. Das passt: wie die Faust aufs Auge. Die Kritiken? Sie reichen, wie oft bei Dietl, von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt.

 

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The Descendants Jetzt im Kino

Hawaii, das ist ja bekanntlich das Paradies auf Erden ... Für Anwalt und Familienvater Matt King (George Clooney) jedoch droht eine tragische Wende, als seine Frau beim Surfen verunglückt, ins Koma fällt und er auch noch erfährt, dass sie einen Liebhaber hatte. Nebenbei gilt es, den Alltag allein zu meistern, die Töchter zu versorgen, nebenbei ein Sahne-Grundstück zu verkaufen, mit dem nervenden Schwiegervater, dem besagten Liebhaber seiner Frau und dem schrägen Freund seiner Tochter zurechtzukommen ... Alexander Payne inszenierte eine ganz auf Clooney zugeschnittene Tragikomödie als dichtes Zusammenspiel von komischen, innigen und schmerzlichen Momenten. Kein großes Wunder also, das sowohl  Alexander Payne für die beste Regie und George Clooney als bester Hauptdarsteller für den Oscar nominiert wurden.

 

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Drive Jetzt im Kino

Fahren mit Stil. Er hat keinen Namen. Nennt sich nur Driver. Tagsüber arbeitet er als Stuntman, nachts fährt er, bei riskanten Einbrüchen, die Fluchtfahrzeuge. Halsbrecherisch. Aber er kann’s, weiß, was er tut. Ist ein einsamer, schweigsamer Außenseiter. Verliebt sich in seine schöne Nachbarin Irene. Die hat einen kleinen Sohn, ist alleinerziehend. Als ihr Mann Standard aus dem Gefängnis heimkommt, Schulden bei seinen Knastbrüdern bezahlen muss und dafür einen Raubüberfall plant, erklärt sich Driver bereit, ihm zu helfen. Die Sache geht schief, Standard erwischt’s, Driver wird zum blutigen Rächer und Retter. Der unscheinbar daherkommende Ryan Gosling ist die Idealbesetzung in dem wirklich faszinierenden, absolut stilsicheren Thriller – nach dem viel gepriesenen und mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichneten Roman von James Sallis. Der Däne Nicolas Winding Refn („Pusher“, „Bronson“, Walhalla Rising“) inszenierte einen künftigen Klassiker, in Cannes gab es dafür die Goldene Palme für die beste Regie!

 

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The Artist Jetzt im Kino

Kino, Kino, Kino!!! Kann man mit einem (nagelneuen) Stummfilm, in Schwarz-Weiß, im Jahre 2012, noch irgendwen begeistern?! Aber ja! Regisseur Michel Hazanavicius und seine Darsteller haben bei den Golden Globes heftig abgeräumt und zehn Oscarnominierungen sind ja auch nicht von schlechten Eltern. Der schöne George (Jean Dujardin), mit Pomadenfrisur und Menjou-Bärtchen, ist ein Stummfilm-Star. Bei der Premiere seines neuesten Abenteuer-Schinkens schafft es Peppy Miller (Bérénice Bejo), eine Verehrerin, mit ihm auf ein Foto, das in allen Zeitungen erscheint – und beschließt, berauscht, gleich selbst zum Film zu gehen. Die beiden verbindet alsbald eine zarte Liebelei. Peppy arbeitet sich, zuerst in Nebenrollen, beim gerade aufkommenden Tonfilm allmählich nach oben. George, der die Zeichen der Zeit verkennt und die Warnungen des Hollywood-Produzenten Zimmer (John Goodman) ignoriert, dreht weiter Stummfilme, bis die keiner mehr sehen will und er in tiefster Depression versinkt. Sehr komisch, sehr tragisch, sehr melo, sehr charmant – eine wunderbare Liebeserklärung an das Kino. Und das Hunderl, das hier eine herzigfreche Nebenrolle spielt, erhielt auch noch einen Preis in Cannes.

 

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Do 23. Februar -
Mi 7. März 2012
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