Protesters hold a colorful banner reading 'PRÜF-DEMOS.DE' in front of a city street, with signs in German in the background.

Glosse: Vom Wert der Kultur…

…in sonderbaren Zeiten. Ein rechter Mob hat uns in den sozialen Medien die Kommentare geflutet. Wir antworten:

Am 6.9.2026 wählten die Menschen eines deutschen Bundeslandes eine rechtsextreme Partei mit 43,8 Prozent in ihren Landtag. Am 12. September fanden sich auf dem Münchner Geschwister-Scholl-Platz unter dem Titel „Prüf“ zum achten Mal mehrere tausend Menschen zusammen, um gemeinsam mit mehreren Künstler*innen und dem Münchner OB Dominik Krause folgender Forderung Nachdruck zu verleihen: „Alle Parteien, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall oder gesichert rechtsextrem eingestuft werden, sollen durch das Bundesverfassungsgericht überprüft werden.“ Angesichts der Schwere des Verdachts rational und fast bescheiden. Wir berichteten auf den sozialen Medien in Form eines Videos von der Demo.

Der braune Mob schlägt zu

Und dann ging’s los im Kommentarbereich… „Wer bezahlt diese linksgrünversifften dafür?“, „Die Zecken haben nur Angst bald arbeiten zu müssen“ und in einer besonders hervorzuhebenden Sottise bedauerte ein Kommentator angesichts der vielen Menschen im Video, dass „kein LKW in Sicht“ sei. 7 Likes. Wäre anscheinend toll, wenn diese Menschen, die sich gerade demokratischer Mittel bedienen, alle totgefahren werden würden. Insgesamt gab es über 1300 Kommentare dieser Stoßrichtung. Wir als Redaktion waren traurig und erschüttert.

München ist und bleibt bunt und lebenswert

Daher sei gesagt: Rechter Mob, ihr habt es vielleicht geschafft, an diesem einen Samstag den Kommentarbereich unseres Reels zu einem größtenteils hässlichen Ort zu machen, aber es ist auch klar: Mit unserer Stadt werdet ihr es niemals schaffen. Ihr seid leere Menschen, die aus Frust, Hass und Trotz das Internet vermüllen, während die wahre, pluralistische Stadtgesellschaft, die diese Stadt so lebenswert macht, im Kino, Theater, Konzert, Museum oder einfach an der Isar und in der Wirtschaft sitzt. Und dabei unbewusst feiert, was leben in München bedeutet. Und genau das wollen wir Monat für Monat in unserem Magazin und hier auf unserer Website abbilden:

Münchens Kulturleben ist ein Schatz

Es ist ein großer Schatz, an einem Ort zu leben, wo so ein buntes Kultur(er)leben möglich ist. Ein Kulturleben, das neue Perspektiven eröffnet, in Medienkompetenz schult und zu steter Reflexion anregt. Als am Kulturleben teilnehmende Person bildet man aus diversen Eindrücken seine eigenen Meinungen. Diese sind nicht fest, sondern in Bewegung. Werden geschärft, neu verhandelt. So funktionieren reflektierte Denkprozesse. Und da es sich so verhält, ist ein offenes pluralistisches Kulturleben im Kern immer antifaschistisch. Kein Wunder, dass die AfD Kulturinstitutionen reglementieren und kontrollieren will, sonst würden wir Menschen ja erkennen, was für rückwärtsgewandter, menschen-, wissenschafts- und eben kulturfeindlicher Populismus von dieser Partei betrieben wird. In diesem Sinne wollen wir in dieser Ausgabe die folgenden Seiten auch als Einladung zur bewussten Reflexion nutzen. Zur politischen und zur Reflexion darüber, was für ein Glück es ist, in München leben zu dürfen.