Paulaner festival tower with blue-and-white striped pillars and logo, ferris wheel in the background against a blue sky

Glosse: Na Prost!

Ein paar ironisch-dystopische Gedanken zur Zukunft der Wiesn

Wiesn is (boid)! Und lasst sie uns genießen, denn vielleicht ist sie die letzte ihrer Art. Panikmache mit Augenzwinkern? Durchaus, aber erinnern wir uns kurz: Nach einer Klage des Münchner-Stubn-Festwirts Alexander Egger bezüglich der Vergabe-Kriterien der großen Wiesn-Zelte, stand bis Mitte Juni nicht fest, ob alle Zelte aufgebaut werden können. Nach der Ablehnung des Eilantrags herrschte große Erleichterung bei Wirten und Stadt – am 11. September steht das Hauptsacheverfahren an, das aber keinen Einfluss mehr auf die Wiesn 2026 haben wird. Nächstes Jahr könnte es dann anders aussehen, denn eine Beschränkung auf Münchner Bier ist auf dem Oktoberfest unzulässig, „wenn auch andere Produkte den erwünschten Zweck erfüllen“, wie es in einer Pressemitteilung der Wiesn Wirte erklärt wird. Ferner befürchten sie, dass so „Guinness, Kölsch & Co“ auf der Theresienwiese Einzug halten werden. Aber warum da aufhören? Malen wir uns zur Gaudi einen dystopischen Wiesnbesuch aus, wie er in ein paar Jahren stattfinden könnte:

Oktoberfest 2030?!

Man will sich am mittleren Wiesnsamstag um 11 Uhr am Starbucks-Zelt treffen. Niemand da. Man schreibt in den Whatsapp-Chat und erkennt, dass das Starbuckszelt-Ost gemeint war, während man am Südzelt, ehemals Schützen, versauert. Egal, der Blended Pumpkin Spice Frappuccino und der Strawberry Lemon Swirl schmecken trotzdem. Einfach Bayrische Schmankerl! Man flaniert los. An der Kefir-Wiesnschänke (Ex-Käfer) vorbei gen Osten und blickt in die Ferne. Wo einst das Hacker stand, ist das Matcha-Latte-Zelt der neue Himmel der Bayern. Im Neuroblends-Zelt (siehe nächste Seite) legt das Gabber-Kollektiv Grauton Techno jenseits der 200 bpm auf. Eine Tegernseer Truppe führt dazu ihr Zeitraffer-Schuhplatteln auf. Urig, traditionell, instagrammable. Man schneit kurz vorbei, bleibt aber nicht lang hängen. Weiter geht’s ins Augustiner, das auf der Wiesn bleiben konnte, weil es sein Sortiment auf Bubble Tea umgestellt hat. Hund san’s scho, die Wirte!

Giesinger auf der Wiesn? Und wie!

Man kehrt kurz in einen Giesinger Stehausschank ein, die sich auch auf dem größten Volksfest der Welt nahezu unkontrolliert vermehren, und statt Giesinger Erhellung jetzt Giesinger Vollstreckung ausschenken. Langsam ist man auf Betriebstemperatur, um die Neuheit des Jahres auszuchecken: Um dem Ruf des Fests als „weltweit größte offene Drogenszene“ gerecht zu werden, ist auf OB Dominik Krauses Bestreben hin, erstmals ein Ayahuasca-Zelt auf dem Oktoberfest gestattet. Alle trinken psychoaktiven Sud, der dazu führt, dass man sich liegend erbricht? Klingt ja genau wie die Wiesn vor dem Urteil vom 11.9.2026! Selbst der Ministerpräsident ist angesichts dieses Traditionsbewusstseins begeistert. #söderturnt (engl. ausgesprochen). Ab da wird alles verschwommen und man ist froh am nächsten Tag mit Riesenschädel aber im heimischen Bett aufzuwachen. In diesem Sinne: Prost und viel Spaß auf der Wiesn 2026!