Gastro-Kritik

Restaurant Mun: Ja zum Geschmack

Mun Kim in seinem Restaurant Mun

Im Restaurant Mun in der Inneren Wiener Straße erzählt der Chef seine Lebensgeschichte auf dem Teller.

Man muss einfach ja sagen, erzählt der Amerikaner Cary Gilbert, der mit seinem koreanischen Partner Mun Kim das ehemalige persische und marokkanische Kellerlokal in Haidhausen betreibt. Ja zu Veränderungen, ja zu neuen Abenteuern. Und in dem Fall von Mun und Cary sind das eine ganze Menge: In Seoul geboren, zog es Mun Kim schon bald nach Honolulu.

Nach einer Karriere als Banker an der Wall Street und in Los Angeles, folgte er mit 44 Jahren seiner Leidenschaft und erlernte in der Stadt der Engel bei Sushi-Meister Makoto Okuwa das Handwerk des Sushi-Kochs. 2010 eröffnete er mit dem ehemaligen „Yahoo“ Rechtsanwalt Cary Gilbert das „Casa Mun“, das sich schon bald zum gefragtesten Supper Club in Buenos Aires entwickelte. Es folgte ein zweites Restaurant in der Casarena Winery in Mendoza. Hier konnte Mun seine Vorliebe für Wein in Kombination mit asiatischen Geschmacksnoten vertiefen, die auch in seinem neuen Restaurant in München eine große Rolle spielt.

Vom orientalischen Lokalkolorit des Vorgängers ist freilich nichts mehr geblieben – das „Mun“ ist aufwendig renoviert worden und gleicht mit seinen ausgefallenen Lampen und den Elementen aus Holz, Moos und Steinen mehr einem japanischen Garten. Stylisch, aber nicht aufgesetzt, strahlt das Restaurant, das Mun Kim als sein „Wohnzimmer“ bezeichnet, eine angenehme Noblesse aus, die hervorragend zu den Kreationen auf den Tellern bzw. Schieferplatten passt. Klare Linie hier und dort – Fisch steht ganz klar im Mittelpunkt und wie der kulinarische Lebensweg des Chefkochs, beginnt jedes Menü im Restaurant mit Sushi.

Dabei legt er großen Wert auf Herkunft und Qualität der Produkte und lässt sich Zutaten wie Thunfisch fangfrisch im Ganzen liefern – „Sea-to-Table“ nennt man das und kann es bei seinem wirklich hervorragenden „Tuna Tartare“ (19) auch schmecken. Wenn Mun Kim einem erklärt, wie man Sushi mit dem richtigen Einsatz von Sojasoße (selbst aufbereitet) und Wasabi genießt, fühlt man sich auf angenehme Weise bereichert statt belehrt – der Mann weiß, wovon er spricht und sein Nigiri mit Lachs, Hamachi (Gelbschwanzmakrele) und Albacore (Weißer Thun) ist einfach nur fantastisch.

Ein Hoch auf Umami

Los geht es aber mit einem Gruß aus der Küche: in der Pfanne angebratener Crispy Rice, der nicht mit rohem Fisch, sondern mit einer spicy Tuna-Creme getoppt wird. Ungewöhnlicher Genuss, dazu passt hervorragend ein „Lucky Buddha Lager“ (6), das man Thousand Islands Lake in China braut. Oder ein „Umami“-Cocktail (wir erinnern uns: fünfte Geschmacksrichtung neben süß, sauer, bitter und salzig, schmeckt irgendwie „erdig“) wie der „Smokin’ Earth“ mit Bourbon und einem Aufguss aus Shiitake- und Austernpilzen oder eine „Kimchi Bloody Mary“ (je 12).

Um das ganze Spektrum von Muns Küche zu genießen, empfiehlt sich eines der Degustationsmenüs mit wahlweise Fisch & Fleisch oder nur Fisch (4 Gänge 75 Euro + Weinbegleitung 32 oder 6 Gänge 95 + Weinbegleitung 46) zu wählen. Neben den bereits erwähnten Köstlichkeiten kommt dann noch „Miso Duck“ mit Kimchi Aioli oder „Kalbigui“ (Short Rib Beef ohne Knochen) mit „Forbidden Black Risotto“ aus schwarzem Naturreis dazu, der Reis war in China früher dem Adel vorbehalten und deshalb für Normalsterbliche verboten. Das Risotto gibt es auch mit Seeteufel, schmeckt fast noch besser.

Dazu werden stimmig korrespondierende Weine wie Riesling von Grünhäuser (zu Sushi), Scheurebe von Kopp (zu Tuna Tartare) oder ein Malbec zum Fleisch gereicht. Koreanische Süßspeisen mit viel Tee und Sake runden das Menü ab, das saisonal natürlich auch wechselt. Alle Gerichte gibt es auch à la carte und auf einer speziellen Sushi-Karte (7 bis 35 Euro).

Fazit: Zugegeben ein nicht ganz günstiges Vergnügen, das sich aber lohnt. Selten so gutes Sushi oder Thunfisch-Tatar in dieser Qualität gegessen, mit welcher Professionalität und Leidenschaft die Betreiber ihr Restaurant führen, ist ebenfalls außergewöhnlich. Eine Bereicherung der gehobenen Gastronomie in München, vor allem was Fisch betrifft.

Autor: Rainer Germann

Restaurant Mun, Innere Wiener Straße 18
Di bis So: 17:30 bis 24 Uhr, www.munrestaurant.de

Mehr zum Thema

Auch interessant

Gastro-Kritik

Kempers & Crowd: Fantasievoller Allrounder

Kempers & Crowd: Fantasievoller Allrounder

Gastro-News

Austernabend im Dallmayr Bar & Grill

Austernabend im Dallmayr Bar & Grill

Gastro-Kritik

Brasserie OskarMaria: Wer schweigt, macht sich mitschuldig

Brasserie OskarMaria: Wer schweigt, macht sich mitschuldig

Gastro-Kritik

Restaurante Bruno: Wieder da

Restaurante Bruno: Wieder da