Bistrot Partenopeo: Neapolitanische Küche unter dem Vulkan in Haidhausen
Das kleine Bistrot Partenopeo in Haidhausen hat sich auf authentische neapolitanische Küche spezialisiert – der Besuch lohnt sich.
Auf die Schnelle:
| Küche | Neapolitanisch · Süditalienisch · Pizza | |
| Öffnungszeiten | Di–Sa 12–15 und 18–22:30 Uhr, So 12–21 Uhr, Mo geschlossen (Website) | |
| Adresse | Einsteinstraße 103, 81675 München-Haidhausen | |
| Telefon | +49 89 415 592 70 | |
| Website | bistrot-partenopeo.de | |
| Preisniveau | €€ | |
| Preiszusatz | 20–30 € pro Person; beim Besuch: Pasta um 10 €, Hauptgerichte 13–17 € (Sommer 2020) | |
| Reservierung | Online reservieren |
Die Wirte
Zwei Francescos und ein Traum aus Neapel
Es ist immer gut, wenn sich Menschen ihren Traum erfüllen und andere daran teilhaben lassen. In der Gastronomie ist das gut für den Gast, denn wenn jemand mit viel Leidenschaft kocht, kann man davon ausgehen, dass es auch schmeckt. Im Bistrot Partenopeo trifft dies in jeder Hinsicht zu – Wirt Francesco Valletta hat von einem Lokal geträumt, in dem Spezialitäten aus seiner Heimat Neapel serviert werden, der Koch Francesco „Ciccio“ Sardegna davon, die authentischen neapolitanischen Gerichte zu kochen, die er vor allem bei Mamma Luigia im Ristorante „La Voce del Mare“ vor den Toren Neapels gelernt hat.

Die beiden Francescos im Bistrot Partenopeo. © Rainer Germann
Das Haus
Süditalienische Wohnzimmer-Atmosphäre
Gesagt, getan, in der ehemaligen Boazn Zum Dudhofer in der Einsteinstraße wurde 2019 das passende Objekt gefunden und als Hommage an die gemeinsame Heimatstadt eingerichtet; weiße Wände mit Kupfergeschirr und Pulcinella-Figuren, ein Mauerornament mit Ausblick auf den Vesuv, ein Bild des neapolitanischen Komikers Totò, handgeschriebene Tafeln mit diversen Gerichten, Weinempfehlungen und Erklärungen. Zum Beispiel zu „Caffè Sospeso“, einer Herzenskultur aus Neapel, wobei man einen Kaffee bezahlt und den Kassenzettel für einen Bedürftigen beim Wirt hinterlässt. Süditalienische Wohnzimmer-Atmosphäre eben, die Mischung aus Kitsch und Lokalkolorit ist fast schon erfrischend, nach all dem Industrial und Shabby Chic Look der letzten Jahre.
Zum Zeitpunkt unseres Besuchs im Sommer 2020 durften in dem Gastraum nur 15 der 25 Plätze belegt werden, aber auch an diesem Abend, zu dem eine befreundete Kollegin und das Lokal eingeladen haben, spielte sich das Leben wie in der Stadt unter dem Vulkan auf der Straße ab. Die fünf Tische waren alle belegt, Stimmung bestens.
Das Menü
Eine Schlemmerreise durch Neapel
Antipasti und Streetfood
Los ging es mit einem Entrée nach Francesco Sardegna und ganz ehrlich, danach wäre man eigentlich schon satt und zufrieden. Aber wir sind ja nicht zum Spaß da, wie ein weiterer Kollege mit ausgezeichnetem Appetit ins Gedächtnis ruft, in Hinblick auf ein mehrgängiges Menü, das die beiden Francescos für uns vorbereitet haben. Alle Speisen gibt es regulär, sei hier angemerkt, und wurden an den Nachbartischen auch serviert. In einem Korb türmt sich nun eine Auswahl an frittierten Streetfood-Spezialitäten wie Zucchiniblüten, Mozzarella-Bällchen, Arancini und diversen anderen mit Käse, Schinken etc. gefüllten und frittierten Teilchen. In der Mitte wird für alle die berühmte Pizza mit einer fruchtig-süßen Tomatensoße platziert und weil das alles noch nicht genug sein könnte, kommt noch eine längliche Schale mit drei kleinen Portionen Pulposalat, Parmigiana di melanzane und nochmal eine Minipizza mit köstlichen Datteltomaten hinzu. Diese, direkt am Vesuv geerntet, spielen im Partenopeo (der Name einer alten griechischen Stadt auf dem heutigen Gebiet von Neapel) eine große Rolle, wie man noch sehen wird.
Zu einem weißen Albente Falanghina von Feudi di San Gregorio geht es weiter mit dem „eigentlichen“ Antipasto: ein gegrillter Oktopus-Fangarm auf einem „samtigen“ Kichererbsen-Püree. Authentische Küche pur, ohne Schnickschnack, der Oktopus mit vielleicht ein bisschen zu viel Biss, das Püree vielleicht ein bisschen zu salzverliebt. Der Stimmung tut das keinen Abbruch, der Wein schmeckt, langsam fühlt man sich wieder wie in Italien und es gibt wohl keine bessere Art, die Erinnerung an den Lockdown und das Fernweh zu vertreiben.
Pasta
Es geht weiter mit zwei sehr gelungenen Pasta-Gerichten: zum einen Spaghettielo a’ Puvriello con Pinoli – ein geniales Beispiel für cucina povera („Arme-Leute-Küche“): Spaghetti mit Datteltomaten und Pinienkernen vom Vesuv. Das war früher so ungefähr das einfachste Nudelgericht, erklärt Wirt Francesco, alle Zutaten wuchsen praktisch vor der Haustür oder wurden wie die Pasta vor Ort produziert. Im Anschluss dann eine Version von der Küste: Paccheri mit Meeresfrüchten wie Vongole, Moscardini und Gamberi und ebenfalls Datteltomaten und Pinienkernen. Gelungener mediterraner Genuss ist das, hier hat die Pasta wirklich Biss. Keine Angst, meint Francesco, jetzt gibt es eine kleine Pause und dann kommen die Secondi.
Secondi und Dolci
O’ Cuoppo Fritto Napulitan entpuppt sich als eine Fish-&-Chips-Tüte mit frittierten Meeresfrüchten, vor allem Calamari und Scampi, die Panade schön leicht und nicht fetttriefend wie so oft, auch in Italien. Einstimmige Begeisterung, obwohl einem vor lauter Sättigung schon mal etwas schwarz vor Augen (oder ist es die einsetzende Dämmerung?) und flau im prall gefüllten Magen werden könnte. Francesco Sardegna weiß Abhilfe und serviert ein schönes Mandarinen-Sorbet, das beruhigend für den Magen und zugleich appetitanregend wirkt.

O’ Cuoppo Fritto Napulitan: frittierte Meeresfrüchte in der Tüte. © Rainer Germann (Nachweis offen, siehe Abschnitt 9)
Bestens gewappnet und mit einem schönen Aglianico „Sua Maesta“ ausgestattet, kommt das zweite Hauptgericht: gebratene Salsiccia auf einem ganz hervorragenden Endiviengemüse mit Kapern, Oliven und wieder Pinienkernen. Die leichte Bitternote des Gemüses passt bestens zu Wein und Wurst – ein Gericht, das vielleicht noch besser in den Winter passen würde, hier wurde es aber zum Glück schon mal präsentiert. Der Wein stammt wie auch viele Pasta-Variationen sowie eingelegte Tomaten- und Gemüsesorten von einem kleinen Betrieb aus Francescos Dorf in der Nähe von Neapel, die Produkte gibt es im Lokal auch zu kaufen.
Da sowieso niemand mehr Widerstand leisten kann, werden als Abschluss dieser Schlemmerreise natürlich noch Dolci serviert, die berühmte O Babba Napulitan, ein weicher, in Rum getränkter Biskuitkuchen, Pastiera Napoletana, traditionelle Ostertorte, und Delizia al Limone, ein … eine weitere Köstlichkeit halt, basta.
Was kostet es?
Preise im Partenopeo
Natürlich muss man nicht jedes Mal die ganze Speisekarte rauf und runter essen, aber der Besuch lohnt sich. Bei unserem Besuch im Sommer 2020 waren die Preise äußerst fair: Antipasto Partenopeo (reicht locker für drei Personen) 19,50 Euro, Pasta von der Tageskarte um die 10 Euro, Hauptgerichte zwischen 13 und 17 Euro. Weil die Karte wechselt, lohnt vor dem Besuch ein Blick auf die Website des Hauses.
Fazit: Wer authentische (süd)italienische Küche ohne Schnickschnack sucht, einmal ein bisschen den kulinarischen Horizont erweitern will und überteuerten Italienern in München nicht mehr das Geld hinterher tragen möchte, ohne dafür etwas Besonderes zu bekommen, der ist bei Francesco und Francesco in ihrem neapolitanischen Wohnzimmer bestens aufgehoben.
Rainer Germann schreibt seit vielen Jahren die Gastrokritiken für IN München.
Auf einen Blick
Bistrot Partenopeo Öffnungszeiten, Adresse und Kontakt
Das Bistrot liegt in Haidhausen.
Sonntag: 12.00–21.00 Uhr
Montag: Ruhetag

