Neapel in der Metzgerei

Casele: Neapolitanische Küche in der früheren Metzgerei in der Müllerstraße

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Rainer Germann 23. März 2026 Essen und Trinken

Das italienische Restaurant Casele ist schon optisch eine Schau – und die neapolitanische Küche schmeckt wie am Vesuv.

Auf die Schnelle:

Küche Süditalienisch · Kampanien · Bar
Öffnungszeiten Di–Do 18–24 Uhr, Fr–Sa 18–1.30 Uhr; warme Küche Di–Sa 18–22 Uhr; So und Mo geschlossen
Adresse Müllerstraße 25, 80469 München-Isarvorstadt (Glockenbachviertel)
Telefon +49 89 589 098 44
Website casele-muc.com
Preisniveau €€€
Preiszusatz Pasta 21–24 €, Hauptgerichte 23–37,50 € (Stand 27.08.2026, Karte)
Reservierung Online über OpenTable

Das Haus

Ein durchdesigntes Juwel hinter dem Vorhang

In kürzester Zeit hat sich das Lokal von Raffaele Colonna vom Geheimtipp zu einem der angesagtesten neuen Restaurants der Stadt gemausert: Angesiedelt in der ehemaligen Metzgerei Schlagbauer in der Müllerstraße, verbirgt sich hinter einem schweren Vorhang ein durchdesigntes Juwel, das vom Interieur seinesgleichen sucht in München. Colonna hat mit seinem Architekten die Metzgerei praktisch entkernt und ein Ensemble aus Gastraum, langer Bar, Nebenzimmer und zwei Séparées (in den ehemaligen Personalräumen) geschaffen. Moderne Bildsprache von Star-Fotograf Dylan Don mischt sich mit Gemäldekunst aus einer toskanischen Villa; indirekte Beleuchtung, eine schwere Holzdecke, samtene Sessel und Artefakte in maßgeschneiderten, holzvertäfelten offenen Schränken bieten ein Ambiente irgendwo zwischen amerikanischer Hotelbar aus den Achtzigern, Londoner Gentlemen’s Club und Filmkulisse für Wes Anderson.

Die Séparées für je rund zehn Personen sind einmal im frühen Eighties-Look gehalten, zum anderen im rustikalen St.-Moritz-Chalet-Stil. Einige Elemente der Metzgerei wurden übernommen und umgedeutet: Das Kühlhaus ist ein begehbarer Weinschrank; die ehemalige Theke, an der sich der Autor ab und an einen Leberkäs geholt hat, wird nun für die Zubereitung von Antipasti genutzt, ein Kühlelement hinter der Bar beherbergt nun Spirituosen statt dem Hackfleischwolf. Überhaupt die Bar – am holzvertäfelten Marmortresen finden unter Messinglampen über ein Dutzend Personen Platz, das ist auch nötig, wie sich später zeigen wird.

Bar im Casele mit holzvertäfeltem Marmortresen und Messinglampen
Die Bar
Am Marmortresen der Bar finden über ein Dutzend Personen Platz. © Rainer Germann

Die Küche

Neapolitanisch, fast rustikal

Da auch wir diesen „Hot Spot“ auf keinen Fall unseren zahlreichen Followern auf Instagram vorenthalten wollten, kamen wir vorbei, um ein kleines Filmchen zu drehen, und durften auf Raffaeles Einladung auch ein paar Spezialitäten des Hauses probieren.

Pulpo und Parmigiana

Nach einem Bier namens Menz (Mischung aus Pils und Helles, 0,33 l für 4,40 Euro) und einem schönen Spumante von Ferrari (10 Euro) ging es los mit scharf angebratenen Stückchen vom Oktopus auf cremigem Kartoffel-Ingwer-Püree (ein bisschen mehr Ingwer-Pfiff hätte nicht geschadet) und ein paar Nockerln Pulpo-Mayonnaise – ein schöner Teller, der Lust auf mehr machte. Dazu gab es einen ausgewogenen Weißburgunder „Finado“ von der Kellerei Andrian (Flasche 43 Euro) aus Terlan. Die vielleicht etwas dunkel geratene Parmigiana konnte geschmacklich überzeugen und wurde mit Streifen einer Basilikumcreme verziert. Die Crema gab dem Traditionsgericht (Sizilien, Apulien und Neapel streiten um den Ursprung) noch ein bisschen Kick, optisch sind diese Verzierungen zurzeit in Mode, hauptsächlich eigentlich bei Sushi & Co. Mehr Sinn als die unsäglichen Parmesan-Malereien auf den Tellerrändern machen sie schon – trotzdem optisch schräg (sic!) und vielleicht bald wieder out.

Genovese und Kalbskotelett

Zu einem kräftigen 2022er Prunotto Bansella „Nizza“ (0,1 l zu 9 Euro) aus dem Piemont gesellte sich als Primo ein Klassiker der neapolitanischen Küche, der zwar nach der ehemaligen Partnerstadt Genua benannt, aber dort fast nicht zu finden ist: Genovese Napoletana ist eine sehr lange eingekochte Rindfleisch-Ragout-Soße mit Zwiebeln, Karotten und Sellerie, die hier mit Mezzani serviert wird (23 Euro). Ein gelungenes, rustikales Pasta-Gericht, das keinen Vergleich mit der schon öfters in Neapel probierten Version zu scheuen braucht. Als Secondo dann ein Nodino di Vitello, das Kalbskotelett perfekt medium gebraten, dazu Rosmarinkartoffeln in der Schale und ein hübscher Salat (Roter Mangold, Rucola etc.), fertig (39 Euro). Für ein Dessert (Tiramisu, Ricotta-Mousse, Käseauswahl) blieb leider keine Zeit mehr, der Tisch wurde um 20 Uhr wieder gebraucht.

Kalbskotelett mit Rosmarinkartoffeln und Salat auf einem Teller
Nodino di Vitello
Kalbskotelett mit Rosmarinkartoffeln. © Rainer Germann

Was kostet es?

Preise im Casele

Bei unserem Besuch im März 2026 kosteten die Genovese Napoletana 23 Euro und das Kalbskotelett 39 Euro; das Menz-Bier gab es für 4,40 Euro (0,33 l). Auf der aktuellen Karte (Stand 27.08.2026) liegen die Pasta-Gerichte bei 21 bis 24 Euro und die Hauptgerichte bei 23 bis 37,50 Euro. Weil die Karte wechselt, lohnt vor dem Besuch ein Blick auf die Angaben des Hauses.

Fazit: Wer ins Casele gehen möchte, musste sich bei unserem Besuch im März 2026 gedulden, da auf Wochen ausgebucht: Das Restaurant ist gehypt, und das nicht ohne Grund. Allein die Einrichtung ist eine Schau, die fast schon rustikale neapolitanische Küche ein schöner Kontrast dazu, die Weinauswahl gelungen. Natürlich hat auch das alles seinen Preis – das gilt aber für viele Lokalitäten in der Münchner Innenstadt und die schauen weniger spektakulär aus und es schmeckt nur halb so gut. Und das Dessert wollten wir im Mai nachholen.

Rainer Germann schreibt seit vielen Jahren die Gastrokritiken für IN München.

Auf einen Blick

Casele Öffnungszeiten, Adresse und Kontakt

AdresseMüllerstraße 25, 80469 München
Das Casele liegt im Glockenbachviertel, in der früheren Metzgerei Schlagbauer.
ÖffnungszeitenDienstag bis Donnerstag: 18.00–24.00 Uhr
Freitag und Samstag: 18.00–1.30 Uhr
Warme Küche Dienstag bis Samstag bis 22.00 Uhr
Sonntag und Montag: Ruhetag