Neue Kinofilme: Die Starts der Woche vom 23. April

Neue Kinofilme: Die Starts der Woche vom 23. April

Eine Reichensatire mit Isabelle Huppert, Bewegendes aus dem Sudan, Unkritisches über den King of Pop und mehr… in den Filmstarts der Woche.

IN München stellt die spannendsten Kinostarts der Woche vor.

Michael

R: Antoine Fuqua. USA.

Umstritten aber natürlich wegweisend: der King of Pop. Dieses Bio-Pic ist laut Verleih „das Portrait eines Ausnahmekünstlers, dessen Musik die Welt bewegt und jede Generation bis heute inspiriert hat.“ Der Film zeichne „seinen Weg nach von der Entdeckung seines außergewöhnlichen Talents als Leadsänger der Jackson Five bis hin zu dem visionären Künstler, dessen kreativer Ehrgeiz ihn unermüdlich antrieb, der größte Entertainer der Welt zu werden.“ Puh, schon dick aufgetragen… Gespielt wird Jacko übrigens von Jafaar Jackson, dem Neffen Michaels.

Für Fans klassischer Bio-Pics, die aber manche Lebensaspekte der gezeigten Persönlichkeit bewusst ausblenden.

Wir Erben

R: Simon Baumann. D, F.

Familien-Doku: Inmitten der ländlichen Idylle Frankreichs liegt das Lebenswerk von Stephanie und Ruedi Baumann – ein biologischer Landwirtschaftsbetrieb, den sie seit über 20 Jahren mit politischem Eifer und Hingabe führen. Mit zunehmendem Alter stellt sich die Frage, wer den Hof einmal übernehmen wird. Ihr Sohn Simon, längst in einem eigenen Leben als Filmemacher verankert, begleitet mit der Kamera, wie die Familie über diese Zukunft nachdenkt. Sein Bruder Kilian führt bereits einen eigenen Betrieb. Beide stehen vor der Herausforderung, persönliche Wege und die Verantwortung des Erbes in Einklang zu bringen.

Für Fans charmant offener Nabelschauen.

Die reichste Frau der Welt

R: Thierry Klifa. F.

Satire: Die reichste Frau der Welt (Isabelle Huppert) begegnet einem Fotografen voll unverschämtem Ehrgeiz. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Mit kreativer Boshaftigkeit nistet er sich ein – in den altehrwürdigen Machtstrukturen dieser Familie und ihrem grenzenlosen Luxus. Doch da ist auch noch eine Tochter, die um ihr Erbe, die Familie und die Liebe ihrer Mutter kämpft. Und ein Butler, der mehr weiß als er sagt. Über Familiengeheimnisse und fragwürdige Spenden in astronomischen Höhen. Es beginnt ein Krieg, dem alle Mittel recht sind.

Für jene, die sich ein Crossover aus „Teorema“ und „Altes Geld“ wünschen.

Cotton Queen

R: Suzannah Mirghani. D, F u.a.

Nafisa (15) lebt in einem traditionellen Baumwolldorf im Sudan. Sie hat Sommerferien und muss mit ihren Freundinnen bei der Baumwollernte ihrer Großmutter helfen. Außerdem ist sie zum ersten Mal verliebt – in einen Jungen aus dem Dorf. Ihre Großmutter Al-Sit, die geachtete Matriarchin, hält die Fäden des Dorfs fest in ihren Händen und gibt ihr Wissen an Nafisa weiter. Die Ankunft von Nadir, einem jungen sudanstämmigen Geschäftsmann aus dem Ausland, droht das Leben des Dorfs durch neue Technologien im Baumwollanbau zu erschüttern. Nafisas Eltern wittern die Chance, ihre Tochter mit Nadir zu verheiraten und so den Wohlstand der Familie zu vergrößern…

Für jene, die über ihren mitteleuropäisch-westlichen Tellerrand hinaussehen wollen.


Die Filmstarts vom 16. April

Paris Murder Mystery

R: Rebecca Zlotowski. F.

Krimi in leichtfüßig: Die Amerikanerin Lilian Steiner (Jodie Foster) lebt seit Jahren in Paris und hat sich dort einen Namen als brillante Therapeutin gemacht. Als ihre Patientin Paula (Virginie Efira) unter mysteriösen Umständen ums Leben kommt, ist sie fassungslos. War es wirklich Selbstmord, wie die Polizei rasch annimmt? Oder hat jemand sehr geschickt nachgeholfen? Zusammen mit ihrem Ex-Mann Gabriel (Daniel Auteuil), der noch immer nicht von ihr lassen kann, begibt sich Lilian auf eine turbulente Spurensuche, um dem Geheimnis von Paula auf die Spur zu kommen.

Für jene, die Jodie Foster Französisch sprechen hören und darob bass erstaunen wollen.

Allegro Pastell

R: Anna Roller. D.

Sommer in Berlin, 2018: Tanja und Jerome, eine Autorin und ein Webdesigner Anfang dreißig, führen eine scheinbar perfekte Fernbeziehung. Zwischen schlaflosen Nächten in der Großstadt und Entschleunigung im beschaulichen Maintal tarieren die beiden immer wieder Nähe und Distanz. An ihrem 34. Geburtstag überkommt Tanja eine Ahnung der gemeinsamen Zukunft – eine, die geordnet und verlässlich wirkt. Aber ist es wirklich das, wonach sie sucht?

Für Fans des gleichnamigen Bestsellers aus dem Jahr 2020

Vier Minus Drei

R: Adrian Goiginger. Ö.

Barbara (Valerie Pachner) und ihr Partner Heli (Robert Stadlober) führen mit ihren beiden Kindern Fini und Thimo ein glückliches und liebevolles Familienleben. Als professionelle Clowns nehmen sie das Leben nicht zu ernst und wissen, dass man auch über das lachen kann, was misslingt. Als Barbara wie aus dem Nichts durch einen Unfall ihre Familie verliert, bricht eine Welt für sie zusammen. Der Verlust lässt sie am Clownsein und dem eigenen Lebenssinn zweifeln. Doch Barbara stellt sich ihrem Schicksal. Mutig und unkonventionell findet sie ihren Weg, mit der Trauer umzugehen.

Für Freund*innen bittersüßer Leinwanderzählungen.

Friedas Fall

R: Maria Brendle. CH.

Im Jahr 1904 steht der Fall der jungen Näherin Frieda Keller im Brennpunkt einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung über Recht und Gerechtigkeit. Staatsanwalt Walter Gmür und Verteidiger Arnold Janggen sehen sich nicht nur mit beruflichen, sondern auch persönlichen Herausforderungen konfrontiert, die ihre Auffassung von Moral und Gleichheit hinterfragen. Erna Gmür, die Ehefrau des Staatsanwalts, entdeckt in ihrer Zuneigung zu Frieda die Wahrheit über Ungerechtigkeiten, die Frauen zu ertragen haben. Gesine Janggen, die Frau des Verteidigers, setzt sich entschlossen für Friedas Rechte ein und drängt ihren Ehemann, für Gleichstellung vor Gericht zu kämpfen.

Für… Frieda Keller, die durch den Film nach 120 Jahren gehört und gesehen werden kann.


Die Filmstarts vom 9. April

Der Magier im Kreml

R: Olivier Assayas. USA, UK.

Hinter den Kulissen der Macht: Nach dem Zusammenbruch der UdSSR wird der ehemalige Künstler und Reality-TV-Produzent Vadim Baranov (Paul Dano) zum Spindoktor eines aufstrebenden KGB-Agenten, Wladimir Putin (Jude Law). Jahre später bricht er schließlich sein Schweigen und enthüllt die Machtmaschinerie, die er selbst mitgeschaffen hat. Ein spannendes politisches Intrigenspiel, das vor dem Hintergrund aktueller politischer Spannungen und medialer Manipulation besondere Brisanz gewinnt und dessen Auswirkungen bis in die heutige Zeit spürbar sind.

Für alle, die wissen wollen, wie wir hinkamen, wo wir heute sind.

The History of Sound

R: Oliver Hermanus. USA.

Im Jahr 1917 verschlägt es den zurückhaltenden Musikstudenten Lionel (Paul Mescal) vom ländlichen Kentucky an die Ostküste, wo er am Boston Conservatory seinen selbstbewussten Kommilitonen David (Josh O’Connor) kennenlernt. Über ihre gemeinsame Liebe zu traditioneller Folk-Musik kommen sich die beiden näher, doch dann wird David als Soldat eingezogen. Einige Jahre später erreicht Lionel ein Brief, in dem David seinen Freund bittet, ihn auf einer Reise durch die Wälder von Maine zu begleiten. Die beiden Männer teilen nicht nur Momente inniger Zweisamkeit, sondern entdecken in ländlichen Gemeinden auch fast in Vergessenheit geratene Folk-Musik.

Für Fans der beiden Darsteller, die gerade in Cineast*innen-Kreisen everybody’s Darlings sind.

Skunk

R: Koen Mortier. NL.

Ein Kessel Dunkles: Liam wächst in einer Familie auf, in der Gewalt, Drogenexzesse und
Missbrauch herrschen. Als er der Hölle seiner Eltern entrissen wird und in die Obhut einer staatlichen Einrichtung für traumatisierte Jugendliche gerät, stellt sich die Frage, ob Liam seiner
Vergangenheit entkommen kann. Ein Tauchgang in die menschlichen Abgründe und das unbewältigte Trauma einer zerstörten Kindheit, gnadenlos, verstörend und unfassbar intensiv gespielt von Thibaud Doom.

Für „Fans“ von Mortiers Ex-Drummer (2007), der unter unerschrockenen Kinogänger*innen als Kultfilm gilt.

Arco

R: Ugo Bienvenue. F.

Beeindruckender Animationsfilm: Arco, ein Junge aus einer fernen Zukunft, wächst hoch über den Wolken in einer Welt auf, in der Menschen fliegen und Zeitreisen möglich sind. Bei seinem ersten heimlichen Flug in einem schillernden Regenbogenmantel verliert er die Kontrolle und stürzt in die Vergangenheit – direkt in die Welt der zehnjährigen Iris aus dem Jahr 2075, die auf einer von Umweltkatastrophen geprägten Erde lebt. Mit Einfallsreichtum, Mut und Hilfe ihres treuen Haushaltsroboters versucht Iris, Arco wieder zurück in seine Zeit zu bringen.

Für die, die wissen wollen, was Natalie Portman so beeindruckt hat, dass sie den Film kurzerhand produzierte.


Die Starts vom 2. April

Das Drama – Noch Mal auf Anfang

R: Kristoffer Borgli. USA.

Ein glücklich verlobtes Paar, Emma Harwood (Zendaya) und Charlie Thompson (Robert Pattinson), steht mit ihrer Fotografin (Zoë Winters) kurz vor der Traumhochzeit – doch in den Tagen vor dem Ja-Wort bröckelt die Fassade. Eine unerwartete Enthüllung wirft nicht nur die Hochzeitsplanung aus der Bahn, sondern alles, was sie übereinander zu wissen glauben. Der Regisseur hat bislang mit zwei eher abgründigen Komödien Furore gemacht. Fans bösen Humors dürfen gespannt sein.

Für Fans von „Das Fest“, nicht nur aufgrund seines ebenso minimalistischen Titels.

Les Misérables – Die Geschichte von Jean Valjean

R: Éric Besnard. F.

Ein großer Klassiker in neuem Gewand: Wir schreiben das Jahr 1815: Nach neunzehn Jahren harter Arbeit, Gewalt und Leid für den Diebstahl eines Brotes wird Jean Valjean aus dem Gefängnis entlassen. Erfüllt von Wut und einem tiefen Gefühl der Ungerechtigkeit, ist er zu einem gefährlichen Mann geworden, der niemandem traut. Er irrt verzweifelt durch den Süden Frankreichs und sucht Unterschlupf in einem kleinen Dorf, wird aber immer wieder abgewiesen. Unwissentlich findet Jean Valjean Zuflucht und Gastfreundschaft im Haus von Bischof Bienvenu, der mit seiner Schwester und seiner Magd ein einfaches Leben führt. Doch die Rachegefühle und die Vorurteile der Dorfbewohner lassen ihn nicht los.

Für Fans angenehm bescheidener Historienfilme, die das ganze große Besteck in der Schublade lassen.

Siri Hustvedt – Dance Around the Self

R: Sabine Lidl. D.

Porträt einer großen Schriftstellerin: Jung, neugierig und voller Tatendrang verlässt Siri Hustvedt ihre Heimat Minnesota und stürzt sich mitten hinein ins pulsierende New York. Auf der Suche nach der Hauptfigur ihres ersten Romans beginnt eine Reise, die sie nicht nur zur Schriftstellerin macht, sondern zu einer der wichtigsten Stimmen der amerikanischen Gegenwartsliteratur. Der Film öffnet einen Blick weit über Siri Hustvedt hinaus und feiert die kämpferische Kreativität von Künstlerinnen, denen die Autorin sich verbunden fühlt.

(Bei weitem nicht nur) für Fans einer der größten Schrifsteller*innen unserer Zeit

Enzo

R: Laurent Cantet. F, BE, IT.

Hochsommer an der Côte d’Azur, ein Haus mit Pool und Meerblick. Eigentlich soll der sechzehnjährige Enzo die Schule beenden und studieren, wie es sich gehört. Doch im stillen Protest gegen die eigene Bourgeoisie fängt er auf einer Baustelle an – zum Missfallen seiner Familie. Aber auch sein neuer Boss ist unzufrieden mit Enzo, weil dieser selbst mit den einfachsten handwerklichen Aufgaben Probleme bekommt. Viel wohler fühlt sich der Junge bei seinem älteren Kollegen Vlad aus der Ukraine, der Enzo gerne Fotos seiner weiblichen Eroberungen auf dem Telefon zeigt…

Für Fans von jugendlichem Unbehagen

Alpha

R: Julia Ducournau. F.

Die aktuelle Body Horror-Welle ist nicht aufzuhalten: Alpha (Mélissa Boros) ist 13 Jahre alt und muss große Teil ihres Alltags in der französischen Hafenstadt Le Havre alleine bestreiten. Denn ihre alleinerziehende Mutter (Golshifteh Farahani) hat als Ärztin im örtlichen Krankenhaus alle Hände voll zu tun. Neuerdings macht nämlich eine geheimnisvolle Krankheit die Runde, die Infizierte Stück für Stück zu Marmor werden lässt. Währenddessen macht Alpha ihre eigenen Erfahrungen und lotet ihre Grenzen aus – unter anderem auf Partys, wo sie sich letztlich völlig zugedröhnt ein Tattoo auf den Arm stechen lässt…

Für Fans von The Substance, The Ugly Stepsister und dem Gesamtwerk David Cronenbergs