Der Oscar-Anwärter schlechthin, Einfühlsames vom Indie-Altmeister und eine verhängnisvolle Affäre im Neonlicht… in den Filmstarts der Woche.
IN München stellt die spannendsten Kinostarts der Woche vor.
Father Mother Sister Brother
R: Jim Jarmusch. USA
Der Meister der Coolness und Zwischentöne mit einem Spielfilm als Triptychon. Die drei Geschichten kreisen um die Beziehungen erwachsener Kinder zu ihren teils distanzierten Eltern und untereinander. Jedes der drei Kapitel spielt in der Gegenwart, jedes in einem anderen Land: Im Nordosten der USA; in Dublin und in Paris. In den ruhigen Charakterstudien treten unter anderen Tom Waits, Adam Driver, Charlotte Rampling, Cate Blanchett auf.
Für Fans von Filmen in denen beinahe nichts passiert.
Marty Supreme
R: Josh Safdie. USA
Schuhverkäufer Marty (Timothée Chalamet) hat nur ein Ziel im Leben: Weltmeister im Tischtennis zu werden und somit in den Olymp der gefeierten Athleten aufzusteigen, zu denen er sich selbst ohnehin schon lange zählt. Um an einem Turnier in London teilnehmen zu können, setzt der junge New Yorker alles auf eine Karte, muss sich im nervenaufreibenden Finale aber dem japanischen Sportstar Endo geschlagen geben. Doch das ist erst der Anfang der Odyssee eines Mannes, der bereit ist, für Ruhm und Erfolg alles zu riskieren.
Für Fans des zumindest auf der Leinwand erlebbaren amerikanischen Traums
Night Stage
R: Filipe Matzembacher & Marcio Reolon. BRA
Dem aufstrebenden Schauspieler Matias gefällt es, angeschaut zu werden – sei es auf der Bühne oder beim nächtlichen Sex in der Öffentlichkeit mit dem Politiker Rafael. Letzterer will Bürgermeister von Porto Alegre werden, und beiden liegt viel daran, ihre Beziehung zugunsten ihrer jeweiligen Karriere geheim zu halten. Trotzdem probieren sie immer wieder aus, wie weit sie bei ihren gemeinsamen Abenteuern gehen können: im Park, im Auto, im Büro oder im Hinterhof. Wohl wissend, dass Rafaels Geldgeber zu allen Mitteln greifen würden, um dieser Affäre ein Ende zu setzen.
Für Fans schwitzender Körper in blau-rotem Neonlicht
Die Filmstarts vom 19.Februar
Souleymans Geschichte
R: Boris Lojkine. FR.
Souleymane ist aus Guinea geflüchtet und versucht in Frankreich einen Asylantrag zu stellen. Da er keinen Pass hat, braucht er dringend Geld, um an Papiere zu kommen. Dafür schlägt er sich unter haarsträubenden Bedingungen als Fahrradkurier für einen Food Delivery Service in Paris über die Runden. Es bleiben ihm nur noch 48h bis zu seinem entscheidenden Termin beim Migrationsamt.
Für… No Border, No Nation! Refugees Welcome!
Dust Bunny
R: Bryan Fuller. USA.
Der Serienschöpfer von Hannibal und Pushing Daisies gibt sein Spielfilmdebüt: Ein zehnjähriges Mädchen verbündet sich mit ihrem namenlosen Nachbarn (Mads Mikkelsen), um sich gemeinsam ihren inneren und äußeren Monstern zu stellen. Aurora ist überzeugt: Ein Monster hat ihre Familie verschlungen. Ihre letzte Hoffnung ruht auf dem unheimlichen Mann von nebenan – von dem es heißt, er töte „echte“ Monster. Was als skurrile Geschichte beginnt, entwickelt sich rasch zu einem düsteren Geflecht aus Gewalt, Schuld und kindlicher Vorstellungskraft.
Für Fans von „Pan’s Labyrinth“ und „Léon – Der Profi“
Das Flüstern der Wälder
R: Vincent Munier. FR.
Geduld ist die wichtigste Eigenschaft, die Michel Munier, Vater des Filmemachers Vincent, auf seinen Streifzügen tief in die alten, moosbedeckten Wälder der Vogesen mitbringen muss. Mit Rucksack, Stock und einer warmen Jacke ausgestattet, zieht es ihn immer wieder tief hinein in die Stille des Waldes, zu einem ganz besonderen Ort: einer Tanne, die zu seinem Versteck geworden ist. Unter ihren Ästen scheint der alte Mann mit der Natur zu verschmelzen. Über achthundert Nächte hat er dort verbracht, lauschend, beobachtend – immer auf der Suche nach Füchsen, Rehen, Hirschen, Luchsen und dem geheimnisvollen König der Wälder: dem Auerhahn.
Für Fans von Muniers „Der Schneeleopard“ und anderen eindrucksvollen Naturdokumentationen
Die Filmstarts vom 12. Februar
Das Beste liegt noch vor uns
R: Nanni Moretti. IT.
Nanni als Giovanni, ein bekannter italienischer Regisseur, der gerade sein Magnum Opus plant. Aber nicht nur muss er seine Hauptdarstellerin überzeugen, dass das Werk über die Gründung der italienischen kommunistischen Partei mitnichten ein Liebesfilm werden wird, aber auch seine Frau will ihn nach langen Jahren verlassen, seine Tochter hat eine Beziehung mit einem Mann, der viel älter ist als er selbst und sein bankrotter französischer Produzent hofft, dass ein Netflix Deal sie alle retten wird. Doch Giovanni wäre nicht Nanni, wenn er nicht mit seiner altmodischen Ironie alle Fäden zusammenhält und sie alle in eine glückliche Zukunft führt.
Für Fans italienischer Tohuwabohu-Komödien in der Tradition von Don Camillo und Peppone.
Wuthering Heights – Sturmhöhe
R: Emerald Fennell. USA.
Und noch eine lang ersehnte Literaturverfilumg. Fennell, Regisseurin des Überraschungshits Saltburn, nimmt sich Emily Brontës Romantik-Klassiker vor. Mit Margot Robbie als Catherine und Jacob Elordi als Findelkind Heathcliffe in einer leidenschaftlichen aber zerstörerischen Liebe. Das alles in opulenten Kostümen, engebettet in ebensolche Setdesigns. Perfekt um der Dunkelheit der täglichen Nachrichten für 136 Minuten zu entfliehen.
Für Fans von schönen Menschen, Period-Dramas, Eskapismus und vielem mehr.
Crime 101
R: Bart Layton. USA.
Davis (Chris Hemsworth) ist ein schwer fassbarer Juwelendieb, dessen Überfallserie die Polizei vor ein Rätsel stellt. Als er gerade den Coup seines Lebens ins Visier nimmt, trifft er auf die desillusionierte Versicherungsmanagerin Sharon (Halle Berry), die selbst an einem Scheideweg steht. Überzeugt davon, ein Muster entdeckt zu haben, kommt währenddessen der unerbittliche Detective Lt. Lubesnik (Mark Ruffalo) der ganzen Operation immer näher und erhöht damit das Risiko noch weiter. Als der große Raubüberfall kurz bevorsteht, beginnt die Grenze zwischen Jäger und Gejagten zu verschwimmen.
Für Fans von erfrischend zeitlosem Krimi-Kino
Die Filmstarts vom 5. Februar
No Other Choice
R: Park Chan-Wook. KOR
Eine ausführliche Besprechung des Films „No Other Choice“ gibt es in unserem Filmtipp des Monats.
Der Schimmelreiter
R: Francis Meletzky. D.
Theodor Storm trifft Klimaschutz im Nordfriesland von Heute: Nach dem Tod seines Schwiegervaters übernimmt der ehrgeizige und im Einklang mit der Natur lebende Außenseiter Hauke Haien gleich zwei wichtige Funktionen im Küstenschutz. Er wird Deichgraf und Direktor des Küstenschutzes. Doch seine Warnungen vor den dramatischen Auswirkungen des Klimawandels werden als Hysterie abgetan, einzig Haukes Frau Elke unterstützt ihn. Umsichtig und klug gelingt es ihr, Hauke Gehör zu verschaffen und seine Gegner zu beschwichtigen…
Für Deutsch-Lehrer*innen, ihre Schulklassen und alle anderen auch.
Ungeduld des Herzens
R: Lauro Cress. D.
Von Storm zu Stefan Zweig: Ein Bowlingabend, ein Missverständnis – und ein Moment, der zwei Leben verändert. Der junge Bundeswehrsoldat Isaac will der Schwester imponieren, als er die mürrische Edith zum Spielen auffordert. Erst als sie schlaff zu Boden sinkt, erkennt er den Rollstuhl an der Seite. Von Scham getrieben sucht Isaac die Nähe der Frau, die er verletzt hat. Zwischen den beiden entsteht eine ungewöhnliche Beziehung – voller Mitgefühl, Hoffnung und wachsender Abhängigkeit.
Für Fans von neuem deutschen Autorenkino
Ein Kuchen für den Präsidenten
R: Hasan Hadi. IRK, USA, QA.
Irak in der 90er-Jahren. Während Diktator Saddam Hussein trotz Not und Mangel seinen Geburtstag landesweit feiern lässt, zieht die 9-jährige Lamia in ihrer Schule ein gefürchtetes Los: Sie muss den Kuchen für die örtlichen Feierlichkeiten backen. Es ist eine fast unlösbare Aufgabe, denn im Land sind alle Lebensmittel knapp. Eier, Zucker und Mehl sind es erst recht. Doch sie muss es schaffen, sonst drohen ihrer Familie harte Strafen.
Für Fans von „Amrum“ (2025), wo ein kleiner Junge im Nordfriesland des Jahres 1945 die Zutaten für ein Honigbrot zusammensucht.
Folktales
R: Heidi Ewing & Rachel Grady. USA, NOR.
Diese lebensbejahende Doku begleitet junge Menschen, die sich für ein unkonventionelles Jahr an einer traditionellen Volkshochschule in der arktischen Wildnis Norwegens entscheiden, um jenseits der digitalen Welt wieder Mut, Sinn und Gemeinschaft zu finden. Die Schlittenhunde werden dabei zu ihren Lehrern und Spiegeln. Sie fordern Geduld, Vertrauen und Selbstbewusstsein – und schenken im Gegenzug bedingungslose Verbundenheit. Mit intimen Beobachtungen, atemberaubenden Landschaftsaufnahmen und einer tiefen Menschlichkeit erzählt der Film von einer Generation, die zwischen digitaler Entfremdung und dem Wunsch nach echter Verbindung steht…
Für Fans von flauschigen Hunden auf unwirtlichem Terrain
