Interview

25 Jahre im DJ-Business: Melih Celik im Interview

Melih Celik (Ask:Me) im Wandel der Zeit

Melih Celik alias ASK:ME feiert dieses Jahr sein 25-jähriges DJ-Jubiläum, hat dazu einen eigenen Sampler herausgebracht und stand uns im Interview Rede und Antwort.

Viele kennen ihn ja auch noch unter seinem früheren Künstlernamen Melih Ask oder als Macher der Partyreihe La Familia. Doch beides gehört der Vergangenheit an. Bei dem Ingolstädter mit Wahlheimat München hat sich in den letzten Jahren doch einiges verändert. Eigentlich auch ganz normal, wenn man schon ein Vierteljahrhundert im Nachtleben mitmischt.

Die silberne Hochzeit mit den Plattenspielern feiert Melih Celik, der sich als DJ und Produzent jetzt ASK:ME  nennt, mit seiner vor wenigen Tagen veröffentlichten „25th Anniversary Compilation“. Darauf sind passenderweise auch genau 25 Tracks versammelt, darunter feiner Stoff von Solee, Marek Hemmann, Steve Lawler, Kollektiv Turmstrasse und Monika Kruse. Zu diesem Sampler wird‘s auch eine weltweite Tournee geben, die Ende April startet. Doch bevor‘s damit losgeht, konnten wir noch ein Interview mit dem Münchner DJ-Urgestein führen.

Wahnsinn, ein Vierteljahrhundert als DJ! Kannst du dich überhaupt noch genau an dein „erstes Mal“ erinnern?
Klar, als wäre es gestern gewesen ... Das war in Ingolstadt, in dem Club, in dem ich mit 15 (ja, genau!) hinter der Bar gearbeitet habe. Ich bin nach der Schule immer in den Club und habe geübt – und das jeden Tag und dann war ich soweit und mein damaliger Chef hat mich rangelassen. Geiles Gefühl!

Auch an das erste Mal in München 2 Jahre später kann ich mich erinnern. Das war ein unglaubliches Erlebnis. Wir sind zu viert mit einem 7er BMW nach München gebrettert, damit ich meinen ersten Gig in München – im damals noch sehr geilen Park Café – spielen kann und alle haben sie sich gefreut. Auf halber Strecker ist dann der Reifen geplatzt und ich bin fast durchgedreht. Wie im schlechten Film. Die Freundin von einem der vier Kumpels kam mit ihrem Auto, fuhr mich dann nach München und ich habe die letzte Stunden tatsächlich noch geschafft. Das erste Mal im legendären Pulverturm war auch unglaublich! Alle Münchner DJs haben mich damals gehasst, weil ein Ingolstädter DJ im Pulverturm spielen darf.

Dann wurde ich zum Resident dank meiner damaligen Muse, Klaudia Tot. Geile Erfahrungen in so jungen Jahren in München. Könnte noch einige aufzählen ... Ganz besondere DJ-Momente habe ich auf den Philippinen erlebt, als ich auf Boracy Beach an Millennium gespielt habe oder auch im unfassbaren Space Ibiza.

Wie hat sich dein Stil und Geschmack über die Jahre verändert? Und bei welchen Musiktrends hast du lieber mit dem Kopf geschüttelt als sie mitzumachen?
Ich habe mich eigentlich nie von einem Trend oder Hype mitreißen lassen wie viele andere. Ich bin mir und meiner Liebe zur Musik immer treu gewesen. It‘s all about house music. Damals hab ich schon immer lieber undergroundigeren House gespielt, aber immer mit Seele. Weder der EDM-Hype, noch der Deep-House-Hype (so nennt man ja jetzt Radiomusik) hat mich in meinem DJ-Dasein mitgerissen. Da hab ich dann lieber ausgesetzt oder weniger gemacht, bevor ich mich verbiege.

Je älter man wird, desto mehr entwickelt man sich und auch seine Musik. Heute ist es ja schwer, einen Stil zu beschreiben, da es sooo viele Kategorien gibt. Den Sound, den ich damals gemacht habe, nennen heute alle Techno oder Tech House ... (lacht)

Viele kennen dich auch noch von den La Familia-Partys. Steht eigentlich mal wieder ein Familia-Treffen an oder ist das Kapitel beendet?
Man sollte nie ein Kapitel beenden. Als La Familia über München hinaus gegangen ist und viele tolle Partys in Berlin, Köln, Ibiza, Miami, Düsseldorf, Frankfurt usw. gefeiert hat, war es eine tolle Zeit. David Guetta kam zum ersten Mal nach Deutschland mit La Familia, genauso Leute wie Steve Angello, Axwell, John Digweed, Sharam von Deep Dish, Roger Sanchez, Dave Seaman usw. Damals ging es noch um die Party und nicht ums große Geld.

Die Entwicklung der DJ-Szene und die Dankbarkeit hat das leider nicht mehr möglich gemacht, und deswegen ist das Wesen der Eventreihe so nicht mehr umsetzbar. Wer weiß, was kommt. Aber zur Zeit konzentriere ich mich auf ASK:ME und will´s noch mal wissen und auf meine neue Agentur, wo wir unglaubliche Projekte am Laufen haben. Das ist alles sehr intensiv und zeitraubend ...

Du warst ja früher auch mal Teil von Nachtagenten Music. Was hast du dir gedacht, als du vergangenes Jahr vom Aus der Nachtagenten gehört hast? Sind Nightlife-Portale allgemein überholt?
Ich habe mich 2007 verabschiedet und feiere dieses Jahr mein zehntes Jubiläum meiner eigenen Agentur. Deswegen auch der neue große Schritt in diesem speziellen Jubliäumsjahr und der Zusammenschluss mit BigCityBeats. Ich fand es sehr schade, als ich von dem Aus gehört habe.

Aber dass Robert sich noch so lange gehalten hat und Facebook die Stirn geboten hat, fand ich bemerkenswert. Nightlife-Portale haben es leider schwer gegenüber Facebook, Instagram, Snapchat usw und hätten einfach umdenken und was Neues anbieten müssen.

Du trittst inzwischen nur noch als ASK:ME auf und gar nicht mehr unter Melih Ask, wie früher? Warum hast du da so einen Break gemacht?
Vor 4 Jahren habe ich das einfach so beschlossen und wollte einfach nicht mehr als DJ mit meiner Agentur in Verbindung gebracht werden. Und ich fand ASK:ME einfach cool und wollte was Neues ...

Du wirst international sehr stark wahrgenommen – und dafür in deiner Münchner Heimat manchmal etwas übersehen. Trügt uns dieses Gefühl oder ist das tatsächlich so?
Das ist tatsächlich so ... gut, dass das von anderen auch so wahrgenommen wird.

Zum 25-jährigen Jubiläum hast du eine tolle Compilation herausgebracht. Sind das vor allem persönliche Wegbegleiter, die darauf zu hören sind?
Naja, nicht alle. Sagen wir so, soweit es möglich war. Ist ja auch nicht einfach, von allen, die dich über die Jahre begleitet habe, eine Freigabe zu bekommen. Und allzu kompliziert wollte ich es auch nicht machen und war froh, dass das Label digdis! das so mitgemacht und dran geglaubt hat. Geht ja auch nicht um die Wegbegleiter, sondern um die Musik.

Zu diesem Sampler wird‘s auch eine große Tour geben. Wo führt die überall hin? Nach München doch hoffentlich auch...
Wie du ja vorher schön erkannt hast, werde ich in München nicht mehr wirklich wahrgenommen. Aber dafür ist die Wahrnehmung woanders umso besser und ich bin froh über die bisherigen Tourstopps. Es stehen aber noch viele aus, wir sind in Gesprächen.

Besonders freue ich mich auf den World Club Dome im Sommer in Frankfurt, wo ich auf der Diynamic Stage mit Solomun & Co. spiele und im Herbst dann auf Südkorea, auf das Panama-Festival in Bonn, auf die Cruise im April von Mallorca nach Barcelona und Ibiza usw. Miami musst ich leider gerade eben krankheitsbedingt absagen und konnte meine Reise nicht antreten.

Insgesamt konzentrierst du dich inzwischen aber doch mehr auf die Studioarbeit und das Booking, oder?
Meine Zeit teile ich so auf, dass nichts mehr zu kurz kommt. Viel zu lang sind mein DJ-Dasein und die Produktionen zu kurz gekommen, und ich habe mehr Zeit in Andere investiert und mich vernachlässigt. Deswegen habe ich mittlerweile die richtige Balance gefunden.

Welche neuen Acts hast du gerade an der Angel? Und gibt‘s bald eine neue EP o.ä. von dir?
Viele Acts folgen der neuen Agentur. Die Liste wäre zu lange jetzt. Im Februar kam erst eine EP von mir. Jetzt im März die Compilation und wenn es klappt, kommt der nächste Release im April. Plan ist es, gerade in dem speziellen Jubiläumsjahr fast jeden Monat eine Veröffentlichung zu haben. Mal sehen, ob ich mir da nicht zu viel vorgenommen habe ... (lacht)

Kommst du eigentlich noch privat zum Weggehen? Und wo hängst du dann in München am liebsten ab?
Wenn man nicht mehr wahrgenommen wird, muss man sich auch nicht mehr blicken lassen ... hahahahaha, nein, Spaß! Privat geh ich fast gar nicht mehr aus. Bin froh, wenn ich mal zu Hause bin. Dann muss ich nicht noch irgendwo abhängen. Das Jahr wird anstrengend genug.

Interview: Alex Wulkow

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