Diese neuen Leseerlebnisse helfen enorm bei der Standortbestimmung
Stephan Zinner – „Prachtexemplar“
Eigentlich hat Stephan Zinner ja vor nichts und niemandem Angst – als erfolgreicher Schauspieler, Musiker und demnächst als „Derbleckn“-Redner. Doch sein härtestes Publikum wartet auf den Hobbykoch, Heimwerker und Schwie- gersohn zuhause. „Prachtexemplar“ heißt seine irrwitzige Kurzgeschichtensammlung, die Zinner nun vorstellt – mit Musik. (Lustspielhaus, 3.1.)
Axel Hacke
„Wie fühlst du dich? Über unser Innenleben in Zeiten wie diesen“: Natürlich herrscht immer großer Ironieverdacht, wenn Axel Hacke seine Schmunzeltexte liest. Doch ihm kann man sich wirklich anvertrauen. Ein kluger Kopf, der intellektuelle Geborgenheit garantiert. (Theater Leo 17, 3.1.)
Manfred Pfister – Ein Abend über die „Englische Renaissance“
Zurück in seine geistige Wunschregion und ins Lieblingsjahrhundert: Manfred Pfister, geboren in Landshut und an der LMU bis zum Erreichen seiner Professur geblieben, kehrt mit seinem großen Spätwerk „Englische Renaissance“ in seine Heimat zurück. Es geht ins „Golden Age“ von William Shakespeare, Francis Bacon und Elisabeth I. Ein Band, so prachtvoll gestaltet wie von Pfister prachtvoll mit Worten ausgeschmückt. Gewicht: zweieinhalb Kilo. Uff! (Lyrik Kabinett, 14.1.)
Ursula Krechel – „Sehr geehrte Frau Ministerin“
2025 erhielt sie den „Georg-Büchner-Preis“, was ihren Ruf als Grand Dame der deutschsprachigen Literatur noch einmal unterstrich (und zwar doppelt). „Sehr geehrte Frau Ministerin“ ist Ursula Krechels Roman von zwei Frauen, die sich ans Justizministerium wenden. Es geht um Macht, Ohnmacht, Gewalt und Unterdrückung. Und um die Chance von Widerstand. (Literaturhaus, 14.1.)
Caro Matzko
Sie hatte offenbar lange kein gutes Miteinander mit ihrem Vater. Umso wichtiger war es Caro Matzko, die zuletzt bei der BR-Talkshow von Hannes Ringlstetter ausgestiegen war, die Geschichte seiner Verletzungen zu rekonstruieren. Auch deswegen, weil sie verstehen möchte, wie sich seelische Traumata weiterentwickeln können – in der nächsten Generation. Also reiste die Münchnerin für „Alte Wut“ nach Ostpreußen – die Gegend, aus der einst ihr Vater, als gerade mal Zehnjähriger, vertrieben worden war. (Sudentendeutsches Haus, 15.1./Salon Luitpold, 2.2.)
Andreas Rebers
2011 starb mit Franz Josef Degen- hardt einer der besten Liedermacher der Nachkriegszeit – und eine mutig unbequeme Stimme. Andreas Rebers erinnert in seiner Lesung an Degenhardts Sprachgewalt und Feinfühligkeit. (Künstlerhaus, 16.1.)
Rainer Moritz
Auch mit Musik und – Hossa! – mit ihren Texten befasst sich Rainer Moritz im Literatur-Liederabend „Zwei Spuren im Schnee“. Es geht um die vielen Winterblüten am Strauß deutscher Schlager. (Literaturhaus, 16.1.)
Leïla Slimani – „Trag das Feuer weiter“
Endlich raus aus dem Brain Fog und aus der Beklemmung: Leila Slimani erzählt in „Trag das Feuer weiter“ von einer Pariser Schriftstellerin, die nach Marokko aufbricht, ins Land ihrer Kindheit. Dort gerät sie tief hinein in eine Geschichte, die vom Kampf um Freiheit handelt. Slimani, die Prix-Goncourt-Preisträgerin, schließt damit ihre große Familientrilogie ab. (Literaturhaus, 18.1.)
Marko Dinic
Noch eine Spurensuche: „Buch der Gesichter“, der neueste Roman des Wieners Marko Dinic, erzählt in eng miteinander verwobenen Erzählsträngen gleich acht Familiengeschichten, die zurück in die jüdische Gemeinde Belgrads im Kriegsjahr 1942 führen. (Literaturhaus, 21.1.)
Anna Pritzkau
Wenn sich das Leben plötzlich wieder lohnt. Trotz allem. Im Debütroman „Frauen im Sanatorium“ von Anna Pritzkau geht es um solidarischen Halt – und um einen ganz besonderen Flamingo. (Literaturhaus, 22.1.)
Bodo Kirchhoff – „Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt“
Wie weitermachen? Wie Nähe und gleichzeitig Distanz sowie vor allem Würde bewahren? Bodo Kirchhoff spielt in seinen Romanen gerne komplexe Beziehungskonstellationen durch. Diesmal handelt „Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt“ von einem Mann, der nach 50 Ehejahren nach Indien reist – ohne seine Ehefrau. Doch dann folgt sie ihm – voller Wut und Zweifel. (Literaturhaus, 23.1.)
Nicholas Ofczarek liest Thomas Bernhard
Mit beißendem Spott zog Thomas Bernhard immer wieder über sein Land und besonders gern über die selbstverliebte Wiener Kulturschickeria her. Von seinem Schlüsseltext „Holzfällen“ geht noch immer eine ungeheuerliche Sogwirkung aus, mit der Starschau- spieler Nicholas Ofczarek teuflisch geschickt spielt. (Künstlerhaus, 23./24. und 25.1.)
Anja Kampmann – „Die Wut ist ein heller Stern“
Wenn man von der Nachtclubbühne im „Alkazar“ auf der Reeperbahn plötzlich immer mehr braune SA- Uniformen sieht, wird es gefährlich. Anja Kampmann hat solide recherchiert, um tief in eine Story von weiblicher Selbstbehauptung in finsteren Tagen einzutauchen. (Literaturhaus, 26.1.)
Tag der Quellen
Sie haben ihre intimsten Sorgen, Wünsche und Hoffnungen zu Papier gebracht, oft heimlich. Am Tag der Quellen wird wieder gelesen in den Tagebuchaufzeichnungen, Briefen und Schulaufsätzen von jüdischen Kindern und Jugendlichen aus der Nazizeit. (Volkstheater, 29.1.)
David Foenkinos
Worauf kommt es im Leben wirklich an? Dieser Frage geht Erfolgsautor David Foenkinos – nach vielen Büchern, die schon in 40 Sprachen übersetzt wurden – in seinem Neuling „Das glückliche Leben“ nach. Da kann man viel lernen. (Literaturhaus, 29.1.)
Lena Krebs und Theresa Reichl
Von der Couch auf die Bühne: Lena Krebs und Theresa Reichl präsen- tieren ihren Podcast live – „Lesen ist schwul – die Show“. Es geht um Rezen- sionen der Marke Funny-frisch und witzige Buchstabenspiele. (Lach und Schieß, Fat Cat, 30.1.)
Romy Hausmann
Romy Hausmann („Liebes Kind“) hat zuletzt 52 Fragmente auf Papier gehämmert – auf ihrer Schreibmaschi- ne, die vom Flohmarkt stammt. Martin Bechler, Produzent von Fortuna Eh- renfeld, hat sie vertont. (Muffathalle, 16.12.)
Wladimir Kaminer
Versöhnlich: Wladimir Kaminer zieht in der Lesung „Schöne Bescherung! Kaminers Weihnachen“ die Trostbremse. (Lustspielhaus, 17.12.)
Lost in Music: Geschichten aus der Popmusik – Gran Finale
Großes Finale, schnüff! Markus Naegele, Verlagsmanager und Musikus, bestens bekannt als Don Marco und Drug-Stop-Frontmann, lässt seine tolle Leseabenteuer-Reihe Lost in Music ausklingen. Aber mit einem Paukenschlag. Zum Abschluss geht’s noch mal richtig rund. Es lesen und spielen unter anderem die Trikont-Chefin Eva Mair-Holmes, Achim Bogdahn, Anna Jung, Franz Dobler, Knut Cordsen, Jacqueli- ne Floßmann, Richard „Dr. Döblinger“ Oehmann sowie Philipp Bradatsch, Angela Aux, Die Libellen und Jason Arigato. Und natürlich dürfen auch Die Pyramiden von Giesing und Drug Stop nicht fehlen. (Fat Cat, Live/Evil, 18.12.)
Axel Hacke
Ausklingen lassen mit Axel Hacke: Er findet sicher einen tröstlichen Reim auf ein kratziges Jahr. (Volkstheater, 28.12.)
