Electro & Beatz im Mai: Disco-Utopie und Trip-Hop-Wucht

Electro & Beatz im Mai: Disco-Utopie und Trip-Hop-Wucht

Attwenger verströmen Optimismus, die Night Sessions versammeln Experimentelles und Puma Blue stellt seine tiefschürfenden Songs vor.

Attwenger im Milla

Der Preis für den Song der Stunde geht in dieser Ausgabe zweifellos an das Neue-Volksmusik-Duo Attwenger. Ist deren „Sozialismus in Discos“, zu finden auf ihrem neuen Album „Wos“, doch nichts weniger als ein kleines Utopie-Kunstwerk. Zwischen Disco-Minimalismus und Steirischer Harmonika wünschen sich Markus Binder und Hans-Peter Falkner etwa „entspannten Sozialismus / alle gratis in Discos / allgemeinen Feminismus / und weniger Stress / An gscheiden Algorithmus / und koan Nationalismus / und ned so viel Pessimismus / weil sonst wird alles witzlos“. Wer danach nicht Lust auf ihr Konzert am 2. Mai in der Milla bekommt, gehört entweder zu jenen 27 % in Deutschland, die laut Insa-Umfrage gern die AfD am Ruder hätten, oder tut sich womöglich schwer mit oberösterreichischen Dialekten.


Nalan im Import/Export 

Weniger politisch, dafür aber mit bezirzendem Pop-Appeal kommt derweil das neue Album der Münchnerin Nalan daher, die vor geraumer Zeit nach Berlin abgewandert ist. War Nalan neben der Rapperin Ebow einst Teil des feministisch empowernden Hip-Hop-Trios Gaddafi Gals, so liegt ihre Solo-Profession vielmehr in ätherischen Formen des Pop. Der erklingt auf ihrem nostalgiegeprägten zweiten Album „2009“ mit Songs wie der Indiepop-Hommage „59:1 (fiftynine to one)“ auf den längst geschlossenen Münchner Konzertclub oder der elektronisch versirrten Liebesbekundung „I Like You“ mal bittersüß, mal im besten Sinne entschwebt – immer aber derart harmonisch, dass Nalans Heimspiel am 6. Mai im Import/Export einen hinreißenden Konzertabend verspricht.


Night Sessions im Ampere

Während sich das Autofahren dank Donald Trump derzeit so teuer wie nie gestaltet, entspricht man im Muffatwerk zumindest der Attwengerschen Utopie von der Gratis-Disco für alle. Zwischen dem 8. Mai und dem 16. Mai gehen im Rahmen der „Münchener Biennale – Festival für neues Musiktheater“bei den dortigen Night Sessions im Ampere diverse Musiktheater-, Installations- und Konzertabende bei freiem Eintritt über die Bühne. Sie reichen etwa von der in Echtzeit auf Klänge reagierenden Audio-Video-Live-Show „REbirth“, die den Auftritt des Experimentalkomponisten Simone Bosco begleitet (9. Mai); über die Performance „New Ruins“, die sich mit der Schnittstelle zwischen Musik, Technologie und künstlicher Intelligenz befasst (10. Mai); bis hin zu einem robotergesteuerten Solokonzert einer hundertjährigen Pfeifenorgel (15. Mai). Aufgelegt bis in die Puppen wird freilich ebenfalls – sonst wären es ja keine Night Sessions.


Puma Blue im Milla

Eine Platte darüber, wie man denn leben würde, bekäme man den Zeitpunkt und die Umstände des eigenen Todes im Traum offenbart, stellt wiederum Jacob Allen aka Puma Blue in Form seines neuen Albums „Croak Dream“ am 14. Mai im Live Evil vor. Das klingt wenig erbaulich, dürfte in Erinnerung an Puma Blues München-Debüt in der Milla jedoch trotzdem grandios werden. Zwischen jazziger Filigranität und trip-hoppiger Wucht hat Allen auch diesmal wieder einen Strauß an Songs versammelt, die sich in ihrem tiefschürfenden Charakter auch vor Meistern der Gloominess wie Radiohead oder Portishead nicht verstecken brauchen. 


Ritournelle X Tune im Blitz

Die einst als „Festivalnacht für avancierte elektronische Popmusik“ an den Start gegangene Ritournelle schnürt indes in Kooperation mit der vom Haus der Kunst ausgerichteten Reihe „Tune“ zwischen dem 14. und dem 16. Mai als Ritournelle x Tune im Blitz Club und im Haus der Kunst ein Paket an der Schnittstelle von zeitgenössischer Kunst und Clubkultur. Mit dabei bei der finalen Sause im Blitz sind etwa Authentically Plastic aus Uganda zwischen Club-Energie, Noise und ostafrikanischen Rhythmusstrukturen, der dominicanische Dub-Poet Tikiman oder die tollen klangforschenden britischen DJs Nkisi und Blawan.


L.Zwo im DNA Club

Und wo wir nun schon mal im Club gelandet sind, bleiben wir dort doch gleich noch etwas, um mit dem Trance-Spezialisten L.Zwo auf einen DJ zu verweisen, der den DNA Club am 22. Mai „all night long“ bespielen wird. Nicht zuletzt mit seinem bekanntesten Track „Lonely Boy“ bringt er Trance fidel zum Hüpfen.


Carlo Karacho in der Roten Sonne

Carlo Karacho kommt am 30. Mai für ein Konzert in die Rote Sonne. Letzterer reitet die Neue-Neue-Deutsche-Welle derzeit übrigens mit einem derartigen Karacho, dass die Bühnen für diesen quatschbegabten Electro-Barden womöglich bald etwas größer werden. Gemessen am abgedrehten Charme seines neuen Albums „Der letzte Ritt durchs Nadelöhr“ hätte er sich’s auf jeden Fall verdient.