Lust auf Wandern mit Kindern rund um München? Kein Problem! Unsere Stadt ist das perfekte Basecamp für kleine Gipfelstürmer*innen, Bach-Pritschler*innen und Teenager, die angeblich gar nichts beeindruckt. Aber welche Tour passt zu welchem Alter?
IN München hat für Euch kinderfreundliche Wanderungen in Oberbayern ausgewählt – von der kinderwagentauglichen Almwanderung bis zur spektakulären Klamm. Nico Herrmann vom Deutschen Alpenverein, Sektion Oberland, ordnet einige von ihnen ein.
Dazu verrät Autorin und Content Creatorin Sophie Folger, wie Wandern mit Kindern wirklich gelingt. Spoiler: Snacks helfen. Immer.
Viele weitere Ausflugsziele haben wir hier für Euch zusammengetragen. Und wer Lust auf eher erwachsene Wanderungen hat, findet hier super Tipps.
Wanderung mit Babys München
Kinderwagenfreundliche Wanderung: Röthelmoos Alm bei Ruhpolding
Eine idyllische zweistündige Tour in den Chiemgauer Alpen, die mit geländegängigem Kinderwagen gut machbar ist. Der Weg startet am Wanderparkplatz Urschlau und führt über Asphalt und Forststraße Richtung Röthelmoos. Unterwegs geht es an der Urschlauer Ache entlang, später öffnet sich der Blick auf das Naturschutzgebiet Röthelmoos mit Bergen, Almwiesen und fantastischem Blick auf den Wasserfall. Auf etwa 800 Meter Höhe warten die Dandl-Alm und die Langerbauer Alm, beide mit eigener Käseherstellung. Auf der Langerbauer Alm gibt es neben Brotzeiten mit selbst gemachtem Frischkäse und Tieren zum Anschauen. Größere Kinder können im Bach spielen, kleinere im Sandkasten. Im Sommer lohnt sich ein Sprung in den Weitsee. Start ist der Wanderparkplatz Urschlau.
- Start: Wanderparkplatz Urschlau, Urschlau, 83324 Ruhpolding
- Dauer: ca. 1 Stunde einfach bis zur Alm, je nach Variante ca. 2 bis 2,5 Stunden gesamt
- Alter: mit Baby im geländegängigen Kinderwagen, mit Kleinkindern je nach Kondition
- Mehr Infos: Ruhpolding – Röthelmoos Alm
Wanderung mit Kinderwagen: Obere Firstalm am Spitzingsee
Ja, die Obere Firstalm ist bekannt. Und ja, an schönen Tagen ist man dort eher nicht allein. Aber das hat eben auch Gründe: Der Weg vom Spitzingsattel zur Alm ist breit und kinderwagen-geeignet. Dazu gibt es unterwegs Badestellen am Spitzingsee und oben eine Alm, die Familien ziemlich gut versteht.
Der Anstieg ist mäßig steil, aber mit Kinderwagen gut zu schaffen, wenn man ein bisschen Kondition und keinen klapprigen City-Buggy dabeihat. Oben warten eine urige Einkehr, Wickelmöglichkeit, die Möglichkeit zum Brei-Erwärmen und ein großer Spielplatz mit Barfußpfad. Im Winter wird die Tour zur Rodelgaudi: Dann geht es mit der Kraxe hinauf zur ganzjährig geöffneten Alm und mit dem Schlitten zurück ins Tal. Familienausflug mit eingebautem Rückweg-Jubel also.
- Adresse: Obere Firstalm, 83727 Spitzingsee
- Start: Parkplatz am Spitzingsattel / Kurvenlift, 83727 Schliersee-Spitzingsee
- Dauer: ca. 45 bis 60 Minuten Aufstieg, je nach Tempo
- Alter: mit Baby im geländegängigen Kinderwagen oder in der Kraxe
- Mehr Infos: Obere Firstalm
Wandern mit Kleinkindern

Wanderung mit Spielplatz: Gießenbachklamm bei Kiefersfelden
Kurz, abwechslungsreich, mit Wasser und Alm-Spielplatz: Die Gießenbachklamm bei Kiefersfelden ist eine schöne erste „richtige“ Wanderung für Kleinkinder, die schon gern selbst laufen. „Ein kurzer, abwechslungsreicher Wanderweg – das ist bei Kindern immer wichtig“, sagt Nico Herrmann vom DAV.
Los geht es an der Thierseestraße bei der historischen Blaiersäge. Nach rund 150 gut gesicherten Stufen erreicht man die Gießenbachklamm, danach führt der Weg weiter am Bach entlang zur Schopper Alm. Dort gibt es Streichelgehege, Wasserspielplatz, eine Bobbycar-Rennstrecke und hausgemachte Schmankerl. Für Buggy oder Kinderwagen ist die Tour wegen der Stufen nicht geeignet – besser Kraxe oder Trage mitnehmen. Und Ersatzsocken. Wegen des Wassers.
- Start: an der Blaiersäge, Thierseestraße, 83088 Kiefersfelden
- Dauer: ca. 1 Stunde Aufstieg bis zur Schopper Alm
- Alter: ideal für laufstarke Kleinkinder und Kindergartenkinder
- Mehr Infos: Schopper Alm / Chiemsee-Alpenland
Wandern mit Kindern Sommerrodelbahn: Kolbensattel bei Oberammergau
Ein stiller Bergmoment ist der Kolbensattel an schönen Tagen eher nicht. Dafür ist hier einfach zu viel geboten: Sesselbahn, Kolbensattelhütte, Bergspielplatz, Holzkugelbahn und der Alpine Coaster, der auf 2,6 Kilometern ins Tal flitzt. Kurz gesagt: Wer Natur mit Action kombinieren will, ist hier richtig.
Für kleine Kinder ist der Aufstieg zur Kolbensattelhütte zwar abwechslungsreich, aber mit rund 400 Höhenmetern auch kein Spaziergang. Mit Kraxe geht’s gut, mit Buggy nur, wenn er wirklich geländetauglich ist – und die Erwachsenen Lust auf ein kleines Wadentraining haben. Die stressfreiere Familienvariante: mit der Sesselbahn hinauf, oben spielen und einkehren und danach entscheiden, ob es mit dem Alpine Coaster wieder bergab geht. Wichtig: In Ferienzeiten und an Wochenenden kann es dort zu längeren Wartezeiten kommen. Also lieber früh los – bevor aus Rodelvorfreude Warteschlangen-Drama wird.
- Adresse: Kolbensattel, Kreislainenweg, 82487 Oberammergau
- Start: Talstation Kolbensesselbahn, Kreislainenweg, 82487 Oberammergau
- Dauer: zu Fuß ca. 1,5 Stunden Aufstieg; mit Sesselbahn deutlich kürzer
- Alter: für Kleinkinder eher mit Kraxe oder Sesselbahn; Alpine Coaster ab 3 Jahren in Begleitung
- Gut zu wissen: In Ferienzeiten und an Wochenenden kann es am Alpine Coaster zu Wartezeiten kommen.
- Mehr Infos: Kolbensattel Oberammergau
Wanderung mit Grundschulkindern

Kinderfreundliche Wanderung Oberbayern: Blomberg bei Bad Tölz
Der Blomberg ist ein Klassiker für Familien – und das aus gutem Grund. Der Tölzer Hausberg ist von München aus gut erreichbar, bietet oben viel Abwechslung und unten ist die Isar für eine Abkühlung nicht weit. „Schnell zu erreichen, viel geboten und die Isar als Abkühlung um die Ecke“, sagt Nico Herrmann vom DAV.
Startpunkt ist die Talstation der Blombergbahn. Wer mag, wandert hinauf, wer sich das sparen will, nimmt die Bahn. Oben warten je nach Saison Erlebnisangebote wie Trampolinanlage, Streichelzoo, Spielplatz, Kinderverkehrsgarten und der Kletterwald Blomberg. Bergab geht es zu Fuß, mit der Seilbahn, der klassischen Sommerrodelbahn oder dem modernen Blomberg Blitz. Mittwochs lohnt sich ein genauer Blick auf die Familientarife.
- Adresse: Blombergbahn, Am Blomberg 2, 83646 Wackersberg
- Dauer: je nach Route und Kombination mit Bahn/Rodelbahn variabel
- Alter: besonders geeignet für Grundschulkinder
- Mehr Infos: Der Blomberg
Wandern mit Grundschulkindern: Hocheck in Oberaudorf
Das Hocheck in Oberaudorf ist ein guter Kandidat für alle, die bei einer Familienwanderung gern ein paar Joker im Rucksack haben: Sesselbahn, Spielplatz, Tiere, Kneippanlage, Berggasthof – und als großes Finale Sommerrodelbahn oder Zipline.
Entspannt startet die Tour mit dem Sessellift hinauf zur Bergstation, oder man geht zu Fuß –kleinere Kinder in der Kraxe oder im Buggy– 300 Höhenmeter steil hinauf zum Gipfel. Dort beginnt der Spiel- und Sagenweg mit Kneippanlage, hier gibt es auch einen Abenteuerspielplatz, ein kleines Tiergehege und eine Gold- und Edelsteinwaschanlage. Danach führt der Weg weiter Richtung Berggasthof Hocheck, zum Spielhaus und über mehrere Spielstationen Richtung Mittelstation.
Unterwegs warten unter anderem Wackelbrücke, Balancierbalken, Zwergenhaus, Kugelbahn und schöne Blicke aufs Kaisergebirge. Zurück ins Tal geht es entweder zu Fuß, mit der Bahn oder – für viele Kinder natürlich das Highlight – mit der Sommerrodelbahn. Die darf laut Betreiber ab 3 Jahren genutzt werden, Kinder bis 8 Jahre fahren nur gemeinsam mit einer Aufsichtsperson. Die Flying-Fox-Anlage „Oberaudorfer Flieger“ ist eher etwas für größere Grundschulkinder: mindestens 8 Jahre, 130 cm Körpergröße und 31 kg Gewicht sind Voraussetzung.
- Start: Talstation Hocheck-Express, Carl-Hagen-Straße 7, 83080 Oberaudorf
- Dauer: Spiel- und Sagenweg ab Bergstation je nach Route und Spielpausen ca. 1 bis 2 Stunden
- Alter: besonders geeignet für Grundschulkinder; Sommerrodelbahn ab 3 Jahren, Flying Fox ab 8 Jahren/130 cm/31 kg
- Mehr Infos: Erlebnisberg Hocheck
Wandern mit Teenagern

Spannende Wanderwege in der Nähe: Partnachklamm bei Garmisch-Partenkirchen
Teenager zu beeindrucken, ist eine eigene alpine Disziplin. Die Partnachklamm bei Garmisch-Partenkirchen hat dafür ziemlich gute Karten: enge Felsschluchten, steile Wände, tosende Wassermassen und Wege, die sich spektakulär durch den Fels ziehen.
Vom Kassenhäuschen führt der Weg durch die Partnachklamm, danach kann man die Tour je nach Lust und Kondition erweitern, zum Beispiel mit einer Einkehr. Wichtig: Vor dem Ausflug unbedingt Öffnungszeiten und mögliche Sperrungen checken – bei Unwetter, Eis oder Bauarbeiten kann sich in einer Klamm schnell etwas ändern.
- Adresse: Partnachklamm, Wildenau 14, 82467 Garmisch-Partenkirchen
- Dauer: je nach Route ca. 1,5 bis 3 Stunden
- Alter: für größere Kinder und Teenager
- Kosten: Erwachsene 10 Euro, Kinder/Jugendliche von 6 bis 17 Jahren 5 Euro, Kinder bis 5 Jahre frei
- Mehr Infos: Partnachklamm
Klettern mit Teenagern: Ettaler Manndl bei Oberammergau
Für Teenager, die nicht nur wandern, sondern auch ein bisschen kraxeln wollen, ist das Ettaler Manndl eine spannende Tour. Der 1.633 Meter hohe Felszacken in den Ammergauer Alpen sieht schon von unten ziemlich eindrucksvoll aus – und oben wartet ein kurzer, leichter Klettersteig. Leicht heißt hier aber nicht egal: Der Steig ist teilweise ausgesetzt, der Fels kann abgetreten und rutschig sein. Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und eine passende Klettersteigausrüstung sind deshalb wichtig.
Der Klettersteig selbst dauert nur etwa 15 Minuten, dazu kommt aber natürlich der Zustieg. Je nach Kondition kann man die Tour mit der nostalgischen Laber Bergbahn abkürzen: entweder für den Aufstieg, den Abstieg oder beides. Von der Bergstation erreicht man den Einstieg zum Ettaler Manndl in etwa 45 Minuten. Wer ohne Bahn startet, beginnt in Ettal, zum Beispiel am Mandlweg bei der Klostermauer. Oben oder unterwegs lohnt sich je nach Route auch eine Einkehr im Berggasthof an der Laber Bergbahn.
Wichtig: Die Tour nur bei gutem Wetter gehen, vorher die Route genau planen, Wetterbericht checken und Ausrüstung kontrollieren. Spontane Turnschuh-Klettersteig-Romantik? Lieber nicht.
- Adresse: Ettaler Manndl, 82488 Ettal / Oberammergau
- Start: Mandlweg bei der Klostermauer in Ettal oder Bergstation der Laber Bergbahn, Ludwig-Lang-Straße 59, 82487 Oberammergau
- Dauer: Klettersteig ca. 15 Minuten; ab Bergstation ca. 45 Minuten bis zum Einstieg; gesamte Tour je nach Route und Bahnnutzung unterschiedlich
- Alter: für bergerfahrene Teenager mit Trittsicherheit und Schwindelfreiheit
- Ausrüstung: feste Bergschuhe, Klettersteigset empfohlen, Helm sinnvoll
- Gut zu wissen: Nur bei gutem Wetter gehen; bei Nässe ist der Fels rutschig. Tour vorher sorgfältig planen.
- Mehr Infos: Laber Bergbahn
Extra-Tipp: Kindertrage und Ausrüstung leihen
Wer nicht gleich eine eigene Kraxe kaufen möchte, kann beim DAV München & Oberland Ausrüstung ausleihen, darunter auch Kinderkraxen. Buchung und Abholung sind über die DAV-Servicestellen möglich, unter anderem im Globetrotter am Isartor, im Sporthaus Schuster am Marienplatz und im DAV Kletter- und Boulderzentrum Gilching. Vorher online reservieren – sonst steht man am Ende mit Wanderlust, aber ohne Trage da.
- Adresse: DAV Servicestellen u.a. im Globetrotter (Isartorplatz 8–10, 80331 München); Sporthaus Schuster (Rosenstraße/Rindermarkt, 80331 München); DAV Kletter- und Boulderzentrum Gilching, (Frühlingstraße 18, 82205 Gilching)
- Kosten: je nach Ausrüstung und Mitgliedschaft, z.B. Kraxe als Nicht-Mitglied. 10 €/Tag, für Mitglieder 5 €/Tag
- Mehr Infos: DAV München & Oberland Ausrüstungsverleih
Interview mit Autorin Sophie Folger
„Mut haben und losgehen!“
Sophie Folger ist seit ihrer Kindheit ein Bergmensch. Als sie 2019 schwanger wurde, hörte sie oft: „Mit Kindern ist das Bergleben vorbei.“ Doch Sophie wollte sich ihre Bergleidenschaft nicht nehmen lassen. Daraus entstand ihr Instagram-Account @alpenbaby mit Tipps rund ums Wandern und Outdoor-Erlebnisse mit Kindern ebenso wie ihre Website. Anfang des Jahres erschien ihr Buch „Alpen, Baby!“ (Piper), in dem sie ehrlich und charmant erzählt, wie Wandern mit Kindern gelingen kann.
Was ist die größte Herausforderung beim Wandern mit Kindern?
Es ist einfach brutal anstrengend. Man ist Packesel, Motivator und Entertainer in einem. Das Rucksackpacken gleicht dem Packen für eine Expeditionsreise, man schleppt den halben Kühlschrank mit und muss ständig schauen, dass die Kids bei Laune bleiben und sich nicht den nächsten Abhang runterstürzen. Es macht aber trotzdem riesengroßen Spaß. Nur eben anders als früher.
Und was das Schönste?
Ich liebe die Langsamkeit mit Kindern am Berg. Statt Höhenmeter zu sammeln, beobachten die Kleinen Heuschrecken, sammeln Zapfen, freuen sich über eine Schnecke. Geduld musste ich üben. Aber wenn man sich drauf einlässt, kann man als Erwachsener viiiel lernen. Und wir kehren mit den Kids viel öfter auf Almen ein als früher. Finde ich super!
„Lieber eine kurze Wanderung und spontan einen Gipfel dranhängen, als auf halbem Weg umdrehen müssen“
In deinem Buch gibt’s ein ganzes Kapitel über Wander-Motivation. Wie ist das mit Euren Kids?
Je nach Alter: Wir haben viel gesungen, ein Wald-Bingo gebastelt oder Gummibärchen versteckt. Mit unserer sechsjährigen Louise spielen wir stundenlang „Wer bin ich?“, mit der kleinen Leni singen wir Krippen-Lieder, sammeln Blumen oder bestaunen Kühe.
Dein Tipp fürs Wandern mit Kindern?
Mut haben und einfach losgehen! Heute werden wir überschwemmt mit Infos und Ratschlägen, aber wandern kann jeder! Eltern kennen ihr Kind am besten. Nur allzu lange Touren würde ich anfangs nicht planen. Lieber eine kurze Wanderung auf eine Alm und spontan einen Gipfel dranhängen, als auf halbem Weg umdrehen müssen.

