Alpin mit Pfiff

Marie-Therese: Prinzessin liebt Goldforelle an der Theresienwiese

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Rainer Germann 27. August 2024 Restaurants

Im Sommer 2024, pünktlich zum Oktoberfest, eröffnete das moderne Gasthaus Marie-Therese an der Theresienwiese mit alpiner Küche.

Auf die Schnelle:

Küche Bayerisch-alpin · Wirtshaus · saisonal
Öffnungszeiten Mo, Di, Do–Sa 11.30–24 Uhr, Mi 11.30–2 Uhr, So 11.30–22 Uhr; Küche 11.30–15 und 17.30–21.30 Uhr
Adresse Pettenkoferstraße 48, 80336 München-Ludwigsvorstadt
Telefon +49 89 44236033
Website marie-therese.restaurant
Preisniveau €€–€€€
Preiszusatz Hauptgerichte 20,50–33 € (Karte 5. Oktober 2026)
Reservierung Online über das Reservierungsformular auf www.marie-therese.restaurant oder telefonisch

Das Haus

Ein Haus mit Geschichte

Um die Jahrhundertwende war die Lokalität ein beliebter Treffpunkt für Volkssänger gewesen, weshalb der Name „Sängerwarte“ überliefert ist – besser bekannt und in den letzten Jahren vielleicht ein bisschen in die Jahre gekommen war die Wirtschaft unter dem Namen Lenz. Nach aufwendigen Renovierungsarbeiten haben im Juli 2024 die jungen Wirte Niklas Hacker, Philipp Schlick, Dominik Kneidl und Wolfgang Hingerl hier das nach der Namenspatronin der benachbarten Wiese benannte Gasthaus Marie-Therese eröffnet. Die Betreiber sind keine Unbekannten in der Münchner Gastronomieszene, Hingerl ist Mitinhaber der Sterne-Restaurants Mural und Mural Farmhouse, die Kollegen kennt man aus dem Le Florida, der Amistad Bar und dem La Sophia in der Au.

Mittlerweile gehört es fast schon zum guten Ton in der jüngeren Münchner Gastronomie, sich auch an einer modernen bayerischen, alpenländischen Lokalität mit der dazugehörigen Küche zu versuchen; Wirts- und Gasthäuser wie unter anderem das Xaver’s und das fesch im Gärtnerplatz/Glockenbachviertel, der Ederwirt im Westend und der Klinglwirt in Haidhausen, oder das Gpusi und Klara in Neuhausen-Nymphenburg haben mit frischem Wind erfolgreich einen Generationenwechsel in der Münchner Wirtshauskultur eingeläutet.

Das Gasthaus

Keine Pseudo-Bavaria

Mit dem Marie-Therese kam ein weiteres Gasthaus mit gut 100 Plätzen dazu, das mit einer schönen Bar, geschmackvollem Holzinterieur und einem hübschen Wirtsgarten für nochmal rund 70 Gäste zum Glück jegliche Bierdimpfligkeit und Pseudo-Bavaria vermissen lässt. Das spiegelt sich auch auf der Speise- und einer täglich wechselnden Mittagskarte wider.

Die Küche

Klassiker, Alpines und Ungewöhnliches

Die Karte im Sommer 2024

Neben Klassikern wie Cordon Bleu vom Strohschwein (24 Euro), Kässpatzn (13/18 Euro), Fleischpflanzerl mit Kartoffel-Gurken-Salat (18 Euro) und Wiener Schnitzel (20/29 Euro) standen auch alpine und österreichische Spezialitäten wie Schlutzkrapfen (16/22 Euro), zwei Käsekrainer (12 Euro) und ofenfrische Buchteln mit Marillen-Röster (11 Euro) sowie eher außergewöhnliche, auf Klassikern basierende Speisen wie konfiertes Eigelb mit Kartoffeln, Spinat und Sommertrüffel (18 Euro) oder Serviettenknödel-Carpaccio mit Pfifferlingen (14 Euro) auf der Karte.

Im Glas

Zu trinken gab es Hacker-Pschorr-Bier (0,5 Liter zu 4,50 Euro) und Weine aus Deutschland, Österreich und Italien ab 30 Euro die Flasche. Der Hauswein Hoffmann x Marie Therese (0,1 Liter zu 5 Euro), gemischter Satz „Oan leidt’s schon no“, wird seinem Motto schon mal gerecht. Zeit, ein bisschen was zu probieren.

Hauswein-Glas und Krug mit Besteck, Salat und Blümchen auf einem Holztisch im Marie-Therese
Hauswein
Hauswein. © Rainer Germann

Vom Eröffnungsfest

Bei einer Eröffnungsparty wurden viele der angebotenen Gerichte und auch ein paar mehr „flying“ aus der Küche geschickt: das Knödel-Carpaccio war fruchtig-würzig mit einer Schalotten-Vinaigrette mariniert; das schön handgeschnittene Beef Tatar wurde von einem Eigelb getoppt und mit Gurkerl serviert; der ganz hervorragend etwas süßlich marinierte Saibling vom Schliersee konnte mit einer Rahm-Gurken-Julienne als perfektes Sommergericht überzeugen.

Goldforelle und Kalbsbrust

Überhaupt der Fisch: An einem anderen Tag wurde die Goldforelle mit Graupen-Risotto und Butterschaum von der Mittagskarte (Gericht plus Getränke plus Espresso, 19 Euro) probiert, ganz ehrlich, recht viel besser kann man das nicht machen. Bravo. Das gilt auch für die gefüllte Kalbsbrust mit Karottengemüse – einfach richtig gut, bekommt man ja auch fast nirgends mehr. Erwähnenswert sind auch die alpinen Käspressknödel mit brauner Butter und ein deftiges Pilzgulasch mit Spätzle – auch wer keine Bergtour hinter sich hat, wie die hungrigen Mittagsgäste aus den benachbarten Kanzleien, Kliniken und Büros, langt hier kräftig zu.

Was kostet es?

Preise im Marie-Therese

Rainers Preise stammen vom Sommer 2024. Auf der aktuellen Karte vom 5. Oktober 2026 kosten die Hauptgerichte zwischen 20,50 Euro (Kasspatzn mit Bergkäse von der Käserei Plangger) und 33 Euro (Wiener Schnitzel vom bayerischen Kalb): Backhendl vom Maishuhn 24 Euro, Schweinebraten vom Strohschweinbauch 23,50 Euro, Spinatknödel 22 Euro. Vorspeisen liegen zwischen 11 und 24 Euro, das Rindertatar kostet 18 Euro (100 Gramm). Brot wird laut Karte extra berechnet (3 Euro pro Korb).

Fazit: Traditionelle alpine Küche mit Pfiff auf gehobenem Niveau bei einem realistischen Preis/Leistungs-Verhältnis. Die mit Sinn und Verstand ausgewählten Qualitätsprodukte stammen überwiegend von regionalen Erzeugern aus dem Münchner Umland, Bayern und Österreich. Und: Zur Wiesn 2024 sollte es einen Schanigarten mit Fassbier geben, verriet Wolfgang Hingerl, „muss man einfach mitnehmen“. Klar, bei der Lage.

Rainer Germann schreibt seit vielen Jahren die Gastrokritiken für IN München.

Auf einen Blick

Marie-Therese Öffnungszeiten, Adresse und Kontakt

AdressePettenkoferstraße 48, 80336 München
Das Gasthaus liegt in der Ludwigsvorstadt, in unmittelbarer Nähe zur Theresienwiese.
ÖffnungszeitenMontag, Dienstag, Donnerstag bis Samstag: 11.30–24.00 Uhr
Mittwoch: 11.30–2.00 Uhr
Sonntag: 11.30–22.00 Uhr
Küche: 11.30–15.00 Uhr und 17.30–21.30 Uhr