Pizza seit 1965

Taormina: Pizza und Pasta seit 1965 im Westend

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Rainer Germann 19. September 2018 Restaurants

Seit 1965 gibt es das italienische Restaurant Taormina im Westend, Freunde von Pasta und Pizza wissen das zu schätzen.

Auf die Schnelle:

Küche Italienisch · Pizza · Pasta
Öffnungszeiten Mo–Fr 11.30–14.30 und 18–23 Uhr, Sa/So 17–23 Uhr
Adresse Parkstraße 12, 80339 München-Schwanthalerhöhe (Westend)
Telefon 089 508891
Website keine eigene Website
Preisniveau €€
Reservierung Nur telefonisch: 089 508891

Das Wiedersehen

Zuerst der Schock: Renovierung im Taormina

Bei unserem Besuch im September 2018 gab es zuerst den Schock: das Taormina wurde renoviert. Unser ehemaliges Wohnzimmer. Unser Spaghetti-Vongole-Eldorado. Frascati-Hochburg. Die erste nach unserem Gusto belegte Pizza. „Die haben die Sitznischen rausgerissen“, so ein Bekannter. Wände freigelegt. Backstein. Handgeschriebene Wandtafeln. Mit bunter Kreide. Und Antonio? Der wäre noch da, hält die Stellung seit 30 Jahren. Wir schauen uns an, wie kurz zuvor im ehemaligen Zwingereck, das jetzt Xaver’s heißt. Ist das wirklich schon so lange her? Wo sind sie hingekommen die Jahre? War doch erst gestern, oder?

Weißt du noch, damals, das kleine Zimmer ohne Küche, jeden Mittag sind wir im Taormina eingekehrt, zuerst der Cappuccino und ein Cornetto, dann die Pizza und der Frascati. Antonio kam gerade frisch aus Neapel (wir dachten immer aus Taormina, Sizilien, logisch), sprach kaum Deutsch, man versteht ihn aber eh fast nicht, da er mehr zu sich als zu den Gästen spricht, trotzdem alles mitbekommt und mit seiner Schürze bis heute das Bild eines klassischen italienischen Kellners abgibt, der plötzlich mit der Pfeffermühle am Tisch auftaucht und den Salat auf seine ganz eigene Weise anmacht. Zeit, dass alles einmal wieder selbst zu überprüfen.

Das Lokal

Pizza für die Nachbarschaft

Eine Rundumerneuerung sieht anders aus. Zum Glück. Die rotweiß-karierten Tischdecken, die ganzen Kitschfigürchen, alles noch da. Die Nischen nicht mehr und das ist auch gut so. Dafür freier Blick auf den Pizzabäcker. Antonio hätte heute frei, sagt der freundliche Mann im Service, der auch den Laden schmeißt, wie es aussieht. Oder doch, ein bisschen ist er schon da, meint er und führt uns hinter den Tresen zu einer 70 Zentimeter großen Antonio-Figur (mit Pfeffermühle), die ein Stammgast von ihm angefertigt hat. Außer, dass er nun eine Brille trägt – alles beim Alten. Und so geht es weiter, auch kulinarisch.

Die Pizzen erfreuten sich damals immer noch großer Beliebtheit in der Nachbarschaft, ein ständiges Kommen und Gehen, Ciao hier und da, der Laden war rappelvoll. Große Gruppen und Pärchen bestimmten das Bild, das Publikum war bunt gemischt, wie auch die Wohngegend im Westend. Wir bestellen keinen Frascati, die Zeiten sind auch mit Hinblick auf Sodbrennen nach dem Genuss des säurereichen Weißweins endgültig vorbei und bekommen einen Primo Bianco (Flasche 32 Euro) von Farnese aus Apulien angeboten, trifft sich eh gut, da fahren wir gleich wieder hin. Der Wein ist ein Cuvée aus Malvasia Bianco, Chardonnay und Fiano, eher kräftig im Geschmack mit relativ wenig Säure bei 12,5 Prozent Alkohol.

Die Küche

Limoncello für alle

Passt jedenfalls am besten zu Spaghetti mit Fischfilet und Calamaretti (11,90 Euro), eine gelungene Pasta, die darüber hinwegtröstet, dass es heute keine frischen Vongole gibt. Als Hauptgang wird ein mit Mozzarella überbackenes Schweinfilet mit Steinpilzen (16,90 Euro) serviert, die Portion würde locker für zwei reichen. Kein Höhenflug, aber schmeckt recht ordentlich, hier wäre weniger mit mehr Raffinesse mal wieder mehr gewesen. Das gilt auch für das sommerliche Fischgericht: Wolfsbarschfilets in einer Zitronensoße mit Kirschtomaten, Staudensellerie, Rucola und Zucchini – klingt ein bisschen abenteuerlich durcheinander, mundet aber überraschend gut. Warum aber Zitronen- und Orangenstücke (mit Schale) in der Soße sind, erschließt sich nicht so ganz und schmeckt auch ziemlich bitter, wenn man draufbeißt. Der fast allen Gästen ausgegebene Limoncello richtet es wieder hin, natürlich locken auch hier süße Sünden wie Profiteroles und Tiramisu.

Was kostet es?

Preise im Taormina

Bei unserem Besuch im September 2018 kosteten die Spaghetti mit Fischfilet und Calamaretti 11,90 Euro, das überbackene Schweinfilet mit Steinpilzen 16,90 Euro, der Primo Bianco von Farnese 32 Euro die Flasche. Aktuelle Preise nennt das Haus nur am Telefon unter 089 508 891.

Fazit: Wer kulinarische Höhenflüge der italienischen Küche bei den Hauptgerichten erwartet, liegt hier falsch, aber wegen Pasta und Pizza ist das Taormina immer noch einen Besuch wert. Vor allem, wenn man Erinnerungen teilt, die unbezahlbar sind.

Rainer Germann schreibt seit vielen Jahren die Gastrokritiken für IN München.

Auf einen Blick

Taormina Öffnungszeiten, Adresse und Kontakt

AdresseParkstraße 12, 80339 München
Das Taormina liegt im Westend auf der Schwanthalerhöhe. Die U-Bahn-Station Schwanthalerhöhe ist gut 400 Meter entfernt.
ÖffnungszeitenMontag bis Freitag: 11.30–14.30 und 18.00–23.00 Uhr
Samstag und Sonntag: 17.00–23.00 Uhr
ReservierenNur telefonisch