Gastro-Kritik

Green Beetle by Käfer: Zeitgeist erkannt

Interior von Green Beetle by Käfer
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Modernes, vegetarisches Restaurant mit nachhaltigem Konzept: Green Beetle by Käfer

Das Münchner Feinkostunternehmen Käfer eröffnete mit dem Green Beetle ein nachhaltiges vegetarisch-veganes Restaurant in Bogenhausen

Dem roten Marienkäfer, das weltweit bekannte Markenzeichen des Münchner Feinkostunternehmens, würde hier schwindlig werden, angesichts seiner 63 Verwandten, die die Wände des neuen - wirklich schön und originell in einem Look zwischen Asien und Skandinavien eingerichteten - Lokals zieren.

Michael Käfer kaufte sie vor Jahren einmal, irgend etwas sollte sich mit den für den niederländischen Designvertrieb Thomas Eyck geschaffenen Porzellan-Käfern doch mal anfangen lassen - nun haben sie im Green Beetle by Käfer eine Heimat gefunden. Diese kleine Episode ist ein gutes Beispiel des Konzepts Nachhaltigkeit für das vegetarisch-vegane Restaurant mit Bar, das für Ehefrau Clarissa Käfer gar eine richtige Herzensangelegenheit wurde.

Hier ist alles durchdacht: Das zum Teil farbige Fischgrät-Parkett stammt aus einer 40 Jahre alten Turnhalle, die Leuchten wurden in München aus Hanf, Tabak und Kaffee produziert, Stühle aus Meeresmüll und Altplastik hergestellt, erklärte Thomas Mang vom Architektur- und Interieur-Designbüro Mang Mauritz der versammelten Presse bei einer Vorbesichtigung.

Käfer fügte hinzu, dass selbst die Arbeitskleidung des Personals in Service und Küche zum Teil aus Meeresplastik verwoben mit Bio-Baumwolle hergestellt wird, die veganen Sneaker kommen vom Münchner Start-up Monaco Ducks und werden aus einer Lederalternative gefertigt, die größtenteils aus italienischem Traubentrester besteht. Tischdecken gibt es aus Wassersparmaßnahmen keine und das Besteck sollte am besten nach den jeweiligen Gängen behalten werden. Ob sich letzteres durchsetzen wird, ist fraglich, aber eins steht fest: Hier sind Überzeugungstäter am Werk und das zieht sich natürlich auch in der Küche durch.

Gelungene Kostprobe

Vegetarisch-vegane Küche ist höchst anspruchsvoll und diesem Umstand ist wohl auch die doch für eine Großstadt wie München überschaubare Zahl an gehobenen Restaurants in dieser Ausrichtung geschuldet. Der junge Küchenchef Felix Adebahr (der von Sternekoch und Patron Bobby Bräuer unterstützt wird, bei dem er im EssZimmer als Chef de Partie bis 2019 tätig war) setzt neben der Verwendung von den verschiedensten, überwiegend regional bezogenen Gemüse-, Knollen- und Pilzsorten, Hülsenfrüchten, Kräutern und Obst auch auf den Einsatz von unterschiedlichen Gartechniken und Fermentierung, um großen Genuss auf die Teller zu zaubern.

Das ist aufwendig und hat natürlich seinen Preis: Vorspeisen und verschieden belegte Pinsa-Fladen kosten zwischen 15 und 22 Euro, Hauptgerichte zwischen 18 und 27 Euro. Doch die Kostproben konnten sich sehen und schmecken lassen: ob ein kleiner Germknödel (erinnerte eher an einen asiatischen Dumpling) mit verschiedenen bunten Tomaten, ein Caesars Salad mit Kichererbsen-Emulsion, Nori-Algen, Aubergine und „ParmeZan“ oder ganz besonders gelungen, wenn auch weniger vegan, ein Eigelb auf Polenta mit Mangold – fast alles überzeugte mit großer Geschmacksvielfalt sowie sehr ansprechender Tellersprache.

Zur „Kartoffel Terrine“ mit Radicchio, Petersilienspinat, Uncinato-Trüffeln und Haselnüssen aus dem Piemont wurde dann noch vom Hausherren persönlich eines seiner Highlights für die staunenden Pressegäste nachgeordert: eine Zwiebelsoße, deren fleischig-intensiver Umami-Geschmack auch jedes Kalbsfilet oder Lammkotelett bereichern würde.

Die Speisekarte gibt es nachhaltiger Weise natürlich auch nur in digitaler Form. Zur Lektüre wird der QR-Code auf einem hölzernen Käfer gescannt, der sich in der Tischmitte niedergelassen hat. Die „grüne Weinwelt“, wie in der Karte beschrieben, besteht zu 95 Prozent aus biologischem oder biodynamischem Anbau (Demeter, BIODyn, Bioland), auch Pet-Nat, Orangewine oder Sulfit-freie Tropfen finden sich hier wieder. Gute Sache: preislich beginnen die Flaschenweine bereits bei 26 Euro, auf Import aus Übersee wurde aus naheliegenden Gründen verzichtet und so teilen sich Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien und Spanien die Positionen.

Fazit: Das Green Beetle ist ein Restaurant, das sich auf vegetarisch, vegane, saisonale, biologisch, regionale sowie auch überregionale, doch vor allem nachhaltige Küche, Getränke und Materialien spezialisiert hat. Übersetzt heißt das: Michael und Clarissa Käfer haben mit ihrem Team den Zeitgeist erkannt und mit viel Engagement umgesetzt.

Autor: Rainer Germann

Green Beetle by Käfer, Schumannstr. 9, 81679 München, Tel.: +49/176/141 68 023; Reservierung: greenbeetle@feinkost-kaefer.de; Mo- Sa: 17:30 bis 1 Uhr; ab 9. Oktober: Sa/So Brunch 10 bis 16 Uhr; www.feinkost-kaefer.de/greenbeetle

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