Starkes Bier und dünne Haut: Die Paulaner-Brauerei zieht die Konsequenz aus der Fastenrede 2025 von Maxi Schafroth und präsentiert Nachfolger Stephan Zinner für den Starkbieranstich 2026. Ein Kommentar.
Die Miene des Ministerpräsidenten hätte saurer kaum sein können – man hätte meinen können, der Mann habe in seinem Salvator einen Zitronenschnitz erwischt. Kein Wunder: Beim diesjährigen „Derbleckn“ auf dem Nockherberg hat Maxi Schafroth der CSU samt Vize Aiwanger (Freie Wähler-Vorsitzender und vermeintlicher antisemitischer Jugendsünder) kräftig eingeschenkt. Und Markus Söder? Der war not amused.
In einer Blitzumfrage im Festsaal war man sich schnell einig: Die Fastenrede 2025 war zwar für die einen klug und scharf, aber für viele aber zu sehr wie ein Eimer eiskaltes Wasser über dem konservativen Kopf. Klar, der Kopf soll beim „Derbleckn“ gewaschen werden, aber doch bitte eher mit handwarmem Humor statt bissiger Satire.
Während Kultur, Opposition und Kabarettfreunde begeistert applaudierten – immerhin hatte Schafroth der Regierungskoalition ein derbes Update in Sachen Mitmenschlichkeit und Verantwortung verpasst – munkelte man hinter vorgehaltenem Maßkrug schon: Das war’s wohl für den Maxi im nächsten Jahr. Zu ernst, zu politisch, zu wenig kuschelig.
Nun ist es offiziell: Die Paulaner-Brauerei hat beschlossen, dass 2026 ein neuer Fastenprediger ranmuss und der Mann für ein eher mildes Lächeln statt scharfer Satire heißt Stephan Zinner. Der kennt die Bühne bereits bestens, hat 15 (!) Jahre Söder in den Singspielen parodiert – und das so gut, dass sich der echte kaum besser hätte darstellen können und meist höchst begeistert war. Jetzt darf Zinner selbst als Prediger antreten: Vom Double auf die Kanzel, sozusagen – mit Markus‘ Segen?
Ob Schafroth freiwillig geht oder gegangen wurde? Man weiß es nicht so genau. Gespräche mit der Brauerei soll er sich gewünscht haben – und vielleicht noch eine letzte Chance. Doch Brauerei-Sprecherin Birgit Zacher ließ verlauten: Eine weitere Rede war keine Option. Zapfhahn zugedreht.
Und was sagt der scheidende Prediger dazu bei der eigens einberufenen Pressekonferenz? Schafroth gratulierte sportlich, während Zinner im selben Atemzug bekannte, dass man mit so einer Aktion auch ordentlich auf die Schnauze fallen könne – was aber, so der Schauspieler und Musiker, auch „seinen Reiz“ habe. Predigt mit Risiko, gewissermaßen.
Man darf also gespannt sein, ob Zinner das schafft, was Schafroth wohl für die Regierenden zu gut konnte: Wehtun – aber so, dass man noch drüber lächeln kann. Schön wäre, wenn der Casus Schafroth noch ein kleines Nachspiel in der nächsten Fastenrede bekommen würde. Einen Nebensatz, einen Schmunzler mit scharfem Nachhall. Denn eins steht fest: Gerade in diesen unruhigen Zeiten sollte man das „Derbleckn“ am Nockherberg nicht mit einem Komödienstadl verwechseln. Und: wer hier nicht auch mal aneckt, hat eigentlich auf der Kanzel nichts verloren.