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Ortsgespräch: Matthias Helwig (Fünf Seen Filmfestival)

Er brennt für den Film (und ignoriert dafür auch mal die Verlockungen des Badens): MATTHIAS HELWIG lockt wieder mit dem Fünf Seen Filmfestival ins Umland

Herr Helwig, 40 Jahre Breitwand, wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten: Würden Sie noch einmal ins Kinogeschäft einsteigen?

Wenn ich zurück in die 1980er-Jahre könnte, auf jeden Fall. Heute eher nicht. Die Gesellschaft hat sich verändert. Kino ist nicht mehr die Premiumware, die es damals war. Das gesamte Mediengeschäft hat sich gewandelt, ebenso die Wahrnehmung des Kinos. Man kann zwar immer noch viel erreichen, aber es ist deutlich schwieriger geworden.

Warum?

Weil sich die Branche zunehmend konzentriert. Es gibt einige wenige Betreiber, die immer mehr Kinos übernehmen, weil sie nur so wirtschaftlich arbeiten können. Auf der anderen Seite stehen kleine Häuser, die oft mit viel Selbstausbeutung ums Überleben kämpfen. Dazwischen wird es immer enger.

Smiling man in a gray sweater holding a microphone outdoors, with a purple banner in the background.
Matthias Helwig (c) Joerg Reuther

Sie haben sich den Weg ohnehin nie leicht gemacht. Sie kämpfen seit Jahrzehnten für anspruchsvolles Kino.

Für mich persönlich gehört ein Kinoausflug nach wie vor zu den schönsten Dingen des Lebens. Selbst wenn es mir schlecht geht: Ich setze mich in einen Film, und nach kurzer Zeit bin ich in einer anderen Welt. Die kann in Georgien, China, Japan oder Deutschland liegen. Das spielt keine Rolle. Man taucht in eine Geschichte ein. Das empfinde ich bis heute als etwas Wunderbares.

Was macht das Kino dafür zum idealen Ort?

Der Raum. Die Konzentration auf das Bild. Die gemeinsame Erfahrung. Das ist immer geblieben. Natürlich muss der Film eine gewisse Qualität haben. Wenn ein Film nicht gut ist, merkt man das im Kino sehr schnell.

Manche würden sagen: Sie leben in einer der schönsten Gegenden Bayerns und verbringen trotzdem einen Großteil Ihrer Zeit in dunklen Kinosälen. Ist das nicht ein wenig masochistisch?

Nein, überhaupt nicht. Ich genieße die Landschaft genauso wie jeder andere Mensch. Die Seen, die Hügel, das ganze Fünfseenland – das ist großartig. Aber das eine schließt das andere ja nicht aus. Wer München liebt, geht trotzdem ins Kino. Es gibt genügend Zeit für beides.

Auch für einen Sprung in den See?

Natürlich. Man muss sich das nur einteilen. Meistens gehe ich dann ins Wasser, wenn die anderen nicht da sind: frühmorgens, abends oder unter der Woche. Man versucht eben, gegenläufig zu den Ausflüglern unterwegs zu sein.

Der Sommer ist für Sie inzwischen ein einziges Festival: Kinojubiläum, Open Air in Starnberg und dann das Fünf Seen Filmfestival. Ist das inzwischen ein Dauerfeuerwerk?

Das trifft es ganz gut. Alles hat eine lange Vorbereitungszeit. Das Festival findet nun zum 20. Mal statt. Wenn ich zurückblicke, waren das 20 Sommer, die im Grunde von dieser Arbeit geprägt waren. Das war ursprünglich einmal eine Idee. Inzwischen ist daraus ein großer Teil meines Lebens geworden.

Klingt auch anstrengend.

Das ist es. Für mich und für meine Mitarbeiter. Im Kinogeschäft arbeitet man immer dann, wenn andere frei haben. Abends, am Wochenende, an Feiertagen. Die meisten Probleme, Reparaturen oder Notfälle passieren genau dann. Das muss man wissen, bevor man so etwas anfängt.

Das Festival feiert sein 20-jähriges Bestehen. Worauf freuen Sie sich in diesem Jahr besonders?

Ich habe diesmal den japanischen Film als Schwerpunkt gewählt. Damit beschäftige ich mich gerade intensiv. Mich fasziniert die andere Erzählweise, die andere Sicht auf Geschichten. Ich freue mich darauf, diese Entdeckungen weiterzugeben.

Können Sie den Moment beschreiben, in dem Sie einen Film sehen und sofort wissen: Den muss ich zeigen?

Das passiert immer noch. Natürlich stumpft man durch die vielen Filme nicht ab, aber man wird erfahrener. Es gibt trotzdem Filme, die einen tief berühren. Nach manchen denkt man noch lange nach. Genau diese Momente suche ich.

Hat sich das Publikum verändert?

Sehr sogar. Wenn ich auf die vergangenen 40 Jahre blicke, sehe ich eine deutliche Mainstreamisierung. Viele Themen, die früher selbstverständlich waren, schrecken heute Menschen ab. Es gibt eine Tendenz zum Weichspülen. Das ist nicht nur im Kino so, sondern gesellschaftlich insgesamt.

Auch wenn es kein Erfolgsrezept gibt: Hören Sie noch auf Ihr Bauchgefühl?

Absolut. Ich wähle Filme aus, die mich selbst berühren. Das ist für mich nach wie vor ein wichtiger Maßstab. Wenn ein Film bei mir etwas auslöst, hat er zumindest die Chance, auch andere Menschen zu erreichen.

Smiling man in a light blue long-sleeve shirt stands with hands on hips beside a glass railing indoors, with a large black-and-white portrait on the wall behind him.
Matthias Helwig (c) Johanna Schlueter

Darf ein guter Filmfan im Sommer eigentlich braun gebrannt sein?

Natürlich. Kino dauert zwei Stunden. Selbst wenn man einmal pro Woche geht, sind das zwei Stunden von 144 Stunden in einer Woche. Da bleibt genug Zeit für alles andere.

Wagen wir noch einen Blick in die Zukunft. Wenn wir uns in zehn Jahren wieder treffen, gibt es dann noch Kinos?

Davon bin ich überzeugt. Kino wird es immer geben. Die Frage ist eher, wie viele Kinos es noch geben wird.

Wer ist besonders gefährdet?

Die kleinen Landkinos. Viele davon leben von enormem persönlichem Einsatz. Aber gleichzeitig gibt es immer wieder Menschen, die mit Leidenschaft neue Häuser aufbauen oder bestehende retten. Das macht Hoffnung.

Was wäre Ihr Wunsch für die Kinolandschaft der Zukunft?

Dass Kino weiterhin als Ereignis wahrgenommen wird. Als etwas, wofür man das Haus verlässt. Wenn die Menschen im Durchschnitt einmal pro Jahr ins Kino gehen, dann gibt es auch in zehn Jahren noch eine solide Grundlage für diese Kulturform.

Wenn in der Region ein Filmfestival begeistert oder ein besonderer Kinosaal seine Lichter einschaltet, steckt oft MATTHIAS HELWIG dahinter. Der Kinobetreiber (Breitwand Starnberg, Gauting, Seefeld) und Leiter des Fünf Seen Filmfestivals gehört zu den prägenden Köpfen der bayerischen Filmszene. Mit Leidenschaft für Arthouse, Mut zu neuen Formaten wie dem Open Air Kino (3. bis 20. August im Seebad Starnberg) und einem feinen Gespür fürs Publikum bringt er internationales Flair an die Seen vor den Toren Münchens. www.fsff.de