Black-and-white portrait of a woman with short light hair wearing a dark hooded coat, looking upward, beside a man who is looking down.

ACT des Monats August: GÖRL

Sylvie Marks und Robert Görl (Ex-DAF) alias GÖRL lieben die elektronische Musik fast genau so sehr wie München und schwanken emotional zwischen Zuversicht und Unruhe

Der zwischen hier und da (vor allem Berlin) pendelnde, in jedem Fall aber gebürtige Münchner Robert Görl hat bereits Musikgeschichte geschrieben. Zusammen mit Gabriel „Gabi“ Delgado-López war er der kreative Kopf hinter dem wegweisenden Electro-Punk-Duo Deutsch Amerikanische Freundschaft kurz DAF.

Unvergessen freilich ihr „Mussolini“ oder auch „Der Räuber und der Prinz“, beide aus dem Jahr 1981. Letzteres wurde in der Bearbeitung von G.Rag & Die Landlergschwister schon zum heimlichen „Oide Wiesn“-Hit im nach wie vor ebenso unvergessenen wie fürderhin schmerzlich vermissten Herzkasperlzelt. Musikalisch verantwortlich hierfür der klassisch ausgebildete, studierte Schlagzeuger und Jazzer Robert Görl. So viel zur popkulturellen Einordnung, doch Schluss mit den ollen Kamellen, den Robert Görl tat sich unlängst mit der Produzentin, DJ und ebenfalls klassisch ausgebildeten Pianistin Sylvie Marks zusammen und veröffentlichte unter seinem Nachnamen GÖRL das Album „Dark Silver Moon Light“ welches unlängst auf Herbert Grönemeyers Grönland-Label erschien.

Und der Jubel war groß in den Musikgazetten und so kündete etwa der Musikexpress von der „DAF-Wiedergeburt“. Und schon wahr, da ist so ein gewisser Vibe spürbar, denn zwischen der stoischen Motorik, den (unter)kühl(t)en Synthieflächen und den gleichermaßen hämmernden wie nach vorne strebenden Rhythmen entfalten GÖRL hier einen ebenso hypnotischen wie eigenwilligen Sound. Mechanisch und geradlinig ist das, dabei jedoch in keinster Weise jemals auch nur annähernd eindimensional oder gar -tönig. Denn wie so oft macht auch hier genaues Hinhören Sinn, denn erst dann offenbaren sich einem die fein aufeinander abgestimmten Verästelungen von Drumcomputer, Keyboards und den mantraartig wiederholten, fast robotermäßig rezitierten Texten, die den Songs ihre eigentümliche Sogwirkung verleihen.

Was dabei entsteht, ist ein nostalgisch anmutender, immer aber beeindruckender Electro-Punk-Meilenstein, der einerseits Trost spendet, anderseits aber die geneigte Hörerschaft auch immer wieder in eine körperlich spürbare Unruhe zwingt. Stellvertretend hierfür stehen etwa „Der falsche Ton“ oder auch „Wir brechen aus“. Aber da ist auch Pop, man höre nur und staune über den ein wenig an die NDW erinnernden Opener „Irgendwann ist jetzt“ oder das grandiose, geradezu bowie’eske „Don’t stay at home“. Minimalistisch zwar, klar, aber eben auch ein gleichermaßen die Seele und die Tanzbeine wärmend. „Dark Silver Moon Light“ ist weder Aufbruch noch Abgesang sondern liefert schlicht den Soundtrack zu einer immer hektischer und widersprüchlicher werdender, ja, geradezu surreal erscheinenden Welt.

Q & A

1. Was inspiriert dich/euch?

Robert: Das Glück, ein freier Mensch zu sein. Die Dinge aus eigener Sicht zu sehen, Unvoreingenommenheit und die Liebe.

Sylvie: Alles, was Bewegung ist: Erlebnisse, Erinnerungen, Nächte in der Stadt, Tiere, Natur und Menschen. Vor allem alles, was ein wenig am Rand der Norm steht.

2. Dein/euer absoluter Geheimtipp für München?

Robert: Der Englische Garten.

Sylvie: Der Englische Garten, wenn der Bärlauch wächst. Ich liebe außerdem die kleinen Cafés rund ums Sendlinger Tor und den Schallplattenladen Optimal, wo man stundenlang stöbern kann.

3. Wo siehst du dich/ihr euch in zehn Jahren?

Robert: Darauf bin ich selbst gespannt. Vielleicht in einer neuen Welt.

Sylvie: Immer noch neugierig. Hoffentlich mit neuen Songs, neuen Klängen und der gleichen Lust, Grenzen zu überschreiten. Vielleicht etwas weiser, aber bloß nicht vernünftiger.

4. Was gefällt dir/euch an München – und was nicht?

Robert: München als Ganzes. Die Isar, die Stadt und ihr wunderschönes Umland, zum Beispiel der Starnberger See. Missfallen? Eigentlich nichts. München ist meine Heimat.

Sylvie: Ich mag die Vielfalt der Farben: die schönen U- und S-Bahn-Stationen, alte Wandmalereien und die Menschen, die oft Mut zu einem individuellen Stil haben. Weniger gefällt mir die ewige Baustelle am Hauptbahnhof.

5. Welchen Münchner Prominenten würdest du/würdet ihr gerne treffen?

Robert: Karl Valentin. Sein Satz „Kunst kommt von Können, nicht von Wollen, sonst müsste es ja Wunst heißen“ hat bis heute nichts von seiner Wahrheit verloren.

Sylvie: Ich würde mich gerne mit Michael Herbig auf einen Kaffee treffen. Über seine Sendungen habe ich schon seit den 90er-Jahren herzlich gelacht. Manchmal erinnert er uns daran, wie wichtig es ist, den Humor und das Lachen nicht zu verlieren.

6. München ist für mich/uns wie …

Robert: … eine alte Liebe.

Sylvie: … ein Ort, zu dem ich immer wieder gerne zurückkehre. Ich liebe den Eisbach, die Berge im Hintergrund und die frische Luft. In München fühle ich mich einfach wohl.