Das Festival für elektronische Musik auf der Galopprennbahn in Riem feiert am 1. August ausgiebig seinen 25. Geburtstag.
Während sich die letzten Tickets nun rasend schnell verkaufen, konnten wir uns noch mit René Vaitl und Roman Lehmann, die wichtigsten Köpfe hinter dem Festival, austauschen. Vaitl, von der Stunde Null an dabei, wird wie jedes Jahr das Festival als DJ eröffnen und Roman Lehman bestreitet mit seinem Team die umfassende Organisation.
Große Gratulation zum 25. Geburtstag! Wie fühlt sich der so besondere Ehrentag an?
René Vaitl: Absolut verrückt! 25 Jahre sind ja ein Vierteljahrhundert (lacht). Für mich fühlt es sich aber an, als würden wir das erst ein paar Jahre machen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass jede Edition seine eigene Geschichte hat und somit nicht alles routinemäßig verläuft. Sven Väth hatte uns, Tom Hilner und mich, damals gefragt, ob wir Lust hätten eine Daytime-Party mit ihm als Headliner zu veranstalten. Wir haben dann die Galopprennbahn gefunden und los ging’s. Die ersten beiden Editionen waren mit Sven und Ricardo Villalobos. Sven hat acht Stunden gespielt damals!
Welche Entwicklung hat Greenfields gemacht?
Roman Lehmann: Ich lehne mich so weit aus dem Fenster und behaupte, dass die Entwicklung für jedermann sichtbar ist. Das Greenfields hat seit Corona ein beträchtliches Wachstum hingelegt, von der Gästeanzahl als auch von der Größe der Produktion. Nicht unbedingt, weil es unser Plan war, sondern vielmehr, weil die massiv gestiegenen Produktionskosten nach Corona das Format in seiner bisherigen Größe nicht mehr darstellbar gemacht haben. Daher gab es für uns zwei Optionen: kleiner werden oder die Flucht nach vorne. Ich glaube, wir haben die richtige Entscheidung getroffen. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass wir schon immer auf ein erzwungenes Wachstum auf Grundlage von irgendwelchen aktuellen Trends verzichtet haben. Die Musik, beziehungsweise die Nachhaltigkeit, standen immer im Vordergrund. Ich denke aber, dass wir diesen Spagat nach wie vor ganz gut schaffen.
Das Festival dieses Jahr wird so groß sein wie nie: was gibt es alles neues?
Roman Lehmann: Ich glaube, wir holen dieses Jahr nahezu das Maximum aus unserem Gelände, der Galopprennbahn, raus. Jeder mögliche Quadratmeter wird geöffnet und für unsere Gäste zugänglich gemacht. Der Food Court wird noch einmal erweitert, aber den größten Unterschied werden sicherlich unsere beiden neuen Bühnen ausmachen, die wir in diesem Jahr bauen. Ich denke, dass wir hier zusammen mit unserem Technikpartner zwei gute Konzepte erarbeitet haben, die das Greenfields-Erlebnis für unsere Gäste noch einmal besonders machen. Wir warten aktuell nur noch auf die notwendige luftrechtliche Erlaubnis des Luftamts für unsere überdimensionierte Technik (lacht).
René Vaitl: Ein Floor wird Techno lastiger sein und ein Floor house lastiger – eigentlich wie jedes Jahr. Wir freuen uns sehr, dass Richie Hawtin nach zehn Jahren wieder zu uns kommt. Und eine besondere Ehre ist, dass wir eins von nur drei Festivals in Europa sind, wo &Me von Keinemusik auftritt.
Mit wie vielen Ravern rechnet Ihr?
Roman Lehmann: Dieses Jahr erwarten wir 15.000 Gäste auf unserem Feld. Das bringt neue logistische und infrastrukturelle Herausforderungen mit sich, aber ich denke, wir sind gut aufgestellt und können unseren Gästen einen einzigartigen Rave-Tag bieten.
Besonders ist sicherlich, dass wir viele Gäste haben, die uns unabhängig vom Line-up seit dem ersten Tag treu sind. Darüber hinaus konnten wir in den letzten Jahren neue Generationen begeistern, auch wenn unser Programm sicherlich nicht den neuesten TikTok-Trends folgt. Aber wer einmal da war, dem gefällt’s.
Kommen auch extra aus dem Ausland Leute angereist?
Roman Lehmann: Ja, schon immer. Insbesondere aus den Nachbarländern Österreich, der Schweiz und Italien haben wir treue Raver, die den Weg für einen Tag auf sich nehmen. Wobei die Gäste, die aus Hamburg oder Berlin anreisen, tatsächlich den weiteren Weg haben.
Sven Väth spielt auch eine wichtige Rolle – wie jedes Jahr. Hat er etwas Besonderes vor zum 25. Geburtstag?
Roman Lehmann: Sven spielt schon immer eine wichtige Rolle beim Greenfields, allein schon wegen der legendären Sets, die er in der langen Geschichte des Festivals abgefeuert hat. Welche Überraschungen er zu unserem Jubiläum in seinen Plattenkoffern hat, kann ich nicht sagen, aber ich bin sicher, es wird wieder ein unvergesslicher Abschluss des Festivals.
Gab es einmal die Idee, das Festival ohne Väth zu machen?
René Vaitl: Nein. Nie!
Roman, wie lief Deine Arbeit vor dem Festival und wie sieht Dein persönlicher Tag beim Greenfields aus?
Roman Lehmann: Die Frage ist schon fast ein Klassiker. Im Vorfeld ist es immer eine sehr instabile Mischung aus Vorfreude und Verzweiflung. Ich glaube, das bringt der Beruf einfach mit sich. Das war jetzt sicher etwas überspitzt, aber ja, die Planung hat es inzwischen in sich. Logistisch, organisatorisch und rechtlich sind die Anforderungen an eine Großveranstaltung, die wir inzwischen einfach sind, deutlich höher als bei der gemütlichen Größe, die wir damals hatten. Da hilft am Ende nur, zu wissen, was man tut. Vor dem Festival verspreche ich meinen Freunden jedes Jahr, dass ich dieses Mal mehr Zeit für sie habe und auch mal ein guter Gastgeber sein kann. Hat bisher nie geklappt. Mit unserem Wachstum haben wir ein großes und vor allem großartiges Team in allen Departments aufgebaut, die mit Herzblut hinter dem Projekt stehen. Aber ich kann trotzdem nicht danebenstehen und nichts tun. Am Ende habe ich einfach ein klares Bild im Kopf, wie alles zu sein hat. Und bevor es nicht so ist, finde ich keine Ruhe. Daher an dieser Stelle aber auch mal ein ganz fettes Danke an unsere Mega-Crew und alle, die an der Produktion mitwirken. Ihr seid grandios und ohne euch wären wir nicht da, wo wir sind!
25 Jahre Greenfields, 1. August, Einlass ab 11 Uhr, Galopprennbahn Riem, www.greenfields-openair.de Tickets: www.greenfields-openair.de/tickets
