Industrial copper distillery equipment: large copper stills, pipes, and gauges in a tiled room with windows.

Glosse: Da fließt noch viel Wasser die Isar runter!

Im Juli diskutierte München über kostbares H2O. Ein paar Gedanken.

Es gibt auch im Jahr 2026 noch diese Momente, wo man sich in Münchner Biergärten im Beisein einiger Lieben, die sonst echt ganz nette Leut sind, blöde Sprüche anhören muss, sollte man mit einem eben gekauften klaren, eiskalten und wunderbar erfrischenden Mineralwasser zurück zur Bierbank kommen: „Oh, der gönnt sich’s heut aber!“ Spätestens seit diesem Juli wissen wir Münchner*innen aber: Ja, da gönnt man sich tatsächlich was, denn Wasser ist kostbares Gut! Und in einer Welt, die immer noch versäumt die Weichen gegen den menschengemachten Klimawandel zu stellen, wird ebenjenes Gut leider von Jahr zu Jahr kostbarer. Und nein, die Knappheit ist nicht die Schuld des immer noch frisch(gewaschen)en Grünen-OBs Dominik Krause, wie besonders weit Denkende Exemplare Mensch in den sozialen Medien von sich geben. Ebenso wenig wie die Wassersparmaßnahmen, die angesichts ausbleibender Niederschläge und anhaltender Temperaturen von bis zu 39 Grad bis 1. August implementiert wurden. „Erst ab 19 Uhr Garten bewässern“? Das hab ich mit 12, als ich bei den Nachbarn -an dieser Stelle Grüße an die Ritters- gießen musste, schon gelernt, Leute.

Ebenso ging im Juli eine weitere Stellschraube zum Wassersparen durch die Medien. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtete, sollen die Münchner Brauereien, das sogenannte Tiefengrundwasser, das sie unter unserer Stadt anzapfen, um das Prädikat „Münchner Bier“ zu bekommen, bald „nur noch als Rohstoff für Bier, nicht mehr aber fürs Reinigen der Anlagen und Spülen von Flaschen“ nutzen dürfen. Für einen Liter Bier seien bei aktuellen Produktionsmethoden laut SZ-Artikel, der einen Sprecher des staatl. Hofbräu zitiert, 3,55 Liter Wasser nötig. Und Tiefengrundwasser sei laut OB Krause, eben aufgrund unserer Wasserabhängigkeit eigentlich „eiserne Reserve“. Vielleicht gilt das Bier hierzulande also deshalb als (Tiefen-)Grundnahrunsgmittel. Weil es aus dem gewonnen wird, was in harten Zeiten eigentlich unsere Grundversorgung gewährleisten soll.

Adieu, saures Radler

Á propos Bier: An mir liegts zwar nicht, aber aus einem ganzen Strauß von Gründen trinken die Menschen aktuell bei gleichbleibender Hopfenproduktion weniger Bier als in den Vorjahren, sodass mehr von ebenjenem Hopfen übrigbleibt und der Markt zunehmend unter Druck steht. Moment mal: Wenig Wasser, zu viel Hopfen? Klingt so, als würde zumindest das saure Radler bald aussterben. Das Verhältnis „wenig Bier und viel Wasser“ kann sich keiner mehr leisten. Alles hat eben doch irgendwo auch sein Gutes! Jetzt bin ich am Ende des Textes auch so einer geworden, der sich über ausbleibenden Alkoholkonsum der Mitmenschen seine dummen Witzerl nicht verkneifen kann. Naja, (feuchten) Schwamm drüber. Alles fließt und stets hydriert bleiben, meine Lieben!