ACT des Monats Mai: CARO KELLEY

ACT des Monats Mai: CARO KELLEY

Manchmal muss man vielleicht sogar verstummen, um sich Gehör zu verschaffen: Caro Kelley hat genau das erlebt.

Bedingt war ihre Sprachlosigkeit durch eine Stimmbandverletzung – letzten Endes aber war das gleichzeitig auch die Geburtsstunde ihres zweiten Albums „QUIET“. Die deutsch-amerikanische Sängerin und Multi-Instrumentalistin ist in München schon seit längerem kein Geheimtipp mehr: Mit ihrer großartigen Stimme, ihrer energetischen und charismatischen Bühnenpräsenz und einem vereinnahmenden Sound zwischen Soul, Pop, R&B, Funk und auch ein bisschen Indie-Attitüde erspielte sie sich über die vergangenen Jahre eine treue Fangemeinde. Ihr Debüt „Playroom gab dabei den Ton vor, Supports für so unterschiedliche Acts wie Maximo Park, IDER, Sam Greenfield, LIN, Infinity Song (oder erst kürzlich bei lùisa)sowie ausverkaufte Headliner-Shows in München und einige Festivalauftritte (Theatron, Tollwood u.a.) folgten. Dann das Unerwartbare: Eine unfreiwillige Zwangspause bedingt durch einen Stimmverlust!

Doch anstelle sich zurückzuziehen, hörte sie genauer hin. Sehr viel genauer sogar: 1.000 Alben in einem Jahr lautete das selbstgesetzte Pensum (die SZ berichtete). Ein musikalisch-analytischer Selbstversuch, der sich schnell zu einer viralen Reise entwickelte. Zwischen Social-Media-Clips und hunderttausenden von Views wurde Kelley zur Musik-Influencerin, zur leidenschaftlichen Chronistin des Albumformats, mit feinem Gespür und ansteckender Neugier. Sogar The Roots-Drummer Questlove zählt seither angeblich zu ihren Followern. In dieser Phase begann sie damit erste Songs für das aktuelle Album „QUIET“ zu schreiben. Es ist ihr zweites und der Titel ist Programm. Gemeinsam mit dem Münchner Produzenten Fabo Muschelknautz entwickelt Kelley hier einen Sound, der Intimität und Größe gleichermaßen spiegelt. Singer/Songwriter-Roots treffen auf groovigen Modern Soul, R&B-Lässigkeit und Jazz auf einen Hauch von Folk und Rock. Mal federnd rhythmisch, mal schwebend leicht, mal tief geerdet, immer aber getragen von einer Stimme, deren Verletzlichkeit mehr und mehr an Kraft gewinnt.

Live nun bringt die lebenshungrige Künstlerin sowohl „QUIET“ wie auch neue Songs ihrer im Mai erscheinenden Follow Up-EP mit einer siebenköpfigen Band auf die Bühne. Präzise arrangiert klingt und schwingt hier bei sattem Septett-Sound die pure Spielfreude mit. Künstlerinnen wie Caro Kelley sind in Zeiten wie diesen, in denen Musik oft auf Streams und Tiktoks und/oder dergleichen reduziert wird, wie ein wohltuender Gegenentwurf. Die Vollblut-Münchnerin mit den US-Wurzeln ist jemand, die Songs ohne Kalkül und ganz bestimmt nicht für den Algorithmus komponiert, eher gibt sie alles für Menschen, die ein Faible für Handgemachtes und Analoges haben, die zuhören und gelegentlich auch mal das Tanzbein schwingen wollen. (EP-Release-Show 28.5. Milla

Q & A

1. Was (oder wer) inspiriert dich ?

David Bowie, Lady Gaga, Chappell Roan, David Byrne… Künstler*innen, die einfach … ihr eigenes Ding machen, egal, welche Art von Musik sie machen. Musik und Kultur bewegen sich nur dann weiter, wenn Menschen die Regeln wegschmeißen. Ich will niemand anderes sein, nur ich. 

2. Dein absoluter Geheimtipp für München?

Wenn ich ehrlich bin: die Biber an der Isar. Ihnen zuzuschauen ist eine perfekte Art, an einem Sonntagnachmittag richtig runterzukommen. Radler vom Kiosk holen, Fernglas mitbringen, besser kann man nicht abschalten.

3. Wo siehst du dich in zehn Jahren?

Mein Ziel ist es, genau das zu machen, was ich jetzt mache, nur bigger. Größere Shows, mehr Alben, ein paar Tours mehr hinter mir. Außerdem würde ich sehr gern stimmberechtigtes Mitglied der Recording Academy werden. Das ist ein ganz konkretes Ziel von mir.

4. Was gefällt bzw. missfällt dir an München?

Mehr Orte wie FatCat. Mehr Räume, in denen Künstler*innen bezahlbar arbeiten, sich begegnen und gemeinsam Kunst schaffen können. Kultur soll kein Luxus sein, sie ist das, was eine Stadt lebendig macht.

5. Welchen (Münchner) Prominenten würdest du gerne mal auf einen Kaffee oder ein Bier treffen?

Eine meiner liebsten Münchner Bands ist Elena Rud. Ich kenne sie und die Band nur ein bisschen, aber würde unglaublich gern mal mit ihnen etwas trinken gehen. Ich finde sie total cool, und die Band wirkt nach sehr viel Spaß! Und wenn wir schon träumen, Lou Bega.

6. München ist für mich wie …

… meine Wahlheimat. Vor zehneinhalb Jahren bin ich aus den USA hergezogen, und heute fühle ich mich wie eine echte Münchnerin. Die Stadt und die Menschen haben mich aufgenommen und ich bin sehr dankbar dafür. München ist mein Zuhause, and I am very happy here.