ACT des Monats April: DIE SAUNA

ACT des Monats April: DIE SAUNA

Die Sauna sprechen auf ihrem neuen Album „tut beni“ eine musikalische Sprache von universeller Schönheit.

„Servus aus Istanbul“ schrieb unser Leser und Die Sauna-Edelfan Christoph Schröder – wohl wissend, dass wir seine Lieblingsband anläßlich ihres neuen Albums und der dazugehörigen Release-Show im April zum IN-Act machen wollen. „Im Karga auf der asiatischen Seite hat man gemerkt, dass die Jungs richtig Spaß auf der Bühne haben. Das war sehr kraftvoll“ fuhr er fort und ging anschließend auch noch auf das zweite Konzert ein: „Gestern haben sie dann im Roxy gespielt, einem Club auf der europäischen Seite. Das war ein bisschen zu groß … nach zwei Songs sind sie aber auch dort in Schwung gekommen.“ Eine schöne Geschichte, wie wir finden, denn es gibt ja nicht viele Bands aus München, die es bis nach Istanbul schaffen, geschweige denn Fans haben, die ihnen bis dahin nachreisen und uns freundlicherweise auf dem Laufenden halten…

Womit wir dann auch schon bei „tut beni“ (türkisch für „Halt mich fest“) wären, der soeben beim Hamburger Label popup-records erschienenen dritten Veröffentlichung des Münchner Sextetts. Die Türkei-Bezüge und -Connections stammen allesamt von Anil Coskun, seines Zeichens inoffizielles „7. Bandmitglied“, rappend zu hören auf dem Song „skit“ und grundsätzlich zuständig für alles Grafische. Musikalisch wurden Die Sauna erneut von Starproduzent Olaf Opal (The Notwist, Naked Lunch, Sportfreunde Stiller, Madsen u.v.a.) betreut, der zuletzt mit Tristan Bruschs Meisterwerk „Am Anfang“ für Aufsehen sorgte. Ihm sei es auch zu verdanken so Gitarrist Thomas Volk, dass noch mehr „Magie“ ins Spiel kam, als er den Gitarrenhall in Richtung Cigarettes After Sex schraubte und ihnen Mut machte, aus einem ursprünglich konventionellen Uptempo-Indierock-Kracher wie „sorry“, einen gemächlich-verträumten Dream-Pop-Song á la Galaxie 500 zu konstruieren. Auch „wusstest du“ atmet vor allem in der Melodieführung eine große Liebe zu CAS-Frontmann Greg Gonzales, ganz zu schweigen vom Snaresound.

Aber Die Sauna sind weit mehr als der längst überfällige Missing Link zwischen international klingendem Slow-Core und deutschen Texten. Das lyrische Ich von Sänger und Texter Mathias Berg erzählt von chronisch veranlagter Unsicherheit, welche immer wieder aber auch in ein wohltuend simples, überwältigendes Gefühl von lebensbejahendem Übermut gleitet, wie etwa bei der ersten Single-Auskopplung „ich liebe dich“. Musikalisch verbinden Die Sauna hier introspektiven Indie-Minimalismus mit hymnischem Pop-Moment: herzlich, direkt und voller Aufbruchsstimmung. „Es gibt einen neuen Strand, an dem sich jeder sonnen mag“, heißt es gleich zu Beginn im wavigen, wohlig-düsteren Opener, der einen sogleich bei den Ohren packt und in dieses wunderschön unangepasste, unglaublich mitreißende Album mitnimmt. Deswegen auf keinen Fall das Heimspiel am 10.4. im Strom verpassen, dort werden dann neben all den neuen Songs hoffentlich auch altgediente Fan-Lieblinge wie „Italien“, „Das geometrische System“, „Isolation“ oder „Der Letzte“ zu hören sein.

Q & A

1. Was inspiriert euch?

Andere Konzerte.

2.Euer absoluter Geheimtipp für München?

Nach 2 Uhr Nachts im Johanniscafe vorbeischauen.

3. Wo seht ihr euch in zehn Jahren?

Hoffentlich immer noch gemeinsam im Proberaum.

4. Was  gefällt euch an München?

Die kurzen Wege in den Süden.

5. Welchen Prominenten würdet ihr gerne zum Kaffee treffen?

Wolfgang Ambros.

6. München ist für uns wie …

Fahrradfahren mit Stützrädern.