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Jakob Kolbinger vom Feierwerk: „Live ist nicht zu ersetzen“

Jakob Kolbinger vom Feierwerk
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Jakob Kolbinger

Er leitet beim Feierwerk das Booking und weiß wie alle Veranstalter noch nicht, ab wie vielen Leuten ein Gig als „Großveranstaltung“ gilt. Wenn das klar ist, kann’s endlich losgehen.

Hallo Herr Kolbinger, ein Kultur- und Begegnungszentrum ohne Begegnungen ist ja derzeit notgedrungen ein bemitleidenswerter Ort. Mit welchen Geheimrezepten halten Sie und Ihr Team hoffentlich trotz allem den guten Feierwerk-Geist aufrecht und lassen den Kopf nicht allzu tief hängen?
Das ist in der Tat im Moment eine sehr schwierige Situation. Wir versuchen, wo es möglich ist, auf digitale Angebote umzustellen und uns auf die Zeit nach dem Veranstaltungsverbot mit Konzepten vorzubereiten - wie beispielsweise Veranstaltungen unter gewissen Auflagen möglich sein könnten, wie wir unsere Zielgruppen digital erreichen können etc. Das erfordert einiges an Arbeit und führt daher auch dazu, dass wir den Kopf gar nicht hängen lassen können. Aber nichtsdestotrotz ist und bleibt die Situation eine sehr herausfordernde.

Das Feierwerk ist ja mehr als nur ein Veranstaltungsort, auch wenn derzeit viele Türen geschlossen bleiben müssen. Verraten Sie doch mal den Neugierigen: Was passiert aktuell hinter den Kulissen?
Das ist von Abteilung zu Abteilung sehr unterschiedlich. In vielen Bereichen wurde und wird unser Angebot für unsere Zielgruppen nun digital angeboten. Dabei ergeben sich zwangsläufig einige neue Aufgaben und Herausforderungen. So sind zum Beispiel alleine die Anforderungen an die IT in wenigen Wochen enorm gewachsen. Dann nutzen wir beispielsweise auch aktuell die Zeit ohne Veranstaltungen, um unsere Veranstaltungsräume und die technische Ausstattung darin zu warten. Speziell im Veranstaltungsbüro haben wir viel mit den ganzen Verlegungen und Absagen zu tun oder auch mit den Ticketrückgaben (z.B. Thema Gutscheinlösung). Darüberhinaus läuft natürlich trotzdem auch der ganz normale Booking-Prozess für eine Zeit nach Corona weiter. Es gibt also einiges zu tun.

Im Büro für Konzerte und Events muss ja ein aktuell ein wildes Schieben und Umorganisieren stattfinden. Wie wird man denn überhaupt dem Planungswirrwarr dieser Tage Herr?
Das ist definitiv eine große Herausforderung und erfordert sehr akribisches Arbeiten. Es gibt da mittlerweile auch schon ein paar fast absurde Situationen, so haben wir beispielsweise Themen, die nun schon das dritte Mal verlegt werden müssen.

Oh je.
Zum Glück haben wir ein gutes und eingespieltes Team und die nötige Infrastruktur, um das stemmen zu können. Das hatten wir auch schon vor Corona und können daher auch jetzt den Mehr-Aufwand durch die ganzen Verschiebungen und Absagen gut bearbeiten.

Viele Veranstalter warten zunehmend verzweifelt auf Konkretisierungen, wie ein Betrieb unter Corona-Sicherheitsbedingungen wieder anlaufen könnte. Wie gut vorbereitet ist denn Ihr Haus jetzt schon?
Wir haben ein paar Ideen und Konzepte erarbeitet, wie wir unter gewissen Auflagen starten könnten und wären daher gut vorbereitet. Allerdings benötigen Veranstaltungen ja auch ohne Corona-Auflagen einen gewissen Vorlauf, daher lässt sich das bei einer Lockerung auch nicht sofort umsetzen, sondern nur dementsprechend etwas versetzt. Und letztlich müssen wir uns natürlich von Fall zu Fall anschauen, welche Auflagen sich überhaupt bzw. wie sie sich umsetzen lassen. Aber ich bin optimistisch, dass wir zumindest einen Teil unserer Veranstaltungen, auch unter Corona-Sicherheitsbedingungen, machen werden können.

Vieles hängt ja an der Definition dessen, was eine Großveranstaltung ist. Wie rechnen und zählen Sie eigentlich im Feierwerk: Wie klein oder groß muss eine Veranstaltung idealerweise sein, dass sich in absehbarer Zeit funktionieren könnte?
Das ist ganz unterschiedlich. Wir haben Veranstaltungen, die funktionieren schon mit ca. 50 bis 100 Besucher*innen (z.B. im Sunny Red) bis hin zu Veranstaltungen mit über 400 Besucher*innen in der Hansa 39. Was davon aber in absehbarer Zeit mit Hinblick auf die Corona-Situation funktionieren kann, können wir nicht sagen. Das hängt ja von den Vorgaben seitens der Behörden ab. Ich persönlich empfinde eine Veranstaltung erst ab frühestens 1000 Leuten als Großveranstaltung.

Was hören Sie eigentlich von den vielen Bands, die zuletzt ihre Tourneen streichen oder verschieben mussten: Wie gut lässt sich in harten Zeiten überhaupt Kontakt aufrechterhalten?
Wir haben viel Kontakt mit Bands, Künstler*innen und vor allem auch verschiedenen Booking-Agenturen, die Bands präsentieren. Da findet ein täglicher Austausch statt und es gibt ein großes Gefühl der Solidarität untereinander. Der Kontakt ist also da und lässt sich gut aufrechterhalten. Aber wir freuen uns natürlich am meisten darauf, sich möglichst bald mal wieder in echt und am besten auf einem Konzert zu sehen.

Aus der Not heraus kamen viele Künstler zuletzt auf ziemlich kreative Ideen, um ihren Fans wenigstens in Ansätzen digital nahe zu bleiben. Was sollte man aus Ihrer Sicht unbedingt auch in Nach-Corona-Zeiten aufrechterhalten? 
Ja, da gab und gibt es wirklich einige tolle Ideen. Wenngleich natürlich das echte Live-Erlebnis nicht digital ersetzt werden kann. Ich hoffe und denke, dass zum Beispiel Meetings, Geschäftstreffen und Konferenzen weiterhin oft digital stattfinden werden - das lässt sich einfach umsetzen, spart Reise- und Unterbringungskosten und schont die Umwelt. Home Office ist auch ein Thema, bei dem ich mir sicher bin, dass viele Firmen, das teilweise weiterhin ermöglichen werden. Es hat sich auch bei uns gezeigt, dass das gut funktioniert.

Interview: Rupert Sommer

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