Electro & Beatz im März: Sieben Gigs für ein Halleluja

Electro & Beatz im März: Sieben Gigs für ein Halleluja

Jimi Tenor verwandelt die Rote Sonne in eine finnische Sauna, Dub Spencer & Trance Hill grooven und Julie Pavon zelebriert die Körperlichkeit der House Music.

Dub Spencer & Trance Hill im Import / Export

Die Verballhornung prominenter Namen macht in der elektronischen Musik ja schönerweise längst so etwas wie eine eigene Kreativkategorie aus. Neben DJs wie Justin Tinderdate oder Jichael Mackson wäre da etwa auch die schweizerische Band Dub Spencer & Trance Hill zu nennen. Deren Profession liegt zwar weder im lustigen Haudrauf im Stile von Bud Spencer und Terence Hill noch im Trance als solchem, dafür aber in einem edel verhallten Dub-Sound, der gerade live dann doch ziemlich trancefördernd daherkommt. Am 5. März stellen die Eidgenossen ihr neues Album „Synchronos“ im Import/Export vor – und so elegant und plastisch wie diese Angelegenheit durch die Gehörgänge groovt, darf man mindestens vier Fäuste für ein Halleluja darauf verwetten, dass das ein famoser Tanzabend wird.

Behind the Green Door: Yin Yin im Strom

Einen solchen kann man auch zwei Tage später, also am 7. März, im Strom erwarten, wenn dort die niederländische Kombo Yin Yin zu Besuch ist. Deren fein gewobener Psychedelic Funk fernöstlicher Prägung mag sehr an den charakteristischen Sound des Trios Khruangbin erinnern, doch tatsächlich ist da noch so viel mehr. Mit einem Faible für analoge Synthesizer und Instrumente wie die chinesische Zither Guzheng decken diese vier Spezialisten aus Maastricht eine Bandbreite ab, die bei discoidem Retrofuturismus und Surfsounds à la Dick Dale anfängt und im Möglichkeitskosmos weltmusikalischer Einflüsse noch lange nicht aufhört.

O’Flynn im Orange House

Was uns wiederum zu einem weiteren Sound-Innovator vor dem Herrn führt, denn ein solcher kommt in Person des Briten Ben Norris aka O’Flynn am 11. März ins Orangehouse. Rein performativ mag der als DJ, Produzent und Solo-Live-Act zwar nicht mit der Dynamik der vorangestellten Bands mithalten können. Doch was Norris als genrefluider Klangarchitekt auf den Dancefloor schickt, kommt in seiner Verbindung von (unter anderem) Acid- und Afro-House, Disco und Breakbeats sowie Jazzigem und Souligem derart erfrischend und eigen daher, dass man ihm bei seinem München-Auftritt auf dem Feierwerk-Gelände unbedingt eine proppenvollen Hütte wünscht.

Jimi Tenor in der Roten Sonne

Sehr regelmäßig samt Band in der Roten Sonne zu Besuch ist hingegen ein Finne, der mit „Take Me Baby“ Mitte der Neunziger einen brünftig-unterkühlten Clubhit landete, dann aber bald in ganz andere Gefilde aufbrach. Die Rede ist von Jimi Tenor, der als multiinstrumental begabter Jazzer vor allem den zwingenden Groove des Afrobeat für sich entdeckt hat und dabei mit einer Emsigkeit neue Platten veröffentlicht, dass man kaum aus dem Staunen herauskommt. Mit „Selenites, Selenites!“ hat er nun schon wieder eine neue dabei – und was soll man sagen? Der Mann zaubert einem auch auf diesem lichtdurchfluteten Album wieder ein Lächeln über eine Spielzeit von 37 Minuten ins Gesicht und wird den Kellerclub am Maximiliansplatz mit seiner begnadeten Band auch am 12. März verlässlich in eine finnische Sauna verwandeln.

Julie Pavon im Milla

War „Take Me Baby“ Jimi Tenors eher singulärer Beitrag in Sachen körperlichkeitsbetonter Clubmusik, so hat die dänisch-honduranische Sängerin und Produzentin Julie Pavon mit ihrem Debüt „Born With Heartbreak“ gleich ein ganzes Album im Zeichen der Körperlichkeit aufgenommen. Wer’s nicht glaubt, wirft einen Blick auf das eher wenig jugendfreie Artwork oder hört noch besser hinein in dieses hochenergetische Album, das mit Songs wie „Can’t Stop Crying“ mal den House der alten Schule feiert oder mit „Don’t Call Me Out“ die Discokugel auf geradezu idealtypische Weise in Rotation versetzt. Kurzum: Wer bei Pavons Konzert am 15. März in der Milla nicht selbst direkt in Rotation geraten möchte, sollte sich besser die Ohren mit Wachs versiegeln.

Shimza im Pacha

Und damit noch zu zwei Szene-Stars aus recht unterschiedlichen Sphären: So legt zum einen mit Ashley Raphala aka Shimza am 21. März einer im Pacha auf, der mit seiner Afro-Tech-Fusion von perkussiven bis tribal-orientierten House-Grooves und druckvollen Technostrukturen in Südafrika längst zu den renommiertesten DJs und Produzenten zählt, hierzulande aber eher noch als Geheimtipp firmiert.

Ellen Allien im Blitz

Und zum anderen mit Ellen Fraatz aka Ellen Allien am 28. März im Blitz Club niemand Geringerer als die Grande Dame der Berliner Techno-Landschaft. Nur ein gutes halbes Jahr bleibt uns das Blitz noch auf der Museumsinsel erhalten, wie kürzlich bekannt wurde – womöglich geht es ja woanders weiter. Den Anfang vom Ende könnte man jedenfalls kaum feierlicher gestalten als mit dieser extraterrestrischen DJ, deren Ausnahmestatus nicht nur in ihrem Alias als Allien mit Doppel-L begründet liegt.