Electro & Beatz im April: Qualitätsarbeit in Duo-Form

Electro & Beatz im April: Qualitätsarbeit in Duo-Form

Bella Wakame experimentieren, Modeselektor lassen es krachen, und die Baugruppe90 greift tief in den stilistischen Werkzeugkoffer

Bella Wakame im Import / Export

Es ist gut was los im Hause The Notwist. Gerade erst erschien mit „News From Planet Zombie“ ein famoses neues Album, das zum Finale der zugehörigen Tour am 9. Juni auch im Circus Krone präsentiert wird. Bevor es zu den ersten Gigs nach Italien geht, stellt Drummer Andi Haberl zusammen mit Florian Zimmer am Modularsynthie am 1. April schönerweise just dort noch ein neues Instrumentalprojekt vor, wo auch das neue Notwist-Album entstand: im Import/Export. Als Bella Wakame haben die beiden eine selbstbetitelte Platte aufgenommen, die als enorm grooviger und feinteilig verklöppelter Hybrid zwischen motorischen Clubmomenten, elektroakustischen Experimenten und schwebenden Ambient-Exkursionen derart fein ins Ohr geht, dass sich damit nicht nur prima die Wartezeit aufs Notwist-Konzert verkürzen lässt. Kurzum: Tanzbarere Experimentalmusik als diese hier wird man im April vergeblich suchen.


Sven Väth im Blitz

Sind Bella Wakame eher im Underground zuhause, so kommt am 4. April mit Sven Väth ein DJ in den Blitz Club, der zu den prominentesten Plattendrehern dieser Welt zählt. Sein erstes Set dort seit sieben Jahren dürfte dabei leider auch sein letztes sein. Im September schließt der Club auf der Museumsinsel insel ja bekanntlich seine Pforten, eine Fortsetzung an anderer Stelle ist aktuell noch ungewiss.


Levi.Sct. im Werk7 Theater

Reichlich furchtlos im Umgang mit alten Meistern zeigt sich indes der Pianist Levi Schechtmann aka – Levi.Sct. Mit einer Lust an der Neuinterpretation, die einem so auch nicht alle Tage unterkommt, nimmt sich der junge Hamburger Kompositionen von Granden wie Bach, Liszt oder Chopin zur Brust und führt sie unterlegt von satten Beats zu neuen Ufern. Wie erfrischend schlüssig das klingt, kann man etwa auf seinem jüngsten Album „Classified Fusion“ nach- hören – oder am besten gleich bei seinem Konzert am 10. April im Werk7 Theater.


Kofi Stone im Ampere

Dass Hip-Hop nicht immer zwingend für dickhosige Selbstpreisungen stehen muss, beweist wiederum der tolle UK-Rapper Kofi Stone aus Birmingham am 13. April im Ampere. Auf dem Aquarellcover seines neu- en Albums „All The Flowers Have Bloomed” trifft man ihn in Latzhose beim Blumengießen an, was in diesem Fall weniger einen ironischen Kommentar auf die Protzereien im Hip-Hop-Biz darstellt, als viel- mehr die Sanftmut dieses Introspektionskünstlers unterstreicht. Denn wo andere sich rappend in den Vordergrund drängen, taucht Stone zu sanften souligen Texturen lieber smart reflektierend in sich selbst und seine Beziehungen zu anderen ab. Darauf einen grünen Daumen.


Hundreds im Strom

An Sensibilität mangelt es auch dem Hamburger Familienbetrieb Hundreds nicht. Entführt der Elektro- pop, den die Geschwister Eva und Philipp Milner auf ihrem fünften Album „Sirens“ versammeln, doch in eine Welt der Mythen, die auch auf Eva Milners Kindheitserinnerungen beruht. Musikalisch ist das von einer süßen Verwunschenheit durchweht, die sich wunderbar mit Milners naturnahen Lyrics ergänzt. Ganze fünf Jahre hat die Band an diesen zwölf betörenden Sirenengesängen geschraubt. Am 14. April kommen sie mit diesen nun ins Strom.


Modeselektor in der Muffathalle

Ungleich wuchtiger wird derweil wohl der Gig von Gernot Bronsert und Sebastian Szary aka Modeselektor am 17. April in der Muffathalle ausfallen. Waren die beiden lange Zeit als Teil der Supergroup Moderat zusammen mit Sascha Ring aka Apparat unterwegs, so berufen sie sich auf ihrem Rework-Album „Modeselektor Classics Vol. 1“ wieder auf ihre Kernkompetenzen als elektronische Alleskönner. Zwischen flirrenden Ambient-Tracks und aktuell dringend notwendigen Elektro-Knallern à la „This Track Kills Fascism“ ist hier für jeden was dabei – wobei in der Muffathalle eher die muskelbepackte Seite der beiden im Vordergrund stehen dürfte.


Baugruppe90 in der Roten Sonne

Sollte es dort womöglich eng mit den Tickets werden, steht mit dem jungen Duo Baugruppe90 am 17. April in der Roten Sonne „all night long“ eine Alternative bereit, die sich in Sachen Umtriebigkeit keinesfalls vor ihren Berliner Kollegen verstecken braucht. Haben die stets in Bauarbeitermontur agierenden Louis Köhler und Paul Vogler zwischen Drum & Bass, Techno und House doch eine stilistische Palette im Werkzeugkoffer, aus der sich große Tanzabende zimmern lassen.


Moonbootica im Pacha

Wen es danach noch nach weiterer Qualitätsarbeit in Duo-Form verlangt, der kommt einfach die Woche drauf wieder an den Maximiliansplatz und tanzt am 24. April nebenan im Pacha zum Set von Moonbootica. Die zählen zwar längst zu den alten Hasen der Elektronik-Szene – an Esprit hinter den Decks haben Oliver Kowalski und Tobias Schmidt aber bis heute nichts eingebüßt.