ACT des Monats Februar: EZ KAMIL

ACT des Monats Februar: EZ KAMIL

„In zehn Jahren möchte ich Musik machen und davon leben können. Für andere produzieren und selber natürlich noch am Start sein!“

Im Info seiner Plattenfirma Eskapaden – da also, wo sie andere lokale Acts wie Mola, Ex-Blumentopf-Produzent Sepalot, Megaloh oder auch Elena Rud unter Vertrag haben – beschreiben sie den erst 20-jährigen Tausendsassa aus dem Münchener Hinterland so:  „Friedlich wie Balou, sensibel wie Gambino und ein bisschen verrückt wie Erykah Badu“. Klingt schon mal megasympathisch und schon klar, EZ KAMIL ist nicht angetreten, um sich an Trends zu orientieren oder diese gar zu imitieren. Auch taugt er nicht zum urbanen, coolen Herzensbrecher oder der gleichen, womit er auf alle Fälle noch mehr wächst im Ansehen derer, denen es im Wesentlichen um die Musik geht, nicht so sehr ums oftmals überstrapazierte Drumherum.

EZ KAMIL ist geprägt von jenem Raum, der überwiegend aus Feldern, Einfamilienhäusern und leiser Enge besteht, in dem er aufgewachsen ist und bis heute lebt. Dort entsteht seine Musik und die überzeugt: Gefühlsbetont ist diese, aber auch selbstreflektiert und offenherzig zugleich. Seine Texte nennt er etwas ironisch überspitzt gerne auch mal „Heulsusen-Film“ und tatsächlich gewinnt bei ihm fast immer die Melancholie gegen die jugendliche Unbeschwertheit. EZ KAMIL ist ein Zweifler, ein Gefühlschaot mit einem Faible für komplexe, unkonventionell getaktete Soundbilder. Einer, den man gernhaben muss und allzu gerne auch mal in den Arm nehmen, ihm über den Schopf streicheln und ihn vor der garstigen Welt da draußen in Schutz nehmen möchte.

Alles, was man in seinen Songs hört, macht er selbst – allein, oben im Dachzimmer des Elternhauses. Über Jahre hat er einen Produktionsstil entwickelt, der klingt, als wären Band, Chor und Orchester gleichzeitig beteiligt, genauso wie Radiohead, berq und Peter Fox. Dafür sorgt nicht zuletzt sein heller, flehender Gesang, der sich mehrstimmig ausbreitet und die Songs mit poetischer Wucht trägt. Musik ist überhaupt der rote Faden in seinem Leben: Die Mutter sang Soul und Gospel, der Vater trommelte in einer Reggae-Band. Kindheitserinnerungen heißen Dancehall, Dub, Konzertbesuche und eine „Stadtaffe“-DVD. Klavierunterricht, später Bass, Gitarre, Drums, Loopstation, erster PC – finanziert durch einen Job im Getränkemarkt.

Musikalisch ist EZ KAMIL auf seiner vor Weihnachten erschienenen EP „Mohnwiesen“ hörbar gewachsen. Die Beats wirken ausgewogen, inspiriert und voller organischer, gerne auch analoger Brüche. Klavier, Streicher und ein paar Bläser treffen auf Synthflächen, verzerrte Gitarre, schwere Drums und pulsierende Elektronik. Im Zentrum aber steht eine vereinnahmende, wandelbare Stimme, die nämlich von EZ KKAMIL, von dem man in den nächsten Jahren bestimmt noch einiges zu hören wird.

Q & A

1. Was inspiriert dich?
Viel verschiedenes. Natürlich hör ich sehr viel, sehr unterschiedliche Musik die mich inspiriert. Aber hauptsächlich lasse ich mich aus privaten Situationen inspirieren, wobei ich dennoch versuche diese dann eher in einer erzählerischen Art wiederzugeben.

2. Dein absoluter Geheimtipp für München?
Der Plattenladen „Optimal“ in der Kolosseumsstraße. Ich liebe diesen Laden einfach. Es gibt ‘ne Riesen Auswahl an Genres und ist einfach mit Liebe geführt.

3. Wo siehst du dich in zehn Jahren?
Hoffentlich Musik machen und davon leben können. Für andere zu produzieren und selber natürlich noch am Start sein!

4. Was  ge-/missfällt dir in/an München?
Tatsächlich finde ich die Stadt ein wenig unfreundlich. Das geschleckte Dasein und der Moralische Zeigefinger der jedoch rechtzeitig zur Wiesenzeit wieder eingepackt wird.

5. Welchen (Münchner) Prominenten würdest du gerne zum Kaffee/Bier treffen und warum?
Zwar ist er kein OG Münchner, aber doch ganz gerne mal mit Shindy. Ist einfach ein Stück weit Legende im Deutschrap, für allem für meine Generation. Ich glaub der hat viel zu erzählen.

6. München ist für mich wie … daheim. Dadurch das der Großteil meiner Familie in München lebt verbinde ich natürlich ein Stück Heimat damit. Ich habe viel für meine neue EP in München gearbeitet und hab die Stadt auf jeden Fall sehr gern. Vor allem wegen der vielen Grünflächen innerhalb der Stadt.