Bekannt wie der „Bunte Hund“: Stephan Golega und Markus Sauermann organisieren das legendäre Kurzfilmfestival im Werkstattkino mit
Herr Golega, Herr Sauermann, 25. „Bunter Hund“, eine Jubiläumsausgabe! Heißt das eigentlich auch, dass es das Festival schon 25 Jahre gibt?
Stephan Golega: Nicht ganz, es ist sogar schon älter. Es gab zwischendurch Ausfälle, etwa wegen Corona. Einmal haben wir vom Oktober in den März gewechselt, da fiel ein reguläres Festival aus, es gab nur ein kleines Best-of. Aber begonnen hat alles 1996. Insofern sind wir eigentlich schon fast bei 30 Jahren.
Wie fing das damals an?
Golega: Hans-Georg Stocker, der Chef vom Backstage, hat Karin Hofmann gefragt, ob sie beim „Free & Easy“ ein Filmprogramm machen will. 1996 lief das noch unter diesem Namen. Erst waren es Spielfilme mit ein paar Kurzfilmen. Aber Spielfilme haben im Festivaltrubel nicht funktioniert, die Aufmerksamkeit war nicht da. Also hat Karin auf Kurzfilm umgestellt. Später bin ich dazugestoßen, wir haben gemeinsam beim „Free & Easy“ Kurzfilme gezeigt – daraus ist dann der „Bunte Hund“ entstanden.
Und irgendwann sind Sie ins Kino gegangen.
Golega: Ja, im dritten Jahr wurden wir größenwahnsinnig. Wir waren im Werkstattkino, im Maxim, im Atomic Café, im Substanz – überall. Das Publikum hätte es wohl mitgemacht, aber wir selbst haben uns kaum noch gesehen, was die Koordination über die Filme, das Feedback des Publikums und den Preisträger gar nicht so leicht gemacht hat. Also haben wir gesagt: eine Spielstätte. Seitdem ist das Werkstattkino unsere feste Heimat. Und dort fühlen wir uns natürlich sauwohl.
Es ist ja auch eines der mit Sicherheit kultigsten Kinos in ganz Deutschland – mit einer treuen Fangemeinde für oft sehr spezielle Filme. Was bedeutet das Werkstattkino für Sie?
Markus Sauermann: Als ich dazukam, war das schon gesetzt. Ich habe es nie infrage gestellt. Es passt zu unserer Größe. In einem großen Multiplex wäre die Hälfte leer. So ist es stimmig – klein, konzentriert, gemütlich.
War das Festival von Anfang an so professionell organisiert wie heute?
Golega: Nein. Am Anfang sind wir herumgefahren und haben Filme gesucht, etwa bei der Kurzfilmagentur in Hamburg. Wir haben gesammelt und dann ein Programm zusammengestellt. Heute läuft es umgekehrt: Die Filmschaffenden schicken uns ihre Arbeiten. Dieses Jahr waren es 423 Einreichungen.
Wow, starke Resonanz!
Golega: Irgendwann mussten wir stoppen. Rund 50 Filme schaffen es ins Programm.
Sauermann. Und es gibt ab und an auch Einreichungen, bei denen das Publikum froh sein kann, dass wir sie dann doch nicht zeigen.
Wie steht es generell um den Kurzfilm?
Golega: Ich habe das Gefühl, er bekommt wieder mehr Beachtung. Arte zeigt Kurzfilme, Kinos fragen bei uns an, ob sie Vorfilme zeigen können. Kurzfilme können in kurzer Zeit viel bewegen.
Braucht ein Kurzfilm immer die Pointe, eine Schluss-Überraschung?
Sauermann: Ganz unterschiedlich. Manche setzen früh eine Wendung, andere am Ende, manche gar nicht. Es gibt ganz ruhige Filme, die einfach ein Thema erzählen.
Golega: Einer meiner Favoriten dieses Jahr zeigt vier Menschen, die nachts Tankstellen in Mexiko anfahren. Es passiert nichts – und man ist am Ende völlig entspannt.
Sie vergeben ja auch tatsächlich einen „Bunten Hund“.
Sauermann: Unseren „Hasso“.
Und der sieht auch tatsächlich recht putzig aus. Alles Augenzwinkern, oder wie wichtig ist denn, dass es auch wirklich Wettbewerbscharakter hat?
Golega: Sehr wichtig. Es gibt einen Publikumspreis, dotiert mit 500 Euro. Für Filmschaffende zählt, in Competitions zu laufen. Ohne Wettbewerb würden wir manche Filme gar nicht bekommen.
Oft richtig wild wird es ja allerdings auch in den besonderen Reihen, die außerhalb des Wettbewerbs laufen?
Golega: Ja, etwa „Trash und Sonderbares“. Da kann es schon mal Splatter geben oder sehr laute, extreme Filme. Wir schreiben das auch so aus. Das Publikum weiß, worauf es sich einlässt. Kann schon mal passieren, dass bei uns dann auch Köpfe rollen.
Was ist zum 25. Festival besonders?
Sauermann: Wir zeigen zwei Sonderprogramme mit Gewinnerfilmen vergangener Jahre, worauf wir besonders stolz sind. Es wird ein tolles Best-of. Die Rechte zu klären war viel Arbeit, aber es lohnt sich.
Wenn Sie zurückblicken: Es gab doch ab und an auch ziemlich prominente Namen, die schon beim „Bunten Hund“ dabei waren?
Golega: Na klar. Florian Henckel von Donnersmarck lief bei uns mit seinem Hochschulfilm „Dobermann“.
Sauermann: Auch Tom Tykwer oder Markus Rosenmüller waren vertreten. Da sieht man: klein angefangen, später große Karriere.
Zum Schluss: Wenn es den „Bunten Hund“ wirklich gäbe – was wäre das für einer?
Sauermann: Weiß gar nicht, ein Pudel vielleicht?
Golega: Ich habe immer einen Dackel im Kopf. „Bunter Hund“ ist ja doppeldeutig – gesellig, unterwegs in der Stadt. Früher hatten wir als Logo eine Maggi-Flasche mit dem Motto „In der Kürze liegt die Würze“. Irgendwann kam dann der Hund. Die Filme sind ja auch bunt gemischt, keiner wie der andere.
Filmfans mit großen Herzen: STEPHAN GOLEGA und MARKUS SAUERMANN organisieren als Teil eines ehrenamtlichen Teams von Kinobegeisterten das alljährliche Kurzfilmfestival Bunter Hund, das von 19. bis 22. März wieder einmal das Werkstattkino zu einem Ausgangspunkt für Reisen in andere Welten macht. Und jede Fan-Stimme zählt: Zum Schluss wird der mit 500 Euro dotierte Publikumspreis „Hasso“ verliehen. www.kurzfilmfest-muenchen.de
