Two people kiss in a dim, crowded club; close-up of their faces.

Der Filmtipp: „KitKatClub – Kinks of Berlin“ von Philipp Fussenegger

Die Nacht kennt keine SchamTobias Brenninger über „KitKatClub – Kinks of Berlin“ von Philipp Fussenegger. Ab 10. September im Kino.

Was wäre ein Club ohne die Menschen, die ihn zu dem machen, was er ist? Genau davon erzählt „KitKatClub – Kinks of Berlin“. Nicht der legendäre Berliner Fetisch-Club steht im Mittelpunkt, sondern die Menschen, die ihn Nacht für Nacht mit Leben füllen. Sie suchen dort nach Freiheit, Exzess, Nähe und ihrem Platz im Leben. Da ist Tim, der als Drag-Künstler Raven Van Krueger durchstarten will, Elisa, die neue Seiten ihrer Sexualität entdeckt, ein BDSM-Paar und ein Dog-Play-Duo. Und auch Simon Thaur, Mitgründer des KitKatClubs, kommt zu Wort – teilweise wie aus der Zeit gefallen und gleichzeitig als Vertreter jener Generation, die das Fundament dieses ikonischen Ortes gelegt hat.

Regisseur Philipp Fussenegger, der sich bereits mit Teaches of Peaches der queeren Subkultur widmete, feierte mit dem Film 2026 Weltpremiere beim Thessaloniki International Documentary Festival und gewann beim Porn Film Festival Vienna den Preis als „Bester Dokumentarfilm“.

Der Film beginnt unmittelbar mit dem Fertigmachen für die Nacht. Outfits werden zusammengestellt, Körper inszeniert, Party-Personas angenommen. Ein Ritual, das beim KitKat mit seinem Dresscode besondere Bedeutung bekommt. Dann verschwimmen die Welten: Sex, Musik und Rausch treffen auf Familie, Job und Arbeitsamt. Alltag am Tag, High Life bei Nacht. Auch visuell lebt die Doku von Gegensätzen: Die extravaganten Menschen der Szene werden konsequent in Schwarz-Weiß gezeigt, die Kamera bleibt reduziert, musikalische Untermalung fehlt weitgehend. Das wirkt fast nüchtern – selbst wenn das Gezeigte alles andere als das ist.

Momentaufnahmen von Menschen auf der Suche

Der Film ist explizit: Sex, Drogenkonsum und Abstürze werden offen gezeigt, in manchen Gesichtern sind die Spuren jahrelanger Partynächte zu erkennen. Die Doku romantisiert dieses Leben nicht und zeigt gleichzeitig, warum Orte wie das „Kitty“ für die queere und sexpositive Community so wichtig sind. Sexuelle Freiheit und klare Grenzen ziehen sich als Spannungsfeld durch den Film: Sich fallen zu lassen bedeutet eben nicht, keine Grenzen zu haben – vielmehr sie zu kennen und zu kommunizieren. Eine klassische Dramaturgie in der Doku gibt es kaum. Der Film endet so unvermittelt, wie er beginnt. Es bleiben Momentaufnahmen von Menschen auf der Suche nach der nächsten Nacht, der nächsten Begegnung, der nächsten Ekstase. Vielleicht geht es am Ende gar nicht so sehr um Sex, Fetisch oder das KitKat, sondern um Zugehörigkeit.  

Wer selbst Teil dieser Szene ist, wird sich darin an manchen Stellen wiedererkennen und vielleicht auch ein bisschen ertappt fühlen. Gerade darin liegt die Stärke dieses schonungslosen und intimen Blicks hinter die Türen des KitKatClubs.