Smiling woman in a purple blouse sits on a stage wheelchair visible, blurred screen behind her shows people at a pool party.

Der Filmtipp: „Was haben wir gelacht“ von Eva Müller & Isabel Schneider

Witzischkeit kennt keine Grenzen…“ Margret Köhler über „Was haben wir gelacht“ von Eva Müller & Isabel Schneider. Ab 16. Juli im Kino.

Was haben die Zeitschrift „Emma“, eine Flasche Eierlikör, ein Klo und die Moderatorin Bettina Böttinger gemeinsam? Augenzwinkernd zeigt Night-Talker Harald Schmidt eine Collage mit vier Bildern und konstatiert  grinsend, sowas „würde kein Mann anfassen“. Herzhafte Lacher im Publikum und deutschen Wohnzimmern waren ihm sicher. Einfach zum Fremdschämen, was man(n) sich  auf Kosten der Frauen in Unterhaltungssendungen der 90er und 00er Jahre erlaubte. Eva Müller und Isabel Schneider wühlten sich durch Formate wie „B.trifft…“, „RTL Samstag Nacht“, „Weiber von Sinnen“, „Nachtschwester Kroymann“ oder auch „Herzblatt“ und entlarven  aus weiblicher Perspektive TV-Humor als Macho-Domäne, in der intelligente und dazu noch witzige Frauen als gefährlich galten. Das Resultat ist kein sauertöpfisches Tribunal, sondern ein sensibles Erinnern und Erkennen. Entertainerinnen wie Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Esther Schweins blicken zurück auf ihr frühes Schaffen in der Hochzeit männlicher Zotenkönige und Respektlosigkeit. Hübsch und jung sollten die Damen sein, die als Accessoire Hintern wackelnd und lächelnd über die Bühne tippelten. Aber wehe sie verlangten mehr! Da wurde Maren Kroymann gemahnt „Halt die Klappe, sing lieber“. Und  startete ihre erfolgreiche Karriere als Kabarettistin mit parodistischen Songs. Von Sinnen wurde bei Karnevalsitzungen ausgebuht, weil sie keine miesen Witze über Frauen machen wollte.

Anzüglichkeiten und Stammtischknaller

Diese großartige und gruselige Zeitreise in die grotesken Untiefen öffentlicher Anzüglichkeiten, Kalauer über sexuelle Belästigung  und Stammtischknaller („Ich bremse auch bei Tieren und Frauen“) macht fassungslos. Als Dieter Bohlen seine damalige Frau Verona Feldbusch verprügelte, kommentierte Rudi Carrell 1996 bei „7 Tage, 7 Köpfe“  lapidar „sein Schlagzeug“ liege nun im Krankenhaus und Karl Dall fand es gar „sehr harmlos, was der Dieter gemacht hat, der wohnt ja in Tötensen“. Tja, nach unten gab´s wohl keine Grenze. Wenn Thomas Gottschalk in „Wetten, dass…?“ ungeniert fremde Lippen küsst, an jedem erreichbaren Knie herumtätschelt und sinniert, Alter zeige sich wohl, „wenn man ohne Brille keinen BH mehr aufkriegt“, bleibt nur Kopfschütteln. Was die Archive preisgeben, ist haarsträubend und zum Weinen. „Was haben wir nur ausgehalten?“ fragen sich die Protagonistinnen und erzählen von Sexismus, Häme, Queer- und Frauenfeindlichkeit, aber auch darüber, wie sie – oft schlechten Gewissens  – mitgelacht haben,  zu spät Humor als Machtfaktor erkannten. Sie sind zu bewundern, für ihren Mut und ihre Beharrlichkeit, weibliche Sichtbarkeit zu erkämpfen, von der wir heute profitieren. Ihr Fazit: „Nur wer sich in dieser Gesellschaft wehrt, geht nicht unter“. Die Machtfrage in der Show-Welt ist trotz Fortschritten noch nicht gelöst. So warnt Hella von Sinnen vor einem „massiven Backlash“. Da heißt es aufpassen und die Krallen rausfahren.