Gastro-Kritik

Restaurant Rumi: Safran statt Taliban

Das afghanische Restaurant Rumi im Lehel

Mit dem afghanischen Restaurant Rumi in der Dianastraße im Lehel ist München um eine gelungene kulinarische Horizonterweiterung reicher.

„Afghan Fine Dining“ steht als Namenszusatz auf Website und Karte und fürwahr, das am westlichen Isarufer gelegene Lokal, passt allein schon optisch bestens ins Viertel. Im Lehel steht man nicht so auf flippiges und buntes Interieur und trotz dezenter Folklore, verströmt das Rumi eine seriöse Eleganz, die sich in gedeckten Erdtönen manifestiert, zugleich sind diese eine Hommage an die Landschaft der Heimat, die man leider immer noch meist mit Taliban und Krieg assoziiert.

Benannt ist das Lokal nach dem bedeutenden islamischen Dichter und Mystiker Maulana Dschellaleddin Rumi. Kleine Geschichtsstunde: Rumi wurde 1207 in Balkh in Afghanistan geboren, als Kind migrierte er mit seiner Familie über die Seidenstraße nach Konya in der Türkei. Er war Gründer des „Ordens der tanzenden Derwische“, dessen Werke lehren, wie man den Sinn des Lebens, einen inneren Frieden und Glückseligkeit erreichen kann.

Als Brückenbauer zwischen den Religionen hebt Rumi die Gemeinsamkeiten zwischen Christen, Juden und Muslimen hervor. Schade, dass in heutiger Zeit eher den Fanatikern statt den Brückenbauern Gehör geschenkt wird. So, nun aber Schluss mit Geschichte, jetzt ist „Afghan Fine Dining“ dran.

Kürbis zum Reinlegen

Wer die in München angebotene afghanische Küche bereits kennt, wird hier einiges wiederfinden, was er in den verschiedenen „Lemar“- und „Chopan“-Lokalen schon probiert hat. Obwohl die Betreiben des Rumi nicht aus dieser Gastrofamilie stammen – ein ehemaliger Koch des Chopan hat hier in der Küche das Sagen.

Deshalb gleich mal die Probe aufs Exempel mit einer der besten orientalischen Vorspeisen: Borani Kadoo, das ist gebratener, süß-pikant marinierter Kürbis, der auf Quark serviert wird. Unproblematisch haben wir vom freundlichen Mann im Service unsere halbe Portion (da wir das Gericht schon kannten) mit Borani Badenjan ergänzen lassen, das ist gebratene Aubergine in einer pikanten Tomatensoße ebenfalls auf Quark (7 Euro).

Wunderbar angerichtet erfüllten beide Gerichte alle Erwartungen, das dazu gereichte Fladenbrot – ein Gedicht. Im Grunde könnte man auch nur Vorspeisen wie diverse Pekaure, verschiedene mit Kartoffeln, Gemüse oder Hühnchen gefüllten Teigtaschen oder Salate wie Anjir mit Feigen, Mozzarella, Walnüssen, Rucola und Avocadocreme weiteressen.

Reis zum Niederknien

Als Hauptspeisen gibt es Lamm, Huhn und vegetarische Gerichte, wobei sich die Fleischgerichte aufteilen in geschmort und gekocht oder vom Lavasteigrill. Letztere sind ein Klassiker im Nahen Osten und unterscheiden sich eigentlich nur aufgrund der Marinade und Beilagen.

Interessanter sind die Palau- und Tschalau-Variationen wie zum Beispiel Safran Tschalau ba Morgh, das ist Hühnchenfleisch (am Knochen und nicht die oft trockene Hühnerbrust) in einer pikanten Safransoße mit Linsen, dazu gibt es gebackenen Basmatireis mit Kreuzkümmel (€ 16). Das Fleisch fällt zart und weich vom Bein, die Soße äußerst gelungen, der Reis – wie immer beim Afghanen – ist ein köstliches Gericht für sich.

Basierend auf der königlichen persischen Reis-Zubereitung werden die Körner unter Zugabe von Flüssigkeit auch hier im Ofen gebacken. Dabei werden unter anderem Kräuter, Gewürze, Mandeln, Pistazien, Rosinen und Bitterorangenschale untergemischt. Auch bei Samarod Palau pa Gosht (€ 15) wurde der Reis zusammen mit Spinat und Lammfleisch (ebenfalls am Knochen aber leider von der Menge her sehr überschaubar) im Ofen gebacken, dazu gab es Auberginen in dicker, würziger Tomatensoße, ähnlich der Vorspeise, trotzdem etwas anders gewürzt. Zu freien Auswahl als Beilagen stehen auch Spinat nach afghanischer Art und Kartoffeln in pikanter Soße.

Fazit: Die afghanische Küche mag (zumindest in München) nicht besonders abwechslungsreich sein, aber jedes Gericht für sich schickt den Genießer auf eine kulinarische Orientreise, bei der es viel zu entdecken gibt. Schade, dass man wahrscheinlich noch Jahre warten muss, um diese Entdeckungsreisen wieder vor Ort durchführen zu können. Bis dahin kann man im Rumi bei gelungener Küche und nettem Service davon träumen.

Autor: Rainer Germann

Rumi, Dianastr. 1, 80538 München
Mo-Fr: 11-14:30/17.30-23 Uhr Sa, So und Feiertage von 17:30 -23 Uhr, Tel.: 089 244 015 41
www.rumi-restaurant.de

Mehr zum Thema

Auch interessant

Gastro-Kritik

Süßmund: Heimat auf die Löffel

Süßmund: Heimat auf die Löffel

Gastro-News

DASLUX42: Visuelle Kulinarik im Pop-up-Restaurant

DASLUX42: Visuelle Kulinarik im Pop-up-Restaurant

Gastro-Kritik

Lax Bar: Der König der Fische

Lax Bar: Der König der Fische

Gastro-Event

The Lovelace: Cookies Cream

The Lovelace: Cookies Cream