19:00 Uhr
JUGENDKIRCHE, Preysingstr. 85, 81667
München
Klassik
Von der Herrlichkeit und den Abgründen
Wie klingt ein Lob auf Gottes Schöpfung aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges? Und wie wurde der Trauer über den Tod des Kaisers Maximilians I. im Gesang Ausdruck verliehen? Das Vokalensemble 1600 unter der Leitung von Christoph Garbe zeigt den Facettenreichtum der geistlichen Musik der Renaissance und des Frühbarock, a capella und mit Begleitung durch den Lautenisten Helmut Weigl.
Die Komponisten unseres Konzertprogramms lebten – mit Ausnahme Arvo Pärts – von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts. Inmitten von Seuchen, Tod und Krieg einerseits und aufstrebendem Humanismus und wissenschaftlicher und künstlerischer Blüte andererseits schufen sie zeitlose Werke, die die Tiefe der menschlichen Erfahrung ausloten.
Die Trauermotette Quis dabit oculis auf den Tod Kaiser Maximilians I. war keine Neuschöpfung Ludwig Senfls (1486 – 1542), sondern er adaptierte eine ältere Motette des italienischen Komponisten Costanzo Festa (c.1490 – 1545). Der Grund dafür mag einerseits darin liegen, dass Maximilian überraschend starb. Ausschlaggebend dürften aber die musikalischen Verhältnisse gewesen sein: Aus finanziellen Gründen, aber auch wegen seiner ständig wechselnden Residenzen – die Hofkapelle musste den Herrscher immer begleiten – war die Zusammensetzung der Hofmusikkapelle nicht so stabil.
Zum Tod des spanischen Monarchen Philipp II., einem Urenkel Kaiser Maximilians, komponierte Alonso Lobo (1555 – 1617) Versa est in luctum, wobei er ein Klagelied aus dem Buch Hiob vertonte.
Wenige Jahre nach Beginn des Dreißigjährigen Krieges veröffentlichte Johann Hermann Schein (1586-1630) seine Motettensammlung Israelsbrünnlein. Das Ende dieses Krieges erlebte der Thomaskantor nicht mehr. Sein Zeitgenosse und Freund Heinrich Schütz (1585 – 1672) war Kapellmeister am sächsischen Hof und beklagte, dass „die löbliche Music von den anhaltenden gefährlichen Kriegs-Läufften in unserm lieben Vater-Lande Teutscher Nation nicht allein in grosses Abnehmen gerathen, sondern an manchem Ort gantz niedergeleget worden“. Er veröffentlichte seine Geistliche Chormusik als Beitrag zum Friedensjahr, dem Jahr 1648, und widmete sie zum ersten Mal bürgerlichen Adressaten – dem Bürgermeister, den Ratsleuten und dem Chor der Stadt Leipzig – „den einfachensingenden und betenden Menschen im Lande“. Das Triodion, eine liturgische Sammlung der orthodoxen Kirche, wurde etwa im 8./9. Jahrhundert zusammengestellt. Arvo Pärt (*1935) unterstreicht in seiner Komposition Triodion sowohl die Gliederung der drei Oden.
Diese und weitere Kompositionen von Josquin Desprez, Tomás Luis de Victoria und Melchior Franck erzählen von der Herrlichkeit und den Abgründen.
Als roter Faden ziehen sich Teile der Missa brevis von Giovanni Pierluigi da Palestrina (1525 – 1594) durch das Programm. Im Kyrie eleison wird um Gottes Erbarmen gebeten, im Agnus Dei um Frieden für uns.
Unser Plakatmotiv, Peacock and Dragon von William Morris, stammt aus der Zeit um das Jahr 1878. Morris bediente sich häufig Motiven des Mittelalters und der Mythologie. Passend zu unserem Konzerttitel stürzen sich hier Drachen in den Abgrund, während Pfauen, in der christlichen Tradition Symbol für die Auferstehung Jesu, ihre Köpfe Richtung Himmel wenden. (Plakatgestaltung: yyeess.de)
Im Münchner Vokalensemble 1600 finden Sängerinnen und Sänger zusammen, um sich der Vokalpolyphonie der Renaissance und der Musik des Frühbarock zu widmen. Konzerte und Auftritte bei kirchlichen und weltlichen Feiern führten das Vokalensemble 1600 nach Berlin, Wien und Venedig. Dirigent Christoph Garbe absolvierte sein Musikstudium am Richard-Strauss- Konservatorium München und an der Zürcher Hochschule der Künste. Er unterrichtet junge Musikerinnen und Musiker an der Berufsfachschule für Musik in Krumbach in Dirigieren, Chorsingen, Chorleitung, Partiturspiel und Klavier. Als Solist und Ensemblemitglied singt er in unterschiedlichen Projekten, z.B. in der capella cathedralis im Dom Zu Unserer Lieben Frau in München. Seit vielen Jahren leitet er verschiedene Chöre im Bereich der klassischen und zeitgenössischen Musik, vom A-cappella-Repertoire
bis hin zum Oratorium.
Helmut Weigl konzertiert zum wiederholten Male mit dem Vokalensemble 1600 und bringt sich durch Continuospiel und Instrumentalsoli auf Erzlaute und Chitarrone in historischer Aufführungspraxis ein. Das diesjährige Programm kombiniert Musik von vor und nach der „Zeitenwende 1600“, die dem Ensemble seinen Namen gab, und stellt ihr mit Pärts Komposition einen Zeitsprung in das 21. Jh. gegenüber.
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JUGENDKIRCHE
Adresse: Preysingstr. 85,
81667 München
