19:00 Uhr – 21:00 Uhr
Bayerische Ostgesellschaft, Am Lilienberg 5, 81669
München
Literatur
Rosemarie Tietze: Roman „Getäuscht“ von Juri Felsen
Wiederentdeckung und Erstübersetzung aus dem Russischen ins Deutsche
Paris galt in den 20ern und 30ern als Zentrum der Weltkultur, zugleich bot die Stadt der russischen Exilkultur die wichtigste Bühne im Westen. Nikolai Freudenstein (geb. 1894 in einer Petersburger jüdischen Familie) brachte unter dem Pseudonym Juri Felsen 1930 in Paris seinen ersten Roman heraus: „Getäuscht“. Der junge Autor kannte sich aus in der damaligen literarischen Moderne, schon sein Erstlingswerk sorgte für Furore und verschaffte ihm den Ruf, ein „Proustianer“ zu sein. Der älteren, eher der Tradition zugeneigten Emigrantengeneration schien so viel Avantgarde nicht recht geheuer, und so begleiteten Felsen, dessen Stimme im Pariser russischen Literaturleben damals unüberhörbar war, oft heftige Diskussionen. Als Frankreich 1940 besetzt wurde, musste Felsen untertauchen; beim Versuch, die Schweizer Grenze zu überqueren, fasste ihn eine deutsche Patrouille, und Anfang 1943 wurde Felsen in Auschwitz ermordet.
Felsens Werke blieben nach dem Krieg lange vergessen, erst 2012 kam in Moskau eine zweibändige Gesamtausgabe heraus. Mit Rosemarie Tietzes deutscher Übersetzung von „Getäuscht“, die 2025 bei Kiepenheuer & Witsch erschien, liegt nun ein erstes Werk von Felsen auf Deutsch vor. Der Roman fand viel Resonanz bei der hiesigen Kritik; Denis Scheck nannte ihn einen „Sensationsfund“.
Juri Felsen, Getäuscht,Übersetzt und kommentiert von Rosemarie Tietze, ISBN 978-3-462-00631-5
(Text: Veranstaltende)
Termine
Eintritt frei
Veranstaltungsort / Karte
Bayerische Ostgesellschaft
Adresse: Am Lilienberg 5,
81669 München
